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letzter Blog aus Broome, 06.09.10

Broome, 21.08.10


Jeden Tag bediene ich viele Deutsche (und neuerdings auch Österreicher, die an ihrem noch schlimmeren Akzent zu erkennen sind) im Shady Lane Cafe, und immer mehr wird mir bewusst, was für ein ideales Reiseziel Australien doch für uns ist.


Man kann kaum weiter von daheim weg sein als hier, am anderen Ende der Welt. Dennoch genießt man den gewohnten europäischen Lebensstandard, ein hohes Maß an Sicherheit, und die Weltsprache Englisch, die ja eigentlich jedem geläufig ist.


Okay, fast jedem..


Manchmal wird nämlich aus:

"Hello, can I please have the turkey wrap with the large garden salad?"


ein deutsches:

"Helloh, kenn ei pließ häf se törki wräbb wiff se goarden säläd?" ,


und ich kann es beim besten Willen nicht lustig finden.


Keine Ahnung wieso - alle anderen Akzente gefallen mir eigentlich sehr gut.

Italienisch: Allo, käne-e ei-e pließ-e häv-e ... una... wrapp, with di pollo.. prego, thank you, ciao.


Französisch. 'ello, is it possibol tu get a.. sondw'ich, pließ-'ö ..


Abgesehen von Sprache, Standards und kultureller Vielfalt ist ein weiteres Argument, das für eine Reise nach Australien spricht, natürlich das Wetter.


Ich frage mich also im Rückblick auf die letzten 10 Monate, ob Australien überhaupt eine Herausforderung war, oder mehr wie der Übungs-Sandkasten, bevor man auf den richtig großen Spielplatz darf.

Ein anderes Land muss her!

Da Australien aber das einzige Land ist, das gleichzeitig auch ein Kontinent ist, und man sich irgendwo ja steigern muss, müsste als neues Reiseziel ein Kontinent her, auf dem andere Lebensbedingungen herrschen, anderes Klima, Sprache, und vielleicht zur Abwechslung mal:

keine Sicherheit.


Wie wärs mit Südamerika. Oder Afrika. Wenn man es schafft, als backpacker zwischen den Fronten eines Bürgerkriegs zu überleben, kann einen ja wohl nichts mehr umhauen.


Gemütlich und halbwegs in Ordnung wären noch die USA, aber die sind mein allerletztes Reiseziel, das habe ich mir geschworen.

(Kleiner Scherz übrigens das mit dem Bürgerkrieg, aber es scheint unter manchen Reisenden wirklich eine Art Wettlauf zu herrschen, wer schon am meisten von der Welt gesehen hat. Krass, du hattest NOCH mehr Spaß als ich, du Hund du blöder ! )


Nix da - nach hause fahren ist auch nicht schlecht. Auch habe ich hier und da das Gefühl, dass ab einem gewissen Grad auch das multikulturelle nicht so sehr mein Fall ist.

Was die einen dürfen, dürfen die anderen nicht. Was die einen als höflich empfinden, ist bei den anderen wüste Beleidigung.

Nicht dass ich mich jemals angegriffen gefühlt hätte - aber es ist echt nicht leicht, es allen gleichzeitig Recht zu machen.


Die 3 Koreaner und 2 Bangladeshis, mit denen wir wohnen, sind da ein gutes Beispiel.

Situation 1: Die Koreaner kochen, und laden uns ein, mit ihnen zu essen. Nach koreanischer Tradition muss man beim Essen schlürfen und schmatzen, um zu zeigen wie gut es einem schmeckt. Auch permanentes Schniefen mit der Nase ist erwünscht - dies zeigt, dass das Essen ausreichend gewürzt ist.

(Auf gut Deutsch: zu scharf.)


Da sitzt man dann angeekelt, schlürf rotz schmatz, und isst Kim-Chi.

Kim bedeutet Seegras. Das tun die überall rein.


Momentan ist auch noch Ramadan. Was bedeutet das? Wenn die Bangladeshis (Moslems, ich helf nochmal) in aller Herrgottsfrühe um 19.30 Uhr aufstehen, wird gekocht und geschlemmt.

(Erinnerung - sie sind Bäcker, arbeiten deshalb nachts und schlafen am Tage. Außerdem darf man während Ramadan als Moslem von Sonnenauf- bis Untergang nichts zu sich nehmen. Falls es jemandem grad nicht einfällt.).


Das alles ist eine ganz schöne Strapaze, vor allem bei dieser Hitze, trinken dürfen sie ja auch nicht. Als Strapaze ist es vielleicht irgendwo gedacht - man bringt ein Opfer für den Glauben.


Mohamad hat es halt gleich ganz schlau gemacht und sich in der Arbeit krank gemeldet.


Nun haben zuvor die Koreaner ein Schweinenackensteak im Kühlschrank verstaut, und zwar mitten im dem Fach, das eigentlich die Bangladeshis beschlagnahmt hatten.

Es wurde ein mittelgroßer Aufwand betrieben, um das Schwein, oder dessen verbotenes Krägelchen, woanders hin zu befördern. Auch die Packung war also nicht ganz 'kosher'.

Oder Hallal, wie man diese Regeln nennt, soviel ich weiß.

Wir wollen hier keine muslimischen und jüdischen Begriffe durcheinander bringen!!!

Vielleicht muss ich auch mein Hommus verstecken.


Wer weiß, wen es beleidigt, wenn ich im Bikini durchs ganze Haus laufe, weil ich eigentlich nur schnell zum Strand wollte aber noch lauter Sachen drinnen vergessen hab...

Das einzige Mädchen in einem Haus mit 6 Männern!!!!


Skurrile Roben haben wir auch. So wie manche daheim mal im Bademantel rumlaufen, hat Abu, der eine Bangladeshi, nach dem Aufstehen immer so eine Art Wickelrock an.

Nur dass es nicht unten offen ist wie ein richtiger Rock, sondern auch zwischen den Beinen durchgewickelt.

Besser kann man es sich vielleicht vorstellen, wenn man an die komische Naturwindel von Mogli aus dem Dschungelbuch denkt...


Wieso fällt mir grade jetzt Abus Unterhose ein?

Weil nämlich -


Gerade vorher stehe ich in der Küche und rühre in meinem Abendessen. Neben mir John und Allo, die zwei jungen Koreaner, und schnippeln Gemüse. Da meint John:

Vera, look! The people outside! What religion is this?

Ich lehn mich rüber, um aus dem Küchenfenster zu blicken, und sehe zwei Männer, ganz in weiß, Jesuslatschen, und weiße Hütchen.

Hm, müssten Muslime sein, sag ich.


Prompt klopft es fünf Minuten später an die Tür. Allo geht, um zu schauen wer da ist. Im selben Moment habe ich, mein Abendessen schon auf dem Teller, mich schon am Küchentisch hingesetzt und mampfe drauflos.

Allo öffnet die Tür, kurzes blah blah blah, und schon guckt ein Kopf mit viel Bart und weißer Haube herein.


Hey, how are you going?, sagt der Bart an Allos Bauch vorbei zu mir.


Aha, denk ich. Australier. Alles cool.

Not too bad, yourself? Come in, mate.


Höflich lässt der Bärtige im Leinenkleid seine Jesuslatschen vor der Tür stehen, hebt das Kleidchen ein wenig, und tritt ein.

Kaum ist er drin, kommen ein zweiter und ein dritter. Alle halten sie das Röcklein gerafft, um nicht drüber zu stolpern.


Etwas unangenehm ist mir das Ganze, weil wir es hier wohl mit traditionstreuen Mohammedanern zu tun haben, und ich sitze da, weder mein Haar noch meine Beine sind irgendwie bedeckt...Mini-Strandrock, Trägertop, offene Haare...

wer weiß was die alles nicht sehen dürfen :-)


Aber stopp, ICH wohne hier, nicht die.

Abu kommt auch schon aus seinem Zimmer, in der Unterhose.

Irgendwie scheinen diese vier lustigen Menschen einige Quadratmeter Leintuch an sich zu tragen, genug um drei Bettlaken zu nähen.

Es bleibt die Frage offen, ob die Bärtigen unter dem ganzen Wirrwarr auch noch so eine mords Unterhose tragen wie Abu, oder ob sie drunter einfach nackt sind.

Egal welche Variante, solcherlei Bekleidung sieht man selten hier.


Das andere Extrem zeigt sich an Frauen, die einen Tick zu viel emanzipiert sind, wo also die Selbstreflexion und -kritik schon verlernt wurden. Um die Ecke vom Shady Lane Cafe gibt es einen Kosmetiker, oder Beauty Salon, oder wie man es nennt.

Beauty Affair nennt sich der Laden. Man kann sich dort jede Stelle des Körpers, die möglicherweise behaart sein könnte, eplieren, rasieren, wachsen lassen, ebenso die Augenbrauen und Nasenhaare stutzen, die Wimpern und Fingernägel verlängern, und noch vieles mehr machen lassen, Maniküre, Pediküre...

Reine Haut, gesundes Aussehen, gepflegt und stilvoll - das kriegt man da angeblich.


Auffällig ist, dass keine einzige der Frauen, die dort arbeiten, in irgendeiner Weise attraktiv ist.

Jen, die Besitzerin, hat ungepflegtes, langes, dünnes Haar, Pickel und Warzen, eine Hakennase, mehrere Schichten Doppelkinn, und der Rest von ihrem Körper passt dazu wunderbar. Riesige Brüste liegen auf einem noch riesigeren Bauch, und so weiter und so fort - bis ganz nach unten zu den Füßen ist der ganzen Person anzusehen, dass sie sich keine Mühe gibt, ihren Körper in Form zu halten.

Das wäre mir ja jetzt total wurscht, denn: suum cuique.

oder: Jedem das Seine.

Aber leider scheint sie selbst ihre Figur für tadellos zu halten, denn außer einem hautengen T-Shirt, das nahtlos in hautenge Leggins (!) übergeht, und kleinen Sandalen, trägt sie nichts. Keine weite Jacke, keinen Rock, nichts.

Die vertikale Naht der Leggins, die zu allem Überfluss meist auch stark noch zu einer Seite hin verschoben ist (obwohl man nicht weiß, wo eine Arschbacke anfängt und die nächste aufhört) streckt sich unter der Last, jeden Moment könnte sie reißen.


Obwohl das Gummihöschen an sich schwarz ist, erscheinen die Nähte weißlich, vom Gummi, der definitiv überdehnt wird.

Der obere Bund der Leggins (ich weiß nicht genau wie man Leggins schreibt..) ist leider NOCH enger als der Rest, und so teilt er Jens Wampe unerbittlich in zwei Teile.


Das Doppelkinn mit eingerechnet, wird das Auge des Betrachters somit von vier Wülsten an Jens Frontseite regelrecht erschlagen.


Wenngleich Inhaberin eines Schönheitssalons, ist sie doch der lebende Beweis dafür, dass nicht einmal professionelles Wissen über das menschliche Ästhetikempfinden vor schlechtem Geschmack retten können.


Maxi, meine Chefin, sagt immer, dass man Schönheit nicht aufpinseln kann, und die Mädels von Beauty Affair das anscheinend nicht wissen.

Wenn Jen nämlich ins Cafe kommt, um ihr Mittagessen abzuholen -

ein gebratenes Fischfilet auf Pommes und Salat -

reißt sie es Maxi schon an der Kasse aus der Hand, öffnet die Box, und klaubt mit ihren künstlichen, mega langen Fingernägeln große fettige Fischstücke heraus, um sie sich sofort gierig in den Mund zu stopfen. Make-Up, Lippenstift, Nägel, Schmuck - alles da, aber die Frau sieht aus wie ein Schwein!


oink oink.

Eigentlich eine echt gute Vorstellung. Oink oink, grunz, wo ist mein Komposthaufen, oink?


Genug, ich lästere zu viel über arme, alte ("reife" Damen!


Gehen wir deshalb zu ihrer Tochter über.

Die hat offensichtlich eine geistige sowie körperliche leichte Behinderung, man merkt es an Sprache und Physiognomie.

Nett ist sie, aber auch zu ihr passen die Leggins und das enge T Shirt leider gar nicht.

Ebenso lassen sich schon Figurverformungen wie bei ihrer Mutter erahnen.

Mit den sehr kurzen Haaren (viele verschiedenfarbige Strähnchen) und der Silhuette einer Papaya, außerdem der etwas plumpen Ausdrucksweise, hat sie etwas grobes, männliches an sich.

Am Ende der vorderen und hinteren Extremitäten (auf Humanbiologie: Arme und Beine) finden sich aber immer die perfekt lackierten Nägel. Feminin.

Insgesamt könnte man sie ablichten und die Fotos an die BILD verkaufen.

Armer Karlsson vom Dach - völlig abgestürzt nach Geschlechtsumwandlung.



Das Arbeiten im Cafe hab ich langsam wirklich über. Daran liegt es wohl, dass ich den Frust an den armen Ladies von Beauty Affair auslasse. Alle meine 3 Jobs, die ich hier habe/hatte, waren nur Bar&Cafe Arbeit. In guten Wochen bedeutet das 50 Stunden face-to-face Kundenservice.

Autsch.


Schon bald ist es aber vorbei - es gibt ein Ende auf das man hinarbeiten kann.

Das nächste wird vielleicht die Rente sein, *hüstel* .

Wenn mir bei einer späten Autofahrt durch die einsamen Straßen Brooms die erfrischende Nachtluft das rechte Ohr kühlt (Lenkrad ist rechts...), fühlt es sich an als wäre ich schon ein Fremder hier. So als sei die Stadt beleidigt, weil ich weggehe, und würde sich deshalb von mir abwenden. Ganz distanziert bin ich schon von allem.

Ich muss in der Luft schwebend ausharren. Keine Bindung ist akzeptabel. Sonst wird der Abschied zu schwer.

Pff, blöde Stadt. Ich brauch dich gar nicht. Hab nur so getan als wärst du mein zuhause.


Schwieriger wird es mit dem Meer.

Wenn Steven und ich am Strand liegen, sind wir immer wieder erstaunt.

Wie gut ist dieses Meer! Schau mal wie das Meer heute strahlt.

Und wie ruhig es da liegt.

Liebes Meer.


Es schmeckt auch gut. Und die Wellen sprudeln um einen herum, und über dich hinweg, wie eine riesengroße lebendige Waschmaschine.

Das Meer lebt! Und vor lauter Freude klatscht es dir ein Stück Seegras ins Gesicht.

(Eigentlich fast Kim Chi : Seegras in Suppe )


Schon kommt der Frühling, von Tag zu Tag wird es heißer. Bald kommen die giftigen Quallen zurück, man sollte dann nicht mehr im Meer schwimmen gehen, sonst könnte man gestochen werden.

Schlagwort: unsägliche Höllenqualen.


So tröste ich mich darüber hinweg, den nächsten Sommer nicht hier verbringen zu können.


Broome 01.09.10


Noch eine gute Woche sind wir hier, und sentimentale Abschiedsgedanken kommen momentan nicht wirklich auf. Es scheint eher so, als würden wir hochkant mit Arschtritt und doppeltem Rittberger aus dem Kimberley rausgekickt. Im Café wurde mir heute um 10.30 eröffnet, ich könne jetzt heim gehen, und auf dem Plan für die nächsten Tage stehe ich auch nicht drauf, also Tschüss, und so.


Naja, es war FAST so. Vor Wochen hatte ich meiner Chefin schon das Abflugdatum gesagt, und sie meinte damals, ob ich bis zum Tag vor der Abreise arbeiten könne.

Klar, sagte ich.

Heute hieß es: Was? Nächste Woche? Wir dachten du reist morgen ab...


Aha. Eine Ausrede? Um mich nicht allzu herzlos schon eine Woche zu früh rauszuwerfen? (Hey, 500 Dollar weniger, mit denen hab ich noch gerechnet !!!)


Sofort bot ich an, dass sie mich ja spontan noch anrufen könne die nächsten Tage, wenn es mal stressig werden würde. Den Vorschlag nahm sie erfreut an. Überhaupt war ich 3 Monate lang ungefähr der beste Mitarbeiter schlechthin :-)

Kein einziges Mal zu spät, kein einziges Mal krank gemeldet oder mit Kater aufgekreuzt (wie jeder australische Arbeitnehmer es öfter tut), immer die Doppelschicht gearbeitet wenn die Pferderennen waren, mehrmals Fahrdienst gespielt an unserer "Firmenfeier" als alle am Saufen waren außer mir, mit mehreren Briefmarken spontan ausgeholfen, niemals Bier oder Essen in der Arbeit genommen (Bier gibts immer danach, so wird das Trinkgeld bei uns "zum Allgemeinwohl" umgesetzt - wenn du nix trinkst, selber Schuld).

Für alles Essen, das man von dort haben will, muss man sowieso bezahlen - und zwar nicht den Einkaufspreis, sondern den Verkaufspreis -


okay egal. Also ich war immer kooperativ und fleißig wie ein Bienchen, und dann kommt nichtmal ein richtiges Tschüss, oder so. ^^


Aber ich werde die nächsten Tage schon noch einmal reinschneien.


Nachdem mein Arbeitstag dann heute schon nach 1,5 h endete, fuhr ich wieder heim zu Steven, dessen Schicht heute erst um 17 Uhr beginnen würde, und packte ihn ein für eine Fahrt zu Gantheaume Point, um Wale zu beobachten.

Es war toll !


Aber Wale haben wir nicht gesehen.

Stunden- und tagelang haben wir schon in Broome aufs Meer gestarrt, alles zusammengerechnet. Jeder andere blöde Touri hat hier Wale gesehen.

Nur wir nicht.


Aber es ist okay. Die Wale wollen vielleicht Privatsphäre.

Viel geiler ist, dass wir das 5 Meter lange Salzwasser-Krokodil, das heute an Cable Beach herumkrokodilte, und wegen welchem der Strand den halben Tag gesperrt war, auch nicht sahen, obwohl wir knapp 3 Stunden dort waren, und auch recht viel im Wasser.


Wahrscheinlich wurde es in dem Moment gesichtet, als wir die Treppe zum Parkplatz hochliefen. Hätten wir es doch nur auch erblickt! Das wäre aufregender gewesen als ein Wal.


Gut möglich übrigens, dass es uns beim Schwimmen heimlich verfolgte, und wir, uns der Gefahr nicht bewusst, entspannt ins Wasser pupsten - somit dem Reptil der Appetit verging.. ?



In den Nachrichten am nächsten Abend hieß es, das Kroko sei gen Norden geschwommen und der Strand wieder beschwimmbar.

Unten in Margaret River, wo Ann-Ca und ich März und April verbrachten, wurde derweil ein Surfer von einem Hai gebissen,

oder besser gesagt, aufgegessen, denn er überlebte es nicht.

Der Surfer.


Der Hai, gut gesättigt, trollte sich schnell davon, denn hat ein Hai erst einmal einem Menschen was getan, wird er verfolgt und getötet.

Es trauerte der ganze Südwesten um den armen törichten Surfer (das erste was mir in Australien gesagt wurde: geh nicht in der Morgen- und Abenddämmerung ins Wasser, da jagen die Haie), und auch uns wurde mulmig, denn nächste Woche werden wir in Cairns schnorcheln!

Der Typ hatte übrigens drei Kinder, und warum er dann um 7 Uhr früh surfen geht ist mir schleierhaft. idiot !



Was ihr schon immer (nicht) über Broome wissen wolltet.


Broome hat noch ein kleines stinkendes Geheimnis, das ich kürzlich lüftete.

(hehe, "lüften" wäre wirklich mal nicht schlecht..) Und zwar stinkt es oft, wenn man durch die Stadt fährt - und zwar egal wo man hinfährt - nach ... Fäkalien.

Nicht so, als würde man über eine Kuhweide spazieren (Wiederkäuer-Vegetarier-Pups),

sondern wirklich nach einem frischen großen Geschäft von einem Mensch, Hund - Fleischfresser eben.

Warum? Warum stinkt es in Broome nach Schei... ?


Also. Da es kaum regnet, wird alles Wasser, Klo-, Trink-, Dusch- usw Wasser immer recycelt. Sprich : gefiltert, gechlort, mit UV Licht bestrahlt.


Es ist also mehr oder weniger steril. Was aber aus dem Wasser nicht wirklich herausgefiltert wird, sind all die Nährstoffe (-salze) und so weiter.

Steht dieses Wasser also irgendwo länger, fault es. Da das Abwasser nirgendwo sonst hingekippt werden kann, sondern immer alles gleich recycelt wird, haben manche Bewässerungssysteme (so wie das von der großen Wiese in der Mitte von Broome, wo ab und zu mal eine Festivität stattfindet) eine "Mindestabnahmemenge" und bewässern einfach drauflos. Die Wiesen sind hier strahlend grün, obwohl es kaum irgendwo so trocken ist auf der Welt wie in Broome in der Trockenzeit.


Die Stadt hat natürlich auch ein Football Feld, und Craig hat mir verraten, dass wegen dem Gestank schon Trainings- und Spieltage verschoben wurden, weil sonst die Spieler auf den Rasen gereihert hätten.


Die muskulösen Football-Spieler, diese Viecher!, gehen in die Knie, weil es nach Kacke riecht. :-)


 

 

 

 

 

 

 

 


6.9.10 17:06


12.08.10 Vierter Broome Blog

22. Juli 2010


Nachdem wir genau 2 Monate in Broome geshoppt, gearbeitet, eingekauft, den Strand besucht, einfach gelebt haben, ist mir am heutigen Tage, während ich Nudeln im Topf umrührte, aufgefallen, dass es in dieser Stadt keine einzige Ampel gibt.


Erstaunlich, wo wir hier bestimmt schon 1000km innerorts gefahren sind. Obwohl Broome im Durchmesser nur ...7km? groß ist (der Bereich der Innenstadt, wo es Geschäfte gibt, ist winzig klein).


Was es zu Hauf gibt, sind Kreisel .- roundabouts -

wie sagt man? Kreisverkehrer.

Kreisverkehrs. (Und die, die im Kreis verkehren sind dann die Kreisverkehrer, hihi...)


Oder, wie der Australier sagen würde, wenn er einen Deutschen imitiert:

Kreisenverkehrsen.



Es gibt keine Ampeln, nur ein paar Vorfahrtsschilder und dergleichen, und dass mir das nie aufgefallen ist liegt vermutlich daran, dass wir auf der Reise nach Broome 3500 km in 9 Tagen gefahren sind und uns auch auf diesem Weg weder Ampeln noch andere, lästige legale Spaßbremsen untergekommen sind.

Geschweige denn Kurven. Nichtmal von denen gab es ausreichend viele, sodass man hätte sagen können, man sitzt am "Steuer". (Denn wieso sollte man es Steuer nennen, wenn man überhaupt nicht steuern muss sondern nur festhalten. Immer gradaus.

Das festhalte-Rad.)


So kann ein Begriff schnell mal sinnfrei erscheinen. Bemerkte ich, als eine junge Dame, die letztens im RSL Club einen "Alcopop" kaufte, und um einen straw bat. Einen Strohhalm.

Bitte gerne. Wegen dem Lippenstift.


( Neiiiiiin! Wegen DES LippenstiftES ! der Dativ ist dem Genitiv sein Tod.)



Ich fragte sie spontan, wieso es denn STRAWberry heiße. Eine Erdbeere habe doch mit einem Strohhalm, oder auch mit Stroh, nichts zu tun.

(Der aufgeschlossene Linguistiker kehrt auch vor der eigenen Haustür - die Erdbeere wächst nicht in der Erde, höchstens drauf. Aber alles was wächst, wächst irgendwie auf der Erde, und es heißt auch nicht Erdbaum oder Erdblume. Ebensowenig wie der Erdapfel ein Apfel ist -

ich schiebe spontan alles auf Martin Luther.)



Die junge Frau, deren Lippen und Zunge und Zähne knallrot waren (weil der Alcopop so einen schönen Farbstoff enthält, und den Lippenstift hatte ich ja schon erwähnt), fand dass ich Recht hatte, gab aber zu Bedenken, dass die strawberry ja noch Glück habe,

wie solle sich erst die boysenberry fühlen, mit so einem Namen...?

blueberry mache Sinn, aber dann seien da noch raspberry und cranberry...

Die ganze Familie der Beeren war irgendwie mysteriös benannt.


Aber genug!, sie müsse jetzt wieder zu ihren Freunden, und ihren Wodka Cruiser (Geschmacksrichtung raspberry) schlürfen.

Die Raspelbeere... Wie übel.


Ein raspatory gar ist ein KNOCHENSCHABER ! Ist es nicht grausam?


Steven hat auf seinem iPod das Dict.CC, das mir gerade erklärt, eine boysenberry sei eine Kreuzung aus Loganbeere, Brombeere und Himbeere.


Die Brombeere wiederum ist auf Englisch ist blackberry oder brambleberry.

Das Adjektiv brambly kann dann entweder "voll mit Broombeeren" heißen (weil es im Deutschen ja keine wirkliche Entsprechung gibt - oder sagen wir jemals "brombeerig"?),

oder auch "dornig".

Ich kann mich eigentlich an kein Erlebnis mit Brombeersträuchern erinnern, weiß also nicht, ob diese Dornen haben.

Dass ich sowas nicht weiß! Brombeerlose Kindheit.


Aber im Grunde ist es egal. Wenige Wörter machen Sinn, und im Deutschen machen die ganzen zusammengesetzten Hauptwörter sowieso alle Vielfalt kaputt.

Wir sagen Perlen, oder Glasperlen. Glas + Perlen.

Auf Englisch sind es pearls, oder beads.

Pfannkuchen sind hier zwar manchmal auch die pancakes, meist aber die flap jacks.


(Das mit den Flapjacks hat sich bestimmt der gleiche Typ ausgedacht, der auch die boysenberries und raspberries phonetisch verkrüppelt hat. Ein Serientäter. Oder einem Jungen namens Jack wurde einst ein pancake in die Visage geflappt.)


An Ampeln und wohl durchdachten Bezeichnungen für alltäglichen Kram mangelt es Australien definitiv (ich frage mich auch immernoch, warum das Ding, mit dem man Eier rührt - das deutsche Wort ist mir entfallen - hier whisk genannt wird, wenn die whiskers doch die Schnurrhaare der Katze sind. ).

Solche Überlegungen sind gut, um sich langweilige Stunden zu verteiben - obwohl uns eigentlich nie langweilig wird - außer ich muss im Cafe einen riesigen Berg Geschirr auf einmal spülen und versinke dabei in Gedanken.


Übrigens ist mir das deutsche Wort grade eingefallen, ich meinte einen Schneebesen.

Oft verbringe ich tatsächlich Ewigkeiten damit, über Wörter nachzudenken die ich vergessen habe, nicht verstehe, oder mir nicht sicher bin wie man sie schreibt.

Ich sehe einen Gegenstand und denke: Wie heißt der nochmal auf Deutsch?


Wenn ich dann kapituliert, irgendjemanden gefragt und die Antwort erhalten habe, denke ich zufrieden:

Das hab ich auch schonmal gewusst.


Das kommt davon, wenn man täglich mehrmals zwischen Deutsch und Englisch hin und her springen muss, und beide Sprachen ziemlich gut beherrscht.


(Alles ist irgendwo im Hirn drin, aber wenn man nicht umschalten kann, ist das Wissen nutzlos, wie Geld in der Schublade, die man zugesperrt und dann den Schlüssel verloren hat.)


Interessant ist, dass es in 90% der Fälle am Deutschen hapert.


Kürzlich sitzen Steven und ich vor einem Asia - Take away Laden, und essen unsere Thai-Nudeln. Steven hatte ein Gericht mit mehreren verschiedenen Sorten Fleisch,

ich hatte was mit Huhn und Chilli und Cashews.

Was ich Steven fragen wollte, war : "Hast du denn jetzt 2 Sorten Fleisch?",

weil ich nicht mehr wusste, was genau er bestellt hatte.


Aber in all der Müdigkeit, zwischen Deutsch und Englisch, laberte ich einfach drauflos, im Sprechen immer wieder mich selbst korrigierend:


"Hast du denn jetzt zwei Hühnchen?

Ich meine - zwei Fleischs?


... Äh.. zwei Fleische?

...

Also - Hühnchen und Schweinchen?"


STOPP ! Hühnchen und Schwein. , wollte ich noch sagen. Aber da musste ich schon so lachen, das ganze scharfe Essen schob sich teilweise wieder die Kehle hoch und ich hatte Chili irgendwo auf der Rückseite meiner Nasenschleimhaut, vom hektischen Atmen und Lachen.


Fleische? Fleischs? Hühnchen und Schweinchen?


Spatzl, hast du ein feines Hühnchen und Schweini-Schweini in deinen Nudeln?



An dieser Stelle fällt mir eine Anekdote ein, die überhaupt nicht hier hin gehört, und ich hoffe es macht dem Claudio nichts aus dass ich es hier reinschreibe.

Claudio, ein Freund und Mitbewohner von Steven in München, hat Stevens Job bei einer Lernsoftware-Firme übernommen, als Steven nach Australien ging.

Claudio war davor Elektriker in der Ausbildung und so war es für ihn gleichzeitig ein Sprung in ein anderes Metier, wie auch in ein neues Umfeld, und auch das Gehalt ist in der Lehre ja nicht gut, also hatte er dann auch ein besseres Einkommen mit dem neuen Job - aber natürlich muss man sich bei so einer Umschulung alles mögliche aneignen und viel Energie da reinstecken.

Long story short.

Bei einer der ersten internen Besprechungen, denen Claudio beiwohnte, saß er in der letzten Stuhlreihe, und sagte prompt:

"Wie in der Schule: Immer sitz ich in der letzten Reihe.

Und naja - man sieht ja, wo ich gelandet bin."


Er meinte das rein positiv (wie ich glaube). immer war ich faul - aber ich hab es trotzdem zu was gebracht.

Was die Kollegen sich dachten (oder der Chef) ist vielleicht ne andere Story, jedenfalls ist das genau deswegen so ein schönes Beispiel, wie man missverstanden werden kann, oder wie man manchmal nicht Herr über seine eigenen Worte ist.

Hühnchen und Schweinchen.



Tagtäglich rennen wir die Worte buchstäblich über den Haufen, aber so hat man immer was zu lachen. Unser Mitbewohner hat auch was über den Haufen gerannt, und es war nicht zum lachen - die Geschichte ist echt unglaublich -


in dem 3. Zimmer hier im Haus wohnen zwei Bangladeshis, zwei Männer, die müssen in ihren frühen 30ern sein, beide sind Bäcker bei Woolworths, der eine geht nächsten Monat wieder heim nach Bangladesh, ne Runde schwimmen. (sorry der war fies) der andere geht im Dezember zurück nach Sydney.

Sind halt zwei Kumpels die hier ne Zeit lang arbeiten und versuchen Geld zu sparen.

Abu und Mo heißen sie. Abu hat ein Auto. Eine kleine Ford Limousine, nichts besonderes, gekauft für 4,000 Dollar - aber ihr wisst ja wie das ist, auf Reisen, mit dem Geld und so.

Da ist ein Auto was besonderes.


So fährt er kürzlich auf einer der Hauptstraßen hier, wo man 70 fahren darf, entlang, und zwar mit 80-90 kmh, und will links abbiegen ins Wohngebiet.

Kurz zur Erinnerung - hier fährt man links, also ist die Linkskurve die enge Kurve, und nicht die weite.

Wie Abu bremsen will (weil die Kurve recht eng ist), steigt er aus Versehen aufs Gaspedal (!) und beschleunigt, was dazu führt dass er eine Kurve, die ich mit maximal 40 kmh fahren würde, mit ca. 90 in Angriff nimmt.

Obwohl er vor Schreck natürlich voll links einschlägt, schafft er es nicht ganz, und der rechte Vorderreifen fährt auf ein kleines Verkehrsinselchen auf, das 2 Schilder hält die sagen "keep left". (als wüssten die Aussies nichtmal selbst, auf welcher Seite sie fahren).


BUMS, das Schild ist verbogen, Abu mittlerweile im Schockzustand, der Fuß starr, immernoch auf dem Gaspedal.

Heiter weiter gehts in die Linkskurve, minimal abgebremst durch den Zusammenstoß mit dem Schild. Wir schätzen mal knappe 80 km/h.

Auch hat er noch voll eingeschlagen. Die Kurve ist nun schon keine Kurve mehr, geradeaus fahren wäre angebracht.

Abu fährt aber nun auf den linken Straßenrand auf.

Ein 20 cm hoher Bordstein, und ein großer Graben, der unter der Straße durch verläuft (damit hier in der Regenzeit die Fluten ablaufen könne, gibt es hier diese gemauerten, künstlichen Bachbett-artigen Gräben).


Der zwei Meter breite Graben verläuft im 90°-Winkel zur Straße, und der gemauerte Rand ist auch noch ein wenig höher als die restliche Böschung - wie eine Schanze.

Und so springt Abu mitsamt seinem Auto in, nein, ÜBER den Graben,

auf der anderen Seite kommt er im dichten Gestrüpp der Böschung zum Stehen.

Sein Fuß ruht auf dem Gaspedal, aber das Auto fährt nicht mehr weiter...


Als Steven und ich nach hause kommen, parkt sein Auto an der gleichen Stelle vorm Haus wie immer. 3 Reifen sind platt, Teile vom Rahmen vorne hängen auf den Boden, beide Scheinwerfer vorne komplett zerstört (rechts vom Schild, links vom Graben).


Abu sagt: I ve been flying today. With my car.


Er zeigte mir später die Stelle, wo er abheben wollte ^^

Im anderthalb Meter tiefen Graben liegen Kotflügel, Felgen, Scherben, Reifenteile.




Fuck. Armer Abu.

Ach, meinte ich, ich kann euch ja in die Arbeit fahren -

(was ich dann auch tat, aber dann stellten die beiden fest dass es zu Fuß auch nur 25 min dauert, sie laufen auch ganz gern).


Seine Heiligkeit Joseph hatte nur eine Sache zu sagen: Dass Abu an dem Tag über Kopfschmerzen geklagt hatte, und da solle man eben nicht Auto fahren, in so einem Zustand.


Klar, Joseph. Weil man ja auch eine Wahl hat, hm?


Überhaupt sind wir alle etwas stinkig auf den Pastor. Dieser Typ ist ein richtiges Phänomen.

Er tut NICHTS. Um 5 in der früh steht er auf.

Setzt sich an den Computer. Duscht.

Wenn ich gegen 7 Uhr laufen gehe, sitzt er da. Wenn ich zurück komme, sitzt er da.

Um dreiviertel 9 geh ich in die Arbeit. Zwischen 4 und 5 komm ich heim.

Dann sitzt er in der Küche, mit ein paar stinkenden Aborigines (tut mir Leid, aber die stinken echt. Es ist so eklig.), und erzählt ihnen was.

Letztens erzählte er, man solle nicht trinken und nicht auf der Straße rumlungern. Man solle seinen Blick auf Gott konzentrieren und ganz Gott gehören. You know?


Ich wünschte, er würde in seinem Sermon mal eine Dusche erwähnen.


Gestern saßen an dem Tisch mit Joseph zwei Abos, Vater und Sohn, dazu eine junge Frau die stank, mit einem Baby das nicht gesund aussah (ich hab mir erspart an dem baby zu riechen) und obendrein ein weißer Mann, mit viel Bart und einer Art Bauarbeiter-overall.

Ein Typ aus der Geodäsie oder wie es sich nennt , also einer der durchs Land latscht und schaut wo es Bodenschätze gibt.

Alle unterhielten sich, wie gut es doch sei wenn endlich die Erdgasförderung in der Region hier beginne. Wie sich dann die Region entwickeln würde...

Die Energie wäre günstig, Jobs gäbe es auch, die Infrastruktur würde verbessert, also wären die Straßen nach Broome auch in der Regenzeit befahrbar. Dann könnten mehr Touristen kommen.


Unglaublich sei es, sagte Joseph. Er wollte schon manchmal in die Kimberley fahren. Aber wenn es regne, könne man die Straßen nicht befahren.

Dieser state, western australia, sei so groß wie Europa, und nur eine Straße entlang der Küste. Ein Highway. Wie das sein könne, dass die Leute hier so schlecht mit Straßen versorgt würden...?


Tja, fragte ich, für wen solle man die Straßen denn bauen. Hier lebe ja niemand. In dem ganzen Staat Western Australia leben vielleicht 2-3 Mio. Leute. Und davon 1,5 Mio. in Perth. Und dass hier oben niemand lebe, sei ganz normal schließlich sei das Klima im Inland absolut lebensfeindlich, Wüste das eine halbe Jahr, Überschwemmung das andere halbe Jahr.

Er glaube doch nicht ernsthaft, dass sich hier urbane Strukturen bilden würden, nur weil plötzlich Erdgas gefördert wird.

Und wie billig solle das denn noch sein, wenn die Erdgasförderer erstmal die komplette Anlage und Infrastruktur bauen müssen?


Aber die Jobs!, meinte er. Davon würden auch die Aborigines profitieren.


In meinem Kopf dachte ich: Klar. Das ist absolut logisch. Die Abos, die keine Ausbildung haben und nichtmal Straßenkehrerjobs machen, füllen plötzlich alle Positionen in der Erdgasförderung, werden zu Bauarbeitern und Ingenieuren -

in 2 Generationen vielleicht. Wenn sie jetzt anfangen in die Schule zu gehen, schafft es die nächste Generation vielleicht schon teilweise an die Uni.

Bis die Abos im großen Stil an solche Jobs kommen, ist alles Erdgas der Welt bereits gefördert worden.



Aber das konnte ich natürlich nicht laut sagen.

Auch wenn ich diesem kleinen kranken baby wirklich wünschte, dass seine Mama es mal zur Schule schicken würde. Aber sie sah recht jung aus und verpasste wohl grade ihre eigene Abschlussprüfung, also war es nicht sehr wahrscheinlich.


Ich sagte stattdessen, dass ja jeder wisse, dass es nicht bei einem beschränkten Areal bleiben würde. Die Region würde zerstört werden. So viel Verkehr. Wenn sie erst den Hafen ausbauen würden, so wie geplant, würden bestimmt auch die Wale nicht mehr so froh an der Küste entlang schwimmen. Das ganze Meer würde im Stress sein, mit so vielen Booten.

Und wenn erst das Verkehrsaufkommen dreimal so hoch sei wie jetzt, und alles größer und städtischer - dann würden sicher weniger Touristen kommen. Denn was Broome ausmache, sei ja diese perfekte natürliche Kulisse.

Die Tourismusindustrie macht außerdem einen Haufen Kohle mit all den "guided tours" und Abenteuerurlauben in der Kimberley region. Da ist nichts, da muss dich jemand führen, sonst verirrst du dich, und wenn dein GPS Akku aus ist stirbst du

Diese Touren boomen, und ich glaube nicht dass die Leute noch diese schweine teuren Fahrten buchen wenn es eine dicke fette ausgebaute Autobahn gibt, auf der man auch ganz alleine fahren kann, ohne Hilfe.

Nur in der Regenzeit sind die Straßen nicht befahrbar. Und wozu auch. Es hat 40 Grad und die Luftfeuchtigkeit macht das Atmen schwer. Die Hölle auf Erden. Wer würde dort sein wollen. Man sieht es ja an Broome - von 70.000 Leuten in der Dry season runter auf 15.000 in der Wet. Und daran ist nicht die schlechte Straße Schuld, sondern wie das Klima die alltägliche Lebensqualität beeinflusst. (Ins Meer kann man dann ja auch nicht, weil es dann von giftigen Quallen wimmelt.)


Aber das war Joseph egal, glaub ich. Gott hatte ihn hier her berufen, zu den Abos, also konnte er nicht weg - da war es ihm lieber, die Sachen kamen zu ihm. Billigeres Essen, Sprit, Straßen, und all das.

An sich ist er nicht der Typ, der gerne was tut. Egal was. Am besten, jemand anderes machts.

Seit sein Neffe John da ist, nutzt er den auch volle Kanne aus. John ist wie unser Freund geworden, und er tut uns sehr Leid. Joseph sitzt den ganzen Tag auf seinem Arsch und starrt gen Himmel.

John kommt nach 9 Stunden harter Arbeit völlig fertig nach Hause. Meist löst er dann erstmal ein Computerproblem für seinen Onkel. Dann kocht er abends, deckt den Tisch (um Joseph herum), und am Ende spült er auch ab.


Während er abspült, hat Joseph schon ein neues Computerproblem aufgetan


Wie es scheint, bezahlt John auch all die Einkäufe. Essen ist hier sehr teuer.

Joseph verdient halt nichts. Wie auch.

Von einem Immobilienmakler, der oft ins Cafe kommt, weiß ich aber (- ich habe da mal investigiert ^^), dass die Unit in der wir wohnen um die 450.- pro Woche kostet.

Da die Bangladeshis und wir für unsere Zimmer je 250.- die woche zahlen, kann man sich ausrechnen, wie viel Miete Joseph zahlen muss. Minus 50 pro Woche^^


Wahrscheinlich hat er John erzählt, seinem Neffen, dass er großzügiger weise umsonst bei ihm leben kann. Haha.

In dem Zimmer mit John und Joseph wohnt ja auch noch der dritte Koreaner, Allo.

Der arme Mensch arbeitet sich sowieso zu Tode. Doppelschicht jeden Tag.

Ich frage mich, was der zahlen muss.


Jeder in diesem Haus arbeitet hart.- Steven und ich machen auch jede Woche an zwei Tagen Doppelschichten und abgesehen von diesen 2 Tagen schon 35 bzw 40 Stunden.

Es reicht ^^ Die Bäcker fangen um 10 zum Arbeiten an und kommen um 8 in der früh heim. das sind 10 Stunden nachts Brot backen.

der einzige, der rumsitzt und sich bedienen lässt, ist Joseph, unter dem Deckmantel seiner scheiß Kirche. Und wie philanthropisch ist diese Kirche?


Neulich koche ich in der Küche, da höre ich wie zwei Mädchen draußen reden.

Ich geh also um die Ecke und gucke, was da los ist.

Es war mir sehr peinlich.

Joseph steht drinnen, und durch die Fliegengittertür, durch die man grade so durchschauen kann, starrt er auf diese zwei Mädchen herab, liebe kleine Mädchen, so wie meine Schwester (vermisse dich sehr, Andi!).

Die Mädels präsentieren ihm ihr Schulprojekt, sie sammeln Geld für hungernde Kinder in Afrika, schreiben Briefe an ihre Brieffreunde dort, und so weiter..


Aus der Schulzeit weiß ich, dass es nicht gerade einfach ist für den Lehrer, Kinder zu finden die von Tür zu Tür gehen wollen und sammeln. Schüchternheit, Faulheit, Angst nicht genug Spenden zu bekommen und dann blöd da zu stehen - was auch immer der Grund ist - wenn zwei Kinder sowas machen (und auch noch aus so guter Absicht), dann brauchen sie Erfolgserlebnisse !


Joseph steht da, wortlos. Kein hallo, kein "oh was macht ihr denn da tolles", nichts.

Missmutig schaut er herab (betone: HERAB) - die Mädels geraten schon ins Stottern und werfen sich gegenseitig verunsicherte Blicke zu, weil sie wissen: Dieser Mann da, der findet uns nervig und doof.

Diese Ablehnung, die Joseph ausstrahlte, hätte sogar ein taubstummer Blinder gespürt.

Während die Mädels noch mitten im Satz waren (..and so we are raising funds to help our friends and fellow students in africa.... sir, would you like to give a donation...), drehte sich Joseph schon kopfschüttelnd weg und schlurfte zurück zu seinem Tisch und setzte sich hin.

Autsch das war peinlich.

Ich musste die Situation retten!


Hello ladies! sagte ich und lief raus. Was auch immer ihr macht, ich finds toll, moment mal ich hol geld -


ich spendete 5 Dollar (nicht für afrika, sondern für das selbstbewusstsein dieser Mädels) und durfte auf einem Blatt unterschreiben - auf dem ich sehen konnte, dass vor mir zwei Personen gespendet hatten, und zwar einmal 40 Dollar und einmal 1,60 .

Die 40 Dollar waren wohl die Mamas, und die 1,60.- die Kleingeldreste von einer alten Oma.


ich wünschte den kids noch einen wunderschönen Tag und viel Erfolg, atmete tief ein und ging wieder rein, hielt die Luft an bis zur Küche und kochte weiter und vermied es, Joseph anzuschauen, weil ich so so so böse auf ihn war.


Warum konnte er nicht ein normaler Mensch sein. Ein normaler Mensch, der weiß was Respekt ist, öffnet die Tür, sagt guten Tag, und wenn er nicht spenden will, sagt er:

es tut mir sehr Leid, aber ich habe gerade sehr wenig Geld und sepnde Geld für andere Projekte, trotzdem danke und noch einen schönen Tag.

Wollt ihr ein Stück Schokolade, Mädels?


Joseph hat nicht die Tür geöffnet, er hat kein Wort gesagt, er hat nur geglotzt und den Kopf geschüttelt und dann den Kindern den Rücken zugedreht. Ich kann es jetzt noch nicht glauben.


Aber Hauptsache, er singt den Abos ein schönes Lobpreislied vor, denkt an seine treue Ehefrau die er in Sydney zurückgelassen hat und fühlt sich gut, weil er solch große Opfer für den Herrn bringt, und schläft am Abend selbstzufrieden ein. Die Dankbarkeit von seinem Neffen ist ihm auch noch sicher, allerdings finde ich das zählt alles nicht, schließlich hat er ja gelogen.


Lügen ist auch ein gutes Stichwort.

Vor ca. 3 Wochen lag auf der Türschwelle ein Brief. Jeder Anwohner in Broome muss seine Post am Postamt abholen, in einer Post Box. Es gibt keinen Briefträger, nichts wird zugestellt.

Also warf ich neugierig einen Blick auf den adressaten.

Tenants of Unit 9 / 37 Cable Dunes...

also die Mieter dieses Hauses.

Der Brief kam vom Eigentümer - PRD REAL ESTATE.


Mieter bin ich hier auch, dachte ich, und öffnete den Brief.

Faltete ihn auf, und las auf der Türschwelle den ersten Satz -


an inspection will be carried out Monday, 26th July, between 9am and 3 pm, blah blah -

schwupps! reißt mir Joseph den brief aus der Hand.



Moment mal - sagte ich, der ist vom Besitzer -

Ja ja, er wisse schon.


What is it?, frage ich.

Ach - egal - das tue nichts zur Sache.


Natürlich wusste ich, was es war. In Australien ist es üblich, dass der Vermieter alle 2-3 Monate das Haus inspiziert, um zu sehen ob die Mieter ordentlich sind oder ob sie die Bude verwahrlosen lassen.

Mir war sofort klar (denn es war Freitag): am Montag muss das Haus sauber sein.


Joseph hatte wohl angenommen, dass ich den brief nicht gelesen hatte, bzw nicht wusste um was es ging.

am Sonntag, als er in seiner Kirche war, putzte ich aber bad, Küche, Herd, und kehrte den Boden. (Staubsauger gibts nicht).

Joseph kam heim und ich war schon fertig.

Montag morgen aber, als die Bangladeshis von der arbeit kamen, und wir alle in der Küche waren, sagte Joseph :

heute ist eine inspection, ich muss jetzt dann das Haus vorbereiten.


Ich weiß, sagte ich. ich weiß, dass die inspection ist. Deswegen hab ich gestern schon geputzt.

Die Bangladeshis waren total überrascht, ebenso der andere Koreaner, Allo.

Joseph hatte niemandem gesagt, dass die inspection anstand.

Ein Brief, adressiert an alle Mieter des Hauses - nur er hätte ihn lesen sollen, oder wie?


Ich war sauer, erstens weil er mir den Brief aus der Hand gerissen hatte, so als würde ich das Postgeheimnis verletzen, und zweitens, weil er sich jetzt als den Helden hinstellte, der im letzten Moment noch das Haus her richtet, und alle anderen gehen in die Arbeit und er muss es ganz allein machen - da verdient man doch Dankbarkeit?


Nö. Er verdient Haue, weil er keinen informiert hat.


Und putzen kann er auch nicht. Den Badspiegel putzt er, indem er Wasser drüber schüttet.

Den Badboden putzt er, indem er von der Dusche aus Wasser auf den Boden spritzt.


Wasser, Wasser, - fällt euch was auf?

genau! es fehlt das Putzmittel.


Heute früh - ich hab frei und bin nur kurz mit Steven aufgestanden - sitzen wir in der Küche, um 20 nach 6, und Joseph duscht. Alle anderen waren noch im Bett oder Brot backen bei Woolworths.

Ewigkeiten duschte er, und man hörte das Wasser durchs ganze Bad spritzen.

Putzaktion. "Wir reinigen uns und die 4 Wände drum herum."


Ich klopfte an die Tür.

Sorry Joseph - Steven has to go to work soon, could you vacate the bathroom please..

Ein Joseph im Handtuch kommt heraus, drinnen läuft grade die Sintflut in den Abfluss.


Andere Putzaktion: Joseph im Schlafanzug (Shorts und ein weißes Unterhemd, von der Sorte die sonst oberbayrische Bierbäuche zieren) im kleinen Klo-Räumchen, schüttet Wasser auf den Boden und schrubbt mit einer Art Klobürste (so genau wollte ich auch nicht hinsehen) den Boden. Auch dieser Raum hat einen eigenen "Gulli". Gott sei Dank.

Das Ganze übrigens um 7 Uhr früh. (Noch nicht angezogen, aber schon umananda-

g'schaftlhuaba'n. schreibt man des so?)



Montag, 09.08.10


Heute ist der Tag der Befreiung. Joseph fliegt nach Perth und kommt erst in 1 Woche zurück! Sein Auto ist dort unten in der Reparatur, weil er da unten einen Unfall hatte.

Und jetz fliegt er runter, steigt ein, und fährt rauf.

3000 km.


Montag früh fahre ich seine Heiligkeit also zum Flughafen. Für die 1 Woche hat er geschätzte 35kg Gepäck dabei.

Unter anderem einen 10l Wasserkanister. In Perth kann man sowas möglicherweise nicht kaufen. Perth hat nur 1,5 Millionen Einwohner. Man muss vorbereitet sein.

Pff. Provinzstadt.


Also Joseph zum Flughafen, ich in die Arbeit. Danach: zum Strand. Steven wartet schon.

auf dem Rückweg: Halt im bottleshop. 2 Sixpacks Bier und Cider, und ne Flasche Wodka.


Abends sitzen die Bangladeshis, John, Steven und ich draußen. Alle rauchen außer den Deutschen, jeder hat ein Bier in der Hand, und alle lästern über Joseph :p


Dienstag Abend: John hat groß eingekauft und zu dritt kochen wir koreanisch und japanisch. Tempura, Sushi, und vieles mehr. Dazu laute Musik und Bier.


Ich wünschte, diese Woche würde nie enden!


Rezept ist mitsamt Fotos vorhanden und wird bei Gelegenheit in Deutschland wieder rausgekramt.


Ach ja! Deutschland.

Ich laufe morgens durch die Straßen unseres Wohngebiets, perfekt gewachsene Palmen säumen den Straßenrand, kleine Propellerflugzeuge gleiten im Landeanflug tief über die Dächer, kein Mensch ist auf der Straße, man hört höchstens mal ein Auto auf der Hauptstraße vorbeifahren. Es kommt mir jetzt schon so vor als müsste ich mich an allem noch einmal satt sehen bevor ich diesen Ort verlasse. Die Luft schmeckt schon nach Abschied.

Jeden Tag stehe ich auf, und das Wetter ist perfekt. Ich kann nichtmal sagen: Vielleicht mein letzter Tag mit perfektem Sonnenschein in Broome.

Jeder Tag in Broome glänzt mit Sonnenschein und blauem Himmel!

Ich könnte schon die Anzahl der Tage ausrechnen, die ich noch im Cafe arbeiten muss. Aber das will ich gar nicht, es wären sowieso zu viele

Obwohl es mich jetzt nervt, weiß ich genau, dass ich mich an diesen Ort zurückwünschen werde wenn ich erstmal weg bin.

Genau so wie die letzten 4 Male. Deutschland verlassen. Avalon verlassen. Margaret River verlassen. Perth verlassen.

Als nächstes kommt: Broome verlassen.

Und danach: Australien verlassen. Steven wieder verlassen!


Immer hab ich gesagt, von Perth nach Broome hier rauf, das würde ich nie wieder mit dem Auto fahren wollen. Jetzt, wo Joseph genau diese Strecke fährt, würde ich lieber mit ihm tauschen als in dieser Zwickmühle hier zu sitzen: eigentlich den perfekten Urlaubsort vor der Nase, aber die Abreise sitzt schon im Nacken und es muss noch viel organisiert werden. Und das wo man sich gerade eingelebt hat. jetzt hab ich schon 5 Zuhause auf dieser Welt, wie viele kann man sammeln?


Verity, meine Freundin in Avalon, hat 2 Jahre in London gelebt, als Nanny bei ein und derselben Familie die ganze Zeit. Verity sagt, es ist schwer das Leben, das man in einem anderen Land aufgebaut hat, zu verlassen und damit abzuschließen.

Ann-Cathrin, die seit Mitte Juli wieder in Deutschland ist, hat mit dem Gedanken gespielt diesen Donnerstag (also Mitte August) zurück nach Australien zu fliegen, wenn sie einen Flug für unter 1000 Euro findet.

Heute hat sie mir geschrieben, das am Donnerstag ein Flug für 1090 Euro geht. Ich weiß nicht, ob sie einsteigt. Aber ich traue es ihr schon zu.

Nicht, weil Australien so viel besser ist als Deutschland, aber weil es schwer ist, mit dem Reisen aufzuhören wenn man einmal angefangen hat. Weil man sich eben ungern an eine Situation bindet und festlegt, wenn man sich einbildet man könnte es noch besser haben.

Kann ich das perfekte Leben bekommen, indem ich es überall suche und herum probiere, und hoffen dass ich es irgendwann finde - oder muss ich erkennen, dass es die perfekte Lebenssituation gar nicht gibt, und ich mich ständig verändern muss, Reisen und ausprobieren, und mich nie an etwas binden - und auf diese Art und Weise das perfekte Leben führe?


Ich denke, das Leben kann noch so perfekt verlaufen - wenn man einmal das Reisen angefangen hat und sich mehrmals neue Lebenssituationen aufbauen muss (darf), merkt man erst, wie beschränkt das eigene Sichtfeld zuvor war, und auch wenn man immer das Gefühl hatte, man würde ausreichend an sich arbeiten, lernt man doch, dass die Welt einen weitaus reicher mit Erfahrungen beschenkt hat, als man das selbst "autodidaktisch" im gewohnten Umfeld hätte tun können.

Wie fühlt man sich dann am Ende einer Reise?

Bin ich jetzt froh, ein Jahr des Reisens erlebt zu haben, und kann ich alle Erfahrungen wertschätzen,

oder habe ich nun das Gefühl, mit einem winzigen Vorgeschmack auf die Welt abgespeist worden zu sein, und dass ich noch vieeel viel nachzuholen habe? am besten gleich??


wenn ich mir vorstelle, jetzt in Deutschland in die Uni zu gehen, wieder mit den gleichen Leuten abzuhängen wie früher, die gleichen Sachen zu tun (im Peaches arbeiten, Fitness studio, wer wird Millionär? anschauen, oder Schlag den Raab; im Zimmer sitzen und Musik hören; all diese Dinge), dann fühle ich mich dumm und denke, dass ich in der gleichen Zeit mit Reisen so viel mehr erleben, erfahren, lernen könnte.

Bin ich dann also "faul" in Deutschland?

Wie kann ich in Deutschland sein, ohne mich zu fühlen als wär ich am falschen Ort...


Ich bin mir nicht sicher, ob ich ich das Fernweh unterdrücken kann und mein altes Leben wieder aufnehmen - mein altes Leben, in dem ich sehr glücklich war, so viel weiß ich noch.

Aber damals WUSSTE ich noch nichts.

Und jetzt weiß ichs irgendwie besser.

(aber definieren kann ich das auch nicht.)


Und vor allem weiß ich jetzt, dass ich eigentlich NICHTS weiß.


das ist das Hauptproblem.


Seufz.


Jammern auf hohem Niveau, so würde der Papa mein ganzes Gefasel hier nennen.

Sitzt unter Palmen in der Sonne, und jammert.



Aber der Papa, der weiß erst recht nichts. so schauts nämlich aus ...


12.8.10 13:53


Broome, 16.07.10

Broome, 05.07.10



Pedro haben wir nicht noch einmal angerufen. Wir sind mit ihm kein Bier trinken gegangen, das Goulasch hab ich mir selber gegönnt (aus der Dose, und zwar von HEINZ, ha!), und die Postkarten wurden an Leute verschickt die mir irgendwie mental beizustehen scheinen. (Ist sie schon angekommen, Poddy?)


Völlig verdrängt hatte ich die weiße Schauergestalt, bis ich Samstag vor einer Woche über die Broome Markets schlenderte.

Es war ziemlich voll und ich war auf der Suche nach Geburtstagsgeschenken für meine Mama, dementsprechend bewegte ich mich im Schneckentempo durch Menschenmassen und blieb an jedem Stand stehen, um mir Anregungen zu holen,


plötzlich sehe ich einen langen Tisch, bedeckt mit vielen Hochglanzdrucken von Gemälden, in verschiedenen Formaten, mit und ohne Rahmen, als Postkarten, und so weiter. Bunt, farbenfroh, der Trip schlechthin als Bild -


die Markets drum herum bunt, farbenfroh, die backpacker mit ihrem dreads auf dem trip schlechthin -


es war eine bunte Suppe, noch fiel der Groschen nicht bei mir, es war zu spät, ich rannte voll rein..


Am Ende des langen Tisches stand ein Baum, daran ein Schild genagelt, Gypsy Fortune Telling.

Zigeuner Wahrsagerei, übel übersetzt. Im Schatten des Baumes, auf einem rosa Kinderstuhl, Pedro, der große Künstler. Seine Beine zusammengefaltet wie bei einer Heuschrecke, die zum Sprung ansetzt. Würde er zwei Haken an seinen Knien befestigen, könnte er zwischen ihnen seinen Kopf an den Ohren aufhängen.


Eine dicke Frau ihm gegenüber, er redete wild auf sie ein.

Man kann mutmaßen, dass auch sie auf einem Kinderstuhl saß, aber wirklich sehen konnte man diesen nicht. Wo der Stuhl hinverschwunden war, nun, diese knifflige Frage zu lösen bleibt eurer Phantasie überlassen.


Bevor mir der coole Detektivgedanke kam, den ich gleich erläutern werde, schüttelte es mich erstmal vor Ekel, weil pedro auf diese Frau einredete und sich Spuckeränder an seinen Lippen bildeten, man konnte Tröpfchen durch die Luft fliegen sehen -

man kann es sich ausmalen.

Irgendwelche Tarotkarten hatte er vor sich auf dem Tisch liegen, er deutete auf sie, machte seltsame Handbewegungen, und sein Blick fixierte immer die Augen der Frau.

Der einzige Grund, warum sie auch in seine Augen blickte, war wohl der, dass sie unmöglich auf seinen Mund schauen konnte,

und hätte sie den Kopf gesenkt, um auf die Tarotkarten zu gucken, wäre ihr bestimmt die ganze Spucke ins Auge geflogen.


Wahrscheinlich hatte er sogar Goulasch mit Chili gegessen, reizt die Augenschleimhäute, man will es nicht riskieren.


Mein Detektivgedanke, den ich vergessen hab zu erläutern!

Er, der uns erzählte er sei ein großer Künstler und würde bald Geschäfte machen in Übersee, und der zum Künstler berufen sei und nicht zu irgendeiner anderen Arbeit, die seine Hände ruinieren könnte,

als ER eben, saß da mit Tarotkarten und log eiskalt einer armen dicken Frau ins Gesicht,

ich halte allerdings von den Kunden dieser Wahrsagerei ebenso wenig wie vom Wahrsagen selber. Was sie dafür bezahlt hatte wollte ich schon gar nicht wissen.

Aber mir war klar, das einzig reale was sie von der ganzen Sache mitnehmen konnte war Pedros Spucke in ihrem Gesicht.


Dass er, der sich seit ich-weiß-nicht-wie-vielen Jahren in Broome aufhielt, und immer beteuerte es sei eine grausame Stadt, es sogar als "Gypsy" nichtmal hingekriegt hatte, sich klischeehaft einen Camperbus zu kaufen und diesen Ort zu verlassen,

und wer sich Drogen leisten kann, der kann es auch zu einem Auto bringen mensch!!! -

das ging mir alles nicht auf.

Also kombinierte ich genial, dass er überhaupts gar nich so erfolgreich war, nur mords doof und zu faul für nen Zweitjob, und nur n großes Maul, und dass er auch überhaupts kein Zigeuner war - einfach für dieses Leben nich flexibel genug.

Und bestimmt hatte er auch keine Freunde, ich mochte ihn jetz auch nich mehr, pff.

Vor so einem hab ich keinen Respekt.

ieh und ekelich war der Kerl...


Wie ich vorbeihuschen wollte an dem Stand, sah er mich natürlich und winkte,

und vertiefte sich dann aber wieder in die Karten,

die Frau und ihr Kinderstuhl, zu einer Einheit verschmolzen, lauschten seinen Worten.


(Sollte diese Frau jemals unter seltsamen Umständen sterben und obduziert werden, könnte man mit dem, was in ihrem Hinterteil zum Vorschein kommt, wahrscheinlich eine Ein-Zimmer-Wohnung möblieren. Ich verstehe, dass sie wohl sehr verzweifelt war, aber das ist doch kein Grund, zu Pedro zu gehen, außer vielleicht es dreht sich schon um Sterbehilfe. Ein Privatgespräch zwischen den beiden könnte so aussehen:

ach, ich weiß auch nicht wo mein Geld hingeht, ich kaufe ständig neue Stühle für die Küche und immer verschwinden sie.

Wahnsinn, Sie haben fast das gleiche Problem wie ich! Mir ist immer nach Goulasch, aber dann finde ich doch nur Marihuana, und Geld hab ich auch keins. )



Noch am selben Tag rannte ich auf den Markets in 3 weitere Bekannte rein,

Chrissy, die Zeichnerfrau (Mama weiß Bescheid), Dave Mann, ein Gitarrist aus Margaret River den ich live gesehen hatte, und Giacomo, ein italienischer backpacker mit Palmenfrisur, der mich immer mit "Hello sister !" begrüßt und mit "If u ever get rid off your boyfriend, let me know", eine Einladung zum Inzest, wenn man bedenkt dass ich seine Schwester sein soll...


Es war ein fröhlicher Tag auf den Markets, und nach erfolgreicher Geschenkfindung wurde dann ein dickes Paket am Mittwoch nach Deutschland geschickt. Ich freu mich schon so darauf dass es endlich ankommt. Es ist, als würde ich einen Teil von mir nach Hause schicken, damit ich hier nicht so einsam bin. Andererseits werde ich mir garantiert irgendwann wünschen, wieder in Australien zu sein, das andere Daheim.

Die liebe Arbeit - Steven

Es trifft sich immer so, dass man heimisch wird da wo man arbeitet. Steven hat auch einen Vollzeitjob gefunden, im Cable Beach Club Resort. die Nobel-Unterkunft am Cable Beach... da ist er jetzt Porter und macht 40 Std die Woche Schichtdienst.


Seine Aufgabe ist es, ankommende Gäste zu begrüßen und sie samt Gepäck zu ihren Bungalows oder was auch immer zu fahren, mit einem Buggy der 8 Sitze hat, durch die kleinen verschlungenen Wege des Resorts.

Fahren Gäste nach Hause, holt er ihr Gepäck ab und sorgt dafür, dass alles zum Shuttle Bus des Resorts kommt.

Das klingt einfacher als es ist, denn es gibt 8 verschiedene Stellen am Busparkplatz, wo er das Gepäck hintun kann, und es ist genau festgelegt, wessen Gepäck wo hin muss, je nachdem ob die Gäste schon ausgecheckt haben oder nicht, ob sie zum Flughafen oder woanders hin gebracht werden, ob sie schwanger sind oder keine Mandeln mehr haben, einarmig sind oder dreibeinig.


Eine ganz besondere Tracht muss er tragen, die besteht aus Segelschuhen, kurzer Hose und Hemd, diese in beige mit rotem Rand an den Hemdsärmeln, wer sich diese Kotzkombi ausgedacht hat, den kann ma nur beglückwünschen,

aber Steven sieht trotzdem sehr gut darin aus und den Bart hat er sich auch schick getrimmt.

Zu den gemütlichen Aufgaben des Jobs gehört unter anderem, zu den Bungalows zu latschen die voraussichtlich längere Zeit nicht vermietet werden, und "power saving" zu betreiben. Sprich, man geht rein und schaltet Airconditioning, Licht, Ventilator etc. aus.


Und das für 23 $ die Stunde am Wochenende und immernoch lohnenswerte 19 $ an Wochentagen.

Da gehts ihm gut leider liegen die Schichten nicht immer optimal, das hat Schichtdienst wohl so an sich, heute hat er von 15-23.30 Uhr.

Dafür wird er aber bei Nachtschichten heimgefahren. Beginnt eine schicht nachts, wird man auch abgeholt. Essen bekommt er im Resort, die haben mehrere Restaurants und eine eigene Küche nur für die Mitarbeiter, ein volles Mahl kostet 2,50$ und die Portionen kommen an all you can eat ran. Natürlich gibts da auch nicht irgendeinen Mist.

Lasagne und Salat, Fisch und Kartoffeln, Steven kann nicht klagen,

und mei, ich koch ja auch für ihn das isst er auch immer noch brav... zu seinem Geburtstag gabs ein 3Kilo-Tirami Su das ich gemacht hab.

 

 .... und das liebe Heim

 

 

Seit Steven arbeitet wohnen wir in einem kleinen Räumchen, ca 12m², in einer Wohnung mit einem koreanischen Pastor (ja, ich weiß... wir ham auf die schnelle nix anderes gefunden) und 2 koreanischen Kumpels von ihm. Sozusagen.

Da zahlen wir 250.- pro Woche, also Steven und ich je 125.- , was aber normal ist für Broome. Was billigeres als 200.- pro Woche werden wir kaum finden, aber auf Dauer wollen wir schon weg aus dieser Bude, unter anderem weil uns Joseph, der Pastor, seit 2 Tagen als Chauffeur und Chauffeuse missbraucht, und zwar nicht nur für sich selber.


Heute, als ich mitten im Speck anbrutzeln und Zwiebel dünsten war und Champignons schälen, und alles gleichzeitig, eröffnete er mir dass ich jetzt zu Cable Beach fahren müsse um einen Amerikaner abzuholen, der sich das noch verbleibende freie Zimmer in der Wohnung hier anschauen wolle, und er habe kein Auto, der Amerikaner.

Also ich verstehe ja wohl, was er meine...?

Dann bitte solle ich jetzt mal.. also, los, und so.


Bevor ich meine Kinnlade, die runtergeklappt war, wieder zu gemacht hatte, war Steven schon gefahren weil der grade nix zu tun hatte, und ich den Pastor in der früh um 9 schon zur Post gefahren hatte damit er sein Paket abholen konnte -

und spontan hatte ich vom Cafe frei bekommen, weil es in Strömen regnete.


Am Nachmittag, als Steven dann in der Arbeit und ich ohne beschäftigung war, fuhr ich seine Heiligkeit nochmals in die Stadt, er wollte sehen ob er einen gebrauchten Monitor kaufen konnte und außerdem hatte er mal einen Stuhl gekauft bei einem Möbelladen, diesen aber nie abgeholt. Also warum nicht jetzt, heute, mit mir...


Leider hatte er vergessen wo der Laden war, wie er hieß und wie er aussah,

also fuhren wir das gesamte Industriegebiet ab. Die Straßen vom Regen überflutet, schwamm das Auto durch 50cm tiefe Pfützen, alle Scheiben von innen beschlagen und kein Gebläse half, ich konnte fast nichts sehen, jedoch sollte ich ihm die Namen der Läden vorlesen, die links und rechts der Straße im Schlamm versanken, und es war sogar möglich!, denn schneller als 10km/h konnte ich nicht fahren.


Wir gaben auf, und seine Heiligkeit der Missionar beschloss, am Mittwoch mit Steven zu fahren, wenn Steven seinen freien Tag hatte.


An einem anderen Tag lud seine Heiligkeit, gastfreundlich und großzügig wie er ist, zwei Aborigine Freunde zum Mittagessen ein,

Nett von ihm, was.

und zwar servierte er die Bolognese, die ich am Abend zuvor gekocht hatte und die in ihrem Töpfchen auf dem Herd ruhte, still und leise.


Wiederum an einem anderen Tag hatte der Pastor Glaubensgenossen zu Besuch, und zwar nicht einen, nicht zwei, sondern 5.

Eine koreanische Familie aus Perth, zwei sehr liebe Kinder dabei und freundliche Leute, aber leider allesamt mit dem Irrglauben infiziert, man müsse den Abos dieses Landes helfen, indem man ihnen einen westlichen Glauben aufzwingt,

plus ein Australier im Gepäck, John, der aussah wie Mel Gibson, und beim Studieren der Bibel unterbrochen wurde als ich heimkam und man uns einander vorstellte.

Nach herzlichem Händeschütteln fuhr er mit dem Lesen der Bibel fort und legte sie nicht weg, bis ich ins Bett ging. Und ich ging spät ins Bett.


Als ich früh, sehr früh - fast ZU früh - aufstand, um für Steven Kaffee zu kochen, saß John auf dem gleichen Stuhl wie am Abend zuvor, und nahm ein nahrhaftes Frühstück zu sich, nämlich Gottes Wort.


3000 km waren sie alle gefahren, um nahe Broome auf eine Convention zu gehen, ein Zusammentreffen von weißen Christen und Abo-Christen.

Es hatte seit einer Woche ununterbrochen geregnet, die Straßen waren überflutet,

in der Innenstadt in Broome waren Straßen gesperrt, weil sie entweder zu reißenden Flüssen geworden oder von denselben derart zerlegt worden waren, dass nichtmal ein Jeep vorm Davonschwimmen sicher gewesen wäre.

Wegen des Regens also wurde der Veranstaltungsort kurzerhand verlegt, und zwar in eine 400 km entfernte Stadt, was meiner Meinung nach jeder Logik entbehrt, denn auch der "Highway" (das Sträßlein dass man hier Highway nennt) war wohl kaum zu befahren, und wenn, dann mit kaum mehr als 50 km/h. Mehr würde ich keinem Autofahrer mit Kindern auf dem Rücksitz empfehlen. Kommt das Auto nur von der Straße ab, ist es recht wahrscheinlich dass man einfach ertrinkt...


So brach die Familie nach reichlichem Frühstück - (Joseph: Good morning Vera, I think you had milk in the fridge, I used it. Thank you for the corn flakes. The kids liked it very much.) - auf, um die Fahrt nach Fitzroy anzutreten, zur Convention.

man muss sagen, dass die komplette Familie die 3000km von Perth nach Broome innerhalb von 2 Tagen und 3 Nächten zurückgelegt hatten, mit zwei Fahrern (Mama und Papa), bei Straßen auf denen maximal 110 gefahre werden darf (wie überall in Australien), mit zwei Mädels, 9 und 12 Jahre alt, die gerade die schulferien begonnen hatten.

Mit dem Ende der Convention, so der Plan, wollte man sofort wieder zurück nach Perth.


Wozu all der Aufwand, frage ich mich? 50.000 Jahre lang hatten die Aborigines eine wunderbare Naturreligion, pantheistische Vorstellungen, dass eine art göttlicher Geist in allen Pflanzen, Tieren, Menschen, Steinen,... existiert (sofern ich mich korrekt erinnere an das Wenige, das ich einmal wusste^). Dann kommen die Weißen, alles gerät durcheinander, böse Fehler passieren, die Regierung denkt sie kann es mit Unterhaltszahlungen und dergleichen wieder gut machen. Alkoholismus, Gewalt, Verwahrlosung ist die Folge, Arbeitslosigkeit unter den Abos wahrscheinlich 99 %.


Was machen die Christen? Sie versuchen, die Abos zum Christentum zu bringen (funktioniert immer gut mit Menschen, denen es schlecht geht, die keine Hoffnung, kein Leben, keine Perspektive und keine Ahnung haben) und sagen ihnen, wie sie zu leben haben damit sie vor Gott recht sind.

Sie halten eine Convention ab, in Fitzroy, wo viele Abos sind und ansonsten alles sehr ländlich, wenige Familien, die seit Generationen - ich brauch nicht weiterreden, alles leicht gewonnener Boden.


Was geschieht nun auf dieser Convention?

Ich kann es mir vorstellen, denn wenn Joseph seine Abo Freunde bei sich daheim hat, hör ich ganz genau hin, vielleicht kann ich nicht sinnvolles dabei lernen. Hüstel..

Joseph sagt, die Abos haben eine Tradition, dass, egal wer zu ihnen kommt, sie diese Person bei sich aufnehmen müssen und gesellig sein.

Nun, da die Abos alle Häuser haben, und die Familienverhältnisse und Verwandschaftsgrade ja meist unbekannt sind, läuft das folgendermaßen ab, dass sich alle in einem Haus treffen, man schläft wo es gerade passt, auf dem Boden, im Garten, whatever. Der Hausherr lässt alles geschehen, man trinkt und nimmt Drogen, macht Party, oder schaut fernsehen. Jedenfalls ist das Haus voll. Und keiner putzt.

Wo soll man des auch lernen, wenn man 50.000 Jahre draußen geschlafen hat?

(Ja ich weiß, ich bin gemein).

Wo war ich stehen geblieben?

Ach ja, alles ist dreckig uns stinkt. Und die Leute gehen nicht. Denn es ist in dieser Kultur nicht üblich zu sagen, Geh jetzt bitte.

(Vor 50.000 Jahren : Ey Alter, du gehst mir aufn Sack! Verzieh dich gefälligst hinter nen anderen Felsen, das hier is MEINER....)


Ich bin schonwieder gemein!


They live in a mess, sagt Joseph. You need to keep your house in holiness.

Und : You have to draw a line.


Er meint: Gott will wohlgeordnete Haushalte, klare Familienverhältnisse, keine Saufgelage, kein Schlafen auf dem Boden. Ordnung und Sauberkeit, Gottesfurcht, und : fremde draußen halten, sie davon abhalten, drinnen Dreck zu machen und zu saufen. Keine Orgien.


Joseph sagt, man muss Gott respektieren, sonst kann man niemand anderen respektieren. Gott ist unser aller Vater.


Aber ich finde das alles furchtbar unnütz !


Was bringt es den Abos? Einen Glauben, den sie nie hatten, toll, den haben sie jetzt.

Vielleicht lassen sie ihre Stiefonkel und dergleichen nicht mehr in ihr Haus.

Vielleicht hängen sie ein Kreuz an der Wand auf. Kleben es mit Kaugummi hin weil sie den Hammer nicht schwingen wollen.

Vielleicht hängen sies verkehrt rum auf, sie sehn es ja so selten.

woher soll man denn wissen wo oben ist und wo unten - Späßle g'macht^^


Diese Menschen haben sehr wenig oder eher gar keine Bildung erhalten. Jetz kommt Joseph an mit Gottesfurcht und all sowas. Wenn die sich da reinsteigern?

Wenn dann der Stiefonkel zu besuch kommen will, und die sagen:

Sorry, unser Haus ist jetz eilig, oder heilig, oder so ähnlich, du kannst jetz nicht rein und so.

Dann sagt der Stiefonkel: Spinnst du oder was?!!


Wie soll man das auch alles begründen? Hunderte Jahre europäische Philosophie (und natürlich auch Religion) haben unserer Kultur dieses ganz spezielle Sozialdenken gegeben, und ohne irgendeine Begründung zu geben, knallt Joseph ihnen hin:

Das ist gut, mach das.


Und dann sollen sie Lobpreislieder singen. Aha. Lobpreisen? Wofür? Dafür, dass nach 30 Jahren häuslicher Gewalt, Alkohol, Leben auf der Straße mit der total kaputten Großfamilie ( weil niemand weiß wie man häuslich und glücklich gleichzeitig sein könnte ) und immer dem Seitenblick auf die weißen Aussies, die es irgendwie voll drauf haben,

man so dankbar ist dafür, auf diesem Planeten sein zu dürfen, in einem Land das einem weggenommen wurde, in einer Stadt die von wunderbarer Landschaft umgeben ist, aber die ganze Region bald dem Erdboden gleich gemacht wird weil sie unglücklicherweise einen Haufen Erdgas hat?


Danke, Gott. Jetzt, mit 35, finde ich zu dir, und mein Leben wird gut sein.

Einen Job werde ich immernoch nicht kriegen, aber ich werde viel beten, dass irgendwann ein Job zu mir kommt. In der Zwischenzeit respektiere ich meine Kinder, indem ich sie in ihr Zimmer sperre damit sie auch beten, und meinen Stiefonkel lass ich auch nicht rein.

In meinem Haus trinke ich kein Bier mehr, denn mein Haus ist heilig. Ich geh dann schnell zu den anderen Abos ins Haus, wenn Gott und die Kinder nicht hinschauen, und trinke dort.

Dann ist mein Haus nicht entweiht.


Ich fände es viel besser, wenn er Hilfe zur Jobsuche anbieten würde. Das ganzen Gelaber um ein heiliges Haus ist nämlich totaler Käse. Dann sitzen sie daheim und beten, halten das Haus reinlich, und so weiter. Wie findet man da einen Job?

Erst muss ein Job her.

Dann habe ich Geld und eine Beschäftigung, werde respektiert, meine Kinder haben sowas wie ein Vorbild, und nicht einen bigotten Sandsack der immernoch den ganzen Tag säuft, weil es sonst nichts zu tun gibt.

Dann bin ich auch körperlich aktiv und wiege nicht mehr 100 Kilo. In der Arbeit komme ich mit vielen neuen Leuten zusammen, da kann ich mir Hilfe holen und Tipps fürs restliche Leben.



Ich sollte nichts mehr sagen. Vielleicht ist Josephs Weg der Richtige. Vielleicht hab ich nur Angst, dass mangels umfassender Bildung diese christliche Liebesattacke auf fsehr ruchtbaren Boden fällt. Leute belügen sich ja immer gern selbst. Und das ist so eine gute Ausrede. Doch, ich werde trotzdem geliebt!



An den Sonntagen hält er den Gottesdienst ja bei sich zuhause, weil er keine Kirche hat. Ist ja klar. Und auch keinen Raum. Den müsste man mieten, und dazu hat er kein Geld.

Also tauchen die Kirchenmitglieder (zwischen 5 und 15 Leute) Sonntags von 10-12 zum Gottesdienst in unserer Essküche auf.

ich bin herzlich zur Teilnahme eingeladen.

Bis jetzt habe ich 2 Mal Reißaus genommen. Einmal musste ich "arbeiten" (ich bin zum Strand gefahrn, das Cafe hat sonntags zu...), und das andere Mal musste ich dringend irgendwas anderes machen... ich war laufen, einkaufen, Däumchen drehen, und so.


Aber vielleicht nehme ich nächstes Mal teil. Um zu sehen, wer da kommt, was Joseph so verzählt, wie die Reaktion ist.


Spuren hinterlässt das Ganze wohl - am Samstag putzte ich Küche, Bad, und kehrte und moppte den ganzen Boden.

Nach dem Gottesdienst sah es aus wie vor dem Putzen. Und es stank.

Ich weiß, ich bin so gemein. Aber es war wirklich so.


Als Reisender treibt man sich viel auf öffentlichen Klos herum. Am Town Beach sitzen viele Aborigines. Ich gehe nicht zu nahe an ihnen vorbei. Es riecht unglaublich.

Nuancen von allem was man sich nur vorstellen kann, aber hauptsächlich alter Schweiß und andere Körperflüssigkeiten, je nach Geschlecht in verschiedener Dosierung.

manchmal Alkohol und Zigarettenrauch.


nein ich wills hier nicht ausführen...

... und die Arbeit Pt. II, Veras Job


ich springe zu einem ganz anderen Thema, erstens weil mir sonst dieser Geruch gleich wieder in Erinnerung kommt, zweitens aus gegebenem Anlass.

Heute beim Arbeiten im Cafe. Es war wieder mal stressig, und ich war mit den Gedanken irgendwo. Wenn man dann Kaffee zu einem Tisch bringt, sagt man zu den Gästen zwar lächelnd und geduldig Hey how are ya, now- I have a Cappucino here, whos having that? you? lovely. and heres a slice of that yummy orange cake... aber denken tu ich, Mist, ich muss Tassen spülen, und den Muffin in die Mikrowelle tun, und, und ...

das heißt, man ist darauf vorbereitet sofort wieder reinzurennen und weiter zu hetzen.

Aber an dem einen Tisch heute, an dem ein älteres Pärchen mit einem offensichtlich körperbehinderten ca 35jährigen saß, war das anders.

Denn wie ich so den Kaffee hinstelle, und mich zwar bemühe allen freundlich zuzulächeln, aber nicht zu sehr den jüngeren Mann anzustarren (seine Augen guckten in zwei komplett verschiedene Richtungen, und es war mir peinlich, nicht zu wissen wo ich hinschauen soll...) - also kaum will ich mich wieder zum Gehen wenden, sagt der Mann, freundlich und froh und selbstbewusst, You are definitely Broome's most beautiful woman.

Hihi, lache ich, aber ich bin gar nicht aus Broome, sondern aus Deutschland.

Ach, sagt er, dann eben the most beautiful german woman.

Und dann fängt er an, ganz gemütlich, mir zu sagen was er an mir schön findet. Mein Lächeln, mein Armband, meine Haarfarbe... und so weiter.

Na gut, wenn man viel von besoffenen Menschen umgeben ist (so wie ich im RSL etc), hört man sowas ja oft. Aber es war 11 Uhr vormittag. Trotzdem war ich noch nicht sonderlich schockiert oder geschmeichelt (Komplimente sollte man ja nich zu ernst nehmen).

Aber absolut wunderbar fand ich, wie das Ganze weiterging.

Seine Eltern (?) oder jedenfalls das ältere Pärchen hatte ihn schon lächelnd angeschaut während er mit mir sprach, und er fuhr fort.

By the way, I'm sorry. Sorry for not being normal. Sorry for being ugly but - you know -

I used to be a rugby player. I was quite good. I had a fiance (verlobte), a good contract and good future prospects. And then in 1997 I had this accident. Which made me look like this.

You know.. that guy smashed me on the ground, the game was stopped and over. I wanted to get up but couldnt, and in hospital they said I was never gonna speak, walk, see or think again, and i was to die soon.

So I'm kinda ugly now and sorry for bothering you with this. But see, I will have my degree soon, a degree in ... (und dann ging es um irgendeine Berufsqualifikation).

And you are such a beautiful woman and I just want to tell you that you made my day today.



Wumms. Der hatte gesessen^^ er tat mir wirklich Leid, seine Augen guckten irgendwo hin, seine Beine waren etwas schief wie er sie ausstreckte, irgendwie schien bei ihm alles in diesem einen Unfall zerstört worden zu sein, denn er sagte, seine Verlobte hätte er auch nicht mehr...

während er all das sagte, lächelte er aber, und lachte, und seine Eltern (?) lachten auch. Und seine Mama (?) sagte, He hasnt lost his sense of humour.

Und ich dachte, dem seinen sense of humour möchte ich auch haben.


And today, sagte ich, you re sitting in Broome, this lovely holiday town, and you re enjoying a coffee and cake. How's that!


Life couldnt be any better!, sagte er und meinte es auch so.


Und dann musste ich wirklich wieder rein zum Muffin aufwärmen und Tassen spülen.


Ein paar Minuten später ging ich wieder an dem Tisch vorbei, und sah, wie der Vater umständlich aus Tassen und Tellern einen Turm gebaut hatte, auf dem er eine Digitalkamera in Position brachte, auf Frau und Sohn zielend.

Selbstauslöser, dachte ich und rollte mit den Augen.


Do you guys want me to take that photo of you?


That'd be.. bloody awesome. Cheers, mate!


Wie ich ihnen das Bild zeige, meint der Sohn (der auf dem Bild zwar nett lacht, aber das eine Auge schaut links, das andere rechts am Objektiv vorbei) :

Oh sorry, I made it ugly. Sorry for making the picture ugly ! Sorry!

.... I'm sorry....


Und wir anderen mussten einfach lachen.

 

 

ich kann so nich arbeiten ...

 

 

Aber abgesehen von solchen coolen Momenten gibt es natürlich auch viele A*******l***gäste, und dann gibt es A****l***Tage wo nichts klappt,

und grade vorher wäre ich auch am liebsten durch die Wand gerannt, Kopf voraus, nur weg hier...

Freitag, nach einer Woche wo einem alles weh tut, besonders die Beine. Vielleicht bin ich selber Schuld weil ich in der früh immer laufen gehe, dann 6-7 Std im Cafe laufe in unbequemsten, zu kleinen 10 Dollar-Schuhen, weil ich all meine guten Schuhe nicht mit dem Mist da drin ruinieren will. Und nach dem Arbeiten gehts dann an den strand eine Runde schwimmen, dann wird zu Woolworths gehetzt und schnell was eingekauft fürs abendessen, das wird dann gekocht und gegen 19 Uhr zu Stevens Arbeit gebracht, dann hat er war zum Essen in seiner Pause.

Vielleicht wird davor ein Nickerchen gemacht, vllt auch nicht, um 12 nachts kommt Steven dann heim, aufgestanden wird um 6 oder 7 je nach Arbeitsbeginn.

Da es tagsüber meist über 30 Grad hat und zum trinken nie Zeit, ist man am Ende des Tages irgendwie total platt.(ner).


Gerade vorher schälte ich mich aus meinem Bett (frühes abendschläfchen), um für Steven die Nudeln zu erhitzen und ihm dann zu bringen. Müde stolper ich in die Küche, wo die Bangladeshis gerade mit 5 Töpfen und 100 schüsseln ihr Curry zubereiten.


Gleich ist mein Tag geschafft, denke ich. Gleich.

Da kommt John, der Neffe von unserem Herrn Pastor, auf mich zu. Seit ein paar Tagen ist er jetzt schon da und sucht nun auch hier Arbeit etc.

Ich glaube er wird nichts finden. Sein Englisch ist mist. Er redet so leise, kaum hörbar, und der Akzent ist wahnsinn und der Satzbau auch :p man braucht schon sehr viel Phantasie um ihn zu verstehen.

Lothar Matthäus: sorry, my english is under all pig.

Bestimmt wird ers aber lernen, denn er spricht auch Philippino, das hat er gelernt als er auf den Philippinen war - ich glaub english ist simpler als Philippino.


Gestern hat er sich für 300 $ ein Fahrrad gekauft, nagelneu, für mich sieht es wirklich gebraucht aus.... um dann daheim festzustellen dass eine Schraube am Lenker nicht fest ist und die Lenkstange rutscht hin und her. Mit den Reifen ist auch was.

Ideale Bedingungen! Man kann mit dem Rad nicht geradeaus fahren. D.h., man kann schon, aber man weiß nie, wann.

Das Rad fährt dort hin wo es grade will.

Und sein Reifen ist ihm heute noch geplatzt.

Wir sollen ihn doch morgen bitte in die Stadt fahren.


Mir wär fast der Kragen geplatzt ey. Grad vor 1 Woche haben wir das Auto von oben bis unten innen geputzt. Wollen es ja bald verkaufen.

Außerdem arbeite ich morgen, am Samstag, ab 10 bei den races. Und ich wollte nicht sooo früh aufstehen. Ideal wäre 10 vor 10.


Ok. Luft holen. Steven arbeitet erst um 12, er hat das Auto, und er muss eh einkaufen für uns.

Gut, sag ich, Steven fährt dich dann irgendwann. Ich geb dir nachher Bescheid.


Wenigstens bedanken kann sich John richtig, im Gegensatz zu seinem Onkel.

Der von Gott Berufene hat sowas nicht nötig (hat mein Papa gesagt!! hihihi find ich geil.)

Nun ja jedenfalls rühre ich dann so in der Nudelsoße für steven, wie ich sie langsam erhitze, und denke, toll. Nur arbeiten, nie seh ich Steven, kein Geld, alles teuer, Auto frisst Sprit ohne Ende, und ich hab keine Lust dass wir unsere wenige Zeit mit Taxidiensten zubringen. Schmeiß deinen Tag doch gleich ganz weg, pack dir 3 Koreaner und Gefolge ins Auto.

Ich bin schonwieder gemein.


In diesem Moment kommt Mo, der eine Bangladeshi, zum Herd und rührt in seinem Curry.

Ob ich jemals Reis esse?, fragt er.

Seit die bei uns wohnen, muss ich zugeben, hat er uns sehr oft nudeln essen gesehen. Bolognese, Käsesoße, Tomatensoße, Tunfischsauce und Zwiebel, also ICH finde das abwechslungsreich.

Ja, sage ich, ich koche fast nie Reis, dazu braucht man immer irgendwas festes, stückiges (find ich) und da bin ich wenig kreativ.

Ja, meint er, andere Länder, andere food habits.

Und dann, eher abfällig: Man muss sich halt Zeit nehmen. Alles braucht seine Zeit. Reis ist gut. Pasta ist scheiße. Da ist nix drin.


Ich sehe mich selbst vor mir, mein Kopf geht in den Nacken, ich verdrehe die Augen, hole mit der Hand weeeeeit aus und KLATSCH, mit der Hand auf die Stirn. Klasse.

Ey mann steck dir den Reis ins Ohr... oder so... stopf ihn dir in den Mund und laber nich...


Hab ich aber nich gemacht. Ich hab ihn mühsam angelächelt. Dachte mir, du mit deinem kleinen Bäuchlein das da runter hängt (wie eine Schürze), komm du mal mit mir laufen in der früh, iss du mal bisschen Obst, oder iss deinen blöden Reis doch pur, dann ist er vielleicht besser als Nudeln. Servier du deinen Reis, in einer Schürze aus Speck (kennen das alle? Helge Schneider).

Der erste Abend in 2 Wochen oder so, dass ich keinen Salat zum Abendessen mache.


Und, wenn er meint dass Weizen (Pasta!) nicht gut für einen ist, dann wechsel deinen Job, du blöder Bäcker. Du dummes Brot.


So viel Energie hatte ich in mir, dass ich all das denken konnte.


Der nächste Angriff kam aber schon (klasse, in einem Haus mit 6 Männern zusammen zu wohnen): Wieso bringst du deinem Freund essen? Hast du sonst nichts zu tun?


(NEIN ! SIEHST DU WIE ICH HIER IMMER RUMSITZE UND NICHTS TUE!)


Joseph sehe ich den ganzen Tag nur vorm Computer oder Fernseher sitzen. Pff. Seine Füße schmerzen. Hack sie ab und verkauf sie auf Ebay und zahl es deiner Kirche, die schicken dir jede Woche Hygieneartikel aus Korea und ein iPhone und noch ein anderes Handy und zwei Fotodrucker hast du auch von ihnen bekommen, du kommst definitiv in die Hölle wenn du so weiter machst. Die einzige Anstrengung besteht darin, nicht in die Hose zu machen wenn es bei DEAL OR NO DEAL im Fernsehen mal spannend wird.


Krass ich bin gemein! und es ist sehr entspannend. Ich mach gleich noch weiter.


Also, warum bin ich so doof und bringe meinem Freund essen?

Dont be stupid, you are not his slave, why do you do that. Women can be silly.


Ok er hat dabei gelacht. Aber stupid und silly nennt man mich nicht. Von mir aus Busenlily oder sowas^^ aber nicht dumm..


Steven bittet mich da nicht drum. Ich freu mich ihn zu sehen, dann quatschen wir kurz wie unser Tag bis jetzt so war. Außerdem würde er sonst kein gescheites Abendessen bekommen bei der Nachtschicht. Und so bring ich ihm eben eine riesen Portion...


Aber es macht mich traurig wenn ich alles so im Kopf durchgehe. Warum sagen sie nicht, hey, ist ja lieb von dir dass du das machst. Bisschen aufbauen.

Egal. Albert Camus schreibt, wenn einer am Boden zerstört ist, total mit den Nerven am Ende, und dann kommt ein anderer daher und macht ihn blöd an, sagt etwas, das den armen Menschen noch kaputter macht, und dieser begeht daraufhin im totalen nervlichen Zusmmenbruch Selbstmord, dann ist praktisch der Typ, der ihn zuletzt angemault hat, Schuld und hat ein Menschenleben auf dem Gewissen.

Nicht dass man ihn dafür vor Gericht bringen sollte. Aber der Gedankengang lässt sich leicht nachvollziehen, wenn man überlegt, dass ohne diese eine letzte Beleidigung der Selbstmord vielleicht gar nicht stattgefunden hätte.


Um Gottes Willen ich hab keine solchen Pläne. Ich bin nur manchmal auch traurig und kaputt, wie etwa gestern, als meine eine Arbeitskollegin (die gerne mal herrisch und fordernd werden kann, wenn es im Cafe stressig zugeht) mich vor allen Leuten angeschrien hat. Der Fehler, den ich gemacht hatte, war eine etwas falsch notierte Bestellung (ich hatte die falsche Art von Brot aufgeschrieben bei einem Sandwich), woraufhin es eine Verwirrung gab und die Kundin reklamierte, Folge, das Sandwich musste nochmal gemacht werden. Das kommt jeden Tag mehrere Male vor, weil man manchmal einfach die vielen Abkürzungen verwechselt oder undeutlich schreibt, etc.


Die Kollegin, die meistens den Kaffee macht, hatte aber vergessen, dass oft auch beim Kaffeemachen was schief geht, also in ihrem Ressort, und nicht nur bei mir. Zum Beispiel in der früh hatte sie eine Bestellung einfach nicht richtig angeschaut, und 4 Eiskaffee zu viel gemacht. Vier !!!! Das Eis schmilzt schnell, die konnten wir also nicht mehr verkaufen. Es ist ja nicht so, dass das kein Geld kosten würde. Aber niemand schnauzt sie an deswegen. Sowas passiert halt.

Zudem kommt öfter mal ein Kaffee falsch raus, zu kalt. zu heiß, kein extra starker wie bestellt, zu viel schaum,. zu viel Zucker.... und dann steckt ja auch die Bedienung (also dann ich oder die Isla oder so) die Beschwerden ein, stellvertretend für die Frau, die den Kaffee gemacht hat. Und man verhandelt mit dem Gast, wie man entschädigen oder helfen kann oder was auch immer, und entschuldigt sich ehrerbietig. Egal ob man persönlich schuld war.

Ich nenne das teamwork...

Alle Leute im Cafe starrten mich an, die Situation sah aus als wäre ich der schlampigste, unkonzentrierteste Mitarbeiter schlechthin. Dabei bin ich meist recht penibel mit allem, denn ich weiß, wenn es eh stressig ist machen Fehler alles nur noch schlimmer.

Auch versuche ich immer freundlich zu allen zu sein, denn niemand ist Schuld daran wenn so viele Gäste kommen, und dann muss man das beste draus machen.

Es brodelte so sehr in mir, weil ich Ungerechtigkeiten verabscheue. Besonders wenn ich ungerecht behandelt werde. Ist ja klar.

Lauren (die mich anbrüllte) hat das schon mehrmals gebracht. Alle rumkommandieren, als wäre sie die einzige die ihre Arbeit ordentlich macht.


Nächstes Mal werde ich ihr sagen, dass ich vor einer 26jährigen Partyqueen, die mit Stress nicht professionell umgehen kann, aber jede Nacht mit Saufen zubringt und dann mit hangover in die Arbeit stolpert, und die zudem einen Damenbart hat!, nicht genügend Respekt habe um mich wie ihr Sklave behandeln zu lassen, und ihren Kaffee kann sie ab jetzt selber rausbringen, dann wird sie merken dass auch sie Fehler macht.

Spätestens dann, wenn ein 65jähriger Rentner im Urlaubsstress (...) sie anmault, er habe den Eiskaffee mit fettarmer Milch und nicht Vollmilch (die ist zu fett) bestellt, aber sehr wohl MIT Schlagsahne (35 % Fett) obendrauf, aber OHNE Kakaopulver obendrauf, denn im Kakaopulver ist Zucker beigemischt.

Und warum man ihm nicht gesagt habe, dass im Eiskaffee Vanilleeis ist. Das sei ja die Höhe. Der ganze Zucker ! Sowas muss man den Leuten doch sagen. Er achte auf seine Ernährung. Er wolle nicht so viel Zucker zu sich nehmen.


Der Rentner wiegt 150 Kilo und hat sich mit Ernährung noch nicht wirklich auseinander gesetzt, denn sonst wüsste er dass Koffein ein Zellgift ist, und die wenigen Antioxidantien die der Kaffee hat, werden durch gesättigte Fettsäuren in der Milch garantiert wett gemacht.



So, Lauren. Herzlich willkommen in der Welt einer Bedienung.




Man soll ja ständig an sich arbeiten, deswegen glaube ich - und Steven sagt, ich nehme mir alles viel zu sehr zu Herzen - dass ich dringend mehr Reis essen sollte, und darauf pfeifen was Lauren sagt. Wenn dir einer auf die linke Wange schlägt, halt ihm auch die rechte hin.

Was bedeutet das? Da die meisten Leute Rechtshänder sind, wird ein Schlag auf die rechte Wange meist mit dem Handrücken ausgeführt, und nicht mit der Handinnenfläche (so wie der 1.Schlag auf die linke Wange). Hat man den ersten Schlag weggesteckt, kommt ein noch härterer, noch schmerzhafter, noch herablassender.

Ich mache weiter das Blondchen, immer lieb (zumindest im Job.), und schaue mal, was passiert. Obwohl ich schon lange nicht mehr richtig zugeschlagen habe, bin ich davon überzeugt, im Notfall einen ansehnlichen Kinnhaken ausführen zu können, der dann vielleicht das Ende meiner Arbeit im shady lane Cafe bedeutet - aber ich kann den Zeitpunkt ja günstig wählen. Und es wäre bestimmt sehr befriedigend. Jahre könnte mein ST´tolz davon zehren...


Nein. Natürlich wird es nicht dazu kommen. Ich bin kein Mensch, der anderen wehtun will. Ich will anderen auch nicht zur Last fallen, sie nicht ausbeuten, und nicht unfair sein oder gemein. (Nachts träume ich zwar von Kinnhaken und der Weltherrschaft, aber meist bleibt es beim lästern.. wie gut, einen blog zu haben).

Das Beileidigen, Zur-Last-Fallen, den Psychoterror und alles andere überlasse ich den Rentnern im Urlaubsstress, meinen Arbeitskollegen, und den Christen. (bitte nicht als Kollektiv verstehen).


Wie der Papi bin ich meistens zu stolz für die wahrhaft kritische Selbstreflexion, denke aber, dass ich die Sache mit dem Reis umsetzen kann.

Vielleicht mache ich zum Reis einfach mal ein Goulasch. Das passt gut zusammen.


Goulasch.. Bleich. Kalt. Rauch.


Pedro.


Seufz. Kein Goulasch, und auch keinen Reis.



16.7.10 16:24


Broome, 21.06.10

achtung ! längster, verplantester, schrägster blogeintrag ever !

 

 

Fussball


Guten Morgen Deutschland !


Es hat sich schon wieder einiges getan am anderen Ende der Welt. Die Australier hassen uns jetzt, nach dem 4:0,

und bereuen, nur ihre "B-Mannschaft aufgefahren" zu haben. Faule Ausrede.

Zu Troy habe ich gesagt, ihr Spinner, eure Mannschaft hat das ganze mit Rugby verwechselt ..


einige alte Leute im Café haben mich auf das Spiel angesprochen, weil sie wissen dass ich deutsche bin - waren sich aber einig: "everyone knew the germans were the superior team".


Aha


zu manchen sage ich dann, "I'd be better off sayin I m swedish cuz they aint in the world cup..."


Bizarr war der Anblick in der Pearlers Bar, wo alle Spiele live übertragen werden (das letzte Spiel übrigens von 2.30 bis 4.15 in der früh, dafür musste ich erst um 10 arbeiten ),

und sich ungefähr 2 Australier unter 60 oder 70 Deutsche gemischt haben und am ende dementsprechend arm aus der Wäsche schauten.


Die nächsten Spiele laufen auch wieder am abend oder nachts,

und da ich ja vormittags im Cafe arbeite werde ichs dann meistens so machen wie am Sonntag; ab 9 oder 10 uhr abends im auto schlafen, am Parkplatz von der Bar, und Steven sitzt drinnen und arbeitet. Wecker auf halb 2, schnell anziehen und reinstolpern



Das James-Bond Auto ohne James Bond


Vllt hat ja jemand die Photos auf Facebook angeschaut; da ist ein versunkenes Auto mit dabei. Das kam so -

an town beach fahren manche leute mit ihren Jeeps bei Ebbe bis zum Wasser vor über den Sand, mit ihrem kleinen Boot auf dem anhänger, lassen dieses dann zu Wasser, und bevor die Flut wieder anfängt sind sie wieder am Auto, laden das Boot drauf und fahren weg.

Natürlich kann man auch bei Flut einfach an der Seite vom Strand runterfahren und das Boot ins Wasser befördern. Warum man das bei Ebbe machen soll, geht mir nicht in die Birne.

Leute mit Boot fragen?


Ein gewisser Jemand hat dieses Prinzip wohl auch nicht ganz verstanden

- und dass der gesamten Zeitplanung bei so einem Bootsausflug die Logik der Gezeiten zugrunde liegen sollte, wohl auch nicht.

jedenfalls fuhren Stev und ich eines schönen morgens nach dem aufwachen zu town beach,

für Klo- und Katzenwäsche-Möglichkeit. Wie ich so zum Klohäusl spaziere, sehe ich 20 Leute am Strand stehen und aufs Wasser schauen und auf irgendwas zeigen.

Um 8 in der früh.



Da sehe ich, dass ein weißer Jeep mit den Reifen im Wasser ungefähr 50 m vom Ufer weg steht, und nur wegen der Ebbe auf dem trockenen Sand.

Das auto aber ganz allein.

Und alle Leute ganz aufgeregt, weil die Flut kommt.


Sowas sieht man aber öfter, dass jemand mit dem Jeep durch das flache Wasser brettert.

Der kommt da locker weg, hab ich mir gedacht. Macht nicht so ein Aufhebens darum!


Wie ich nach 10 min aus dem Klohäuschen rauskomm, stehen zwei Landschaftsgärtner oder sowas ähnliches an dem Wasserspielplatz am Strand, und im Vorbeigehen höre ich wie sie reden.

"twenty minutes and that fella will have the water up to his windows".


Zwanzig Minuten?, dachte ich mir. Die hab ich.


Tatsächlich tauchte kein mensch mehr auf, um das Auto zu retten, und nach einer knappen Stunde sah man nur noch den weißen Rand vom Dach oben.


Ich hörte Leute sagen, der arme Mensch sei von einem krokodil bedroht gewesen.

Das ist möglich. Hier tauchen immer mal wieder welche auf.

Leistenkrokodile, so an die 5m. Sobald man es sieht, ist es schon zu spät, dann machts einmal MAMPF und du bist weg ! RÜLPS.


Die genaue Ursache konnten wir aber nicht klären, und haben den Tag dann auch woanders verbracht.

an town beach kann man nicht sehr viel machen ;

und wenn man dort schwimmen geht, trifft man angeblich auf Krokodile ....^^

(und autos!)


Wir überlegten zwar, dass der arme Mensch sicher verzweifelt sein Auto beim Absaufen beobachtet hatte, aber spätestens bei der nächsten Ebbe in ca. 5 Stunden es ja herausholen könnte, und das würde er dann sicher gleich tun.


Wir dachten dann nicht mehr weiter darüber nach -

staunten aber nicht schlecht, als wir am gleichen Abend, circa 10 Stunden später und somit schon bei der nächsten Flut (!) wieder an town beach ankamen,

und das Auto zum zweiten Mal bis unters Dach im Wasser versunken vorfanden.


Immernoch standen die Leute am strand und deuteten auf das Auto. Vermutlich waren es aber nicht die gleichen wie in der früh...

da hatte es natürlich einen Schichtwechsel gegeben.


Nicht aber für den Jeep !

Nach dem Abendrot verschwand das weiße Dach gleichzeitig in Dunkelheit und Meereswogen.


Erst am nächsten Tag wurde der Jeep gerettet, wahrscheinlich saßen schon kleine Krebse im Kofferraum und ein Aal schwamm in den Auspuff und blieb stecken ...


Wäre es ein James Bond Auto gewesen, hätte es wahrscheinlich jemand absichtlich da abgestellt, und das Auto hätte seine automatische Angelfunktion genutzt um dem Besitzer nach 10 Stunden Flutung einen schönen Fang zu präsentieren.


Oder aber- wäre James Bond der Besitzer, hätte er das Krokodil verhauen und das Auto am Abschleppseil mit den Zähnen aus dem Wasser gezogen.


Wenn es der australische James Bond ist, der sein Auto da hat absaufen lassen, sitzt er einfach den ganzen Tag im Pub und sagt sich : "no worries!!!"


Raumsuche


Kürzlich hat uns in der früh der Ranger erwischt, deswegen müssen wir jetzt noch besser aufpassen und vor allem uns längerfristig doch mal eine Bleibe suchen, denn langsam nervts echt...

Wenn ich um 8 oder 9 anfange zu arbeiten wird es schon schwierig, in der früh ein Klo zu finden, weil die meist erst gegen 8 aufgesperrt werden und dann manchmal fürs putzen geschlossen sind.

Außerdem ist es einfach übel, alle Sachen die man zum Leben braucht (Klamotten, Gaskocher, Geschirr, Bücher, Laptops, Kabel, Shampoo und sonstige Sachen, Wasserkanister und Flaschen, einen Eski, Kissen, Decken, Schlafsack, Strandtuch, Flossen und Tauchutensilien) im Kofferraum eines Kombis aufzubewahren, in dem man dann auch noch schlafen soll, und zwar immer nur von 23 bis 6.30 oder 7 Uhr, weil man sonst erwischt werden könnte. wenn man also weggehen will, weiß man schon dass man nicht ausschlafen kann.

Natürlich passt auch nicht unser ganzes Essen in den Eski, weil wir ja auch Pfeffer und Salz und solche Dinge haben, sodass dann immer mal wieder ein Apfel oder eine Dose so im Auto herumkullert, und man liegt drauf, oder so...

besonders schön ist es, wenn man abends noch dasitzt, auf den vorderen sitzen, kaum lüften kann weil man sonst von viechern zerstochen wird, und dann fällt einem ein dass man den laptop möchte, oder eine tasse um eine vitaminsprudeltablette aufzulösen (leckere alternative zum wasser...), oder, oder, ...

dann kann man nur hinterklettern, in das Chaos, und wühlen.



Auf unseren Zettel an der Pinnwand, dass wir auf Raumsuche sind, hat sich ein österreichischer Exilant gemeldet. der befindet sich in den Mitt-Vierzigern, ist schon seit 17 Jahren da, und hat seinen Akzent auch im englischen Beibehalten.

Sowas kann man in typo nicht darstellen, das müsst ihr euch einfach vorstellen...


zuerst wollte der uns einen raum vermieten, woraus dann aber nichts wurde, weil der raum doch noch nicht frei wird - er bot uns seine Garage an, für 100 Dollar pro Nase und Woche - na klar, Idiot.

Da fiel ihm ein, sein slowakischer Kumpel hätte noch ein Zimmer frei, er werde den mal kontaktieren.......

so kam es dann auch, und als ich am Freitag um 3 aus der Arbeit kam packte mich Steven gleich ins Auto und sagte nur, wir müssten einen Raum anschauen fahren.


Pedro Koch-ich-mach-ich


Fahren, ja, fast in die Pampa, in eine Mini kleine Straße, die in einer Sackgasse endete, und da war Haus Nummer 14.

Unit 4 müsste es sein, sagte Steven. Welches Haus das sei? Keine Ahnung. Alles seltsame Wellblech-Baracken, mit Müllhaufen vor der Tür,

eine Aborigine Frau saß vor ihrem Haus auf einem Stuhl, stumm, schwarz, starrte vor sich hin. Geblümtes Kleid und wirres Haar.


Kurzerhand haben wir den Typ am Handy angerufen, Äh, tschuldigung, könnten Sie mal eben aus ihrem Haus rauskommen, wir stehn draußen......?


Yes-e, yes-e, hörten wir, schon kam ein dürrer Langer aus einem Vorgartenbusch gesprungen.

graue Hose, graues Hemd. Beides war früher mal weiß, ganz früher.

Bleiches Gesicht, dünnes dunkles Haar, davon nicht mehr viel, die Wangen eingefallen,

der ganze Kerl an sich gar nicht so alt - nur verbraucht.


Schlaksig, hektisch, gestresst. Hereinkommen sollten wir, rein, jetzt, los!!

Damit drehte er uns den Rücken zu und eilte mit großen Schritten Richtung Haus, und hinein zur Tür, man konnte kaum mithalten - in der Haustür parkte ein Roller -


schon standen wir im Wohnzimmer. Drei Sofas verschiedener Epochen des Interieurdesigns, mehr oder weniger gut erhalten, davor ein Flachbildfernseher mit mehr Bildschirm als die Sofas Sitzfläche haben. Der lief auch. Irgendein hektischer, stressiger, bleicher schlaksiger Kanal.


Foxtel habe er, 3.000 Kanäle, das sei nicht schlecht, was?


Er führte uns in den Flur, es roch. Rauch und Farbe.

Dies sei, was er mache, sagte er und deutete auf ein riesiges Gemälde, das erwartungsvoll an der Wand lehnte, bunt und patchwork, juhu, wann werde ich verkauft?

Er sei Maler. Dies sei sein Atelier - er öffnete eine Tür zu einem Raum, der einer Abstellkammer glich, mit Farbtöpfen am Boden und einem angefangenen Bild am Boden. Armes Ding, eingesperrt in einem dunklen Raum. Wie Josef Fritzl, nur als Slowake.


Pedro hieß er. Hektisch, gestresst,

Koch ich mach ich!


Ich fragte mich, ob Pedro natürliches Licht mochte. Eher nein.

Glich er doch selbst einer Leuchtstoffröhre.


Hier sei das Waschmaschinendingsbums, hier das Klo, hier unser Zimmer -

20 m² mit einem altmodischen Doppelbett, darauf Kissen, die Decke verwurschtelt - wer hatte hier wohl zuletzt Liebe gemacht?, ich wollte nicht drüber nachdenken.

Bleich, schlaksig, Rauch.


Wir gingen hinaus auf das Grundstück, ein Handtuchgarten, der Boden bedeckt von einer Schicht brauner Blätter, in der Mitte ein kleiner Teich, braun.

This is the end of the garden - er zeigte auf die Holzwand, eilte weiter.

Hier, hier könne man sitzen. Ja, sitzen!

Ein altes Sofa gammelte einsam vor sich hin, Blick auf den Teich, als würde es sich am liebsten darin ertränken.

And this - this is the other end of the garden - die andere Holzwand.

Nein. was für eine Überraschung. Ein hinteres Ende hat der Garten auch.

(Ein Optimist würde von zwei Anfängen sprechen-)


Er spulte das alles runter als müsste er jeden Tag hunderten Leuten seine Wohnung zeigen.

Ach, wie ihn das nerve. Jeder kaufe immer nur chinatown-Bilder. Immer müsse er Broome Chinatown malen. Was anderes verkaufe sich nicht in dieser blöden Stadt.

(Seit 21 Jahren ist er schon hier. Idiot, dachte ich. Dass diese Stadt blöd ist haben wir schon nach 2 Wochen gemerkt. Warum haut er nicht ab.)


Aber da er Broome brav promote, und immer das dumme Chinatown malen müsse, sollte er theoretisch bald in ein viel cooleres Haus umziehen. Habe die Stadt versprochen.


Sein Freund Christian (der Österreicher) habe über uns gesagt, nun ja, wir seien jung, schön, hätten nicht viel Geld, und Pedro solle fair sein zu uns, deswegen schlage er, Pedro Moszi, der Künstler, vor, 70 Dollar pro Nase pro Woche. Dazu habe er sich durchgerungen, gewissermaßen.


Aber wir sollten ihm ein paar Tage Bedenkzeit geben, bis Mittwoch. Dann solle man zusammen auf ein Bier gehen, so könne er sehen ob wir gute Leute seien.

Und in ein paar Monaten würde er sowieso ins Ausland gehen, Geschäfte machen, dann könnten wir sein Haus hüten. Das würde gut sein.

Er guckte in die Luft. Stille.


Vera. Der Name erinnere ihn an Budapest.

Da sei er 1972 gewesen.

Oder 73? Egal. Vera sei ein Name für Budapest. Seufz.


Er schielte aus dem Augenwinkel erwartungsvoll zu mir herüber.

Ob ich kochen könne?


Hm, machte ich. Ja, schon. Eigentlich ganz gut.


Fabelhaft ! Er klatschte in die Hände. Er habe nämlich -

er zerrte uns in die Küche, wo er sich hinunterbückte, in einen Schrank. Sein Kopf verschwand darin.


Er habe nämlich - dumpf drang die Stimme aus dem Küchenschrank hervor, als er aus der hintersten Ecke etwas großes hervorzog -


"eine Bratpfanne !" rief ich aus.

Hallelujah ! A frying pan !


Tatsächlich hatte ich die gleiche schon bei John und Lynne in Perth gesehen und benutzt, und muss gestehen dass es ein echtes High End Teil ist.


Yes, yes, you can make everything in it !

Die grauen Augen funkelten vor Begeisterung.

Goulasch ! Everything !!


Unwillkürlich schweift meine Phantasie ab, ins Jahr 1972 nach Budapest, wo ein abgemagerter, bleicher junger Mann in einer rauchigen Spelunke vor einem dampfenden Teller Goulasch sitzt.

Draußen pfeift der eisige Winterwind, die dicke Köchin rührt im Goulaschtopf, gedankenversunken starrt sie zum Fenster hinaus ...

sie heißt Vera ...


reboot! Zurück ins hier und jetzt !

Nein, dachte ich, du spinnst wohl, leb deine Fressphantasien anderweitig aus ! Ich koch bestimmt nicht für dich. pfffff.



Pedro wedelte sowieso schon mit der Hand, als wollte er die Goulasch-Dampfwolke beiseite schieben. Themawechsel.


Concerning drugs - er rollte das "r", dass es uns kalt den Rücken runterlief.

Sein Logopäde musste ein russischer Mafiaboss gewesen sein.


- you CAN smoke Marihuana. It's good for you. -


Haha, unterbrach ich froh, und winkte ab. Wir nehmen echt keine Drogen! Aber es macht uns nichts aus wenn er - also - es ist ja sein Haus -


what, are you serious. So young, so beautiful, and you dont smoke Marihuana.

Pedro schüttelte den Kopf und guckte traurig zu Boden. Verlorene Jugend, das.


Dazu fiel mir echt nix mehr ein. Ich guckte Steven an.

Viele Menschen sind young, und beautiful, dachte ich. Aber dann fangen sie an zu kiffen und sehen irgendwann aus wie Pedro.

Aber ich sagte es nicht laut. Steven dachte das gleiche.


Im übrigen, fuhr Pedro fort, hatte er hier schon viele Rockstars untergebracht.

Die meisten seien zurückgekommen, an diesen Ort. Es sei gut hier.

Wenn es so käme, das wir hier einzögen - das "wenn" sei rein konditional und nicht temporal gemeint! -

sollten wir das für uns behalten.

Where are you staying? - At Pedro's. NO ! So gehe das nicht.

Where are you staying? - Not your business. So.


Jahrelang habe er den Hype um seine Person aushalten müssen,

ständig sei er in Zeitungen und im Radio gewesen. Er wolle das nicht mehr. Er habe sich hier, am Arsch der Welt, ein kleines Nest gebaut, und das wolle er nicht mit publicity versauen.

Es sei gut hier, und er wolle das so beibehalten. Als junger Mann beim Drogen verticken habe er das gelernt. Hast du Drogen für mich? - Klar! - Wie heißt du? - Pedro. - Hast du einen Ausweis dabei? - ja klar. - Zeig mal. (...) Ok mein Freund, du kommst jetzt erstmal mit auf die Wache.


Heute sei er anders. Er habe gelernt.

Waren Sie schonmal auf dem Mond? - Ja. - Wie oft? - Sieben mal. Und es ist verdammt geil auf diesem großen, großen Mond. (...)


Wir wissen jetzt auch, warum der Mond so bleich ist. Weil Pedro da war. Mit seiner Hektik und seinem Marihuana.



Vermutlich hatte Pedro auch seine Rockstar-Freunde manchmal eingeladen, auf eine Reise zum Mond. Kein Wunder, dass sie ihn öfter besuchten.



Langsam setzte sich ein Pedro-Puzzle in meinem Kopf zusammen. Vage konnte ich seinen Lebensstil erahnen. Rumliegen, trinken, Drogen.

Malen. Kreativ. Künstler.

Raserei. Exzess. Farbe.

Fernsehen. Zerstreuung. Bleich.


Goulasch.



Ich verglich es mit meinem Lebenstil.



Im Cafe arbeiten. Strand, Sonne, Meer.

Salz in den Haaren. Honigmelone. Rote Wangen.

Wind in den Palmen. Nudeln mit Tomatensauce. Schlafen.


Ich versuchte, die beiden Lebensstile in Einklang zu bringen.


Alkohol und früh aufstehen.

Künstler und deutsches Ökonomiedenken.

Goulasch mit Honigmelone.

Stop mal. Da passte was nicht.


Ich entschied für mich, an diesem Ort keineswegs wohnen zu wollen.

Kochst du noch oder lebst du schon?


Wen sonst könnte Pedro aber finden, der hier einziehen könnte?

Ich konnte mir keine weibliche Person mit durchschnittlichem Hygieneverhalten und zweistelligem IQ vorstellen, die bei Pedro wohnen wollen würde.

Wie ich weiter darüber nachdachte... eigentlich auch keine männliche Person.


Und wie ging es wohl den Gegenständen in diesem Haus. der Bratpfanne?


Das Bild, das an der Wand lehnte, schien zu sagen:

Wann hänge ich endlich in einem NORMALEN Wohnzimmer, bei NORMALEN Leuten?





Pedro war mit Sicherheit kein schlechter Kerl, aber als er uns zur Tür hinausschob, mit dem verbindlichen Vorschlag, am Mittwoch zu telefonieren,

war Steven und mir klar, dass wir diese Bude wohl nie wieder betreten würden.


Christians Garage für 200$ die Woche schien plötzlich wie ein göttliches Geschenk,

aber wir beschlossen, einfach weiterhin im Auto zu wohnen.

Ist doch egal.


Pedro hatte jedem von uns drei Postkarten geschenkt, Hochglanzdrucke von seinen Bildern.

Wir saßen im Auto und starrten diese Postkarten an, und ich dachte, wieso finden immer wir diese Typen.


Lars aus Margaret River kam mir in den Sinn, bei dem AnnCa und ich 2 Wochen lang gewohnt hatten, und der eines Abends ein Kilo Marihuana auf seinem Wohnzimmerteppich aufhäufte um es zu weiterer Verarbeitung und Konsum parat zu haben.



Ich hatte Pedro schon fast vergessen, als ich am Montag in der Arbeit zwei Hamburger und Pommes zum Büro von Pindan Labour Solutions brachte, deren Bestellung fürs Mittagessen.

Ich betrat den Vorraum, die Rezeption war nicht besetzt, also klingelte ich und wartete.

Mein Blick schweifte durchs Zimmer. Grauer Teppich, eine Topfpflanze. Drei weiße Stühle.

Darüber an der Wand: ein riesiges Gemälde.


Bunt.Patchwork. fröhlich. ein Farbenfeuerwerk.

Rechts in der Ecke die Signatur: Pedro Moszi.


Hallo, sagte ich zu dem Bild.


Hey, sagte das Bild überrascht. Wahrscheinlich wurde es nicht sehr oft angesprochen. In diesem Büro.


Du bist doch von Pedro.

Ja, stimmt, sagte das Bild. Kennst du den?

Ich zögerte. ja, ich bin seine Köchin. Mir tat die Lüge jetzt schon Leid.

- Ah? machte das Bild interessiert. Also isst er neuerdings wieder öfter?

- Ja, total! , faselte ich, Also ich meine - das Goulasch, das muss ich so oft für ihn kochen, haha. Am Ende wird er noch fett, der gute.

- Oh, seufzte das Bild erleichtert, wie schön. als ich noch bei ihm wohnte ging es ihm ganz schlecht. Ich glaube, wir Bilder sind die einzige Freude in seinem Leben. Obwohl er uns nicht immer sehr gut behandelt. Wir stehen im dunklen Atelier, und wer uns kauft, das ist ihm eigentlich egal.

Sieh nur mich an, fügte es leise hinzu.


Das überraschte mich doch sehr.

Wa-? Dich? Ach komm! Ein schönes ruhiges Büro, das ist doch nicht schlecht. Bestimmt wirst du hier auch oft abgestaubt, und so?

- Ruhig!, schnaubte das Bild verächtlich, und sein blauer Hintergrund wurde dunkelrot.

Hastig guckte ich mich um, ob das sonst noch jemand bemerkt hatte. Aber außer der Topfpflanze, die erfreut raschelte, war sowieso niemand im Raum.

Das ist ja das Problem! , klagte das Gemälde weiter, hier ist nichts los! Ein paar Frauenzimmer in sauberen weißen Blusen und Feinstrumpfhosen, und ein paar gammlige Arbeitslose, kulturloses Pack. Niemand schaut mich an, keiner redet mit mir.


Das konnte ich mir allerdings gut vorstellen. Das Bild musste sich einsam fühlen...

Bei Pedro, erzählte die Leinwand, da war jeden Tag was anderes los. Die Rockstars haben uns stundenlang angestarrt und über uns philosophiert. Wenn sie stoned waren, haben sie unsere Farbharmonien analysiert, das war voll faszinierend, sprudelte das Bild entzückt weiter, und manchmal haben sie gedacht wir könnten uns bewegen und würden uns verformen. Total schräg. Cool bananas !

Es machte eine Pause, um Luft zu holen.

Nur manchmal, da sind sie aus Versehen auf uns drauf gestiegen, oder haben Bier auf uns gegossen. Einmal, da hat Jimmy Barnes fast auf mich drauf gekotzt. Siehst du da rechts außen auf mittlerer Höhe, da hat es etwas hingespritzt, meinte das Bild kleinlaut.


Tatsächlich fiel mir inmitten der dunkelblauen farbe ein heller Fleck auf.

Pedro hat noch versucht, es zu übermalen!, verteidigte es seinen Schöpfer,

so durfte ich auf meinem Originalrahmen bleiben.


Außerdem war es Jimmy Barnes!, gab ich zu Bedenken. Nicht irgendwer.


Ja - ja, genau!, pflichtete mir das Bild dankbar bei. Jimmy Barnes. Solche Leute kommen hier nicht vorbei.

es ist alles so trostlos..


Es stutzte. he! Sag mal, könntest du nicht - es hielt inne, aber der gespannte und hoffnungsvolle Unterton war nicht zu überhören.


Was denn?, wollte ich wissen. Mir wurde schon ganz schlecht.

Könntest du ihm nicht sagen, er soll mich mal besuchen kommen?, fragte das Bild vorsichtig.


Was!, rief ich, Jimmy Barnes !! Meinst du, der wird jemals arbeitslos??

Und dann auch noch in BROOME ??!!




Maaann!, stöhnte das Bild,

du Borstenpinsel, ich mein doch Pedro! Meinen Papa, sozusagen...-


Ach! - Klar. Das kam mir logisch vor. Aber plötzlich fiel mir ein: Das heißt ja, dass ich ihm sagen muss, ich hab mit dir geredet!


Stille.


So. Na und? Der Bildhintergrund sah plötzlich grünstichig aus. Grantig.


Nein nein, versteh mich nicht falsch!!, versuchte ich die Situation zu retten. Es ist nur - ich hab Pedro schon gesagt, dass ich keine Drogen -


ICH GLAUB DU SPINNST !!!!, donnerte das Bild und wurde augenblicklich schwarz. Ich zuckte zusammen und hob die Hände zu den Ohren WAS DENKST DU DENN MIT WEM DU HIER -



quietsch. Die Tür am Ende des Büros schwang auf. Mir rutschte das Herz in die Hose und ich fuhr herum. Im selben Moment verstummte das Bild.


Hi, how are you, sorry I know I took ages! We just had this meeting -

Die Frau in der weißen Bluse, Rock und Feinstrumpfhose verstummte. Ihr Blick war auf das schwarze Bild an der Wand hinter mir gefallen.


What the heck! -



Two Burger and hot chips, comes to thirty dollars - fing ich an.


Sie verharrte noch einen Augenblick in ihrer Starre, dann schüttelte sie den Kopf und eilte zurück durch die Tür, aus der sie gekommen war. Sekunden später kam sie mit zwei Geldscheinen zurück.



Mit hochgezogener Augenbraue und einem prüfenden Blick auf das Bild streckte sie mir das Geld entgegen.

Betont langsam und mit übertrieben fragendem Blick drehte ich mich auf den Fersen um.

Das Bild war wieder bunt, farbig, froh. Nur an der Stelle mit dem Kotzfleck sah es noch etwas dunkel aus -


Die Augenbraue der Frau entspannte sich wieder und sie lächelte mich an.


Manchmal denke ich schon, ich habe Halluzinationen. Weil hier auch sonst nichts passiert, in diesem scheiß Büro - entschuldigte sich die Frau.


Ach, ist doch okay, sagte ich. Wenn ich ehrlich bin - wenn mir langweilig ist, rede ich manchmal mit den Bildern in meinem Haus, oder tanze mit der Topfpflanze, oder so. Das kann echt ganz entspannend sein -


Hinter meinem Rücken konnte ich hören, wie das Bild tief einatmete und dann die Luft anhielt.


Wa-? ah .. die Frau schien verwirrt, musste aber grinsen. Gut, das werd ich dann wohl mal tun.



das Bild schnappte hörbar nach Luft. hoffentlich war es noch nicht blau geworden..


Ja, unbedingt, nickte ich. Guten Appetit dann, und einen schönen Tag.


Ja danke. Dir auch. See ya !




Erleichert schloss ich die gläserne Tür hinter mir. Ich warf nochmal einen Blick hindurch, auf die Wand mit dem Bild. Strahlend gelb blinkte es mich an. Juhu! , schien es zu sagen.

Auch in diesem scheiß Büro gibt es ein paar ganz normale verrückte Leute!




Ja, gut, dachte ich. Gut dass es verrückte Menschen gibt. Normal zu sein ist so.. langweilig!

Wir sollten eben doch bei Pedro einziehen.

21.6.10 16:26


Broome, 21.06.10

Broome, 15.06.10




Fussball


Guten Morgen Deutschland !


Es hat sich schon wieder einiges getan am anderen Ende der Welt. Die Australier hassen uns jetzt, nach dem 4:0,

und bereuen, nur ihre "B-Mannschaft aufgefahren" zu haben. Faule Ausrede.

Zu Troy habe ich gesagt, ihr Spinner, eure Mannschaft hat das ganze mit Rugby verwechselt ..


einige alte Leute im Café haben mich auf das Spiel angesprochen, weil sie wissen dass ich deutsche bin - waren sich aber einig: "everyone knew the germans were the superior team".


Aha


zu manchen sage ich dann, "I'd be better off sayin I m swedish cuz they aint in the world cup..."


Bizarr war der Anblick in der Pearlers Bar, wo alle Spiele live übertragen werden (das letzte Spiel übrigens von 2.30 bis 4.15 in der früh, dafür musste ich erst um 10 arbeiten ),

und sich ungefähr 2 Australier unter 60 oder 70 Deutsche gemischt haben und am ende dementsprechend arm aus der Wäsche schauten.


Die nächsten Spiele laufen auch wieder am abend oder nachts,

und da ich ja vormittags im Cafe arbeite werde ichs dann meistens so machen wie am Sonntag; ab 9 oder 10 uhr abends im auto schlafen, am Parkplatz von der Bar, und Steven sitzt drinnen und arbeitet. Wecker auf halb 2, schnell anziehen und reinstolpern



Das James-Bond Auto ohne James Bond


Vllt hat ja jemand die Photos auf Facebook angeschaut; da ist ein versunkenes Auto mit dabei. Das kam so -

an town beach fahren manche leute mit ihren Jeeps bei Ebbe bis zum Wasser vor über den Sand, mit ihrem kleinen Boot auf dem anhänger, lassen dieses dann zu Wasser, und bevor die Flut wieder anfängt sind sie wieder am Auto, laden das Boot drauf und fahren weg.

Natürlich kann man auch bei Flut einfach an der Seite vom Strand runterfahren und das Boot ins Wasser befördern. Warum man das bei Ebbe machen soll, geht mir nicht in die Birne.

Leute mit Boot fragen?


Ein gewisser Jemand hat dieses Prinzip wohl auch nicht ganz verstanden

- und dass der gesamten Zeitplanung bei so einem Bootsausflug die Logik der Gezeiten zugrunde liegen sollte, wohl auch nicht.

jedenfalls fuhren Stev und ich eines schönen morgens nach dem aufwachen zu town beach,

für Klo- und Katzenwäsche-Möglichkeit. Wie ich so zum Klohäusl spaziere, sehe ich 20 Leute am Strand stehen und aufs Wasser schauen und auf irgendwas zeigen.

Um 8 in der früh.



Da sehe ich, dass ein weißer Jeep mit den Reifen im Wasser ungefähr 50 m vom Ufer weg steht, und nur wegen der Ebbe auf dem trockenen Sand.

Das auto aber ganz allein.

Und alle Leute ganz aufgeregt, weil die Flut kommt.


Sowas sieht man aber öfter, dass jemand mit dem Jeep durch das flache Wasser brettert.

Der kommt da locker weg, hab ich mir gedacht. Macht nicht so ein Aufhebens darum!


Wie ich nach 10 min aus dem Klohäuschen rauskomm, stehen zwei Landschaftsgärtner oder sowas ähnliches an dem Wasserspielplatz am Strand, und im Vorbeigehen höre ich wie sie reden.

"twenty minutes and that fella will have the water up to his windows".


Zwanzig Minuten?, dachte ich mir. Die hab ich.


Tatsächlich tauchte kein mensch mehr auf, um das Auto zu retten, und nach einer knappen Stunde sah man nur noch den weißen Rand vom Dach oben.


Ich hörte Leute sagen, der arme Mensch sei von einem krokodil bedroht gewesen.

Das ist möglich. Hier tauchen immer mal wieder welche auf.

Leistenkrokodile, so an die 5m. Sobald man es sieht, ist es schon zu spät, dann machts einmal MAMPF und du bist weg ! RÜLPS.


Die genaue Ursache konnten wir aber nicht klären, und haben den Tag dann auch woanders verbracht.

an town beach kann man nicht sehr viel machen ;

und wenn man dort schwimmen geht, trifft man angeblich auf Krokodile ....^^

(und autos!)


Wir überlegten zwar, dass der arme Mensch sicher verzweifelt sein Auto beim Absaufen beobachtet hatte, aber spätestens bei der nächsten Ebbe in ca. 5 Stunden es ja herausholen könnte, und das würde er dann sicher gleich tun.


Wir dachten dann nicht mehr weiter darüber nach -

staunten aber nicht schlecht, als wir am gleichen Abend, circa 10 Stunden später und somit schon bei der nächsten Flut (!) wieder an town beach ankamen,

und das Auto zum zweiten Mal bis unters Dach im Wasser versunken vorfanden.


Immernoch standen die Leute am strand und deuteten auf das Auto. Vermutlich waren es aber nicht die gleichen wie in der früh...

da hatte es natürlich einen Schichtwechsel gegeben.


Nicht aber für den Jeep !

Nach dem Abendrot verschwand das weiße Dach gleichzeitig in Dunkelheit und Meereswogen.


Erst am nächsten Tag wurde der Jeep gerettet, wahrscheinlich saßen schon kleine Krebse im Kofferraum und ein Aal schwamm in den Auspuff und blieb stecken ...


Wäre es ein James Bond Auto gewesen, hätte es wahrscheinlich jemand absichtlich da abgestellt, und das Auto hätte seine automatische Angelfunktion genutzt um dem Besitzer nach 10 Stunden Flutung einen schönen Fang zu präsentieren.


Oder aber- wäre James Bond der Besitzer, hätte er das Krokodil verhauen und das Auto am Abschleppseil mit den Zähnen aus dem Wasser gezogen.


Wenn es der australische James Bond ist, der sein Auto da hat absaufen lassen, sitzt er einfach den ganzen Tag im Pub und sagt sich : "no worries!!!"


Raumsuche


Kürzlich hat uns in der früh der Ranger erwischt, deswegen müssen wir jetzt noch besser aufpassen und vor allem uns längerfristig doch mal eine Bleibe suchen, denn langsam nervts echt...

Wenn ich um 8 oder 9 anfange zu arbeiten wird es schon schwierig, in der früh ein Klo zu finden, weil die meist erst gegen 8 aufgesperrt werden und dann manchmal fürs putzen geschlossen sind.

Außerdem ist es einfach übel, alle Sachen die man zum Leben braucht (Klamotten, Gaskocher, Geschirr, Bücher, Laptops, Kabel, Shampoo und sonstige Sachen, Wasserkanister und Flaschen, einen Eski, Kissen, Decken, Schlafsack, Strandtuch, Flossen und Tauchutensilien) im Kofferraum eines Kombis aufzubewahren, in dem man dann auch noch schlafen soll, und zwar immer nur von 23 bis 6.30 oder 7 Uhr, weil man sonst erwischt werden könnte. wenn man also weggehen will, weiß man schon dass man nicht ausschlafen kann.

Natürlich passt auch nicht unser ganzes Essen in den Eski, weil wir ja auch Pfeffer und Salz und solche Dinge haben, sodass dann immer mal wieder ein Apfel oder eine Dose so im Auto herumkullert, und man liegt drauf, oder so...

besonders schön ist es, wenn man abends noch dasitzt, auf den vorderen sitzen, kaum lüften kann weil man sonst von viechern zerstochen wird, und dann fällt einem ein dass man den laptop möchte, oder eine tasse um eine vitaminsprudeltablette aufzulösen (leckere alternative zum wasser...), oder, oder, ...

dann kann man nur hinterklettern, in das Chaos, und wühlen.



Auf unseren Zettel an der Pinnwand, dass wir auf Raumsuche sind, hat sich ein österreichischer Exilant gemeldet. der befindet sich in den Mitt-Vierzigern, ist schon seit 17 Jahren da, und hat seinen Akzent auch im englischen Beibehalten.

Sowas kann man in typo nicht darstellen, das müsst ihr euch einfach vorstellen...


zuerst wollte der uns einen raum vermieten, woraus dann aber nichts wurde, weil der raum doch noch nicht frei wird - er bot uns seine Garage an, für 100 Dollar pro Nase und Woche - na klar, Idiot.

Da fiel ihm ein, sein slowakischer Kumpel hätte noch ein Zimmer frei, er werde den mal kontaktieren.......

so kam es dann auch, und als ich am Freitag um 3 aus der Arbeit kam packte mich Steven gleich ins Auto und sagte nur, wir müssten einen Raum anschauen fahren.


Pedro Koch-ich-mach-ich


Fahren, ja, fast in die Pampa, in eine Mini kleine Straße, die in einer Sackgasse endete, und da war Haus Nummer 14.

Unit 4 müsste es sein, sagte Steven. Welches Haus das sei? Keine Ahnung. Alles seltsame Wellblech-Baracken, mit Müllhaufen vor der Tür,

eine Aborigine Frau saß vor ihrem Haus auf einem Stuhl, stumm, schwarz, starrte vor sich hin. Geblümtes Kleid und wirres Haar.


Kurzerhand haben wir den Typ am Handy angerufen, Äh, tschuldigung, könnten Sie mal eben aus ihrem Haus rauskommen, wir stehn draußen......?


Yes-e, yes-e, hörten wir, schon kam ein dürrer Langer aus einem Vorgartenbusch gesprungen.

graue Hose, graues Hemd. Beides war früher mal weiß, ganz früher.

Bleiches Gesicht, dünnes dunkles Haar, davon nicht mehr viel, die Wangen eingefallen,

der ganze Kerl an sich gar nicht so alt - nur verbraucht.


Schlaksig, hektisch, gestresst. Hereinkommen sollten wir, rein, jetzt, los!!

Damit drehte er uns den Rücken zu und eilte mit großen Schritten Richtung Haus, und hinein zur Tür, man konnte kaum mithalten - in der Haustür parkte ein Roller -


schon standen wir im Wohnzimmer. Drei Sofas verschiedener Epochen des Interieurdesigns, mehr oder weniger gut erhalten, davor ein Flachbildfernseher mit mehr Bildschirm als die Sofas Sitzfläche haben. Der lief auch. Irgendein hektischer, stressiger, bleicher schlaksiger Kanal.


Foxtel habe er, 3.000 Kanäle, das sei nicht schlecht, was?


Er führte uns in den Flur, es roch. Rauch und Farbe.

Dies sei, was er mache, sagte er und deutete auf ein riesiges Gemälde, das erwartungsvoll an der Wand lehnte, bunt und patchwork, juhu, wann werde ich verkauft?

Er sei Maler. Dies sei sein Atelier - er öffnete eine Tür zu einem Raum, der einer Abstellkammer glich, mit Farbtöpfen am Boden und einem angefangenen Bild am Boden. Armes Ding, eingesperrt in einem dunklen Raum. Wie Josef Fritzl, nur als Slowake.


Pedro hieß er. Hektisch, gestresst,

Koch ich mach ich!


Ich fragte mich, ob Pedro natürliches Licht mochte. Eher nein.

Glich er doch selbst einer Leuchtstoffröhre.


Hier sei das Waschmaschinendingsbums, hier das Klo, hier unser Zimmer -

20 m² mit einem altmodischen Doppelbett, darauf Kissen, die Decke verwurschtelt - wer hatte hier wohl zuletzt Liebe gemacht?, ich wollte nicht drüber nachdenken.

Bleich, schlaksig, Rauch.


Wir gingen hinaus auf das Grundstück, ein Handtuchgarten, der Boden bedeckt von einer Schicht brauner Blätter, in der Mitte ein kleiner Teich, braun.

This is the end of the garden - er zeigte auf die Holzwand, eilte weiter.

Hier, hier könne man sitzen. Ja, sitzen!

Ein altes Sofa gammelte einsam vor sich hin, Blick auf den Teich, als würde es sich am liebsten darin ertränken.

And this - this is the other end of the garden - die andere Holzwand.

Nein. was für eine Überraschung. Ein hinteres Ende hat der Garten auch.

(Ein Optimist würde von zwei Anfängen sprechen-)


Er spulte das alles runter als müsste er jeden Tag hunderten Leuten seine Wohnung zeigen.

Ach, wie ihn das nerve. Jeder kaufe immer nur chinatown-Bilder. Immer müsse er Broome Chinatown malen. Was anderes verkaufe sich nicht in dieser blöden Stadt.

(Seit 21 Jahren ist er schon hier. Idiot, dachte ich. Dass diese Stadt blöd ist haben wir schon nach 2 Wochen gemerkt. Warum haut er nicht ab.)


Aber da er Broome brav promote, und immer das dumme Chinatown malen müsse, sollte er theoretisch bald in ein viel cooleres Haus umziehen. Habe die Stadt versprochen.


Sein Freund Christian (der Österreicher) habe über uns gesagt, nun ja, wir seien jung, schön, hätten nicht viel Geld, und Pedro solle fair sein zu uns, deswegen schlage er, Pedro Moszi, der Künstler, vor, 70 Dollar pro Nase pro Woche. Dazu habe er sich durchgerungen, gewissermaßen.


Aber wir sollten ihm ein paar Tage Bedenkzeit geben, bis Mittwoch. Dann solle man zusammen auf ein Bier gehen, so könne er sehen ob wir gute Leute seien.

Und in ein paar Monaten würde er sowieso ins Ausland gehen, Geschäfte machen, dann könnten wir sein Haus hüten. Das würde gut sein.

Er guckte in die Luft. Stille.


Vera. Der Name erinnere ihn an Budapest.

Da sei er 1972 gewesen.

Oder 73? Egal. Vera sei ein Name für Budapest. Seufz.


Er schielte aus dem Augenwinkel erwartungsvoll zu mir herüber.

Ob ich kochen könne?


Hm, machte ich. Ja, schon. Eigentlich ganz gut.


Fabelhaft ! Er klatschte in die Hände. Er habe nämlich -

er zerrte uns in die Küche, wo er sich hinunterbückte, in einen Schrank. Sein Kopf verschwand darin.


Er habe nämlich - dumpf drang die Stimme aus dem Küchenschrank hervor, als er aus der hintersten Ecke etwas großes hervorzog -


"eine Bratpfanne !" rief ich aus.

Hallelujah ! A frying pan !


Tatsächlich hatte ich die gleiche schon bei John und Lynne in Perth gesehen und benutzt, und muss gestehen dass es ein echtes High End Teil ist.


Yes, yes, you can make everything in it !

Die grauen Augen funkelten vor Begeisterung.

Goulasch ! Everything !!


Unwillkürlich schweift meine Phantasie ab, ins Jahr 1972 nach Budapest, wo ein abgemagerter, bleicher junger Mann in einer rauchigen Spelunke vor einem dampfenden Teller Goulasch sitzt.

Draußen pfeift der eisige Winterwind, die dicke Köchin rührt im Goulaschtopf, gedankenversunken starrt sie zum Fenster hinaus ...

sie heißt Vera ...


reboot! Zurück ins hier und jetzt !

Nein, dachte ich, du spinnst wohl, leb deine Fressphantasien anderweitig aus ! Ich koch bestimmt nicht für dich. pfffff.



Pedro wedelte sowieso schon mit der Hand, als wollte er die Goulasch-Dampfwolke beiseite schieben. Themawechsel.


Concerning drugs - er rollte das "r", dass es uns kalt den Rücken runterlief.

Sein Logopäde musste ein russischer Mafiaboss gewesen sein.


- you CAN smoke Marihuana. It's good for you. -


Haha, unterbrach ich froh, und winkte ab. Wir nehmen echt keine Drogen! Aber es macht uns nichts aus wenn er - also - es ist ja sein Haus -


what, are you serious. So young, so beautiful, and you dont smoke Marihuana.

Pedro schüttelte den Kopf und guckte traurig zu Boden. Verlorene Jugend, das.


Dazu fiel mir echt nix mehr ein. Ich guckte Steven an.

Viele Menschen sind young, und beautiful, dachte ich. Aber dann fangen sie an zu kiffen und sehen irgendwann aus wie Pedro.

Aber ich sagte es nicht laut. Steven dachte das gleiche.


Im übrigen, fuhr Pedro fort, hatte er hier schon viele Rockstars untergebracht.

Die meisten seien zurückgekommen, an diesen Ort. Es sei gut hier.

Wenn es so käme, das wir hier einzögen - das "wenn" sei rein konditional und nicht temporal gemeint! -

sollten wir das für uns behalten.

Where are you staying? - At Pedro's. NO ! So gehe das nicht.

Where are you staying? - Not your business. So.


Jahrelang habe er den Hype um seine Person aushalten müssen,

ständig sei er in Zeitungen und im Radio gewesen. Er wolle das nicht mehr. Er habe sich hier, am Arsch der Welt, ein kleines Nest gebaut, und das wolle er nicht mit publicity versauen.

Es sei gut hier, und er wolle das so beibehalten. Als junger Mann beim Drogen verticken habe er das gelernt. Hast du Drogen für mich? - Klar! - Wie heißt du? - Pedro. - Hast du einen Ausweis dabei? - ja klar. - Zeig mal. (...) Ok mein Freund, du kommst jetzt erstmal mit auf die Wache.


Heute sei er anders. Er habe gelernt.

Waren Sie schonmal auf dem Mond? - Ja. - Wie oft? - Sieben mal. Und es ist verdammt geil auf diesem großen, großen Mond. (...)


Wir wissen jetzt auch, warum der Mond so bleich ist. Weil Pedro da war. Mit seiner Hektik und seinem Marihuana.



Vermutlich hatte Pedro auch seine Rockstar-Freunde manchmal eingeladen, auf eine Reise zum Mond. Kein Wunder, dass sie ihn öfter besuchten.



Langsam setzte sich ein Pedro-Puzzle in meinem Kopf zusammen. Vage konnte ich seinen Lebensstil erahnen. Rumliegen, trinken, Drogen.

Malen. Kreativ. Künstler.

Raserei. Exzess. Farbe.

Fernsehen. Zerstreuung. Bleich.


Goulasch.



Ich verglich es mit meinem Lebenstil.



Im Cafe arbeiten. Strand, Sonne, Meer.

Salz in den Haaren. Honigmelone. Rote Wangen.

Wind in den Palmen. Nudeln mit Tomatensauce. Schlafen.


Ich versuchte, die beiden Lebensstile in Einklang zu bringen.


Alkohol und früh aufstehen.

Künstler und deutsches Ökonomiedenken.

Goulasch mit Honigmelone.

Stop mal. Da passte was nicht.


Ich entschied für mich, an diesem Ort keineswegs wohnen zu wollen.

Kochst du noch oder lebst du schon?


Wen sonst könnte Pedro aber finden, der hier einziehen könnte?

Ich konnte mir keine weibliche Person mit durchschnittlichem Hygieneverhalten und zweistelligem IQ vorstellen, die bei Pedro wohnen wollen würde.

Wie ich weiter darüber nachdachte... eigentlich auch keine männliche Person.


Und wie ging es wohl den Gegenständen in diesem Haus. der Bratpfanne?


Das Bild, das an der Wand lehnte, schien zu sagen:

Wann hänge ich endlich in einem NORMALEN Wohnzimmer, bei NORMALEN Leuten?





Pedro war mit Sicherheit kein schlechter Kerl, aber als er uns zur Tür hinausschob, mit dem verbindlichen Vorschlag, am Mittwoch zu telefonieren,

war Steven und mir klar, dass wir diese Bude wohl nie wieder betreten würden.


Christians Garage für 200$ die Woche schien plötzlich wie ein göttliches Geschenk,

aber wir beschlossen, einfach weiterhin im Auto zu wohnen.

Ist doch egal.


Pedro hatte jedem von uns drei Postkarten geschenkt, Hochglanzdrucke von seinen Bildern.

Wir saßen im Auto und starrten diese Postkarten an, und ich dachte, wieso finden immer wir diese Typen.


Lars aus Margaret River kam mir in den Sinn, bei dem AnnCa und ich 2 Wochen lang gewohnt hatten, und der eines Abends ein Kilo Marihuana auf seinem Wohnzimmerteppich aufhäufte um es zu weiterer Verarbeitung und Konsum parat zu haben.



Ich hatte Pedro schon fast vergessen, als ich am Montag in der Arbeit zwei Hamburger und Pommes zum Büro von Pindan Labour Solutions brachte, deren Bestellung fürs Mittagessen.

Ich betrat den Vorraum, die Rezeption war nicht besetzt, also klingelte ich und wartete.

Mein Blick schweifte durchs Zimmer. Grauer Teppich, eine Topfpflanze. Drei weiße Stühle.

Darüber an der Wand: ein riesiges Gemälde.


Bunt.Patchwork. fröhlich. ein Farbenfeuerwerk.

Rechts in der Ecke die Signatur: Pedro Moszi.


Hallo, sagte ich zu dem Bild.


Hey, sagte das Bild überrascht. Wahrscheinlich wurde es nicht sehr oft angesprochen. In diesem Büro.


Du bist doch von Pedro.

Ja, stimmt, sagte das Bild. Kennst du den?

Ich zögerte. ja, ich bin seine Köchin. Mir tat die Lüge jetzt schon Leid.

- Ah? machte das Bild interessiert. Also isst er neuerdings wieder öfter?

- Ja, total! , faselte ich, Also ich meine - das Goulasch, das muss ich so oft für ihn kochen, haha. Am Ende wird er noch fett, der gute.

- Oh, seufzte das Bild erleichtert, wie schön. als ich noch bei ihm wohnte ging es ihm ganz schlecht. Ich glaube, wir Bilder sind die einzige Freude in seinem Leben. Obwohl er uns nicht immer sehr gut behandelt. Wir stehen im dunklen Atelier, und wer uns kauft, das ist ihm eigentlich egal.

Sieh nur mich an, fügte es leise hinzu.


Das überraschte mich doch sehr.

Wa-? Dich? Ach komm! Ein schönes ruhiges Büro, das ist doch nicht schlecht. Bestimmt wirst du hier auch oft abgestaubt, und so?

- Ruhig!, schnaubte das Bild verächtlich, und sein blauer Hintergrund wurde dunkelrot.

Hastig guckte ich mich um, ob das sonst noch jemand bemerkt hatte. Aber außer der Topfpflanze, die erfreut raschelte, war sowieso niemand im Raum.

Das ist ja das Problem! , klagte das Gemälde weiter, hier ist nichts los! Ein paar Frauenzimmer in sauberen weißen Blusen und Feinstrumpfhosen, und ein paar gammlige Arbeitslose, kulturloses Pack. Niemand schaut mich an, keiner redet mit mir.


Das konnte ich mir allerdings gut vorstellen. Das Bild musste sich einsam fühlen...

Bei Pedro, erzählte die Leinwand, da war jeden Tag was anderes los. Die Rockstars haben uns stundenlang angestarrt und über uns philosophiert. Wenn sie stoned waren, haben sie unsere Farbharmonien analysiert, das war voll faszinierend, sprudelte das Bild entzückt weiter, und manchmal haben sie gedacht wir könnten uns bewegen und würden uns verformen. Total schräg. Cool bananas !

Es machte eine Pause, um Luft zu holen.

Nur manchmal, da sind sie aus Versehen auf uns drauf gestiegen, oder haben Bier auf uns gegossen. Einmal, da hat Jimmy Barnes fast auf mich drauf gekotzt. Siehst du da rechts außen auf mittlerer Höhe, da hat es etwas hingespritzt, meinte das Bild kleinlaut.


Tatsächlich fiel mir inmitten der dunkelblauen farbe ein heller Fleck auf.

Pedro hat noch versucht, es zu übermalen!, verteidigte es seinen Schöpfer,

so durfte ich auf meinem Originalrahmen bleiben.


Außerdem war es Jimmy Barnes!, gab ich zu Bedenken. Nicht irgendwer.


Ja - ja, genau!, pflichtete mir das Bild dankbar bei. Jimmy Barnes. Solche Leute kommen hier nicht vorbei.

es ist alles so trostlos..


Es stutzte. he! Sag mal, könntest du nicht - es hielt inne, aber der gespannte und hoffnungsvolle Unterton war nicht zu überhören.


Was denn?, wollte ich wissen. Mir wurde schon ganz schlecht.

Könntest du ihm nicht sagen, er soll mich mal besuchen kommen?, fragte das Bild vorsichtig.


Was!, rief ich, Jimmy Barnes !! Meinst du, der wird jemals arbeitslos??

Und dann auch noch in BROOME ??!!




Maaann!, stöhnte das Bild,

du Borstenpinsel, ich mein doch Pedro! Meinen Papa, sozusagen...-


Ach! - Klar. Das kam mir logisch vor. Aber plötzlich fiel mir ein: Das heißt ja, dass ich ihm sagen muss, ich hab mit dir geredet!


Stille.


So. Na und? Der Bildhintergrund sah plötzlich grünstichig aus. Grantig.


Nein nein, versteh mich nicht falsch!!, versuchte ich die Situation zu retten. Es ist nur - ich hab Pedro schon gesagt, dass ich keine Drogen -


ICH GLAUB DU SPINNST !!!!, donnerte das Bild und wurde augenblicklich schwarz. Ich zuckte zusammen und hob die Hände zu den Ohren WAS DENKST DU DENN MIT WEM DU HIER -



quietsch. Die Tür am Ende des Büros schwang auf. Mir rutschte das Herz in die Hose und ich fuhr herum. Im selben Moment verstummte das Bild.


Hi, how are you, sorry I know I took ages! We just had this meeting -

Die Frau in der weißen Bluse, Rock und Feinstrumpfhose verstummte. Ihr Blick war auf das schwarze Bild an der Wand hinter mir gefallen.


What the heck! -



Two Burger and hot chips, comes to thirty dollars - fing ich an.


Sie verharrte noch einen Augenblick in ihrer Starre, dann schüttelte sie den Kopf und eilte zurück durch die Tür, aus der sie gekommen war. Sekunden später kam sie mit zwei Geldscheinen zurück.



Mit hochgezogener Augenbraue und einem prüfenden Blick auf das Bild streckte sie mir das Geld entgegen.

Betont langsam und mit übertrieben fragendem Blick drehte ich mich auf den Fersen um.

Das Bild war wieder bunt, farbig, froh. Nur an der Stelle mit dem Kotzfleck sah es noch etwas dunkel aus -


Die Augenbraue der Frau entspannte sich wieder und sie lächelte mich an.


Manchmal denke ich schon, ich habe Halluzinationen. Weil hier auch sonst nichts passiert, in diesem scheiß Büro - entschuldigte sich die Frau.


Ach, ist doch okay, sagte ich. Wenn ich ehrlich bin - wenn mir langweilig ist, rede ich manchmal mit den Bildern in meinem Haus, oder tanze mit der Topfpflanze, oder so. Das kann echt ganz entspannend sein -


Hinter meinem Rücken konnte ich hören, wie das Bild tief einatmete und dann die Luft anhielt.


Wa-? ah .. die Frau schien verwirrt, musste aber grinsen. Gut, das werd ich dann wohl mal tun.



das Bild schnappte hörbar nach Luft. hoffentlich war es noch nicht blau geworden..


Ja, unbedingt, nickte ich. Guten Appetit dann, und einen schönen Tag.


Ja danke. Dir auch. See ya !




Erleichert schloss ich die gläserne Tür hinter mir. Ich warf nochmal einen Blick hindurch, auf die Wand mit dem Bild. Strahlend gelb blinkte es mich an. Juhu! , schien es zu sagen.

Auch in diesem scheiß Büro gibt es ein paar ganz normale verrückte Leute!




Ja, gut, dachte ich. Gut dass es verrückte Menschen gibt. Normal zu sein ist so.. langweilig!

Wir sollten eben doch bei Pedro einziehen.

21.6.10 16:22


Broome, 01.06.2010

Broome, 1. Juni 2010



Es gibt immernoch keine Jobs !!

PANIK !!



Der liebe RSL


Naja, keine Jobs ist übertrieben, ich durfte letzten Freitag im RSL Club arbeiten, und zwar von 5 Uhr abends bis um 12, das war recht ergiebig.

Der Job ist an sich sehr sehr gemütlich. Ich steh hinter der Bar, die Leute kommen und holen sich ein Bier oder irgendwas anderes, ich kassier und dann steh ich wieder rum und warte auf den nächsten. Zwischendrin mal den Kühlschrank neu bestücken, Eis nachfüllen in die Eisbox, und so weiter.

RSL Club, wie ich irgendwann in einem frühen Blog schonmal ausschweifend erklärt habe, steht für Returned Service League, also Kriegsheimkehrer/Veteranen, und die Hinterbliebenen, die billiges Essen und Bier in diesen von der Regierung unterstützten Clubs erhalten..

Sinn des ganzen früher war eben die Versorgung der Kriegsversehrten und deren Familien, heute gehen hauptsächlich alte Leute da hin (wer in den Weltkriegen jung war, ist jetzt halt alt^^), eigtl ist es für Jedermann – volles Mitglied kann man aber nur werden wenn man gedient hat.

In manchen RSL Clubs in größeren Städten ist das ganze weniger persönlich, da gehen die Männer auch in Uniform rein (sofern sie denn vom Militärdienst eine haben) und alles, und Respekt und gscheides Benehmen sind gaaanz wichtig, man darf keine Flip Flops tragen und andere gammelige Klamotten, und so weiter. Betrunken rumpöbeln is auch nich. "Gediegen" könnt man fast schon sagen.

( an die Andi: Altersheim schattige Sandbank, bei Spongebob. Meerjungfrau-Mann und Blaubarsch-Bube geben sich die Kante. Yeah! )

Was ich eine Doppelmoral finde, denn ich kann mich noch so schick anziehen – der Grund, warum man in den RSL geht, ist immer ein billiger Rausch.


Den RSL in Broome kann man sich so vorstellen: eine große "Wellblechhütte" von 40x30m oder mehr, keine Wände ^^, einfach nur Tische, Stühle, Barhocker, und ganz hinten am Ende eine kleine Bar mit 2 großen Kühlschränken.


Von Oktober bis April kommen hier um Broome und weiter die Küste rauf ja Cyclone vor, tropische Wirbelstürme, die gibts so ab 27 Grad Wassertemperatur, und jetzt hat das Meer noch 26 Grad (im Juni...mitten im Winter), da kann man sich ausrechnen wie häufig es hier im Sommer Cyclone gibt.

Deswegen ist der RSL auch extra so gebaut – wenns mal stürmt, geht man am nächsten Tag einfach durch die Stadt spazieren, sucht die 3 Wellbleche aus denen das Ding aufgebaut war, bastelt sie wieder zusammen, und dann kann auch schon weitergesoffen werden.

Jetzt kennt sich in Broome ( 15.000 Einwohner ) auch jeder mit Vor- und Spitznamen, und so steht man dann da hinter der Bar und bedient zwischen 10 und 20 älterer Herren, die alle um die 50-70 sind, gedient haben oder sonstige alteingesessene, die sehr männliche Jobs hatten und auch Respekt verdienen, bitteschön! (Matsuda war Perlentaucher, damals, als das noch richtig gefährlich war. Ho, ho !).

Alteingesessen ist echt ganz gut, sie sind alt, und sitzen, und sind alt, und sitzen... und werden älter, und sitzen noch mehr ...


Aber ob einer schonmal eingesessen hat..? Glaub ich nicht.


Die sind auch alle ganz stolz auf ihre Zeit der bei Army, Navy, Air Force, oder was auch immer. Dass ausgerechnet ich, die da jetzt arbeitet, eine deutsche bin, und somit "Schuld" an den Weltkriegen, wurde auch schon mit einem Grinsen bemerkt


Dass ich den Herren dann logischerweise auch zu billigem Bier und Essen verholfen hab – irgendwie - darüber wurde noch kein Wort verloren. Unverschämte Rüpel !


Der einzige, der da sonst noch arbeitet (Vollzeit) ist der Paul, der dürfte so knapp 30 sein.

Der nimmt dieses ganze RSL Konzept auch todernst.

Am Donnerstag, als er mich spontan kurz eingearbeitet hat, hat er mir schon die Quintessenz des RSL-Barjobs nahe gebracht. Wenn ganz hinten einer von den Stammgästen den RSL betritt, holt man schon dem sein Lieblingsbier aus dem Kühlschrank, seinen Lieblings stubby holder (das sind so bunt bedruckte Schaumstoff -Hüllen für die Bierflaschen, zur Kälteisolation und zum Festhalten^^), und wenn der Herr dann am Tresen ankommt, ist das Getränk schon bereit...


Ist das nicht interessant? So bringt man diesen wandelnden Geschichtsbüchern (genau so dick und verstaubt sind sie) den Respekt entgegen, der ihnen gebührt.

Denn sowohl Paul als auch Blue (einer der Stammgäste. sieht aus wie der Weihnachtsmann. Kommt der Weihnachtsmann aus Down Under, hat früher gedient und sitzt sich jetzt alt ein? Oder so?) haben mir mit sehr ernster Miene erklärt, dass ich hier nicht arbeiten könnte, wenn ich nicht die Namen von den alten Herren PLUS Bier und Lieblings -Stubby Holder lernen würde. Die fühlten sich sonst nicht respektiert in IHREM RSL Club.


Es sei nämlich absolut inakzeptabel, dass ich Blue am Freitag auch bei seiner 4. Runde Bier noch gefragt hätte, ob er das Carlton Midstrength in der Dose oder Flasche wolle.

(Can or stubby, mate? - STUBBY !!!)

Man muss dazu erwähnen, dass ich am Donnerstag nur 2,5 h gearbeitet habe, und dann am Freitag circa 100 Leute im RSL waren, große kleine alte junge dicke dünne weihnachtsmänner und armleuchter,

und ich pro Minute etwa 3 bier verkaufte. Und zwar meistens das Carlton Mid aus der Dose. Und außerdem ist das Bier mies.


Midstrength ! 3,5 % Alkohol. Aus der Dose! Hrchl.


Nächstes Mal gibts ne Vitaminsprudeltablette für die wehen Knochen.

Zink und Eisen meine Herren! Zink und Eisen ...


Und außer Blue gibt es ja noch 20 andere Typen, von denen ich diese ganzen Präferenzen wissen soll.

Auch kannte ich gewisse Spirituosen-Mischungen nicht, wo ich sehr seltsam angeschaut wurde als ich nachfragte was das sei.

Hier trinkt man Johnnie Walker mit Soda Water, Ouzo mit Cola, Scotch (einen besseren als den Johnnie) mit so einer Art Sirup...

alles mögliche. Auch bin ich biertechnisch an meine Grenzen gestoßen.

Wenn einer ein TED will, ist es ein Tooheys Extra Dry.


Gerne würde ich all die Namen (der alten Herren) lernen, ich frage mich aber wie ich das machen soll wenn ich dort erst wieder am Freitag arbeite, und ab dann sowieso wenn überhaupt nur Freitags, wenn eine größere Veranstaltung ist.


Das wäre also der eine Job



Außerdem haben Steven und ich noch an einigen Samstagen Arbeit, da hier in Broome bis Mitte August Pferderennen stattfinden, es gibt in Broome nur einen einzigen race course (mit einem einzigen Clubgebäude) und da werden Leute für die Bar gebraucht.

Steven werde ich erstmal noch die ganzen Phrasen für Bar arbeit beibringen, und die Namen der Alkoholika, sonst kriegt er die Krise wenn einer "a Goldie and a glass of SSB" bestellt, was dann eine Flasche XXXX-GOLD midstrength beer wäre, und ein Glas Weißwein, Semillon Sauvignon Blanc...


Gerade vor ein paar stunden hat Steven auch Antwort erhalten auf eine unserer Bewerbungen – er wird wohl ein Vorstellungsgespräch kriegen bei der Klempnerfirma, die einen Fahrer/Auslieferer sucht.

Dann hätte er einen super bezahlten Job, bevor ich einen habe :p dabei bin ich doch pleite, nicht er!


Und Samstag Vormittag, vor dem Rennen, habe ich noch 2 Std lang ein Probearbeiten in einem wunderschönen kleinen Café in einer winzigen schattigen Passage, mit einer sehr netten jungen Chefin, und ich hoffe dass das was wird...


Wo man so residiert


Mit unserer Wohnung ist es leider nichts geworden, wir suchen weiterhin nach einer Bleibe, aber bis wir beide einen Vollzeit-Job haben wohnen wir sowieso weiter im Auto, is billiger.

Kochen und alles können wir ja auch – gerade vorher wieder -

am strandparkplatz geparkt, den Salat unter der Dusche gewaschen, in unserem einzigen Topf angemacht, dann umgeladen auf einen Teller, im Topf Nudeln gemacht, Tomatensauce aus dem Glas und Knoblauch drauf, Zwiebel in den Salat, alles sehr grob geschnitten, da in völliger Dunkelheit.

Am Ende das Geschirr mit Spüli wieder unter der Stranddusche gespült.

Im auto riechts nach Zwiebel und Knoblauch, aber wir haben wenigstens was deftiges gegessen.


Steven hat übrigens bei Woolworths eine Entdeckung gemacht – da gibt es eine Wurst in der Plastikpelle, die wiegt ein Kilo und kostet dreifuffzisch.

Unsere letzte Wurst war nach 24 Stunden weg, auf Brot, im Salat, in Nudeln. Wie soll man die auch aufheben, im Auto hat es kostant 30 Grad.

Heute ham wir uns wieder eine Wurst geholt, morgen gibts dann nochmal eine Zwiebel, dann wird ein Wurstsalat gemacht, sowas hat die Welt noch nich gesehn, mit Balsamicoessig!, weil wir keinen anderen haben.

Im Topf, am Strand, im Dunkeln, wärend die Fledermäuse über unsere Köpfe hinwegzischen, das Meer rauscht und die Aborigines hinten im Busch ihre Kinder verhauen.



(Nachtrag vom darauffolgenden Tag: Der Wurstsalat bestand zu 50% aus Zwiebel und zu 20% aus Käse. Man kann das Gesamtvolumen errechnen, wenn man weiß dass wir die Hälfte der 1Kg-Wurst verbraucht haben. Wahrhaft deutsche Verhältnisse).



Abos und condom trees


Ach ja, die Aborigines. Diese arme Bevölkerungsgruppe darf keinen Alkohol kaufen. Es ist ihnen vom Gesetz her verboten. Das hat uns Glenn erzählt, der kommt aus Melbourne.

Deswegen muss man manchmal, wenn man im bottleshop was einkauft, seinen Namen und Adresse in ein Buch eintragen. Es kommt nämlich manchmal vor, dass weiße (oder egal welche Hautfarbe – einfach nur nicht-aborigines) ganz viel Alk kaufen, und den dann völlig überteuert illegal an die Abos weiterverkaufen, in der Pampa oder so, heimlich.

Glenn meinte, er könnte jetzt einen Sixpack Bier für 30 Dollar kaufen, und für 150 Dollar an die Abos verscherbeln.

(Wieso zum Teufel suchen Steven und ich eigentlich noch Jobs...)

Nein mal im Ernst. Ist das nicht übel? Einer Bevölkerungsgruppe so ein Recht zu verwehren?

Klar, 90% der Abos sitzen buchstäblich den ganzen Tag am Strand auf ihrem übergewichtigen Po, die Kinder werden herumgeschleift, geschlagen, angebrüllt, zum Essen gibt es McDonalds und KFC, man riecht sie von weitem, die Klamotten schon Jahre nicht gewaschen. Ein Trauerspiel, und ich will nachts nicht allein durch eine dunkle Seitenstraße.


Trotzdem geht es doch da ums Prinzip.


"Du hast schwarze Haut und ne breite, platte Nase – sorry, du darfst hier keinen Alkohol kaufen."


"Na super... Alter... ich bin Afrikaner."


"Oh... aber deine Handflächen sind auch rosa!!!"


"Oh man..."


Steht das etwa bei denen im Pass dass die Abos sind? Haben die sowas wie einen Judenstern?

Ist das nicht alles furchtbar gemein??



Wie ich letztens in der Matsos Brewery saß, bei einem Mango-Bier, und mich bei zwei Mitarbeitern, die draußen bei ihrer Pause saßen, eingeschleimt hab (ich will ja da eingestellt werden!!!), erzählte der eine, er habe einen condom tree entdeckt.

Was das denn sei...? wollten wir wissen.

Tja, also er habe vor längerer Zeit gelesen, dass die Gemeinden auf Anregung des government hier an gewisse markante Bäume Behälter mit Kondomen anbringen.

Es gibt ja noch viele aborigines die im Busch leben, in den Reservaten bzw National Parks,

aber es leben auch einige so auf der Straße.. da bin ich mir äußerst sicher.

So könnten die dann alle an Kondome kommen.

Und wie er, der Koch, letztens so durch die Pampa spaziert sei nahe Town Beach, da sei er an einem großen Affenbrotbaum vorbeigekommen, da sei ein Sack dran gehangen (nomen est omen. Nomen est omen sunt condomen... *hüstel*), mit Kondomen drin.

Und wie er sich grade zu wundern anfing, fiel ihm der Zeitungsartikel wieder ein. Aha, das muss also ein condom tree sein.


Erst da seien ihm die vielen benutzen Gummis und aufgerissenen Hüllen rund um den Baum aufgefallen, mords eklig sei das gewesen, gerannt sei er, gerannt....


"Haben die noch nie was von Take-Away gehört?", meinte sein Kollege.


Hm, anscheinend nicht. Oder die Dinger explodieren, wenn man sie weiter als 3m vom Baum wegträgt.


Jetzt frage ich, will die Regierung unkontrollierte Geburten vermeiden, um sich selbst und den Abos einen Gefallen zu tun, oder steckt da noch mehr dahinter.

Auf jeden Fall eine besondere Bemühung. Kommen die Abos aus dem Busch nicht raus und nicht in den Drogeriemarkt, kommen die Kondome eben zu ihnen :p


Führt sowas in Afrika ein, bebeutelt die Bäume! Hängt für die Abos noch ein Bierfass in den Baum!

Und ne selbstauslösende kalte Dusche, wenn man sich dran bedient.


(Obwohl ich ja meine, mal gelesen zu haben, dass den Abos der genetischen Isolation wegen (50.000 Jahre!) so bestimmte Enzyme fehlen, und wenn die Alkohol konsumieren haut es die buchstäblich um, und Alkoholismus ist vorprogrammiert. Aber ich meine eben nur es gelesen zu haben. Keine Garantie.)


Dass ich immer "Abos" schreibe liegt daran, dass das so schön kurz ist. Ich glaube nicht dass es ein Schimpfwort oder i.wie negativ geprägt ist, ich habe es jetzt ein paar Mal Leute sagen hören, die garantiert keine Rassisten sind...

Aber wenn das Wort doch irgendwie fies sein sollte, dann habe ich es nicht so gemeint das wollte ich nur mal klarstellen. Aborigines schreibt sich so mühsam auf der Tastatur :p



Ich sage auch nochmal ganz deutlich, dass ich genauso jeden Tag Abos sehe, die im Woolworths ihren Wagen voll mit Gemüse und Salat laden und nicht mit Cola und Chips, und die sehr schick angezogen sind und nicht stinkend in Lumpen herumschlurfen, man sieht sie in den Läden arbeiten und mit ihren Kindern am Heimweg von der Schule ratschen, das Kind hat ein Fahrrad ..

Das gute daran ist nicht, dass sie angepasst sind und sich benehmen wie all die anderen Aussies auch, sondern dass sie einen Job haben, ein Leben das abwechslungsreich ist... dass sie ihren Stolz haben und keine Alkoholiker sind. Und hoffentlich ein Ansporn sind für die anderen.

Es sind halt Teufelskreise die nur von wenigen durchbrochen werden.

Nun hat man vor 150-200 Jahren versucht, dieses Völkchen an europäische Standards anzupassen. Die lebten technisch gesehen in der Steinzeit, sie hatten keine Schrift, ihre Kultur konnten sie nie "festhalten" oder ein Geschichtsbewusstsein oder sowas entwickeln. Plötzlich kommen da diese Entdecker, und innerhalb von 150 Jahren müssen sie alles lernen und alle Normen ertragen die wir in tausenden Jahren erfunden und ausgetüftelt haben, das Land wird ihnen weggenommen, alles ist anders, wüst und durcheinander. Dann wurden Generationen von Abos die Kinder weggenommen, weil man dachte man könnte die Kinder dann besser integrieren, und dann hätten sie ein besseres Leben. Leider kam man nicht auf die Idee, dass es für ein Kleinkind psychologisch gesehen höchst grenzwertig ist wenn es auf einmal alle Bezugspersonen verliert.

In dieser lost generation, oder wie man sie nennt, ist die Selbstmordrate auch extrem hoch.

Die Gebiete in den Nationalparks, die den Abos gehören, wurden ihnen auch erst in den letzten 30-50 Jahren zugesprochen, wenn ich mich richtig erinnere an das Buch das ich da gelesen hab..

und jetzt kriegen sie von der Regierung buchstäblich alles hinten reingeschoben.

Sozialhilfe, Wohngeld, Essensgeld, usw.

Viele Australier macht das sehr stinkig, zu recht. Viele Abos suchen sich erst recht keine arbeit, weil sie von dem Geld prima leben können. Kein Wunder. Sie kriegen mehr als ein australischer Rentner, der 40, 50 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt hat.


John und Lynne, unsere "Leih-"Tante und Onkel in Perth, werden die erste Generation sein die im Alter vollständig auf private Vorsorge bauen muss.


Es ist offensichtlich, viele Ureinwohner scheinen wirklich genug Geld zu haben, um den ganzen Tag nichts weiter zu tun als in Grüppchen zu sitzen und McDonalds-ham ham zu essen und ihre Kinder bisschen anzupöbeln.


In den sehr abgelegenen Regionen kriegen die Abos ihr Essens- und Schulgeld von den Kommunen ausgehändigt, und diesen Job übernehmen zT die Schulen, die sich dann manchmal eines Tricks behelfen – nur wenn die Kinder der Abos in die Schule gehen und auch dort täglich essen, kriegen die Eltern das Geld. (Also den Rest – nachdem Schulsachen und Essen für die Kinder bezahlt sind).

Sonst würden die Eltern das Geld einstreichen und dann wär nix mit Schule und Essen für die Kids.

Das ist hier leider oft so – überall sieht man Plakate an den Schulen hängen, die die Kinder zum kostenlosen Frühstück vor dem Unterricht einladen. Das wird dann von freiwilligen Helfern und mit Geldspenden auf die Beine gestellt. So haben die Kinder einen Ansporn, pünktlich zu kommen, außerdem kriegen viele daheim kein Frühstück, und konzentrieren sich dann im Unterricht nicht richtig.


Eine gute Sache, löst aber immernoch nicht das Problem mit den Alten.

Ich weiß ja auch nicht Bescheid, und viel habe ich noch nicht über die aborigines gelesen, aber man nennt das ganze Dilemma Australias greatest social failure, und darauf läuft es wohl hinaus. Egal von welcher Seite man schaut, da ist alles in die Hose gegangen.


Aber ich hab keine Ahnung und will keinen beschuldigen.. mache nur jeden Tag so meine Beobachtungen und reime mir was zusammen.

Aber zu den Kindern – die weißen Aussies gehen mit ihren auch nicht viel besser um. Man hört eigentlich nur Gezeter und Gemecker. Von den Mamas.


Gutes Spielzeug haben die kids hier übrigens auch! Letztens sitzen Stev und ich am Spielplatz und essen brav unser Porridge,

*saus* - rennt ein Knirps mit Maschinenpistole an uns vorbei.


Das Ding war so lang wie sein ganzes Bein, es schleifte fast am Boden wie er damit herumrannte.

Soundeffekte hatte es auch noch eingebaut.


Drrrrrrr---phew ! Drrrrr-drrrrr-phew !


Das "phew" am Ende klang sehr unrealistisch, wobei ich zugeben muss dass ich nicht wirklich weiß wie es klingt, wenn einer neben einem 4 oder 6 Schuss pro Sekunde aus so einem Ding raushaut.


Oh man, dachte ich, da gehst du irgendwo in den mittleren Osten, gibst dort einem Kind so ein Spielzeug, und der nächste Amerikaner ballert den Dreikäsehoch um weil er denkt es ist ein Kindersoldat mit Sprengstoff in der Windel.


Schlechte Gedanken setzten sich bei mir leicht fest, also versuchte ich die Soundeffekte zu ignorieren und schnippelte weiter Apfelstückchen ins Porridge.


Der braun gebrannte Kindersoldat kletterte einstweilen auf das Klettergerüst und erschoss seinen besten Freund.


"Ha-haa ! I killed ya !"


Der lebensbedrohlich verwundete Freund kletterte gelangweilt wieder nach unten und setzte sich stillschweigend auf die Wippe.

Monsieur MP machte unbeirrt weiter, völlig gefangen in seiner eigenen Phantasie. Und erschoss nach und nach alle Babys, Kleinkinder und deren Eltern auf dem ganzen Spielplatzgelände.


Bei aller Gründlichkeit - die zwei deutschen Touristen beim späten Frühstück ignorierte er völlig.

Dabei war ich kurz davor, ihm das dumme Ding aus der Hand zu reißen und ihm damit seinen kleinen dunklen Po zu verhauen.

(Nicht "dunkel" im Sinne von "Abo".

Die kaufen ihren Kindern keine Spelsachen. Ziemlich sicher.)


Den wahren Feind, mich, hatte er also gar nicht wahrgenommen. Eben noch ein Azubi-Terrorist. Einfach zu sehr im Blutrausch. 30 Kugeln jagte er in jedes Kind, dabei hätte ein einziger Streifschuss genügt. Ihm war sicher klar, was für eine fürchterliche Sauerei er da gemacht hatte – aber das vergaß er ganz schnell, als ihn seine Mami zum Mittagssnack rief. Die saß nämlich die ganze Zeit daneben.


Wie liebend gern hätte ich dieser Dame die Leviten gelesen. Nur hätte ich da eine echte Maschinenpistole gebraucht, für ihren enorm fetten Ar...


Das Porridge schmeckte schal.


Schatzl, sagte ich, für unsere Kinder gibts wenn dann eine Cowboy-Pistole, mit stinkenden Platzpatronen. Säbel-Attrappe. Sonst nix.









2.6.10 15:12


Broome, 24.05.10

Exmouth bis Broome


Tja. Leider hat das mit dem Boot doch nicht geklappt, das Wetter war zu schlecht.

Ähnliche Probleme hatte die annCa in Coral Bay, da wollte sie ein Bekannter von uns mit aufs Boot nehmen, mit seinen Eltern, aber die konnten auch nicht rausfahren weil es stürmisch wurde.


Noch am gleichen Tag, am Dienstag, sind wir dann weiter gefahren, und kamen wegen eines Stürmchens mit massenhaft Regen, der die Straßen teils unter Wasser setzte (der Boden war zu trocken um irgendwas aufzunehmen) nichtmal bis Karratha.

Das war so unser nächstes Ziel.

Also schliefen wir am Parkplatz vom Roadhouse, einfach neben den ganzen Jeeps von so einer Autoverleih-Firma, die braucht dort kein Schwein außer den ganzen Minenarbeitern..

denn Karratha und Port Hedland leben von den Minen, und von der Salzgewinnung.

Ansonsten ist in diesen Städten nix los, es ist heiß, staubig, riesige hässliche Türme in der Ferne von den Minen, aber kein Flair, kein Leben, kein Grün.


Auf dem Weg von Port Hedland nach Broome (600km) übernachteten wir 1 Nacht auf halbem Weg, an einem Campingplatz am 80 Mile Beach (der heißt so, weil... er 80 Meilen lang ist), ein riesiger Traumstrand.

Dieser Campingplatz ist, abgesehn von einer Tanke, das einzige was auf diesen ganzen 600km liegt. Schnurgerade Straße. Kennt man ja schon.

Mit einem Campingplatz. Und einer Tanke.

An der Tanke liefen wilde Pfauen herum. Australien !


Dort, an diesem tollen strand, hinderte mich eine uuunvorstellbar große Qualle in knietiefem Wasser daran, schwimmen zu gehen.

Kreisch !


Stattdessen genossen wir einen wunderbaren Sonnenuntergang, und am nächsten Tag in der früh ging es weiter, die letzte Etappe nach Broome.


Broome


Dort waren wir (oder – war ich) erstmal meeega enttäuscht. Überall zuvor hieß es, in Broome gäbe es Jobs wie Sand am Meer – Pearling, Mangos ernten, kellnern, labouring (sowas wie bauarbeiten für anfänger), aber nach einer Stunde und vielen Telefonaten und Anfragen hatten wir ungefähr 10 mal die Aussage erhalten, nein, sorry, keine Jobs – die Saison beginnt erst im Juli – Pearling Jobs gibt es überhaupt nicht – was, Arbeit? Was ist denn das? Kenn ich nich. Kann man das essen? -


und so weiter.

Das war für mich ein ziemlicher Schock, weil ich grade kein Geld mehr habe – die Rego für das auto, der ganze Sprit für 2800 km Fahrt, der Trip von AnnCa und mir nach Albany, usw., und ich hatte hier fest mit einem Job gerechnet, außerdem wollte ich so gerne mal wieder ein Paket nach Hause schicken für meine schwester, und und und …

^^

also hab ich erstmal kurz geweint. Das musste sein.

Ich dachte mir, toll ! , ich wollte noch so viel von australien sehen, und jetzt kann ich eigtl gleich heimfliegen, denn hier sollte das MEKKA für jobs sein, aber jeder sagt nun plötzlich, Haha Witz gemacht!, du bist umsonst hergekommen, es gibt nichts!


Dann hat mich Steven auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt

und jetz sind wir seit 4 tagen fleißig auf Jobsuche, schreiben Bewerbungen an Apotheken, ich stelle mich jeden Tag in den restaurants vor die hier so sind, bei 2 Jobagenturen waren wir schon und haben riesige Fragebögen ausgefüllt, und auch ansonsten halten wir Augen und Nase offen.

Oder Augen und Ohren?


(Die Nase halten wir offen, um Frösche zu finden...^^ das versteht man am Ende dieses Blogeintrags)



Zwei Restaurants haben ihr Interesse bekundet, haben aber frühestens in einer Woche einen Job.


Dann hat sich noch etwas geniales ergeben! Da es hier in Broome wohl schwierig ist mit irgendwo campen, also im auto pennen am Straßenrand (ist ja illegal) und viele erwischt werden, haben wir schon 3 Nächte am Campingplatz verbracht, aber das kostet leider, und Steven braucht ja auch eine Steckdose, um mit dem laptop seine webdesign jobs weitermachen zu können.


Das ist ein dummer Engpass.


Deswegen haben wir uns gleich mal nach Räumen zur Miete im Internet umgeschaut.

Siehe da, Nachricht erhielten wir von einem 38jährigen, der sein Appartment (voll möbliert und luxuriös...) für 600$ im Monat vermietet, das macht pro Person pro woche 75 Dollar.

Am Campingplatz zahlt jeder von uns 130 Dollar pro Woche – wenn man eine Steckdose will - und da hat man KEINEN Tisch, NIX zum kochen, KEIN Bett, KEINEN Platz, schläft im auto, es ist mega heiß... und und und.

Unsere Nudeln gekocht haben wir am Campingplatz, indem wir auf der geteerten Fläche rund um den kostenlosen Gasgrill, unseren Herd aufgestellt haben, uns hingesetzt und alle Utensilien um uns herum am Boden aufgebaut.

Gasgrill haben sie, aber Tische nicht. Verhältnisse wie in der DDR ^^


Also haben wir diesem Herren vom Internet erklärt, dass wir die Miete für 2 Wochen im Voraus bezahlen könnten, aber leider wegen der Jobsuche im Notfall schon bald wieder weg sind, sprich, keinen Mietvertrag über Monate hinweg machen können oder dergleichen.


Da stellte sich heraus dass er gerade in England ist, er hat soeben geheiratet und verbringt nun ein paar Monate bei seiner bleichen Britin.

Vielleicht, damit sie ein bisschen Farbe kriegt? Pigmentieren wird er sie wohl kaum, erröten könnte sie möglicherweise ein bisschen, oder grün werden, 38 ist der Gute nämlich schon, oder sie wird schwarz, vom Warten...


das geht uns alles nichts an ! Mir war nur langweilig ! Die Gedanken schweifen ab !

...dennoch, obwohl er uns noch nie gesehen hat, würde er uns seine Wohnung vermieten.

Eine ganze Wohnung. Für 600 Dollar im Monat!

Klar müssen wir seine Post einsammeln, Blumen gießen, und so

Und schauen dass keiner einbricht, dass die Müllabfuhr die Tonnen holt...

nichts einfacher als das.



Morgen holen wir wohl die Schlüssel vom FedEx Büro in Broome ab, die Bezahlung erfolgt über Western Union, und dann... wird hoffentlich ein Job gefunden.


Das coolste wofür ich mich beworben hab (meiner Meinung nach) ist in einer Apotheke, da würde ich Vollzeit Medikamentendöschen für die Kunden befüllen und Pläne erstellen, sodass sie sehen wann sie was einnehmen müssen...

aber ich befürchte den Job geben sie mir nicht.

Obwohl ich ein perfektes cover letter geschrieben habe und alles reingezwängt was ging, inklusive mein Latinum

Also darf ich vielleicht bald mit kiloweise Valium herumjonglieren.

Andererseits denke ich ja sowieso, dass die meisten Medikamente alles nur schlimmer machen, am Ende hätte ich dann noch ein schlechtes Gewissen, weil ich den ganzen armen Patienten ihre fiesen Antidepressiva und weitere Leberkiller zuschanze?


Wenn ihr also bald in der Zeitung lest, dass immer mehr Männer in Western Australia von unerwarteten, höchst erfreulichen Potenzschüben berichten – ein unerklärliches natürliches Phänomen, das Klimaforscher und Humanbiologen fleißig zu ergründen versuchen - dann hat ein blonder Engel im Hinterstübchen der Apotheke wahre Philanthropie bewiesen.


Mal ein bisschen Pfeffer in die von Rheumatismus und Arthritis geplagten Knochen!


Das wird aber wohl ein Traum bleiben. Verfilmen sollte man es definitiv.

AnnCa und ihre Mitfahrgelegenheit sind heute auch in Broome angekommen. Da dieser Mr Eric mit dem Appartment gesagt hat, wir dürfen Besucher haben, würden wir die dann einfach mit wohnen lassen und so ein kleines bissl geld verlangen, und dann wäre unsere Miete noch billiger als sie eh schon ist. Billiger geht es definitiv nicht^^





Das bewohnte Klo


Eine witzige Situation ergab sich am Samstag am Campingplatz, als ich am frühen Abend zum Waschblock ging, um das stille Örtchen aufzusuchen...

ich gehe mal nicht zu viel ins Detail, aber als ich mich umdrehte, um zu spülen, erblickte ich aus dem Augenwinkel irgendetwas großes, grün-blaues im Klo -

anscheinend klebte es vorne im Klo, innen unter dem Rand, und als ich spülte rutschte es ein Stück weiter heraus... es sah aus wie ein Stück von einem Tuch... aber wieso sollte soetwas unter dem Klorand klemmen ???


Als das Klo zu Ende gespült hatte, beugte ich mich ein bisschen vorn über das Klo, neigte den Kopf, und erblickte …


ich mochte es nicht glauben .. einen Frosch-Popo !!


:D


Ja ich weiß das klingt doof, aber tatsächlich hatte es sich ein wunderschöner, leuchtend hellgrüner green tree frog im feuchten, kühlen Klorand bequem gemacht.


Mir war klar, dass er da wohl recht gerne saß, denn draußen war es staubtrocken bei über 30 Grad.

Andererseits dachte ich, beim nächsten Spülgang würde er vermutlich runtergespült werden, oder beim Putzen mit Chemikalien vergiftet, oder, oder...


und die grausamste Vorstellung von allen – er könnte angepinkelt werden.


Erstmal war ich natürlich sehr erfreut, diesem Frosch begegnet zu sein, denn ich habe diese Art bisher nur in Terrarien gesehen, und ich finde diese kleinen Dinger sehr hübsch mit ihren orangen Füßchen..

umso überraschender, dass ich einen „in freier Wildbahn“ im Damenklo antreffe.


Fix ging ich zum Auto, wo Steven am Webdesignen saß, holte seine Camera, „Schatz, ich habe einen Frosch gemacht!“,

ging wieder zum Klo und spülte nochmal vorsichtig an ^^ , sodass der Frosch ein bissl aus seinem Rand rausrutschte. Das gelungene Foto steht auf Facebook ^^



(Titel „der notgeile Frosch, der sich ins Damenklo schlich&ldquo.


Mit einem Gummihandschuh versuchte ich ihn rauszukriegen, aber er wollte einfach nicht, und eine Australierin am Campingplatz, die ich um Rat fragte, meinte, das sei ganz normal, die kämen über die Kanalisation rein, dem würde es da schon gut gehen.


Sie sagte das so beiläufig, dass ich mich fragte, ob sie überhaupt irgendeine Ahnung von Tieren hatte. Es klang wie : „Was erlaubst du dir eigentlich, den Frosch dabei zu stören, wenn er sein Geschäft macht !!!“

Aber sie war die Einheimische, irgendwie musste sie ja recht haben.


Trotz allem nutzte ich, bei einer Dusche später an diesem Abend, den Moment aus, als der Frosch hinten auf der Klobrille saß – um Luft zu holen? - oder das Klo hatte ihn genervt? - war er vielleicht „angepisst“ ? :p -

ich schnappte ihn mir (gaaanz vorsichtig), transportierte in raus auf die Wiese, und machte neben ihn, bei einem Baum, eine riesen Pfütze für ihn.


Damit keine seltsamen Gedanken aufkommen, ich füllte Wasser in eine Plastikflasche und goss es dort hin. Ich machte die Pfütze nicht selber ^^

So hatte er nächtliche Kühle, eine Pfütze, und außerdem war bei den Waschmaschinen außen an dem Gebäude sowieso eine Wasserlache, zudem hat der Campingplatz auch einen Pool – wenn man in dem schwimmt, denkt man hinterher, man hätte in einem Klo geplantscht, so riecht es nämlich.

Gefällt dem Frosch also sicher gut. Warum in die Ferne schweifen, liegt der Klo-Duft doch so nah...?



Ich machte noch ein Foto vom Frosch im Gras, und jeden Tag denke ich an diesen hübschen Frosch.


Wenn Steven und ich am Cable Beach oder am Town Beach im 27 Grad warmen Wasser planschen, bei leichtem Wind, türkisfarbenem Wasser, Sandstrand und grünen Palmen,

denke ich manchmal, ich fühl' mich wohl wie ein Fisch im Wasser, oder besser – wie ein Frosch im Klo.

Aber wir riechen besser !

 

gifitges australisches Zeug

Hier in Broome gibt’s übrigens die netten Irukandji Quallen, diese box jellyfish, gläsern-durchsichtig, mit mehreren Meter langen Tentakeln, bestückt mit tausenden winzigen Giftpfeilen, die sich in die Haut versenken wenn man sie berührt, und innerhalb von Minuten Atemnot und Lähmungen, und extremen Pulsanstieg verursachen, an dem man sterben kann, je nachdem, wie viel von den Tentakeln einen berührt haben.

Wenn ich mich jetzt richtig erinnere.

Habe ich unvorstellbare Höllenqualen erwähnt?

Nein?

Okay, also das auch noch - unvorstellbare Höllenqualen. Die sind vielleicht das einzig Gute an der Sache: die Schmerzen machen das Sterben einfacher.

Hat sich der Schöpfer als mildernden Umstand einfallen lassen.


Allerdings tauchen sie eher im Sommer auf, und jetzt ist ja Winter – der letzte Zwischenfall war am 8. Mai – und aufs ganze Jahr verteilt kriegen nur etwa 8 Leute was ab.

Insgesamt gestorben sind an diesem Vieh vielleicht 60 Menschen.

Also stochastisch gesehen ein Lottogewinn, wenn du einer davon bist.

Trotzdem hab ich mich erst heute so richtig ins Wasser getraut, und weiter als bis zur Brust gehen wir eigentlich beide nicht rein.


Für den Fall eines Quallenstichs haben die hiesigen Lifesaver immer Weißweinessig dabei.

Wird man gestochen, flößen sie einem ebendiesen ein -

macht das Sterben einfacher.

Dazu gibt’s einen Löffel Vegemite. Nur um sicher zu gehen.


Nein, scherz. Den Weißweinessig gießt man auf die gestochene Stelle, das bindet wohl irgendwie das Gift..


Wenn ich aber doch irgendwann einmal nach Irukandji-Quallenbiss im Sterben liegen sollte, würde ich das mit dem Vegemite möglicherweise noch in Erwägung ziehen,

und im letzten Herzschlag darauf hoffen, dass ich nicht als Mensch, sondern als Frosch in einer Toilette wiedergeboren werde.

Ich nehme ihm nämlich beim besten Willen nicht ab, dass er da nur wegen der Nässe und Kühle drin saß.


Wer neugierig ist, nimmt so manches auf sich...!

24.5.10 15:55


06. - 17. Mai 2010 - Westküste rauf

 

06. - 17. Mai 2010


Westküste rauf – der Sonne hinterher , eo was geht ...


Einen guten Abend nach Deutschland, wo wahrscheinlich überhaupt nichts passiert, und man sich mit Vulkanausbrüchen und ähnlichen News aus anderen Ländern bei Laune halten muss...

nicht so wie hier! Hier erschlagen einen die Ereignisse...fast :p


Was haben wir die letzten Tage so gemacht?


Oder auch nicht. Steven ist Donnerstag Nacht am 6./7. Mai am Flughafen angekommen, und die ersten 2 Nächte waren wir noch bei Lynne und John, unsere "Leihonkel und -tante" in Perth. Dann haben wir mit annCa eine Nacht im Hostel verbracht in der Innenstadt, danach 2 Nächte am Strandparkplatz, haben tagsüber Perth angeschaut und alles organisiert, Stevens Bankkonto, die Auto-Anmeldung und Versicherung und all das stand auch an – und dann begann am Dienstag der Roadtrip.

(Die AnnCa ist seit Montag abend mit anderen Leuten unterwegs, kommt aber morgen auch in Exmouth an, da sehen wir sie natürlich.)

Geraldton, Kalbarri, Shark Bay (Denham und Monkey Mia), und Carnarvon kann man alle wie folgt zusammenfassen -

circa 3 bis 4 Autostunden voneinander entfernt, Kleinstädte mit 500 bis 15.000 Einwohner, malerische weiße Sandstrände mit türkisfarbenem klarem Wasser, - aber leider starker Wind, lange Hose und Jacke waren angesagt und nachts im Auto wurde gefroren ...

geschlafen haben wir auf Parkplätzen von IGA-Supermärkten, in kleinen Seitenstraßen von Wohngebieten, ... Campen und sowas ist hier überall streng verboten, deswegen muss man sich unauffällige Orte aussuchen. Wenigstens haben wir einen Kombi und nicht so einen super auffälligen Campervan... allerdings haben wir innen ja Vorhänge, bzw eine dicke Leine gespannt über die wir unsre Handtücher, Strandtücher usw. hängen, damit es schön dunkel ist, was man aber auch wiederum von außen sieht – wir hoffen einfach dass uns keiner erwischt.

Also bis Carnarvon war eigentlich nix geboten, da es einfach zu kalt und ungemütlich war um irgendwas zu tun. Meist sind wir um 8 ins Bett und auch um 8 wieder aufgestanden, haben gefrühstückt, sind dann gemütlich zum nächsten Ort getingelt, da einen Spaziergang gemacht, Abendessen gemacht (man muss immer erst einen Grill finden, die stehen hier am Strand herum, für Jedermann – oder einen Ort wo man den Gaskocher aufstellen kann) , und Schlafplatz gesucht und dann in Jacken, Decken, in Jeans und Socken und allem gegen 21 Uhr wieder gepennt.



Wo sind wir jetzt grade ??


Im Moment sind wir in Exmouth, also schon ca. 1300 km nördlich von Perth, aber immernoch ca. 1300 km von Broome entfernt – dem Ort, wo wir etwas länger bleiben und ich auf jeden Fall auch arbeiten will. Dieses Land ist einfach unvorstellbar groß. Der Highway (es gibt auch nur diesen einen) hat genau eine Spur in jede Richtung, man darf 110 fahren, deswegen dauert es auch ewig bis man irgendwo ankommt.

Alle 10 Minuten kommt einem mal ein anderes Auto entgegen, oft sind es große LKWs, die Road Trains, oder andere Backpacker, die man daran erkennt dass auf dem Auto ganz groß WICKED steht (^insider)


Andauernd sieht man Schilder : "Flooding" (weil hier in der Regenzeit im Sommer ständig die Straßen unter Wasser stehen) , oder dass man acht geben soll weil stray animals auf der Straße sein können. Oh ja ! Ganz schön viele. In den 1300 km bisher hatten wir schon mindestens 30 Kühe, 50 Schafe, Emus, Känguruhs, Wallabies ... auf der Straße. Lebende.

Von den ganzen toten ganz zu Schweigen


Auf dem Weg nach Carnarvon war auch ein Haus auf der Straße :p das kam so -

ein Haus in Fertigbauweise wurde, in 2 Hälften geteilt, auf 2 Road Trains verteilt, transportiert. Nachdem wir den hinteren überholt hatten, fuhren wir also inmitten eines Hauses auf dem Highway lang.


Am Tag zuvor waren wir in Shark Bay – das ist eine Halbinsel, oder besser gesagt 2, die als kleine Würstchen vom Festland abstehen und sich parallel dazu erstrecken, und weil sich in dem Teil des Meeres, das sozusagen "eingeschlossen" ist zwischen Halbinsel und festland, ganz besondere Tiere aufhalten – wegen ganz spezieller natürlicher bedingungen – ist der komplette Zipfel "Shark Bay" Weltkultur-Region.

Seekühe gibt es da, Delphine, Wale, und noch viel mehr tolle Kreaturen -

und wir haben keine einzige gesehen.

Es war zu kalt zum schwimmen oder schnorcheln, und als wir von Denham aus noch einen 26 km Umweg nach Monkey Mia machten, wo jeden Tag Scharen von Delphinen zur Fütterung aufkreuzen – hatten wir natürlich Pech und genau an dem Tag war kein einziger Flipper da. Das war mega ärgerlich, weil man am Eingang zu diesem Strandstück 15 Dollar Eintritt zahlen musste, denn das Areal ist das "Monkey Mia Dolphin Resort", und die müssen sich ja auch irgendwie finanzieren. Kacke war, dass uns versichert wurde, es seien momentan Delphine sehr nahe am Strand.

Nach einer Stunde beschlossen wir gleich weiterzufahren, denn leider war kein einziger Delphin da.


Was kam uns natürlich in den Sinn? Auf der einzigen Straße, die nach Monkey Mia führt, jemandem unser Ticket zu verkaufen, und so wenigstens ein bisschen was von den vergeudeten 15 Dollar reinzuholen !

Also fahren wir diese 2spurige Straße – da kommt uns ein kleiner weißer Bus entgegen! Yes !!! Das müssen Backpacker sein !!


Steven also Lichthupe gemacht und runtergebremst. Na, ob der wohl stehen bleibt, dachte ich mit. Aber prompt bremste der Bus sofort runter, blinkte und fuhr auf den Seitenstreifen.

Wie wir aber neben bem Bus zum stehen kommen, und sich der Fahrer des selbigen fragend aus dem fenster lehnt, steven schon den Mund öffnen will – sehen wir, dass der bus und sein Anhänger mit ganz großen Buchstaben bedruckt sind. "Monkey Mia Dolphin Resort".


Ups !


"Oh...uh...sorry mate ... we, uh .. confused you - "

Er grinste nur.

"Thats cool. No worries. C ya later."


Hoppala. Schnell weiter ^^


Leider kam uns auf dem Weg nur noch ein weiteres Auto entgegen, und das haben wir wegen einer Kuppe auf der Straße viel zu spät gesehen um es anzuhalten.

Also 15 Dollar vergeudet



Coral Bay


Entnervt fuhren wir nach Carnarvon, und wollten am nächsten Tag auf dem Highway nach Exmouth das auf dem Weg liegende Coral Bay eigentlich schon überspringen – ich dachte, nur 200km weiter nördlich würde es auch nicht viel wärmer sein, und dann könnte man sowieso nicht ins Wasser, und alles wäre nur noch frustrierender. Coral Bay war aber nur ein 12km – Umweg, und so nahmen wir diesen noch auf uns, mit relativ geringen Erwartungen.

Aber dann wurden wir schlichtweg umgehauen.

Coral Bay hat ungefähr 100-200 richtige Einwohner, die die dortigen Campingplätze und Chalets und Tauchshops usw betreiben, und dann natürlich immer noch ein paar Touris.

An der Küste entlang zw. Coral Bay und Exmouth erstreckt sich das 300 km lange Ningaloo Reef, ein Riff das weit weniger groß & bekannt ist als das Great Barrier Reef an der Ostküste, aber ebenso schön und wesentlich leichter zugänglich.

So erwägte ich den Kauf eines Schnorchelsets, um vom Strand aus gleich loszulegen – leider gab es meine Größe grade nicht. Also war erstmal eine Runde schwimmen geplant -

der hauptteil des Riffs liegt 2 km vor der Küste, die Ausläufer reichen bis 150m vor den Strand. Die verbleibenden 150 m sind knie – bis hüfttiefes, türkisfarbenes, kristallklares, warmes Wasser – keine Wellen, keine Strömung, eine Lagune, vom Riff geschützt und eingekesselt. In der ferne kann man die weißen Kämme der Wellen sehen, die sich über dem Riff brechen.

60cm große Snapper schwammen um uns herum, gar nicht scheu, und 2 nette Jungs liehen steven und mir auch kurz ihre Schnorchelsachen, sodass wir ein bisschen am Rand "entlangschnuppern" konnten und tolle Corallen und Papageienfische sehen.

Die Sonne schien, es war fast windstill bei gefühlten 30 Grad und keiner Wolke am Himmel, und einfach der perfekte Tag im Paradies.


Auch trafen wir durch Zufall die AnnCa mit ihrer Fahr-Crew am Strand, was sehr nützlich war weil wir zur zeit nie Handy empfang hatten und immer nur vage wussten wo sie gerade ist, aber nicht ausmachen konnten sodass man sich mal hätte treffen können.


Am späten Nachmittag fuhren wir dann noch die 150 km nach Exmouth hoch. Langsam wurde es dunkel und die vielen Schafe auf der Straße machten es zunehmend unmöglich, die erlaubten 110km/h auch auszunutzen, deswegen dauerte die Fahrt gefühlte Ewigkeiten.

So wie übrigens jede Fahrt zur Zeit. Denn die Straßen haben nichtmal Kurven.

Wir fahren hunderte kilometerlang geradeaus. Kein Verkehr, keine Häuser, Dörfer, Gebäude. Nur roter Staub und pieksiges Gebüsch, so weit das Auge reicht. Sanfte Hügel hier und da, die Straße geht mal auf, mal ab. Alle 10-20km eine leichte Biegung. Kilometer weite Sicht (über Gebüsch^^) - hier und da fährt man über eine besonders hohe Kuppe, und das erste was man dahinter sieht, ist das Meer.

Das macht mich immer sehr froh

und wann immer der Ozean außer Sichtweite ist, fühl ich mich in der Weite des Landes regelrecht verloren.



Einige interessante Dinge haben wir auf dem Weg natürlich angeschaut, auch wenn es noch so kalt und windig war und wir versucht haben, schnell nach Norden zu kommen.

Von denen will ich hier kurz berichten, denn es sind wahre Naturspektakel, die man sonst eigentlich kaum irgendwo findet.


Pink Lake bei Kalbarri


Ein ganz normaler See, der unter gewissen Bedingungen pink erscheint.

Wenn die Salzkonzentration im See ein gewisses Level überschreitet (nämlich das von Meerwasser), fängt eine gewisse Alge in diesem See an, das Pigment Beta carotin anzureichern. Temperatur und Lichteinfall müssen natürlich auch stimmen.

Dann kommt da noch eine Bakterie ins Spiel, die in der Salzkruste am Boden des Sees lebt. Wenn Alge und Bakterie in einem gewissen Mengenverhältnis vorkommen, sieht alles pink aus. Gut, was?

Der See sah auch wirklich super aus <3 wie in einem Barbie-Film. Und eine dicke fette Salzkruste konnte man am Rand auch sehen.


Stromatolites in Shark Bay

Vor über 3,5 Mrd. Jahren, als es in der Erdatmosphäre noch kaum Sauerstoff gab, war eine der wenigen Lebensformen die existierten die Cyanobakterie, die in flachem Wasser irgendwie Kolonien bildet, und dann kleine Partikelchen aus dem Wasser einfängt und im Verlauf ihres Stoffwechsels langsam als Sediment ablagert, UND jetz kommts, dabei noch O2 ausatmet - so wurde über Jahrmillionen der Sauerstoffgehalt in der erdatmosphäre angehoben, sodass irgendwann auch andere organismen entstehen konnten.

Wären diese Bakterien nicht, wären wir auch nicht! Stromatoliten sind sozusagen ihre "Wohnhäuser", felsartige kleine Gebilde im Wasser. Im Präkambrium gab es noch mords viele von diesen Cyanodingsbums, aber jetzt ist natürlich fast jeder Küstenstreifen irgendwie vom Menschen versaut. Aber was diese kleinen Dinger alles für uns getan haben Beeindruckend !



Exmouth


Als Steven und ich am Sonntag Abend in Exmouth auf Schlafplatzsuche waren, und gerade in einem Wohngebiet am Straßenrand geparkt hatten – ich habe noch ein bisschen Blog geschrieben, saß also mit erleuchtetem Laptop im dunklen Auto, und Steven chillte neben mir auf dem beifahrersitz – da geht plötzlich ein Typ die Straße lang,

und fragt uns prompt ob wir mit ihm und seinen Kumpels noch ein Bier zischen wollen.

Klar!

Sein Haus war nur 100m weiter, und da saßen sie, 4 alte Männer (naja alt.. zwischen 32 und 52) auf der Terrasse, mit lauter Musik, die von drinnen rausschallte, Bier, und sie erzählten uns dass sie alle in Perth bzw. Broome wohnen und einmal im Jahr einen "Männerurlaub" machen um Fischen zu gehen. Mac, Al, Raymond, und den vierten Namen hab ich vergessen. ^^ Alle sind sie an die 1300 km gefahren für diesen urlaub, haben sich das Häuschen für 1800 Dollar (!) für 8 Tage gemietet, ihr Boot auf dem Hänger auch mitgenommen, und fahren jeden Tag raus zum Fischen, und abends wird gegessen – na, was wohl – Steak ! Nein quatsch. Fisch natürlich, und Bier getrunken.


Al ist ein ausgewanderter Schotte, Mac ein Kiwi, die anderen sind geborene Aussies, und alle zusammen machen sie einmal im Jahr Urlaub unter sich, ohne Familien

seit 3 Jahren schon.


Tja, gut betrunken waren sie ! Und die liebsten Menschen Fisch haben sie noch paniert für uns um 10 Uhr abends, da konnten wir leckere saftige Fischhäppchen probieren.

Dann haben sie gefragt wo wir wohnen, und wir meinten dass wir im Auto pennen – oh das ist ja verboten! Meinten sie. Als ob wir das nicht wüssten. Gleich haben sie uns angeboten, im Wohnzimmer auf den Sofas zu pennen. Wir haben aber dankend abgelehnt und dafür um einen Stellplatz in der Einfahrt gebeten. Klaro ! Und wenn ihr duschen wollt, geht einfach rein – wir sperren die Haustür einfach nicht ab -

nd bedient euch ruhig am Kühlschrank, da sind Eier, und so ..


Und, wir sind ganz liebe Jungs, wir wollen euch nichts tun – fühlt euch wie zuhause -


Es war eine Freude


Hotel Californ-australia


Bis 12 Uhr nachts saßen wir draußen, es war wunderbar warm, die Männer haben sich ein Bier nach dem anderen hinter die Binde gekippt, gelallt und gesungen, und irgendwann gingen wir rein ins Wohnzimmer (da waren Raimond und der Namenlose schon im Bett) und haben der Shiva-Figur eine Sonnenbrille und eine Jack-Daniels Mütze aufgesetzt, ihr ein Bierglas in die Hand gedrückt, einen riesigen Hamburger vor die Füße gelegt (ein CD-Case) und ein T Shirt davor gelegt – Harden the fuck up ! -

und bescheuerte Fotos gemacht, bei lauter Musik -

Pink Floyd findet Al gut, und schimpft über Nena und 99 Luftballons. Das machte uns gar nichts aus ^^

Das Bier das seine Kumpels trinken, Carlton Midstrength (ein leichtes Bier mit 3,5 % Vol.) , nennt er "Hairdresser's Piss".


Steven und mir fielen irgendwann die Augen zu, und wir sagten gute Nacht.

Wie wir im Auto in der Einfahrt liegen, die Vorhänge schon aufgebaut,

hören (und dann auch sehen) wir Mac und Al vor dem Haus laut singen und tanzen.

die Boxen drin voll aufgedreht, stehen zwei alte Kumpel bei 25°C Lufttemperatur und leichtem Wind vor ihrem Ferienhaus, sturz besoffen, und schmettern HOTEL CALIFORNIA.

We are all just prisoners here...on our own device


Na, wers glaubt !!!!



Da lagen wir im Bett und lauschten den wundersamen Klängen einer Männerfreundschaft.

Mach mal das Fenster auf, Schatz, ich hör nix ...!


Ist das nicht beruhigend, dass auch das andere Ende der Welt fast wie daheim ist?

Al suchte immer neue Musik raus und tanzte wüst herum. Das muss der Pit sein ^^

Der Typ, dessen Namen ich vergessen hab, ging früh ins Bett und wollte auch nicht ganz so viel trinken wie die anderen, und schmunzelte immer über den besoffenen Mac -

das könnte also der Robert sein^^


Der Raimond hatte so etwas undefinierbares an sich – irgendwie schien er mit der Gesamtsituation unzufrieden. Aber ich glaube, tief drinnen, da ging es ihm supergut unter seinen Kumpels.

Vielleicht der Herbert?


Der Papa ist eindeutig der Mac, WEIL er ganz subtil melancholisch und bescheiden vor sich hin trank, und am Ende brach es alles aus ihm heraus, und dann tanzte und sang er... wie ein Zeiserl...Hotel California.

Und stock besoffen war er, das ist ein ganz wichtiger Aspekt..



Am Montag, also gerade vor wenigen Stunden,

waren wir mal Exmouth und das Drumrum erkunden.

Erstmal habe ich mir Schnorchelsachen gekauft, und wir sind mittags zu Oyster Stacks Beach gefahren.

Da waren nur wenige Leute im Wasser, leichte Wellen, und man musste von scharfkantigen Felsen aus ins Wasser. Das war schonmal gar nicht so einfach.

Steven hat ja noch keine Schnorchelutensilien und blieb erstmal draußen.

Wie ich so losschnorchelte, mitten ins Ningaloo Reef hinein, dass bis an den Strand reicht, und mich in Schwärmen von blauen Fischen und inmitten von Korallen und Seegurken (oder sowas ähnlichem) wiederfand, stellte ich auf einmal fest dass die Strömung ganz schön übel war. Also überlegte ich, dass es besser wäre nochmal kurz aus dem Wasser raus zu gehen, und dann nochmal einen Überblick einzuholen und nochmal reinzugehen,

denn ein bisschen mulmig fühlte ich mich schon -

Steven war aber gerade weg, beim Auto, um sich schwimmsachen zu holen.

Um mich herum war plötzlich auch niemand mehr, die nächsten schnorchler ca. 100m entfernt, und ich wusste nicht, wo bei diesen Felsen der beste Punkt wäre um rauszugehen -

ich entschied mich für einen Punkt, wo zuvor zwei junge Männer ins Wasser gegangen waren.

Dumm nur, dass die Wellen relativ stark und groß waren (dafür, dass das Riff eigetntlich alle Wellen schon kilometerweit vom strand entfernt abfängt), und so stand ich da mit meinen Flossen, an den Felsen, ich hatte keinen festen standpunkt für die Füße (die Flossen hatte ich schon unterm arm) weil die Felsen furchtbar scharfkantig waren,

und alle paar sekunden umspülte mich eine Welle bis zum Hals, presste mich gegen die Felsen (die außerdem mit scharfkantigen austern bewachsen sind) und rieb mich an ihnen entlang :p , aua aua ! , weil ich die Flossen nicht loslassen konnte und keine Chance hatte mich mit einer Hand aus dem Wasser zu ziehen -

aaaah Hilfe ^^


mit der Taucherbrille noch auf dem Gesicht guckte ich unter Wasser, wo ich mit dem Fuß hinsteigen könnte, und wollte schon aus dem wasser steigen – da kam wieder eine Welle, entriss mir fast die Flossen.. so jetz reichts, dachte ich, egal, rauf auf den pieksigen Felsen, schramm, schramm.

Bevor eine noch größere Welle kommt, die mein Gesicht auch noch auf den Stein drückt :p


Etwas zittrig stand ich da, puh, erstmal chillen ^^

und unterhielt mich mit einem Ehepaar am Rand, die das Wasser beobachteten und meinten, dass es viel zu rough sei, sie könnten da gar nicht rein gehen ... oha.


da fiel mir auf, dass die Hälfte der anderen schnorchler alle neoprenanzüge anhatten.. sowas hätte ich auch gebraucht. An meinen Beinen sind viele blutige Kratzer und ein paar richtige schnitte, und an der Innenseite von meinem Handgelenk lief auch Blut runter, lange lange Kratzer (schmerz)... die ich dann im Salzwasser nochmal abgewaschen hab.

(doppelschmerz).



Also Oyster Stacks war für mich ein Reinfall, auch wenn ich tolle Fische gesehen hab.


Auf dem Rückweg sind wir noch zu einem anderen, gechillteren schnorchelstrand gefahren, der eher ein sandstrand ist, haben uns ein schiffswrack angesehen, dass 100m vor der Küste liegt und zu 50 % aus dem Wasser ragt – als würde es fahren :p – und schöne spaziergänge gemacht.



Morgen nehmen uns Al und ein paar andere mit aufs Boot, wir zahlen 40 Dollar und sind dafür 8 stunden unterwegs, kriegen Verpflegung und Fisch, der dort gefangen wird, und können uns das alles mal angucken. Klingt doch gut oder ?


nachher fahren wir auch wieder zu den "Jungs" rüber, vllt holen wir auf dem Weg noch ein Bier und schlafen dann wohl wieder in deren Einfahrt ...



das Wetter ist noch gut, schon den ganzen Tag bewölkt und man sieht kein einziges stück blau am Himmel, aber geregnet hat es nicht und es ist schön warm, das Meer ebenso, was will man mehr.


Seit langem ist mal wieder alles FAST so wie in avalon – strand, jeden tag schwimmen gehen, warmes Wetter.

So darf es bleiben


habe euch sehr lieb und denke an euch, mit eurem grausligen Wetter..

viele Bussis und bald melden wir uns wieder


17.5.10 13:23


Augusta to Albany Tour - 23. April

    23. April 2010


Wahnsinn ! Wir haben es überlebt !


Die AnnCa hat mich zu einer 4tägigen Tour überredet, damit wir unter der Woche (wo wir ja nicht bei Bootleg arbeiten...die Schweine...) nicht nur in Margaret River herumgammeln.

Es ist hier nämlich echt unvorstellbar öde auf die Dauer.


Also sind wir am Dienstag aufgebrochen, haben uns in Augusta den Leuchtturm "Cape Leeuwin Lighthouse" angeschaut (der 18hundertirgendwas erbaut wurde, ziemlich eins der ersten Bauwerke die die Siedler da erbaut haben – die Schiffe die von England kamen und unten um Afrika rumsegelten, kamen dann meistens an diesem Cape Leeuwin an und brauchten natürlich einen Leuchtturm...) , aber reingegangen sind wir nicht... das war uns zu teuer. Statt dessen haben wir auf dem Weg zurück nach Augusta ein australisches Pärchen mitgenommen, die waren auf einer 6tägigen Wandertour, dem "Cape to Cape Walk" (es gibt nämlich im Norden noch so ein Cape – mit Leuchtturm – und zwischen denen einen Wanderweg!). Die Armen mussten immer Zelten (und es hat gepisst) und sind jeden Tag mit ihren 25kg-Backpacks ungefähr 20km gelatscht.



Dann sind wir bis nach Pemberton weitergefahren und haben dort auf einem Parkplatz gepennt. Was man eigentlich nicht darf.

Da stand nämlich ein Schild "Camping Prohibited". Wir haben (trotzig) genau neben dem Schild geparkt ^^

Unterwegs hatten wir in einem Bottleshop eine Flasche 8$ Rosé gekauft, und dazu sogar noch einzeln verpackte Schoko-Mint-Shots in Plastikbechern bekommen – wir ham dem Verkäufer wohl einfach Leid getan.

Erst haben wir ihm erzählt, dass wir für Lenton Brae Weintrauben gepflückt haben, dann aber gesagt, dass wir uns den 60 $ - Cab Sav aber nicht leisten können – und einen süßen 8$ Rosé gekauft – mit lauter kleinen Münzen bezahlt - da ist ihm das Herz weich geworden.


Das Zeugs haben wir dann nachts im Auto genüsslich gesoffen.

Am Mittwoch gings weiter nach Denmark, und das nächste Kaff heißt Walpole (wo wir in einem Klohaus eine kostenlose heiße Dusche gefunden haben – sowas gibt es nirgendwo! Wir hatten uns drauf eingestellt, 3 Tage nicht zu duschen ! ),

und dort kann man im Valley of the Giants einen Tree Top Walk machen,

also auf einer Brücke entlang laufen die auf ca. 60-90m durch Baumwipfel läuft.

Baumwipfel von Karri Trees, Eucalyptus diversicolor nennen sich die auf Latein.

Diversicolor deshalb, weil die Rinde sich zT abschält und die jeweils darunter liegende Schicht eine andere Farbe hat, somit ist der Stamm weißlich, gelblich, rötlich, bräunlich, grau, alles gemischt, und die AnnCa und ich lieben diese Bäume. Wunderschön <3


Als wir diesen Walk hinter uns hatten sind wir noch bis Albany gefahren, die nächste größere Stadt im Südwesten, vielleicht 2-3 mal so groß wie Margaret River, bestehend aus mehreren Buchten am Meer. Als wir da ankamen war es schon dunkel; also haben wir uns gleich mal Abendessen gekocht.


Tja. Abendessen. Das war so eine Sache!

Unterwegs kamen wir nämlich immer wieder an Farmen vorbei, da hieß es, man könne "Marrons" kaufen. Hm, dachten wir, es ist Herbst, kühl, hier in der Region gibts viele Bäume und so Kram – das sind garantiert Maroni !



Wir hatten auch unseren Gaskocher dabei und fanden die Idee von ein paar heißen Maroni in Butter wirklich ansprechend.

Also wir da rein ...


Ich habe gefragt, ob man 200g Marrons haben könnte... klar, hat die Frau gemeint, bringt uns das Papierpaket von einem Hinterzimmer, wiegt ab, wir zahlen (12 Dollar für 200 Gramm ... was solls...), bedanken uns und gehen wieder zum Auto.


Grade will ich einsteigen, da schreit die AnnCa : "Vera ! Stop mal ! Des ist irgendwas anderes - "


Ich setz mich ins Auto. AnnCa, am Fahrersitz, starrt auf dieses Paket, das sie gerade angefangen hat aufzumachen.

"Des hat Beine, und so...."


"Waaaas ???! "


Okay, also wir hatten in Wahrheit FLUSSKREBSE gekauft,

und zwar vorgekocht und der Länge nach halbiert, mit Beinen, Fühlern, Augen, Schwanz, Scheren.


Leck mich fett^^ die arme AnnCa. Vegetarier. Und dann diese 3 Hälften Flusskrebse vor ihrer Nase, gespaltener Schädel, kalt, krabbelig.


Erst wollte sie, dass wir wieder reingehen und die Teile zurückgeben.

Niemals! Viel zu peinlich!


Ich dachte mir, das würde eine feine Story für meinen Blog werden ...

aus diesem Grund hab ichs einfach durchgezogen^^ und in Albany, auf dem Parkplatz vor der Touristeninformation, auf dem Boden sitzend, die 3 halben Flusskrebse in Butter angebraten und dann aus der Schale herausgelöffelt...


sehr zum Schrecken von der AnnCa, weil bei unserem Mini Topf nämlich noch die ganzen Fühler und Beine oben über den Rand rausgeschaut haben, und ich die Viecher immer an den Beinen hochgehoben hab (mit Spitzen Fingern^^), um sie zu drehen und zu sehen, wie das Fleisch ausschaut.

Auf halbem Weg hats auch noch zum regnen angefangen. Da haben wir dann den Gaskocher, die Teller und den Topf (AnnCa hatte sich davor schon Nudeln gemacht – bevor ich den Topf "verseucht" habe) unter das Dach von dem Touristeninfo-Haus gebracht und dort weitergekocht.


Wär jetz ein Polizist des Wegs gefahren (äußerst unwahrscheinlich. Hier gibts kaum MENSCHEN, wo solln denn da POLIZISTEN herkommen^^), und hätte der uns nachts vor diesem Haus rumlungern sehn, auf ausgestorbenem Parkplatz, hätte er bestimmt nachgeschaut was wir da treiben.

Zwei Gestalten in Pennerklamotten, nass vom Regen, mehr oder weniger durchgefroren, all unser Hab und Gut in einem Auto – und wir sitzen da und kochen uns eine absolute Delikatesse.

Mit einem Gaskocher. Nur der Topf, die Krebse, und eine Zitrone.



Aber die waren wirklich sehr lecker! Leider war es bisschen wenig .. insgesamt ungefähr so viel Fleisch wie 3 große King Prawns... aber was solls.

Es sind gute Fotos entstanden.


Nachdem wir im öffentlichen Klo am Waschbecken unser Geschirr gespült hatten (wieder klinisch-vegetarisch reinlich, für die AnnCa) sind wir noch in ein kleines Pub gestiefelt, das stand im Reiseführer drin – Earl of Spencer hieß das. Ein Kleinod

Ungefähr 15 Biere vom Fass, darunter Guinness und Kilkenny, Hofbräu Dunkel, Weißbier und Original, Coopers Pale Ale, und noch andere australische, schottische, irische, englische Biere.


Der Barmann stand gleich auf die AnnCa, sie wollte aber lieber Cider trinken – was dazu führte dass ich ungefähr 5 Biersorten durchprobieren durfte. Immer mit frischem Glas. Gekühlte Gläser. Kaltes Bier.

Coopers hatte ich schon so oft, da hab ich mal was neues ausprobiert.


Am Donnerstag waren wir tagsüber zu Fuß durch Albany unterwegs, sind dann noch einen Strand anschauen gefahren, und sind abends in ein Restaurant, wo wir schon auf einem Plakat gesehen hatten dass da Livemusik sein würde.

Der Manager hatte Gott sei Dank gerade eine Absage für eine Reservierung erhalten. Also hatten wir im voll gebuchte Restaurant einen 5er Tisch für uns allein, haben jede einen Cappucino getrunken und dazu KOSTENLOS ein Schokodessert bekommen !!

Einfach so. Netter junger Mann... seufz...


Und danach sind wir gleich weiter ins Earl of Spencer! Wo wir uns an die Bar gesetzt haben, zu Tim, unserem neuen Barkeeper-Kumpel,

und er hat mir noch weitere 5 oder 6 Biere zum Probieren gegeben..


Dann haben wir uns lange unterhalten, über Musik und Essen und Bier und dies und das, und dann habe ich das erste Mal richtig hingeschaut, was sie über das Hofbräu Bier im Getränkemenu so hingeschrieben haben...

Hofbräu Dunkel: light body, nice malty aroma with caramel and chocolate hints. Spicy hoppy finish.


HB Weissbier: noble hop aroma. Strong wheat malt flavour with banana and clove accents. Fantastic german wheat beer.


HB Original: Clear, golden in colour, with a resilient white head, medium light body with soft mouth-feel. Sweet and bready malt with a dry finish of spicy hops. A classic Munich Helles.



Klingt doch fein :p ich hab trotzdem keins getrunken.

Tim findet nur das Dunkle okay. Das Helle findet er scheiße.

Cool =)


Ein paar deutsche Sätze wollte er noch wissen.

Wir haben ihm "Hey alter, wie gehts?"

und "dieses Bier ist scheiße / kacke / übel / Mist"

beigebracht.



Und dann noch einen Satz mit "Titten", den ich hier nicht preisgeben will^^,

aber er ist genau so nützlich wie die oberen zwei, und zu dritt ergeben sie ja schon eine ganze Konversation..!!!



Was ist eigentlich noch so passiert?

Ach ja, die Blow Holes haben wir uns angeschaut. Das sind Löcher in Felsen am Meer -

oder besser gesagt Röhren – das heißt, man steht hoch oben auf dem Fels, und wenn die See sehr rau ist, schlagen die Wellen unten gegen den Fels, Wasser wird somit von unten in diese Röhre gedrückt, immer weiter hoch, und ungefähr 40m weiter oben macht es dann PFFFT und Wasser, Gischt und Luft kommen aus dem Loch geschossen, mit viel Getöse.


Wir haben es suboptimaler weise genau so eingerichtet, dass wir dort hingefahren sind als die See überhaupt nicht rau war.

Also standen wir auf dem Fels, zusammen mit einem Ehepaar aus Leeds, England, mit ihren 2 kleinen Söhnen, und haben das bekloppte Blow Hole gesucht.

Der Mann ist dabei recht nahe an den "Abgrund" (point of no return...muahahaha...) gegangen, auf der Suche nach diesem Hole... und es wollte und wollte nicht blowen..


seine Frau, mit Kindern und Sicherheitsabstand weiter hinten.

"Chris, dont go further than that please."


Er ging grad extra noch ein paar Schritte. Steil wars.


"Chris."


Noch ein Stück..


"Chris, Chris thats enough. Come back.

CHRIS!!"


Er kam wieder, und lief direkt an dem Blow Hole vorbei!

BLOOOOW machte es, ein Wind fuhr von unten in seine Shorts und Jacke und oben wieder raus, hinterließ sein Haar überraschend zerzaust, und wir hatten das Blow Hole gefunden!


Leider machte es auch nichts weiter außer Wind und Getöse,

das fanden die zwei englischen Jungs stinklangweilig.


Beide hatten sie Pullover an, mit der Kapuze vorne auf der Brust und dem V-Ausschnitt hinten am Nacken. Falsch rum, auf gut deutsch.

Das sei das Erkennungszeichen von ihrem Club, Secret Society, erklärte die Mama. Den Club hätten sie heute gegründet. Sie dürfe nicht dabei sein, sie trage ihre Pullover nämlich nicht entsprechend der Club-Kleiderordnung.


Es ist nie schön, irgendwo nicht dazuzugehören – also wollte ich beitreten.

Gott sei Dank konnte mir die AnnCa den Reißverschluss von der Jacke am Rücken zumachen. Ich war sehr mutig und trug die Kapuze über dem Gesicht!


Der kleine Brite war schwer beeindruckt und meinte, ich sei jetzt vollwertiges Mitglied, und könne ihn in Leeds besuchen kommen. Für die alljährliche Mitgliederversammlung der Secret Society.

Mama, wie ist nochmal unsere Adresse?


Er wiederholte die Adresse nochmal für uns.


Dont forget to come to my house !


Klar, bis dann... winke winke...


Der kleine Mann mit der Kapuze auf der Brust zischte ab,

und ich konnte meine Jacke wieder richtig rum anziehen.


Äh, ich mein, falsch rum



Am Freitag haben wir 2 deutsche Backpackerinnen, Maria und Katja, auf dem Rückweg bis nach Walpole mitgenommen. Die beiden schlafen auch im Zelt und trampen bis nach Darwin. Oh Gott !


Dann hat sie die AnnCa noch eingebildet, auf den 75 m hohen Bicentennial Tree zu klettern. Dafür mussten wir unterwegs in einen Nationalpark abbiegen und 11 $ zahlen.

Und dann war da dieser Baum, in den spiralförmig rundherum Eisenstangen gebohrt wurden (das hat man 1988 in Australien noch so gemacht. Ich könnte mir tausend bessere Methoden einfallen lassen als diese. Hätten sie damals mal deutsche Ingenieure dagehabt!!).

Die Stangen sind ½ m in der Höhe und der Weite auseinander angebracht, das heißt man besteigt den Baum indem man so ca. Im 45° Winkel spiralförmig um ihn herum geht.

An der Außenseite ist zwar ein Netz (draht, nicht sehr feinmaschig...), aber unten gibt es keine Sicherung. Man könnte jederzeit zwischen den Standen durchrutschen und 75 m in die Tiefe fallen.


Jede Stange ist etwa 3 cm im Durchmesser und hat – ihr werdets nicht glauben – einen runden Querschnitt ! Gibt es was blöderes als eine runde Metallstange, wenn man mit Turnschuhen 75m in die Höhe kraxeln will, in einer Gegend in der es dauernd regnet ? (Metall – rund – nass – rutschig – hoch - tot ? )



Solcherlei Gedanken schossen mir durch den Kopf, als ich bei 20m Höhe, 5 m vor der ersten Aussichtsplattform, ziemlich in Panik geriet (mein Haargummi fiel von meinem Handgelenk nach unten, ich schaute ihm nach und Griff mit der Hand nach der nächsten Stange – ins Leere – ganz schlecht.) und da stand ich ! Und konnte nicht vor und nicht zurück. Schweiß ! Herzklopfen !


Die AnnCa war zu dem Zeitpunkt schon oben angekommen (mich hats nämlich schon allein 3 Versuche gekostet bis ich mich überhaupt bis auf diese knapp 20m hochgetraut habe!)

und da oben hatte sie wohl eine ganz gute Aussicht!




Da ich jetz grade spontan ins Internet Cafe gegangen bin, lade ich diesen Eintrag schnell hoch, auch wenn ich eigtl noch mehr zu erzählen gehabt hätte..

folgt dann in ein paar Tagen.

Lasst es euch gut gehen

Viele bussis von Vera





24.4.10 04:36


14ter April, Margaret River

Von Bootleg und Ameisenwein, Traubenneurosen und Surf Art


08/04/10


Grade erst hab ich den letzten Blogeintrag hochgeladen, schon haben wir wieder was erlebt.

Die AnnCa und ich sind einfach total fertig zur Zeit. Das Oster-WE bei Bootleg war mega stressig. AnnCa bringt immer Teller raus und rein, ich stehe immer hinter der Bar, schenke viel Wein und noch tausend mal mehr Bier aus, nehme Bestellungen auf, usw,

und die Menschenmassen rannten uns die Tür ein.

Das war alles wunderschön und die Zeit verging auch schnell.

Wenn aber der 100. Gast nach einem Tasting Tray verlangt ( - ein Tablett mit 7 nummerierten Minigläsern, in jedem davon eins der Biere die Bootleg braut, und dazu ein Infoblatt, sodass man anhand der Nummern nachschauen kann was man da trinkt - )

und man dann 7 Gläser rausholt, 7 mal einen Mini schuss bier einschenkt, und zum 100. Mal sagen muss : "i ll hand you our tasting notes, the numbers on the tray match the numbers on the paper, so u can see exactly what u are drinking, and u find a 10% discount voucher for our packaged beer on the tasting notes as well – but it is only valid today!"

DANN, bei Nummer 100., will man irgendwann einfach nur noch reinschlagen...


Hi, can i get a tasting tray, please?


NOOO !!! fuckin PISS OFF , you FUCKIN IDIOT !!



Hach ja. Statt dessen sage ich dann : Sure... und dann gehts los.

7 Mini Gläser rausholen, unter die Zapfhähne, sich 7mal übergießen weil es so schäumt und man immer nachschenken muss... dann die Gläser auf dieses spezielle Tablett pfriemeln... blah blah. Zum Kotzen :p

Das geilste sind die leute, die noch AM TRESEN, während du die letzten paar Gläser draufstellst, schon das erste hochgehoben und das Stamperl Bier geext haben, und dann kommt : "Uuuups jetz hab ich ja ganz vergessen auf die Notes zu schauen! ... Kann ich nochmal so eins haben?"


(NOO !! Fuckin piss off .....)




Da war es direkt wunderbar, dass wir heute um halb 6 früh aufstehen durften um bei der winery Lenton Brae wieder mal Trauben zu pflücken.

Wir waren so lustlos...so fertig... die Trauben sind uns vor den Augen gebaumelt wie Nikolaussocken mit Koalahoden drin... wir hatten einfach keinen Bock den Kack abzuschneiden. Mann ey. Dabei kommt es beim Picking auf Schnelligkeit an. ^^


Die AnnCa hat sich erstmal böse gezwickt, und zwar auf der Innenseite vom Zeigefinger... würg... aber sie hat trotzdem weitergemacht.

Ich hab die ganze Zeit gejammert und gemeckert.

Komm AnnCa wir gehn jetz. Mann. Scheiße. Kack. Ich will schlafen.

(Der Witz war ja, dass wir erwartet haben dass wir auch noch von 12-6 bei Bootleg am schuften wären).


Tatsächlich haben wir das Picking aber durchgestanden, es dauerte diesmal nur von 6.30 bis 9.30. Sofort sind wir zu Bootleg durchgestartet und haben dort auf dem Parkplatz noch ne gute Stunde im auto gepennt. Wir haben uns den Wecker gestellt – sind beide komplett weggepennt. In Unterwäsche. BH und Tanga. Mit Vorhängen im auto, aber trotzdem :p

Es ist ja nicht so, dass da nicht auch noch andere Leute um uns rum parken würden.


Dann kam ja der Hammer ^^ wir ziehen uns um und gehen rein, da eröffnet uns unsere Chefin, dass wir gleich wieder gehn können weil es heute nicht so busy wird


toll :p


Total müde und genervt sind wir dann zum strand aufgebrochen, das Wetter war eigtl ganz schön. Auf dem Weg dorthin haben wir aber noch beschlossen, endlich das Surf Art Studio, das auf dem Weg liegt , anzuschauen (immer wenn wir an dem Schild und den vielen Peace Zeichen vorbeigefahren sind, dachten wir, Hey, da müssen wir rein!).


Gesagt getan, wir in diese Straße eingebogen. Da war nur ein Haus, draußen standen Pferde, der Parkplatz sah aus wie ein großer Misthaufen. Nur flach.

Die Terrasse des Hauses war voll mit einer ganz speziellen Art von Müll – je näher man diesem Müll nämlich kam, desto mehr sah er nach Kunst aus !

Erstmal waren überall Schilder aufgestellt..


"Hey lee-Ann, if you come in here, dont bring your fricken dog, it will eat my ducks! I dont want my ducks to be eaten by your dog, ok?"


"Dogs and fags NOT TO BE BROUGHT beyond this point. By "fags" I mean cigarettes, not gay people. Those are MOST WELCOME ! Peace !"



"Sometimes you give your friends a gift, and then another gift comes straight back to you! So all the stuff in this box is FREE !" (Die ominösen kostenlosen Sachen waren Perlen, Muscheln, bemalte Konservendosendeckel... ja ich weiß...)


Ein bisschen dichterisches Zeug war auch dabei. Ich würde es als Vulgärpoesie bezeichnen. "Trivial-" ist nämlich eher das falsche Wort. Definitiv einzigartig und kreativ.

Ein Hund lief herum, zwischen all den Sachen – halbe Surfboards, bemalt mit Wellen und Peacezeichen. Regenbogenfarben.

Aller möglicher kram. Große Gemälde, auf Leinwand, Holzbrettern, Glasscherben, Plastikteilen.

Drinnen telefonierte eine Frau. Ziemlich laut. Ich ging zur Eingangstür, sah sie und winkte.

Sie winkte zurück. "Oh, hi there ! I m sorry I ll stop talking – hang on – bye, my love, see u later!" - Sie kam heraus. Ins Tageslicht. Mann o mann.


Also ERSTMAL (mein Lieblingswort..) war sie nicht gerade klein. Lange leicht wellige Haare, groooße große Brüste mit nahtlosem Übergang zu einem großen bauch. Kein BH. Ein bauchfreies schwarzes enges Top. Eine Jeans (hinten guckte der Popo raus, der war – na? - groß ! )


Dann hatte sie ein echtes Thorsten-Frings-Haarband um die stirn, bunt und von hand gefertigt zu Zeiten, da wussten die USA noch nicht was Kunstfaser ist.

Schmuck.



Auf jeden Fall war sie so ungefähr die schrulligste und liebste Frau die man sich vorstellen kann. Sie erklärte uns, dass die meisten leute, die in den Parkplatz einführen, sofort wieder umdrehten, weil sie Angst hätten vor den Pferden, all den Peacezeichen, und so.

Das sei eben so. Das nehme sie gar nicht persönlich. Aber wir wären ja jetzt da! Das sei ja schön.


Direkt vor dem haus steht nämlich noch ein schild. "This is a home for horses and old Hippies! "


Dann sagte sie, ihr Hund, ihre Katze und ihre Enten täten sich untereinander nix zu Leide, denn in diesem Haus regiere die Harmonie und der PEACE. Was sonst !


Kämen aber andere Hunde, wären ihre Enten sehr gefährdet... sogar den Pferden habe sie beigebracht, sich gegenseitig nicht anzuzicken.

Sie (Desley ist ihr Name) bekommt nämlich "alte" Pferde geschenkt und pflegt diese dann, gibt ihnen ein zuhause ... außerdem benennt sie ihre Pferde auch erstmal um. So wurden aus Bobby und Tommy (oder so ähnlich) im Handumdrehen King Neptun und Zen.


Außerdem wären die Pferde nützlich, denn die Peace-schilder und das SURF ART Schild, das vorne an der Straße steht (am Rand der Hauptstraße), würden in regelmäßigen Abständen gestohlen werden – was überhaupt nichts ausmache, jeder stehle schließlich Schilder in seiner Jugend, auch sie habe das gemacht, das sei quasi ein Naturgesetz – und deswegen habe sie die Schilder dieses Mal aus Plastikboxen gefertigt, und in ebendiese großzügig Pferdemist, Auto-Öl und toten Fisch gefüllt. Sie sei sehr stolz auf sich, weil sie ganz allein auf diese gute Idee gekommen sei.


Da war ich sowas von baff. Gute Idee, was? Außerdem hab ich auch mal das Pirschstraße-Schild geklaut. Es steht im Keller und lehnt brav und blau an der Gefriertruhe. Papa, kannst du das für mich aufhängen?

In memoriam, und so?


Strahlend schilderte sie den Gestank in diesen Boxen und malte sich aus, wie es wohl wäre wenn jemand das Schild in sein Auto packen würde, in der Erwartung, mit einem hübschen Schild nach Hause zu kommen ... "Moment mal, irgendwas riecht hier komisch! Warst du das, Hasi?"



Außerdem, sagte sie kopfschüttelnd, sehe sie auch nicht ein, wie jemand NICHT in der Lage sein könnte, selbst einen Kreis mit 3 Strichen darin auf ein Schild zu malen – wozu also sollte man eines stehlen wollen?


Innen im Haus (wir betraten das Wohnzimmer mit angrenzender, offener Küche) standen mehrere Gitarren, Plattenspieler, Songbooks von Cat Stevens bis Styx, und alte Schallplatten deren Cover man als Frisurenchronik des 20. Jahrhunderts hätte benutzen können.


Außerdem weitere Bilder, Schmuck, alte Fotos von ihr und ihren Freunden (ein Typ mit enger Jeans, viel Gesichtshaar und Lederstiefeln irgendwo in der australischen Wüste, mit einem Moped das aussah wie die kleinste Zündapp oder was weiß ich, - ein Teil das in der Hitze des Outback wahrscheinlich schon bei Standgas überhitzt.


Er stand auch daneben und rauchte eine Zigarette. Könnte eine Panne gewesen sein, und sie haben einfach versucht es cool aussehen zu lassen.


Dann erzählte Desley uns von ihrer Freundin Lee Ann. Diese lebe genau 7,3 km von Desleys Haus entfernt. Gleich hinter Bootleg. (Sie hatte unsere Arbeits t shirts gesehen).

Beide teilten sie die gleiche Leidenschaft – leichten, süßen Wein für unter 10 Dollar.

Würg!

Lee Ann würde gleich vorbeikommen und ein paar Flaschen mitbringen. Die würden sie dann "verkosten".


(Es war etwa 12:30 Uhr mittags. Ich geb dazu jetz gar keinen Kommentar ich werf das nur so ein. Keine Hintergedanken bitte. Nein nein.)


Denn – von teurem Wein bekämen sie beide Kopfweh.

All diese Chemikalien in teurem Wein seien genau so schlecht für den Körper wie Weißbrot und Bier. Bier ! Das sei ja ganz schlimm.


Und das schöne sei – billigen Wein könne man an seine Gäste verteilen, ohne dass man arm werde.

Gleich werde Lee Ann da sein. Sie brauche nicht lange her, sie wohne nur 7,3 km entfernt...

Neulich habe sie eine ganz himmlische Flasche Wein geöffnet. Ob wir wohl mal probieren wollten...? "Jaja natürlich wollt ihr das .."


"Och ne danke, wir müssen fahren..."

Wir wollten uns rauswinden, wurden aber konsequent überhört.


"Wunderbar! Ich hol euch ein Gläschen ! Tralala.... "


Sie kam mit einem fettverschmierten Weinglas an, halb gefüllt mit einem weißwein. Darin schwamm, wie ich von weitem erkennen konnte, ein kleines schwarzes Etwas..

AnnCa probierte zuerst.


"Mhhhh !" machte sie und unterdrückte ein Husten. Suchend blickte sie sich um. Wo steht ein Blumentopf, wo ich das reinspucken kann?

Sie gab auf und schluckte. Lecker sei dieser Wein! Ganz gut!


Großzügig wie sie ist, gab sie das Glas gleich an mich weiter.


Im Glas schwamm eine tote Ameise.


Ich kostete einen Schluck, die Zähne auf den Glasrand pressend, als Filtervorrichtung für die Ameise. Der Wein war einfach nur billig, pappsüß, und ein einziges Glas hätte Migräne auslösen können. Diese Ameise war buchstäblich am goldenen Schuss gestorben. Komm, süßer Tod...


"Oh wow. Thats a pretty good wine!"


Desley strahlte. Solche Lügen schien sie zu lieben...gleich würde ich ihr erzählen, wie schön ihre Gemälde seien.


Jedenfalls meinte die annCa, ich solle ruhig austrinken, sie fahre schon heim... ja toll !


Ich trank also den Rest aus und gab Desley das Glas zurück. Da war irgendwas in meinem Mund....

Sie erzählte uns, wie manche Leute die ihre Sachen sähen auf die Idee kämen, das ganze Haus sein als Kunstwerk gedacht, und dann einfach selbständig alle anderen Räume begutachteten.

Einmal sei sie beim Zähneputzen gestanden, da sei plötzlich ein Besucher ins Bad gekommen.


Oh Gott!!, was sie denn dann gemacht habe???, fragte ich.


Sie überlegte. "Hm ! I think I said Hi! !!"


Na klar. Hätt ich auch gemacht!


Dann kam Lee Ann zu Besuch. Klein, rundlich, eine vieeeel zu enge Jeans, lockiges Haar, rote Backen.

Ach ! Sie habe so einen gutaussehenden Sohn ! Der sei so schüchtern ! Sie wohne auch nicht weit weg. 7,3 Km, um genau zu sein. Ob wir nicht ....?


Nein. Könnten wir nicht.


Unsere Bootleg T Shirts seien ja super schön. Wunderbar, Dieses rot... die Bluse die sie trage sei auch nicht schlecht, gell?

Ob man tauschen wolle.....?



Nein. Wolle man nicht, leider.


Schnell sei sie hier gewesen, nicht? Genau 7,3 km wohne sie entfernt.


"Meine liebe, ich hole dir ein Glas Wein!" flötete Desley, lief in die Küche.

Von da rief sie erstaunt : "Oh, stell dir mal vor! Wir haben Ameisen in unserem Wein !!!"




Ach was.


"Sieh dir das an !" In ihrem Glas schwammen pro Kubikzentimeter Wein mindestens 1,4 Ameisen.

(Je nach Art der Statistik indiziert so eine beliebige Zahl solch bedeutende Fakten wie das Aussterben einer ganzen Nation oder den überdurchschnittlichen Nährstoffgehalt eines Billigweines!)


"Macht nichts! Extra Proteine!", sagte Desley, und sie nahm einen großen Schluck.

Yuk !!!



AnnCa und ich hatten die letzten Tage immer wieder darüber geredet, dass wir in dieser Weinregion eigtl eine Flasche Wein kaufen müssten, keinen sehr teuren, nur um hinterher sagen zu können "Ja, wir haben ihn gepflückt UND getrunken!"

Aber ehrlich gesagt, wenn man all unsere Erlebnisse mit Trauben zusammenzählt,

dann liegt nichts ferner als sich auch noch selber einen zu KAUFEN.


  • Orb Spiders, giftige White Tail Spiders, Geckos, Ohrenkneifer, Schnecken und Kakerlaken im Wein. Hat man ja beim Sortieren gesehen, und die meisten Winzer lassen nichtmal sortieren, da teuer. Ab in die Presse, meine kleinen Krabbelfreunde...

  • Picking, 8 Stunden in der Sonne, gebückte Haltung, durch Äste und Spinnennetze, mit den Schuhen im Dreck, umringt von nichts als Trauben – und der Rebstock mit seinen Ästen und Blättern ist dein schlimmster Feind...

  • Desleys Wein, ungefähr so viel Masse an Insekten wie vorher Insektizid auf den Trauben verwendet wurde – der ursprüngliche Plan total im Eimer)

    Kein Wein für uns, nichtmal geschenkt



Desley hat uns auch erzählt, dass Stefan (Annas Onkel !) ihre Tiere immer umsonst behandelt. Als Gegenleistung schenkt sie den beiden dann Bilder und andere Dinge.

Das hat mich sehr gefreut. Erstens, dass Stefan ihr nichts berechnet, wahrscheinlich weil er weiß dass sie eine gute Seele ist und nicht viel hat, und er genau so ist drauf ist – ich helf dir, du mir, Peace, und so.

und zweitens, dass sie für die geleistete Arbeit ebenfalls mit Arbeit bezahlt, und zwar indem sie den beiden Dinge schenkt die sie mit viel Liebe gemacht hat und die ihr viel bedeuten ...


Klinge ich selber schon wie ein Hippie ? Love, Peace, Tierarzt kostenlos, und ich male dir dafür ein Blumenbild, das kannst du an die Klotür hängen, dann hast du good vibrations auf der Schüssel?


Nein ich mein das Ernst, man kann da drin zum Hippie werden, ich will das auch alles nicht so negativ klingen lassen – es ist ein schöner Ort, Desley ist eine einfache glückliche Frau, fertig

aber es war etwas anstregend, muss man zugeben. Sie nimmt einen gern in Beschlag

Lee Ann schon auch. Siebenkommadreikilometer.



Nach gefühlten 100 Jahren fuhren wir wieder weiter. Es war schwer, das Gespräch/den Monolog abzuwürgen. Man hat das Gefühl, Desley ist hier und da etwas einsam und hat Redebedarf. Außerdem ist sie wohl eine Person, die sich schon gerne zeigt und gesehen wird.


Beim Rausgehen fiel uns ein weiteres Schild auf :
"WARNING ! Over 50 and sexy."


Wie könnte ein neugieriger Mensch solch einer Provokation widerstehen?





09-11/04/10


Der heutige Tag brachte lauter schlechte Nachrichten. Bootleg gibt uns nur wenige Stunden; Nic schmeißt uns zum Dienstag aus seinem Gartenhaus; Lenton Brae hat nur noch morgen Arbeit für uns, danach sind die fertig mit all ihrem Picking etc.

Die AnnCa ist krank geworden, hat Fieber (?) Halsweh und Schnupfen, und Nics guest house war abgesperrt, also konnten wir nicht duschen – da sind wir dann zum Gracetown Campingplatz gefahren und sind da mehr oder weniger eingebrochen um illegal zu duschen.

Wir also am Freitag beim vorletzten Lenton-Brae-Traubensortieren ever.

Es hat uns so gestunken. Mann. Wenigstens hat Russ, ein Angestellter von Lenton Brae, ein bisschen mitsortiert und so konnten wir ratschen. Über Sport in Europa / Australien kamen wir darauf, dass hier Rugby und Football so populär sind, aber an der Westküste speziell auch Fußball, also Soccer, so wie in Deutschland – und in Deutschland sei eben auch Radfahren so beliebt. In Australien, erklärte Russ, sei jeder Profiradsportler sowieso drogenabhängig. Falls man Drogen wolle, solle man Radfahrer ansprechen. Könne gar nicht schief gehen.

Er fragte Gil und David, ein Kalifornierpärchen, was sie als nächstes vorhätten.

Nach Victoria müssten sie fahren, sagten sie. Möglichst schnell. Wie lang das denn dauere, wenn man durchfahren könnte?

Hm, 20 Stunden, meinte Russ.

Und wenn man sich an die absolute Höchstgeschwindigkeit von 110 km/h halte..?, fragte ich.

Oh, DANN, dann seien es vielleicht 25 Stunden sagte Russ. Aber mal ehrlich, wer halte sich schon an das speed limit..


Und außerdem, woher Russ denn wisse dass es 20 Stunden dauere?, fragte Gil. Man könne ja schlecht alleine 20 Stunden durchfahren?


Ach, sagte Russ. Er kenne Radfahrer.


Ich erklärte ihm – in Gedanken an ein schnelles auto - dass man Deutschland innerhalb von 7 Stunden auf kompletter Länge durchfahren könnte.


Ob ich das schonmal gemacht hätte?, einfach so zum Spaß, um des Fahrens willen?, fragte Russ.


Nein nein, erwiderte ich.

Ich führe viel lieber Rad. Da hätte ich mehr davon.


"Ah", machte er. Das leuchte ihm ein.


Was Russ so von mir denkt will ich eh nicht wissen. Erstmal hab ich ihm ja zu anfang immer erzählt, was für panische Angst ich vor Spinnen habe, nachdem David mal eine riesige Orb Spider aus den Trauben gefischt hat und ich eine Stunde Blut und Wasser geschwitzt hab, ob ich wohl auch mal aus Versehen meine Hände in eine von denen versenke...

Kurz darauf habe ich dann aber diese völlig unversehrte, schwarze White Tail, die auch noch ziemlich giftig ist, vor seinen Augen kommentarlos rausgeholt;

am Freitag dann eine 5cm große, rot-weiß gestreifte Spinne; so wie Pommes rot-weiß, nur Spinne statt Pommes;

und die habe ich dann am Beinchen hochgehalten und dann in den Eimer gesetzt; mehrere zermatschte Frösche hat Russ mir schon vor die Nase geworfen, die hab ich dann zeremoniell im Bucket begraben; außerdem komme ich zu Lenton Brae immer in den gleichen Klamotten (3 Wochen lang) : eine schwarze weite Hose bis über die Knie. Darüber eine zerrissene Jeans – die geht nichtmal bis zu den Knien – ergibt einen geilen Lagenlook. Dann habe ich 3 Tops übereinander an, und hier und da hatte ich Oscars Gammeljacke obendrauf an, da sind hinten ganz groß Werkzeuge drauf gedruckt, und die Kapuze hatte ich vor dem Gesicht zugeschürt dass nur die Nase rausguckte.

Einmal hat er mich gefragt wo ich die Jacke her hätte. Dann hab ich sinngemäß gesagt, dass sie mir ein Schwede geschenkt hat, der im Hostel in Sydney im Bett unter mir geschlafen hat, und der für so eine Baufirma gearbeitet hat, die ihren Mitarbeitern sowas schenkt, und die Jacke war ihm zu klein.

Jetzt muss man wissen, dass diese Jacke riesig ist. Ich muss die Ärmel hochziehen dass man überhaupt meine Fingerspitzen sieht, und die Schulternähte sind bei meinen Ellenbogen. Da hat sich Russ wohl gedacht, ich hätte was mit einem riesenhaften schwedischen Troll gehabt, und wäre so an die Jacke gekommen.

Tatsache ist, dass Oscar einfach nur bisschen hochgeschossen ist und die Hosen manchmal etwas weiter unten am Hintern trägt, deswegen ist ihm die Jacke schlicht und einfach am Bauch zu kurz..und sie ist innen weich und plüschig, und bei 30 Grad in Avalon, was macht man da mit so einer Jacke? Nur die Vera, die Frostbeule, trägt sowas trotzdem.


Es ist sowieso besser, die Klamotten in Australien zu beschaffen, als zu viel von daheim mitzunehmen. Als ich Ende Februar noch ein 7kg-Paket heimgeschickt habe, waren ca. 3Kg davon Klamotten, die ich hier nicht mehr wollte, weil ich entweder zu fett geworden war um reinzukommen (jaja ^^ aber es ist schonwieder einiges unten) oder mir hier mal was anderes, praktischeres gekauft hatte.

Weil mein Freund ja Anfang Mai nach Australien kommt, hab ich solcherlei Erfahrungswerte natürlich an ihn weitergegeben, zusammengefasst in einer schönen email... als wir dann ein paar Tage später telefonierten, meinte er, wenn er sich meine ganzen Tipps zu Herzen nehmen würde, hätte er am Ende gar nichts mehr in seinem Rucksack.

Stimmt eigentlich. Ich hab mir die mail nochmal durchgelesen. Da steht eigentlich nur drin dass er Unterhosen und Socken mitnehmen soll, aber bloß icht zu viele T shirts, lange Hosen – allerhöchstens eine ! Wenn nicht nur eine halbe ! Schuhe – wozu? Vielleicht einen, falls mal ein Fuß kalt wird. Elektrogeräte – pff ! Steckdosen findet man eh nirgendwo. Schlafsack? Wer schläft, liebt nicht !

Nur Vitamintabletten. Die soll er mitbringen. Die sind hier mordsteuer. Und eine schöne gute Kamera um Videos zu machen. Aber flott.

Dann hätte ich ihn fast gebeten, mir ein Kleid von daheim mitzubringen. So ein hellbraunes. Dann dachte ich – nee, das kannst du nicht bringen! Erst schickst du 5 Kilo Klamotten heim, und dann lässt du ihn was mitschleppen :p


Gerade kam der Nic zu unserer Hütte gefahren. Es ist 10 Uhr abends und stockdunkel. Er wollte sich schnell die Axt holen, weil er oben auf der Schotterstraße ein Känguruh angefahren hat. Es hat ein gebrochenes Bein und liegt am Boden und kann sich nicht bewegen.

Der einzige Tierarzt in der Gegend ist Stefan, Annas Onkel, aber der ist ausgerechnet gestern nach Deutschland geflogen, wegen eines Todesfalls in der Familie.

Deswegen hat Nic beschlossen, das Tier schnell umzubringen

Er hat die Axt extra noch geschärft, aber sie fühlte sich immernoch recht stumpf an...

und gerade ist er das zweite Mal vorbeigekommen, hat die axt zurückgebracht und gesagt, er hat das Känguruh (das wohl schon bewusstlos war) mit einem Ziegelstein auf den Kopf geschlagen. So fest er konnte. Dann hat ers ins Gebüsch geschleift.


Die AnnCa und ich sind ganz traurig. Jedes mal wenn wir unsere Schotterstraße langfahren, hüpfen nämlich 2 oder 3 vor uns her, aber wir fahren so langsam (Nic hat einen Jeep und fährt 50 oder 60, und wir nichtmal 20 wegen der Schlaglöcher und Steine) dass wir nie ein Känguruh zamfahren würden.


Gestern Nacht an der größeren Hauptstraße hier, wo man 90 fahren darf, ist auch plötzlich ein Opossum vor uns auf der Straße gewesen. Da ich aber nachts nur 60-70 fahre, weil unser Licht nicht das beste ist, die Straße schlecht, uneinsichtige Kurven, eh kein Verkehr den ich aufhalten könnte (und eben die erhöhte Gefahr durch Tiere), und weil ich gute Augen hab (graues Possum auf grauem Asphalt...) und nach kurzem Blick in den Rückspiegel ziemlich stark bremsen konnte – keiner hinter mir – und gehupt – ist das Possum dann noch rechtzeitig von der Straße weggekommen, ab durch die Hecke. Erschrocken haben wir uns eigentlich auch nicht.

Aber ich will kein Possum im Reifenprofil eingewalzt haben, und ich will auch nicht dass ein ausgewachsenes Känguruh bei 90kmh Aufprallgeschwindigkeit unser Auto plättet :p

deswegen fahren wir relativ langsam. Aber der Nic ! Mann der bretter hier echt über die Hügel wie ein Irrer.

Und hier auf dem Gelände sind überall Känguruhs. Wenn man joggen geht, sitzen sie hinter einer Baumgruppe und schauen blöd rüber.

"Wieso springt die nicht? Geht doch viel einfacher."


Und jetzt hat der Nic das arme Ding abgemurkst...


Schnell anderes Thema. Heute bei Bootleg habe ich wieder – na, was? - tasting trays eingeschenkt !!

Das war ein Fest. Nic und seine Freundin Diana, und Moritz und Emily (Annas Cousin mit Freundin) waren auch zum Mittagessen da. Und haben ihre Drinks bei mir bestellt.

Nic und Di haben ihre Pints für 6 anstatt 10 Dollar bekommen (Middy statt Pint eingetippt) und Moritz hat sein Middy für 3 anstatt 6 Dollar von mir gekriegt (Mineralwasser anstatt middy eingetippt.....). Sehr dankbar waren sie. Nur erwischen lassen darf ich mich nicht.

Vor allem interessant, wenn man bei zwei Pints und einem gegebenen 20Dollar-schein noch 8 Dollar rausgibt :p

Dann am Dienstag – unser allerletzter Tag im Trout House (!) - sind AnnCa und ich zu Bootleg zum Mittagessen. Strömender Regen, um 7 abends wollten wir in Margaret sein, weil wir eine Ostdeutschen-WG aufgetan haben, wo wir bis zum Ende unserer Bootleg-Tätigkeit recht unkompliziert und billig wohnen könne, zu zweit in einem schönen warmen Zimmer... denn jetzt, wo es draußen nur noch 15-20 Grad hat, nachts eher 12 rum, und wir im Auto schlafen, es ständig schüttet und annCa eh schon krank ist, und wir nichtmal eine Dusche haben, ist es gut dass wir hier sind. (Dienstag, gleiches Spiel – Wind, Wolken, Regen. Vera steht nackt vorm Trout House und begießt sich mit Regenwasser, 15 Grad kalt, 10 Minuten lang, um Shampoo und Duschgel vom Körper zu waschen, nachdem wir die Dusche eh schon 2 Tage rausgezögert haben...)

Hier können wir auch mal was warmes essen und unsere Klamotten und Handtücher richtig trocknen, und nicht halb-feucht irgendwo rumgammeln lassen.

Was wollte ich über Bootleg sagen? Wegen dem Regen (...wegen DES RegenS ^^ ) war fast nichts los, und unsere Lieblingskollegin Gemma hat unsere Bestellung aufgenommen, und wir erfreut ihren Monolog vor der Kasse belauscht.

Also für Vera die Lemon garlic Prawns. Okay. AnnCa ? Mash and gravy? Ok. Schauen wir doch mal wo wir den Staff Discount in dieser Kasse finden... Moment... Family Discount?

Hoppala. Das ist ja noch besser. Also Mash und Gravy kostet dich jetzt 3 statt 5 Dollar... (In der Karte steht es mit 7,50, Staff Discount wären 5, Gemma hat 3 draus gemacht).

So, die Garlic Prawns für 10 Dollar...

Dann die AnnCa: was kostet uns denn der Sticky Date Pudding?

Gemma: wollt ihr euch einen teilen? Ok also normalerweise 9,50... aber dann gibts hier diesen Discount...und dann noch den... und noch den Discount.. unter 3 Dollar !


Jeder von uns hat dann noch eine heiße Schokolade umsonst bekommen, die normalerweise 4 Dollar kostet, und nach den Prawns und dem Mash und Gravy, dem Kuchen und Gemmas Pommes (sie hats nicht geschafft die aufzuessen...) sind wir aus Bootleg buchstäblich rausgekugelt, und hatten zu zweit 18 Dollar bezahlt.



Danach sind wir noch in die Chocolate Factory gefahren, die wollten wir uns schon länger anschauen..da war uns schon schlecht. Dann gab es weiße, braune und dunkle schoko, die man kostenlos probieren konnten... was soll man machen? Es war umsonst...

also immer rein damit...

Dann den vollen Bauch wieder ins Auto geschleppt, wir waren fast bewegungsunfähig ^

Das trout house geräumt, geputzt, nach Margaret River gefahren, in strömendem Regen das Auto ausgeladen, und unser Zimmer bezogen.

Lars hat einen Holzofen im Wohnzimmer. Ein Aquarium mit einem Hummer. Teppichboden. Einen riesen Flachbild-TV. Ich sitze mit dem Po am Ofen, Laptop vor mir, noch weiter vorne der TV, da läuft Top Gear Bolivia. Mei gehts mir gut


Höre jetzt auch mal shcnell auf, denn dieser Blog wird dann bald hochgeladen..

bis zum nächsten Mal.. !

Habe euch alle sehr lieb !



14.4.10 11:18


Blog aus WA !!


EINTRAG VOM 28.3.10


Hey ihr zuhause !
der letzte blogeintrag ist lange her, deswegen wird  dieser hier auch mal ein bisschen interessanter und abwechslungsreicher als die letzten, denn es ist vergleichsweise viel cooles zeug passiert.

Wie geplant sind AnnCa und ich am 9.3. abends in Sydney in den Flieger gestiegen und gegen 22 Uhr ortszeit in Perth
angekommen.
Die Flugangst haben wir mit iPod hören und Bundaberg Rum -Cola weggerockt, außerdem ist die AnnCa ja sowieso ziemlich
dreist und hat auch noch Mangos in den Flieger mitgenommen - aber man darf ja wegen Quarantäne keine Früchte nach WA
einfliegen - das war vielleicht ne Sauerei als wir mitten im Flieger angefangen haben MANGOS zu essen.......^^

Anna und nessi haben uns abgeholt und die erste nacht haben wir dann in Fremantle,
einem Vorort von perth (wunderschön!) bei Annas Cousin Lorenz verbracht.
Am nächsten Tag haben wir dann noch Freo (=Fremantle) angeschaut und sind dann die 3 stunden nach Margaret River
runtergefahren.

Nessi und Anna haben ja seit Dezember bei Annas Tante Ute dort unten gewohnt, die Künstlerin ist und das ganze Haus
selbst gestaltet hat.
Sie macht viel mit Mosaiken, natürlichen materialien wie Steine, Holz, schlangenhaut, auch glas,
deswegen sieht alles sehr naturnah und verspielt und bunt aus, und man kann sich gar nicht satt sehen.

Dort haben wir dann ein paar Tage verbracht, sind schwimmen gegangen und in Margaret und den umliegenden mini-städten einkaufen
und flanieren gegangen.
Man muss sagen - diese gegend ist der absolute Arsch der Welt. es gibt NICHTS. 2 größere strassen führen durch diese Region hier
("down south" sagen die Leute in Perth, und so ist es auch) und eigentlich gibt es nichts außer weinfeldern und winzern, känguruhs,
viele viele Bäume, und im Westen einfach immer den indischen Ozean... und mehr als 10, 15.000 Leute leben auch in Margaret River nicht,
auch wenn diese Stadt in ganz Australien bekannt ist.

AM SAMSTAG hatten  wir dann ein barbecue in Utes Haus (Ute war noch im Urlaub...hilfreich...) und Lorenz und seine Freunde kamen auch.
Wie es sich so trifft, hat das Haus eine riesige Veranda, ein Holzdeck, mit einer Außenbadewanne.
irgendwann saßen wir alle um die badewanne, die in Stein eingelassen ist, und hatten unsere füße im heißen Wasser,
bis dann die Jungs auf die idee kamen eine nude party zu machen....! also haben sie sich einfach mal ausgezogen, sind nackt
im Garten rumgelaufen, auf die Schaukel, sind nackt Skateboard auf dem Holzdeck gefahren...
es war eine Freude zum zuschaun für uns Mädels in der warmen Wanne


Die tage gingen aber viel zu schnell rum und am Montag den 15. haben wir dann nessi und anna zum Flughafen fahren müssen.
Geil war, dass die bremsen vom auto schon die ganze Zeit gesponnen haben, und zwar hat beim bremsen einfach das Lenkrad geruckelt,
und ich hab mir ziemliche sorgen gemacht- nur alle anderen nicht :p

Ich bin ja gern pessimistisch, deswegen war es für mich eine kaputte Radaufhängung und in jeder Kurve
hab ich damit gerechnet dass wir gleich einfach gradaus weiterfahren :p

Anna meinte, das sei schon länger so mit dem ruckeln.. das wäre schon in Ordnung...

Annas Onkel meinte, man solle sich da nich gleich in die Hose scheißen - jedes australische Auto mache das - man solle sich da nicht drum kümmern.
You guys should be alright...

.. ein Mechaniker aus Margaret, der uns erst 1 Tag zuvor einen hinterreifen, der fast platt war (da war ein Nagel drin. super!) ausgetauscht hatte, meinte, als ich ihn
nochmal anrief, Jaja, er hätte schon gesehen dass der bremsbelag hinten total im Arsch ist ....
Mein Kommentar dazu - wieso hat er uns das nicht gesagt als wir den Reifen bezahlt haben ??

Jedenfalls ein genialer auftakt, 2 Tage nachdem man das erste auto seines Lebens (!) gekauft (!) hat, und dann auch noch in Australien (!), einige tausend Kilometer (!) weg von daheim
und wenig Ahnung von Auto-Technik und englischem auto-vokabular.

So sind wir also gezwungenermaßen nach Perth geeiert, der Flieger wartet ja nich auf einen, ne... und nachdem Anna und nessi am Flughafen abgeladen waren (heul heul...)
sind wir sofort ab zum Mechaniker. Der hat sich das alles angeschaut und das auto hochgehebelt, und meinte dann, vorne seien die Scheiben total locker und wir bräuchten dringend
neue, und hinten neue Beläge. seufz.
Am donnerstag hatten wir aber erst den Termin, was aber egal war, denn wir hatten eh unsere backpacks in Margaret gelassen und sind nur mit dem nötigsten für 1 Woche nach Perth,
weil wir sowieso nochmal 1 Woche bei Lorenz in Freo sein wollten um uns das alles anzuschauen.
Nach einer Woche Perth und autoreparaturen (ein Lager musste auch noch ausgetauscht werden, alles in allem waren es dann 300 dollar und wir saßen 8 Stunden beim Mechaniker),
und so eine Art TÜV von Western Australia mussten wir auch noch bestehen - das hat dann wenigstens geklappt -
sind wir dann zurück nach Margaret gefahren.

Der Oberhammer an der ganzen autosache war für mich ja, dass Anna und Nessi erst 2 Wochen bevor ich das Auto übernommen habe beim Service Check waren,
das ist ein Check den man alle 10.000 km machen muss, wenn eine Art "Garantie" auf das Auto weiterlaufen soll (größere Reparaturen wie Motorschaden etc werden dann wohl übernommen,
dafür muss man eben regelmäßig durchchecken lassen). Anna und Nessi haben bei diesem letzten Check einige hundert $ geblecht,
was auch nicht schlecht ist, wenn man bedenkt dass weder Beläge noch Scheiben geprüft wurden.
Dieses kaputte Gummilager, das wir dann später noch haben austauschen lassen, war wohl auch ein essentielles Teil, denn unser Mechaniker hat uns gezeigt wo die Leute von der TÜV-inspection nachschauen,
und hat uns eine Stelle gezeigt wo wegen des kaputten Lagers ein paar Teile viel zu viel Spiel hatten, irgendwo nahe an der Achse - keine ahnung ob das jetzt sinn macht -
es sah nicht gut aus und das alte Gummilager war von Salzwasser zerfressen und durch die ungleichmäßige bremskraftverteilung und alles abgeschrubbt.

Wir fassen zusammen - nach dem, was uns mehrere Leute geraten und "verheimlicht" haben, hätten wir einfach weiterfahren sollen wie gehabt.
Was wäre dann einige hundert km später passiert? Bei 100 und einer Vollbremsung wäre die Kontrolle übers Lenkrad so gut wie weg gewesen,
irgendwann wäre dieses Gummiteil einfach weg gewesen, dann hätten irgendwelche Metallteile ... stop!! es reicht :p

Gut dass wirs reparieren ham lassen.




Es gibt noch eine Story zum Auto. Wer von autos genug hat kann gleich den absatz überspringen :P Die Registrierung (sowas wie anmeldung, Versicherung, usw)
verlängert man in australien immer um 1/2 Jahr. Unsere läuft Ende Mai aus.
Jetzt kommts... da Nessi und anna ihre Rego in New South Wales (anderer state, andere Regeln..) gemacht haben,
und wir unsere in Western australia machen werden,
müssen wir erstmal Transfer Of Ownership (Besitzerwechsel) und dann auch noch Transfer of vehicle registration und und und machen.
Was braucht man dafür jetzt alles ?
behörde Nr 1 in Margaret River, wo Anna und ich hinfuhren, sagte, wir sollten so ein Blatt von oben bis unten ausfüllen,
und dann sei das Auto mit allem auf meinen Namen überschrieben.
Das füllten wir aus und gaben es ab. Dann hieß es,  UPS !, wir ham da was vergessen, ihr müsst eine Adresse angeben wo in WA ihr wohnt. (Ich hatte die Adresse von den Sandles in Sydney angegeben).
Okay. also haben wir dieses komplette Blatt nochmal ausgefüllt ...
Grad wollten wir es abgeben - dann saß eine andere Frau an dem schalter - die sagte plötzlich, nein nein das gehe so alles nicht,
ganz falsch, ganz falsch ....
Laut dieser Tante könnten wir gar keinen Besitzerwechsel machen, bevor nicht die Registrierung vom auto von NSW auf WA (also der Staatenwechsel)
vollzogen sei.
Was man aber tun müsse, um die rego eben so zu ändern, das konnte sie uns nicht genau sagen. auf jeden Fall müssten wir die Vehicle inspection
(also eben diesen TÜV, den wir ja dann in Perth bestanden haben) bestehen.

Was uns bei der vehicle inspection in Perth gesagt wurde :
Um die Rego auf WA zu ändern, braucht man lauter Dokumente, wie eben den bestandenen TÜV, einen Pass, dann einen Beweis dafür dass man in WA wohnt (klaro hab ich den... ^^)
aber da kann mir hier irgendwer einen Wisch schreiben, jedes Hostel kann das),
und was man eben noch braucht ist - jetz kommts - der Proof of Ownership. also der Beweis dafür, dass einem das Auto gehört.

Kommt da irgendjemandem was irgendwas spanisch vor?

Ohne Rego-Transfer kein Besitzerwechswel,
ohne Besitzerwechsel kein rego-Transfer.

Der Plan sieht jetzt so aus, dass wir mit dem Auto einfach weiterfahren bis Ende Mai, denn die versicherung läuft immer auf 2 Leute,
aber auf wen ist egal,
außerdem hab ich von Anna das unterschriebene Dokument dabei dass sie mir das auto verkauft hat, und laut der Margaret River Behörde genügt das als Beweis.
nur dass das Dokument NOCH nichts wert ist, weil ja die Rego noch nicht geändert ist -
die behörde in Perth sagt das gleiche, genau umgekehrt -

Ende Mai werden wir dann die rego irgendwie verlängern, kein Mensch weiß wie, aber ich beschäftige mich damit jetzt nicht mehr, bis ich muss :p








Ein bisschen weggegangen sind wir auch, einmal mit Dan, einem Freund von Lorenz, der in einem Club DJ ist und auch Fotos macht,
so hatten wir den ganzen abend kostenlose drinks (das ham wir auch ausgenützt und uns richtig begossen).
Bei Dan daheim haben wir dann in unserem Auto gepennt, und nach wenigen Stunden zu Lorenz heim um dort weiterzuschlafen
Witzig war, dass Dans mitbewohner vor dem Weggehen daheim noch zum saubermachen angefangen hat, und zwar weil eine rent inspection (wo der vermieter nachschaut
ob seine Mieter auch brav sind ...) in wenigen Tagen kommen sollte.
im Haus lief laute Musik, jeder trinkt und freut sich, und dieser eine kerl steht in der Dusche und putzt sie.
Als dann DOORS lief bin ich grade zufällig am Bad vorbeigekommen und hab ihn gesehen, wie er da in Badeshorts
mitten in der drei-quadratmeter-dusche steht und mit dem Schwamm die Wand
bearbeitet... und wie wir uns so über die Musik unterhalten, nimmt er in die andere Hand auch noch einen Schwamm, rudert wild mit
den Armen, springt herum, sieht aus wie eine kleine Windmühle und meint, in anlehnung an the doors, das sei Psychedelic Cleaning was er da mache.
ich glaub die Dusche war dann sauberer als er :p

die annCa stand während dessen mit Dan im Wohnzimmer an seinem DJ Mischpult, und wir waren schon gut dabei mit billigem weißwein..
da seh ich wie AnnCas Glas leer ist, gehe zum waschbecken, spüle es aus und tu Wasser rein, trink bissl, geh zurück zu Dan und AnnCa...
die AnnCa nimmt so gedankenverloren (..besoffen..) das Glas, trinkt, stockt : Hm, der goon schmeckt auf einmal ganz gut !,
Hey Vera, der goon schmeckt ja - also - das schmeckt ja seltsam! wie Wasser! Hier Dan, probier mal - gut, gell?
des gibts doch nicht -  ..

ich so, vorsichtig : Ähm... is ja auch nur Wasser....

:p




Auch Lorenz hatte eine rent inspection am kommen, und als dankeschön dass wir bei ihm wohnen durften und 1 woche lang seinen Kühlschrank mit unserem essen vollgestopft haben,
haben wir dann bei denen am Montag geputzt, mann das war eklig überall Motten und Larven und die verpuppten Raupen von denen.. spinnen....



Wie News aus dem deutschsprachigen Raum nach australien gelangen :

Dan hat in seinem Garten ein Gartenhaus, zum feiern, saufen, kiffen, all diese Dinge die man besser nicht im normalen Haus macht -
 Teppichboden und Vorhänge merken sich alles.
Bei einer Faschingsparty kam mal ein Typ als Josef Fritzl verkleidet (!), und dann hatten sie die unheimliche Idee, Fritzl
könnte jemanden in diesem Gartenhaus einsperren.
So erhielt das süße kleine haus völlig zu unrecht den namen Fritzl-barn  (ein barn ist einfach eine hütte).
Die Fritzl-Hütte. dort sitzt man dann in trauter zwei-oder dreisamkeit und raucht sich eins,
ich hoffe niemand von denen kriegt Paranoia oder angstzustände vom kiffen, sonst wird das da drin extrem gruselig !



Dass wir es zurück nach Margaret River geschafft haben ist sowieso ein kleines Wunder, weil wir überhaupt
keine einzige Karte von WA haben,
und die halberten Karten von der Region konnten wir i.wie nicht finden :p
da sieht man mal wie überschaubar das alles ist hier, auch wenn die Distanzen recht groß sind.

So,  wo wohnen wir hier ?
Nic, ein Freund von annas Cousins Moritz und Lorenz, wohnt hier auch in der Ecke,
und auf seinem Grundstück (hier hat jeder einige Hektar. einfach so, als Garten) ist ein Damm -
wie ein kleiner See, für Grund-und Regenwasser - so decken die Leute hier ihren wasserbedarf -
neben diesem See steht ein Gartenhaus, ein einziger Raum, so 4 x 5 Meter. Daneben ein Wassertank,
in den läuft das regenwasser vom Dach der Hütte -
innen gibt es eine Glühbirne - außen am Haus ist ein Waschbecken (mit einem Loch in der Mitte - drunter steht ein Eimer).

Im Haus liegt ein Teppich, steht ein Tisch, Stühle, und eine Art Schrank mit Gläsern die so dreckig sind dass das Licht nicht durchscheint :- )

(für papa :p )


Und dort wohnen wir

Ach ja, irgendwo hinter dem Haus stehen 3 Blechwände mit Dach obendrauf, da drin ist ein Plumpsklo.
Diesen Luxus hätte ich fast vergessen.
Wie funktioniert unser leben hier also ? Wir kaufen Essen ein in Margaret, Zeug was nicht schlecht wird,
sowie Wasserflasche und 15 liter Wasserkanister.

zum waschen benutzen wir das Tonnenregenwasser, ebenso zum zähneputzen und abspülen. Essen tun wir baked beans, spaghetti, rote beete, spargel, mais - all das aus der dose, kalt -
dazu Toast und Semmeln mit Schaiblettenkäse und ketchup, senf, usw.
Wir haben H Milch und Müsli, Gurken, Karotten, Äpfel, Birnen.

Duschen waren wir bisher immer am nahe gelegenen Strand bei Gracetown, da gibt es ein Klohäuschen und aussen dran eine
süßwasserdusche. Kalt. da haben wir geduscht, Mit Shampoo, Duschgel und Rasierer.
Mitten im Nationalpark :p wir Umweltschweine !

Aber jetzt hat uns Nic angeboten dass wir im guest house von ihnen, das gerade nicht vermietet ist, die Dusche benutzen dürfen, was gut ist, denn hier wird ja gerade Herbst/Winter und die Nächte sind schweinekalt und es regnet öfter mal.


In dem see vorm Haus könnte man baden, aber danach riecht man noch lustiger als vorher, und ist voller matsch und gatsch der da aufgewirbelt wird.
Angeblich leben in dem See auch trouts... das ist ein gängiger Fisch...Forelle .. habe gerade das Wort vergessen. Also jedenfalls so ein stinknormaler Speisefisch eben.
Nic sagt wir sollen mal angeln, dann hätten wir leckeren Fisch !!  - auch wenn er in 7 Jahren keinen einzigen gefangen hat -
und die AnnCa vegetarierin ist -
außerdem müssen wir ihn dann roh essen -

egal, was auch immer in dem See lebt  (ich schwör auf nessie von Loch Ness), es darf da drin bleiben, ich spucke nur jeden Tag in der früh meine Zahnpasta hinein.



Die letzten Tage haben wir beim Winzer gearbeitet, und zwar 2 mal Trauben gepflückt und 2 mal Trauben sortiert.
Beim Pflücken hat man eine Zange, zwick zwack kommen die Reben in einen Eimer, der fasst so an die 7 Kilo, wenn der voll ist tut man
ein zettelchen hinein, da steht eine Nummer drauf - jeder Pflücker hat eine Nummer.
Pro Eimer kriegt man horrende 2,50 $ bezahlt :p  allerdings, man würde es nicht glauben, schafft man pro Stunde ca. 5 Eimer,
und wir sind auch noch die langsamsten - manche Pflücker schaffen auch 10 Eimer die Stunde.
Wenn man dann 7 Stunden gebückt und krumm geernet hat, so wie am Freitag, kommen 35-40 Eimer raus, das kann man jetzt in Kilo umrechnen,
dann wird einem ganz schlecht :p


So mitten im Weinfeld zu stehen ist eigentlich ganz schön! Der Rücken zieht irgendwann ein bissl, weil die Reben so zwischen Brust und Kniehöhe hängen,
aber ansonsten ist das eine sehr schöne arbeit.

Viel besser als das sortieren. Da werden Blätter, Äste und die kleinen grünen Stiele von den Trauben entfernt, denn alles was grün ist schadet beim fermentieren.

Also fallen die Trauben, nachdem sie von den großen Stielen abgemacht sind, auf eine lange Metallrutschbahn, die ruckelt,
so "fahren" die Trauben ganz langsam zum Ende, wo sie auf die nächste Rutsche (ab zum
Fermentieren) fallen. entlang der ruckelnden rutschbahn für trauben stehen 8 sortierer und klauben
das Zeugs aus dem Traubenmatsch raus. im stehen, den Kopf nach unten, das laute fließband-teil im Ohr,
und neben einem am Boden stehen Eimer wo der Dreck reinkommt.
Auch das wäre alles okay, nur leider fängt man um 6.30 in der früh an - es ist arschkalt. Man trägt shorts und t shirt, weil man erwartet dass es gegen Mittag sehr heiß wird.
Die Trauben stehen über nacht in der Kühlung und sind irgendwas zwischen 4 und 8 grad kalt.
Av 10 uhr vormittag wird es dann wärmer.
Das problem gestern beim sortieren war - es wurde nicht wärmer.
Es begann zu regnen, es war kalt, windig, und wir standen draußen beim sotieren - unter einem Dach, aber Regen und Wind kamen rein,
und nach 8 Stunden konnten wir uns kaum noch bewegen und unsere Lippen waren ganz blau. Außerdem waren unsere Füße nass, weil wir in einem See aus Traubensaft standen.
Hatte ich shorts und t shirt erwähnt?^^


Und danach kam auch noch die kalte dusche.

Hinterher, das war dann gegen 5 abends, sind wir bei unserem Gartenhaus-backpacker-wohnplumpsklo nur noch ins auto gegangen (das war etwas wärmer als alles andere),
haben uns in vollen klamotten in die schlafsäcke und Decken gewickelt und gehofft dass die Körperwärme zurückkommt.
Bis halb acht haben wir dann da gelegen und geschlafen, dann kam Lord Nick, unser Lehnsherr sozusagen, mit dem Jeep angebrettert
und wollte uns mitnehmen in eine bar ...
wir wollten uns aber noch fertig machen und was essen, sind dann also nachgekommen und es war ein ganz cooler abend ...


Meine Reisegeschichte schlechthin hat sich dabei noch ereignet... meistens sortieren wir ja die Trauben von Lenton Brae, also die von Hand gepflückten. da aber nicht jeder Winzer so eine Sortiermaschine besitzt,
haben wir auch einige Tonnen Trauben von einem anderen Winzer sortiert, der allerdings maschinell erntet - deswegen befanden sich in diesen Trauben (die auch schon recht zermatscht waren) viel mehr Blätter und Zeugs,
wie etwa Frösche (die immer ich rausholen durfte :p ), Käfer lebendig und tot, Heuschrecken, ein geckoschwanz (der auf meiner Hand noch gezuckt hat - war wohl gerade erst abgefallen - ich hab den ganz fasziniert angestarrt, alle anderen haben geschrien) ,
Schnecken mit und ohne Haus, und Spinnen ... im vineyard leben Orb Spiders, die sind so groß wie eine Hand, der hintern ist ganz aufgebläht wie eine riesen Walnuß und die Beine sind lang, dünn, haarig... wuaaaah..
solche bizarren Zeitgenossen lagen verdreht und zerquetscht und zusammengefaltet in den Trauben, und wenn sie keiner rausholt gehen sie schwupp di wupp.. in die Fermentation

Irgendwann kam dann vor meiner Nase, inmitten der schwarzen Trauben, eine schwarze spinne angefahren, noch am krabbeln - außerdem war sie für australische verhältnisse echt winzig - ca. 5 cm groß, eigtl wie eine deutsche Hausspinne -
und weil ich dachte, ach, die ist ja eh so klein, hab ich sie mitsamt Trauben rausgehoben und in die Müllkiste.
Weil grade ein angestellter von der Vinery da stand, hab ich ihn gleich mal gefragt.. is this little fella down there any dangerous..?
Und der typ meinte nur, fuck yeah, this is one of the worst u can get 'round here !
auf deutsch, sie war gifitg, und zwar ziemlich, nämlich eine White Tail Spider. Da gibts auch kein Gegengift.
Hätte die mich in die Hand gebissen, wäre ich tagelang nicht mehr aus meinem shirt-Ärmel rausgekommen vor lauter geschwollen :p
und eine Blutvergiftung kann man dann auch noch kriegen wenn es sich entzündet :p

ich war dann natürlich "spider-girl" bei denen, weil ich das vieh rausgeholt hab :p

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Kochen tun wir heute abend noch, und zwar werden wir in dem Gästehaus von Nick, wo wir ab jetzt
duschen gehen dürfen und wo es auch Steckdosen gibt, mit unserem Wasserkocher und einem Mini Topf nudeln kochen, die wir dann mit kalter
tomatensauce aus dem Glas glücklich verspeisen werden, denn wir haben ja seit Montag nur Dosensachen gegessen.


Am Donnerstag den 25. waren wir in Margaret um einzukaufen, zu tanken, und ins internet cafe zu gehen, und am Tresen von diesem Cafe gab es umsonst (!) Kaugummis die die Zunge blau färben.
Es war so eine Freude diesen Kaugummi zu verspeisen...so einen hatten wir schon lange nicht mehr... und dann hat mir auch noch der Verkäufertyp da drinnen meine 30min internet für 2 anstatt für 3 Dollar gegeben,
und aus Versehen hat er mir auch 40 statt 30min gegeben :p hoppala ...


was ich am meisten vermisse ist gutes Brot, dann natürlich viel Fleisch zu essen so wie daheim..., Salat und solche Dinge,
und heißen Tee und sowas kriegen wir im Moment ja auch nicht,
geschweige denn solche aufwändigen Gerichte wie Gulasch, chili con carne, schweinsbraten... ich hör jetz besser auf :p

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29.3.10

Heute haben wir so richtig ausgeschlafen und sind nach dem späten frühstück los zum strand. Der nahegelegenste ist eigentlich Gracetown, aber dann haben wir auf unserer
Margaret River -Karte noch einen anderen Strand eingezeichnet gesehen, und zwar am Ende einer Straße die sich Cullen Road nennt (Cullen ist hier eine Winery)
und die eigtl die nächste Querstraße links sein müsste gleich nach unserer Schotterstraße .. also wir raus, auf die Hauptstraße,
und haben damit gerechnet dass rechts gleich die Cullen Road reingeht. Was wir fanden waren 2, 3 kleine Schotterstraßen zu Grundstücken, und dann kam plötzlich die nächste große Querstraße, die Juniper Road.
Komisch .- nach der Karte hätte die Cullen Road vorher kommen müssen.
Mei, was solls, drehn wir halt um, wahrscheinlich ham wir die straße übersehen ...

wieder zurück...komisch!

Hier ist man es ja gewohnt dass die Karten etwas ungenau sind und an den STraßen im allgemeinen eher zu wenig Schilder sind,
also haben wir schlicht  " pi mal daumen " abgeschätzt welche von den kleinen Straßen,
die wir gesehen hatten, es sein müsste, und sind da rein.
Anfangs war es eine Schotterstraße, so wie unsere vor Nics Trout House.
Nach wenigen hundert Metern wurde daraus Sand. Schonmal eine kleine offroad challenge für einen Kombi.
Plötzlich kam ein Graben, Der war so circa einen Meter tief :p quer drüber lief so eine Spur, mit autospuren, die etwas höher war.
Die haben wir für den rechten Reifen benutzt, den Rand vom Graben für den linken ...

da kam uns die straße schon ungeheuerlich vor.

Irgendwann war die Straße plötzlich mega breit und ein einziges Sandloch. wir erstmal voll rein auf gut glück

Dahinter war es dann derart hockelig und wüst dass wir das Auto am Rand haben stehen lassen, in einer Art Bucht, und zu fuß weiter gegangen sind.
Die Sandstrasse ging in ein winziges waldartiges stück über, da hätte es uns das ganze Dach zerkratzt so tief hingen die Äste.
Danach wieder Sand ...
plötzlich eine Abzweigung.. naja irgendwann sind wir dann umgedreht und zu einem anderen Strand gefahren, diese ganze Cullen Road
war uns ein Rätsel.. am nächsten abend hat Nic uns besucht und ich hab mal vorsichtig gefragt..
- By the way.. where is Cullen Road?

- Its, uhm, pretty close .- but yeah DONT go there in YOUR car !!

- But - we did.

- Oh.

Der Strand an diesem Ende hat sich also für uns erledigt


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Nachtrag : die Story von Allan Fox

Noch mit Nessi und Anna sind wir eines Tages bei einer Glasbläserei vorbeigekommen und sind da einfach mal reinmarschiert. Es war einfach eine kleine Hütte, innen ganz hübsch hergerichtet, und man konnte große Vasen und kleine Fische und einfach alles mögliche aus Glas kaufen.
Einiges war recht hübsch, das meiste aber nicht sonderlich aufwändig - und es war auch kein Verkäufer oder sonstwas zu sehen.
Plötzlich kommt aus einem Hinterzimmer ein kleines Männlein herausspaziert, klein dürr und drahtig, mit weißen Haaren, wie der Weihnachtsmann wenn er vier Zentner abnehmen würde...
am Telefon hing der Kerl, offensichtlich ziemlich sauer, hat auf die person in der Leitung eingeredet (und es klang als müsste er sich auch ganz schön was anhören).
Am Ende legt er auf, grimmig, schaut uns mit flehendem Blick an und donnert dann, stinksauer - "MUMS !"  "Mütter!"

Also hat ihm seine alte Frau stress gemacht, das fanden wir shconmal ganz lustig. Dann hat er sich dauernd entschuldigt für das Telefonat und seine Mutter, aber gleichzeitig immer wieder betont
wie bescheuert diese Frau sein muss und dass man daran einfach nichts ändern könne, es sei eben so, qualm rauch ärger,
und er ist dann ziemlich ruhelos im Raum auf und ab gegangen, vor sich hin schimpfend ...

Da wir die einzigen waren und er auch gesagt hat er müsse sich ablenken, hat er uns mit in eine andere Hütte genommen, eher eine riesen garage,
in der er arbeitet - also seine eigentliche Glasbläserei.
Da hat er dann erstmal Musik angeschmissen über Computer und Boxen :p und zwar Counting Crows! das war schräg...
Und dann hat er uns alles mögliche erzählt. Dass seine Werke im Louvre stehen und im Buckingham Palace. (Wir dachten der spinnt,
ich bin außerdem jetzt noch davon überzeugt dass er besoffen oder auf Drogen war - aber es stimmt. Seine Werke stehen im Buckingham Palace und im Louvre.. aber dazu noch mehr).

Und dann ließ er uns Glas blasen! erstmal durften wir alle mit Zangen an einem heißen stück Glas herumziehen und -zerren,
mit "Schutzbrillen" (er hatte ne alte Sonnenbrille - aber manchmal hatte auch jemand keine auf - mei  :p )

Dann durften wir einen Batzen fast geschmolzenes Glas im ofen drehen bis es fast flüssig war.
Vor so einem Ofen wirds heiß ich sags euch ...

Als wir dann alle einen hochroten Kopf hatten von der Hitze, hat er uns vorgeführt wie man einen Fisch und einen Vogel macht - die verkauft er im Laden für 30 Dollar oder mehr -
und kostet ihn vllt 5min den zu machen.
Und er sagte wir wären solche Glückspilze, weil wegen der Hitze die letzten Wochen immer die Glasöfen ausgeschaltet gewesen seien - man hätte in der Hitze einfach nicht arbeiten können -
nur gerade eben, da es etwas abgekühlt hätte, könne er uns überhaupt da mit rein nehmen.
Seine dumme Mutter käme uns da auch zu Gute, er müsse sich nämlich dringend entspannen !!!


Jedes Teil das er fertigt bekommt am Boden seine Signatur, Allan Fox, und das Jahr der herstellung.
Als wir wieder vorne im Laden standen hat er uns noch einige unglaubliche Dinge gezeigt -
einige Arbeiten von ihm, die hat er aus einem Safe im Hinterzimmer geholt - die großartigsten Glasvasen und -gefäße die man sich vorstellen kann, mit ganzen Landschaften auf der Oberfläche, tausende Farben und Stücke die bei verschiedenem Lichteinfall ganz verschiedene Farben reflektieren -
diese Teile waren viele viele tausend Dollar wert, vielleicht hunderttausende, und er hat sie uns einfach in die Hand gedrückt sodass wir sie mit raus auf den parkplatz nehmen konnten und im Tageslicht betrachten.

So ein Ding zu stehlen ist sinnlos, denn jedes einzelne Teil dass der Typ fertigt ist abfotografiert und die Fotos werden vom
Museum of Contemporary Art in new York archiviert,
damit niemand der das Ding stiehlt es weiterverscherbeln kann.

Außerdem hat er uns noch sein Notizbuch gezeigt, in das er schon seit jahren hineinkritzelt. Da waren die unglaublichsten Formeln drin,
Notizen welche Elemente und welche Mischungen bei welchen temperaturen wie reagieren und schmelzen oder hart werden,
wie sich die Elastizität verändert ... und all das hat er 40 Jahre seines Lebens gemacht. Nichts anderes.
Wohnen tut er in einem kleinen Raum, da steht sein Bett, seine Gitarre, ein Stuhl,
und er sagt er besitzt nicht viel, auch das ganze Geld kümmert ihn einen scheißdreck,
was ihn so richtig fasziniert ist das Sich-Verlieren in dem schmelzenden Glas im Ofen, oder das komponieren von einem klassischen Stück für Gitarre,
Kreativität, etwas "schöpfen", und sich ganz auf diese eine Sache konzentrieren.
Wie sonst hätte er auch all diese chemisch und physikalisch extrem komplexen Formeln aufstellen oder lösen können,
er muss echt ein mastermind sein der gute

und am schluss hat er uns allen was aus der Lucky-Draw Kiste geschenkt (so wie Wundertüten, aber eben mit sienen Arbeiten, normal kostet da 1 Ding 5 Euro)
und hat uns alle umarmt und gesagt wir sollen gut auf uns aufpassen

wie der mensch arbeitet, ohne Schutzhandschuhe, neben diesem Sch* heißen Ofen, überall Glasscherben - einen Hund hat er auch, der läuft da überall rum - ist mir ganz schwindlig geworden.
Außerdem meinte er, das hauchdünne Glas würde zerspringen wenn man es zu sehr zieht und dehnt, und dann wären wir alle gespickt mit glassplittern - ziemlich martialisch hat er das geschildert -
aber dann, als wir die Zangen in den Händen hielten, hat er uns motiviert...zieh schneller ! stärker ! weiter !
mehr Kraft !   :p
und ich hab nur drauf gewartet dass es gleich KLIRR macht und ich blind werde von fliegenden Glassplittern



Es war ein ziemlich irres Erlebnis, vor allem dass wir zu Anfang dachten, er ist irgendein besoffener angeber.
Aber tatsächlich ist er der vllt. berühmteste Glasbläser der Welt, steinreich aber Geld kümmert ihn nicht -

und wir hatten einfach keine Ahnung wer er ist, oder ob er einfach gerade den eigentlichen besitzer der Glashütte umgebracht und im Safe verstaut hat, bevor wir reinkamen, und dann musste er sich halt schnell was überlegen -
:p


Ich kann auf jeden Fall nur raten, Allan Fox mal zu googeln (sicher kennt ihn eh JEDER, außer mir :p )
und sich Sachen von ihm anzuschauen. Das ist wirklich sehr faszinierend....

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So viel von Wundern und Erlebnissen in den unendlichen Weiten von WA, das auf den ersten Blick wie eine riesen Einöde am Arsch der Welt erscheint,
aber bei genauerem Hinsehen ziemlich viele Überraschungen bereithält, und zwar nicht nur spinnen auf dem Weintraubensortierband !!!!


OSTERN

Ein Duscherlebnis :
Heute morgen, Ostermontag, bin ich etwas früher aufgestanden als die AnnCa, und dachte mir, vor dem Arbeiten
würd ich gern noch haare waschen und/oder duschen.
Leider ist grad keine Dusche zur Hand... denn Nics guest house, wo wir letzte Woche geduscht haben,
ist über Ostern vermietet.
Was macht man da?
Gott sei Dank haben Nessi und Anna uns eine Solar Dusche von Aldi geschenkt. Ein dicker fetter 20Liter Wasserbeutel,
den man füllen und in die Sonne legen kann ("solar"....) und unten ist ein Schlauch und an dessen Ende ein
kleiner Duschkopf, den kann man auf- und zuziehen ...
Wie lief das ganze also ab?
Erstmal hat mich die AnnCa gesehen wie ich das Shampoo (in aller Herrgottsfrühe um HALB ZEHN :p ) aus dem Auto geholt hab... aber sie hat einfach mal weitergepennt..
ich hab meinen Bikini angezogen, bei Wind und bewölkt, gefühlte 15 Grad, bin auf einen Stuhl geklettert, und hab den Aufhängerhaken für den Duschbeutel oben am Dachbalken außen festgeknotet...
dann hab ich halb Dammwasser, halb Regenwasser dort hineingefüllt... kaltes... und dann den Beutel am Haken aufgehängt,
mich abgeduscht - auf der windigen Seite des hauses , wie klug! -
und dann eine große Portion shampoo ins Haar. Diesen Duschkopf kann man ja wie gesagt auch wieder verschließen,
indem man ihn teleskopartig zusammenschiebt - ich hatte ihn also, um mich mit Shampoo einzusauen, zugedrückt.

prompt, - weil meine Hände voll Schaum waren - hab ich ihn danach nicht mehr aufbekommen !
So stand ich da in der kälte, die augen voll Fruchtshampoo. Brennt wie die Scheiße.

glitschige Schaum-Hände, eine weiße Krone im Haar, nass, im kalten Wind, bibbernd,
will ENDLICH diese Dusche hinter mich bringen - und das Scheißteil geht nicht auf !!!!

Da rief ich, verzweifelt...
"AnnCa..kannst du mal kommen...."

Nichts passiert. Der Wind pfeift.
Warten.

AnnCa im gemüüütlichen auto. Wohlig warm. Eine Schlafmaske auf den Augen.

Oropaks in den Lauschern.

tzzzzzSchnaaaarch...

Vera, halb tot, auf der anderen Seite des Hauses. Brennende Augen. Schwach.

"AnnCa..."



Ich bin dann blind (!) zum Damm gestolpert (!) um mir die Hände zu waschen (!) um endlich meine
rituellen Waschungen beenden zu können.
Wie ich dann nach gefühlten hundert Jahren die Dusche wieder aufbekommen hab, hat es genau eine Minute gedauert und -
na, was wohl? - das Wasser war alle. Enton ...^^

Also ich den Beutel vom Haken genommen, zum Regenwassercontainer gegangen, und wollte gerade den OBEREN Stöpsel von dem beutel, wo man ihn befüllt,
öffnen -
DA GEHT DIESES DRECKSDING   A U C H    NICHT AUF !


.... Wie in den Asterix und Obelix Comics ist dann über meinem Kopf so eine Denkblase erschienen mit allen möglichen visualisierten Flüchen.
Blitze, Fäuste, Totenköpfe, Kackhaufen, Rauchwolken....

Gott sei Dank war dann die annCa wach. Seufz.
Sie hat mir dann geholfen leere Wasserflaschen zu befüllen und hat mir geholfen meine Augen von dem ätzenden 1,20$-Fruchtshampoo (mit extra Fruchtsäure - ich hatte noch nie so glänzende augen - )
zu befreien.

Weil ich eigentlich über und über voll mir Schaum war, und nicht mehr nur am Kopf (bin ja auch ein paar Kilometer herumspaziert, während meiner Duschaktion)
hab ich mich dann komplett nackt ausgezogen, ohne der tatsache Bechtung zu schenken, dass alle möglichen kleinen Straßen um das Shed House herum verlaufen, zu Nics und den anderen grundstücken,
und dass wir auch noch den Jungs (Nic, Lorenz, usw) gesagt haben, sie sollen doch am Vormittag vorbei kommen bevor wir arbeiten gehen.
Da stand ich nackt, mit roten Augen und unterkühlt, auf der Terrasse und hab mich enthusiastisch mit Regenwasser aus Plastikflaschen übergossen.

Hab ich eigentlich erwähnt dass es die ganze Zeit über leicht genieselt hat ...?

Wenn dann die Magpies und Kookaburras in den Bäumen ihre Geräusche machen... HA.... HA HA HA... HOOOOO....
denkt man eigentlich nur noch an selbstmord :p




Wir haben uns wirklich schon an das Leben hier draußen gewöhnt, wollen gar nicht mehr weg -
aber man merkt schon, dass wir keine erprobten Camper sind, irgendwie schaffen wir die Herausforderungen halt doch immer..
mit einem lachenden und einem roten Auge, oder so ...


by the way ! lustiges Erlebnis :   - bin ich so auf dem Plumpsklo... höre eine Fliege summen, schau mich um,  
sehe sie aber nicht. Seltsam.. links ist sie nicht, rechts ist sie nicht, über mir isse auch nich...

PLÖTZLICH, was fliegt mir buchstäblich am arsch vorbei ?  die Fliege. auf dem Rückweg vom Mittagessen
sie kam also von unten ^^
schmatz schmatz. ^^

so ihr lieben was bleibt zu sagen, lasst es euch gut gehen , der nächste blogeintrag kommt in 100 jahren,#

und bis dahin hoffe ich, hab ich euch mit diesem hier nicht zu sehr gelangweilt.

küsschen

 

 

 

 

 

7.4.10 08:44


Mitte Februar, Anfang März - auf nach Western Australia !

Eintrag vom 18.02.10




Halli hallo,


die letzten 2 Wochen war ich irgendwie ständig verplant,

und es ist auch nicht viel passiert, dann aber doch wiederum ziemlich viel



ich gebe nur mal die warnung raus dass dieser blogeintrag wahrscheinlich zum gähnen langweilig ist für jeden ausser vllt meinen eltern :p

aber irgendwo auch


erstmal kam am Sonntag den 7. die Ann-Cathrin an, im strömenden Regen hab ich sie vom Flughafen abgeholt.

abends sind wir gleich mal in die L.A. Bar gegangen, um meine favourite local band hier zu sehen, die heavy mellows.

Wie es sich so traf waren Ian und Dan da und haben uns mit Bier abgefüllt - ich nach 3 h schlaf und der letzten nacht arbeit etwas müde,

AnnCa nach 40 h Reise und kaum schlaf noch viel mehr buggered als ich.



Dan hat uns auf der tanzfläche aber ganz schön rumgelassen und es sah wohl so outgoing und energetic aus dass die Leute uns cheerings gegeben haben :p


die woche über haben wir dann ausflüge gemacht und avalon erkundet,

einmal waren wir schnorcheln in Manly, wobei wir einige grosse fische, einen Kalamari (der echt lustig ausschaut, weil er rückwärts schwimmt, bzw es so aussieht weil die Augen ja hinten sind, und er bunt flimmert (die kommunizieren nämlich indem sie die farbe wechseln, muss ich auch mal machen).


wir wir so aus dem wasser rausgehen schwimmt vor uns etwas auf dem Wasser...ich nehme es ... fuck maaaaan ! a fifty dollar note !!!

erst wollte ich den anderen leuten um mich herum zurufen, Hey, has any of u guys just lost his....

Mhhhhh moment mal....,

hab den schein in meinen bikini gestopft, und AnnCa und ich sind essen shoppen zum Aldi gegangen von dem Geld, und haben uns sachen gekauft die wir uns normal nicht leisten. Schinken...obst.... genial !



Eine deutsche die bis gestern hier im Hostel war, Rike, haben annCa und ich dadurch näher kennengelernt dass sie geldprobleme hatte :p und noch einiges mehr,

was ich hier natürlich nicht ausführe, jedenfalls haben wir die abende mehr oder weniger mit ihr verbracht.


Am Strand waren wir natürlich auch viel, und ich werde immer bräuner und meine Haare immer heller.

Zudem haben mich die paar Kilos die ich hier angesetzt habe zunehmend genervt, und jetzt stehe ich jeden morgen um 6 auf und laufe, was ich auch sehr geniesse -

leider waren wir wegen Rike meistens bis 3 uhr früh wach, und tagsüber schläft es sich hier nicht gut.

Also hatte ich diese Woche zwischen Sonntag und Mittwoch circa 15 stunden schlaf, plus laufen und hier und da ein Cliff Walk.

Das ging alles noch, sogar arbeiten ging, aber gestern Abend hat mich Dan dann zu sich eingeladen, er hatte Leute aus Californien da die gerade erst angekommen waren, die er auf der strasse kennengelernt hatte, und denen er directions gegeben hat sowie free internet, damit die ihren trip planen konnten.


Dan ist der ehemalige Gitarrenschüler von Chris Ragatt, dem Gitarristen von den heavy Mellows, deren Gigs ich hier in Avalon immer anschauen gehe.

Chris ist ein extrem guter gitarrist, seine Version von Fields of Gold von Sting hat mir so gut gefallen dass ich tagelang wünschte ich hätte Chris Version auf CD.

Dan spielt auch ziemlich gut, singt auch nicht schlecht, und weil wir uns viel über Musik unterhalten und er mir seine Songs vorspielt, hat er mir natürlich auch seine gitarren gezeigt. seine paar-tausend-dollar Les Paul ist natürlich sein ganzer Stolz, aber ich bin total ausgeflippt als er seine FENDER RORY GALLAGHER REPLICA STRATOCASTER rausgeholt hat :p

ich kann mich noch erinnern wie mein werter Ex david die mal in einem Gitarrenladen kurz angespielt hat und die klang einfach soooo gut und soo nach Rory, wenn man den richtigen amp hat, den hat Dan natürlich auch....^^

man muss wissen dass rory gallaghers strat schon ziemlich mitgenommen war, der Lack ist fast überall ab, ein paar flecken sind noch da,

das schlagbrett ist vergilbt, von den mechaniken ist eine ausgetauscht, und all sowas.

Jetzt hat Fender vor einigen Jahren eben die replica rausgebracht, die absolut identisch in allen punkten zum original ist,

mitsamt dem vergilbten und angebrochenen schlagbrett (halt alles künstlich auf Vintage gemacht), und es wurde auch nur eine limited edition von denen hergestellt, und die sind...richtig teuer.

so^^ dann haben wir uns noch ein paar musik dvds angeschaut bis die californier und ich uns auf die socken gemacht haben,

und das war richtig gut, denn ich saß schon lange nicht mehr in einem wohnzimmer in dem man die musik so laut aufdrehen kann wie man möchte. ich weiss nicht ob die lautsprecher noch mehr hergegeben hätten, it literally blew my mind...!


Troy geht heute aufs Ac Dc konzert in sydney und ist ganz stolz

er hat es mir die letzten Tage IMMER reingedrückt dass ich nicht mitkomme - aber gestern hat mir Dan dann eine live DVD von cold chisel gezeigt, und jetzt bin ich darüber hinweg.


Nächsten Samstag, am 27., gehen AnnCa und ich mit Troy und seinen Freunden zu einem rugby spiel, ich freu mich schon! diese 35 dollar haben wir investiert ac Dc hätte glaub ich 150 gekostet.


letzte woche hab ich 6 tage gearbeitet ud müsste dann nachher, wenn ich meinen Paycheck abhole, ungefähr 400 rauskriegen !



gestern früh hab ich Chris Ragatt am Pool in avalon getroffen, nachdem ich laufen war und mich abkühlen wollte, gegen halb 8, und er hat mich zum frühstücken eingeladen was richtig cool war

heute hab ich dann Rita, eine ausgewanderte deutsche, auf der strasse getroffen und sie hat mich auf einen Kaffee eingeladen.

Ich sags euch - das essen liegt auf der strasse ! man muss nur rausgehen !


AnnCa verbringt im Moment ein paar tage in Manly, also auf halbem Weg in die Innenstadt, bei meiner arbeitskollegin Sonia. so fährt sie jeden Tag in die stadt und schaut sich Sydney an, oder bleibt in Manly und geniesst das touristische strandpartyleben.


Nächste Woche kommt sie wieder und ich freu mich schon sehr <3 weil unsere gemeinsame letzte Woche einfach SUPER war, girlie time EVRY NITE, und es ist gut jemand zu haben dem man den ganzen gossip erzählen kann und allgemein sind wir uns recht ähnlich, haben die gleichen Interessen und sind unternehmungslustig - perfekt.


Shark attacks gab es auch hier und da mal, einmal wurde ein surflehrer in die Zehe gebissen von einem Baby Hai, das andere mal war ein Bein ab oder so,

und in Avalon Beach haben sie ja vor 2 wochen diesen 4m langen Hai gesichtet, aber er war anscheinend noch gesättigt genug.....



Im Hostel habe ich mittlerweile schon sowas wie eine Familie, aus den schweden Richard, Adrian und Stefan,

den Basken Maite und Nando (Nando's ist hier eine Marke für Mayonnaise !),

dann kommen immer die gleichen Leute zum essen in den Drummer,

und egal wo ich hingehe, ich treffe jemanden den ich kenne und wir haben einen kurzen chat.


kürzlich habe ich geträumt dass ich mich entschliesse hier zu leben, und irgendwie war es so eine erleichterung zu wissen dass ich hier nicht mehr weg muss

dann bin ich aber aufgewacht und war ziemlich enttäuscht....und als AnnCa und ich unseren Flug nach Perth für den 9.3. gebucht haben, hab ich mich auch scheisse gefühlt. aber ich hab mir selbst dann versprochen dass ich nicht zum letzten mal in Avalon war



Ja ausserdem wird mein englisch natürlich besser, mein deutsch immer beschissener :p und manchmal mixe ich einfach alles durcheinander, das findet die Annca immer amüsant, aber das wird ihr auch bald so gehen.


Ein Witz den mir Tommy erzählt hat :


a sales rep (vertreter) comes to a house, rings the door bell, and little johnny open the door.

- Hi, can I please speak to ur daddy?


little johnny replies, No, my daddy is in the shower !


Oh. Can I please speak to ur Mum then?


No, shes in the shower, too !


Uhm, do u think its gonna take long till they come out ?


Oh yes very long ! They asked me for lube and i gave them super glue !


(übersetzung : sie wollten Gleitgel, und ich hab ihnen sekundenkleber gegeben !)




Auch noch eine lustige Story - hier im Hostel wohnen 2 Londoner Brüder, Adam und Dane.

Adam ist muskulös, hat korkenzieherlocken, blaue augen, sing wie ein zeiserl ... naja ich hör besser auf


Dane ist etwas dicklicher, tätowiert und gepierct und naja... not exactly an oil painting.

Dane geht jeden Sonntag in die kleine Kirche hier in Avalon, und versucht hier und da Leute vom hostel dafür zu gewinnen.

jedenfalls brachte er letztens 2 Faltblätter von dieser kirche mit, so eine Art "programmvorschau" und terminplaner.


In dem findet man auch Bibelauszüge und Infos und News rund um diese Kirche.

In dem, das Dane mitbrachte, waren zur Belustigung einige gesammelte Stilblüten aus dem offiziellen, grösseren Kirchenmagazin abgedruckt.


wie etwa :


The Sunday morning service will be hell at 10 am.

(anstatt, will be held.)

oder,

The Church is collecting money to buy new robes, since we had quite a few new members join in lately, and the older ones are deteriorating.

(übersetzung : wir sammeln geld für neue Roben/Gewänder, weil in letzter Zeit viele neue Mitglieder unserer kirche beigetreten sind, und die alten langsam vergammeln. vergammeln jetz die alten mitglieder oder die alten Umhänge, frag ich mich...)




so das war echt ein langweiliger eintrag !

aber mir geht es hier super, jeden tag passiert irgendwas, ich fühl mich daheim - die 2 verkäuferinnen von That Gorgeous Shop und Jewellery stehen jeden Tag vor ihren eingangstüren und unterhalten sich, und wenn ich vorbeigehe kommt Hi Vera what r u up to today? ...


der Inder winkt mir immer aus seinem restaurant aus zu wenn ich in die arbeit gehe, das Meer ist immer 23 grad warm und immer wenn ich es sehe will ich einfach nur reinspringen - mach ich dann auch meistens.

nachts sieht man tausende sterne,

im LA sitzen immer die besoffenen auf der eingangstreppe, im woollies gehe ich immer an Marks Kasse, ein guter freund von ronja, und wir quatschen eine Minute -

am strand rede ich mit den life guards, die mir sagen wo die strömung übel ist oder ob bluebottle quallen im wasser sind....

und in unserem zimmer im hostel stinkts immer nach marihuana und klamotten, und der eukalyptus vorm hostel gibt auch noch was dazu.

und überall ist sand im bett, im rucksack, in der unterhose, im kleingeldfach vom geldbeutel, im käseregal von woollies, zwischen den tasten von meinem Handy, in den fingernägeln, in den haaren, aus dem bauchnabel kriegt man ihn wochen nicht heraus, und natürlich am strand.


mir gehts gut ich vermiss euch alle überhaupt nicht und ihr seht mich nie wieder


quatsch. hab euch lieb









EINTRAG VOM 2. MÄRZ



so das Internet hier geht immernoch nicht...outrageous...



die AnnCa und ich waren mittlerweile auf einem Football spiel,

und zwar mit Troy und dessen Eltern und Freunden,

im rieeeesigen ANZ Stadium (ANZ ist eine Bank hier) und zwar spielte Troys team, die St. george Dragons, gegen die South Sydney Rabbitohs (allein schon die Namen, alter)


und deswegen war er natürlich super aufgeregt.

Zu football spielen hier geht man preferably besoffen, die AnnCa und ich haben keinen tropfen alkohol getrunken und das haben wir dann bereut...denn es war super langweilig.

Troy ist der schlechteste regeln-erklärer den es gibt.


Ok, u have five tackles, and then u have one kick, and then u get points !!!!


ach ne.


Gespielt werden 2 mal 40 minuten mit 10minütiger pause dazwischen. Zum ende der 1. halbzeit hin hatten annCa ubd ich die Regeln durch scharfe beobachtung selber erraten,

aber ganz ehrlich, die sind es nicht wert dass ich sie hier aufschreibe.

Im grossen und ganzen geht es darum dass 24 männer auf einem spielfeld in möglichst kurzen zeitabständen möglichst grosse haufen aus ihren Körpern bilden und der unterste im Haufen schreit SANDWICH wenn er nicht mehr kann.


So viel dazu. Dann war am gleichen Abend auch noch MARDI GRAS festival in sydney, wir haben die parade nicht gesehen, sind nach dem football aber in die innenstadt, und die fotos sprechen für sich. Ein typ ist vor der annCa auf die Knie gefallen und hat ihr eine Rose geschenkt! Das war fast so schlimm wie wenn man mit der nessi auf die Wiesn geht :p



Gestern ist dann auch noch was spaßiges passiert,

die AnnCa und ich waren unterwegs und kommen um 11 nachts in Hostel, sitzen unsere 2 lieblingsdeutschen da, chris und christian ^^

die waren mords besoffen und mords happy, so happy dass sie das gerne mit uns teilen wollten,

und haben angefangen uns zu befummeln, ach lass mich doch, ach büdde, nur n bisschen, …. :p

also AnnCa und ich demonstrativ rauf, wir wollten ins bett, schlafen.... ruhe....


wir holen also unser zeug, gehen ins bad. Kommen raus, gehen in unser zimmer …

wer liegt in annCas bett ? Chris. Wer liegt in meinem Bett ? Christian.

Oh man.


Na gut, hab ich gesagt, wenn hier alle betten belegt sind – nehmen wir doch deren betten, die sind ja nu frei, wa .


Also wir ein stockwerk tiefer – die ossies ham prompt ihren zimmerschlüssel stecken lassen … rein ins zimmer -


blöder weise war dieses 6er zimmer der saustall vom feinsten...


also wir wieder rauf, ins bett neben die 2 alkoholleichen gezwängt, dann gab es diskussionen. Ach lass mich doch. Ach bitte. Nur n bisschen.

Man mir is kalt gib mir mal mehr von der decke !

Du bist doof.

Und du kratzt !

Ich hab ja auch n Bart.

Tu den bart aus meinem Bett verdammt !

Ne mir gefällt das hier aber.

Mir aber nich.

(erster lachanfall, 4 leute im Zimmer brechen ab)

(beruhigung)

ich will schlafen.

Ich aber nich.

Mir doch egal. Tu deine Hand da weg!!!!!!


und das alles gegen 6 in der früh.

Was soll man machen. Es war ein spass, zwei betrunkene einsame gestalten und 2 hartherzige mädels.


ja jedenfalls hat sich der Putzmann auch nicht schlecht gewundert als er in der früh um 10 zum putzen reinkam, die 2 unteren betten total leer, und in den 2 oberen Betten jeweils 2 Leute zusammengequetscht,

wovon je 1 sehr gefährdet war raus zu fallen,

und meistens einer gar keine decke hatte und der andre dafür ganz viel.


Ich war der Looser in meinem bett, ich hatte ne halbe decke und ein Arm und ein bein hingen schon gen abgrund.


Man hat sich dann in der früh gesittet verabschiedet und sich nochmal totgelacht über die blicke von den leuten im Zimmer nebenan (die 4 leute haben kichern und schreien hören und lustige geräusche wenn man sich gegenseitig schlägt),

und das beste war dass die immer wieder reinkamen um sachen zu holen die sie hier verloren haben, wie das so is wenn man in vollen klamotten in ein bett steigt und alles fällt aus den hosentaschen raus wenn man sich nachts umdreht.

Ausserdem hatte ich ja noch den schlüssel von denen :p





die AnnCa sitzt jetzt im Bus nach melbourne und ich seh sie dann erst nächsten dienstag wieder wenn wir gemeinsam nach perth fliegen.....................

dann wird es wohl wieder ewigkeiten dauern mit blog einträgen, aber so viel passiert ja eh nicht.


Zum schluss noch schnell n Witz :


What is green and plays guitar ?

  • Elvis Parsley !!



so ich hau ab ! Tschüss leute ! <3




7.4.10 08:48


2.3.10 05:55


Das beste Rezept fuer Eggs Benedict, fuer die Mama und den Papa ...

Pro Person

2 scheiben weisser Toast

2 Eier

2-3 Scheiben Schinken

 

und fuer die Sauce

ein paar Eigelbe

etwas weniger Butter als Eigelb

frische Korianderblaetter

klein geschnittene fruehlingszwiebel

weisser Essig oder -essenz

bisschen Mayo optional

wenig Salz, mehr Pfeffer 

 geriebener Kaese, aber bloss kein Parmesan. wir hatten Cheddar.  yummy

Erstmal muss man porched eggs machen.

Dazu nimmt man einen Topf mit heissem, fast kochendem Wasser, gibt minimum 100ml essigessenz rein, und schlaegt dann die Eierschale am Topfrand auf und laesst das ganze Ei-innere einfach so ins wasser plumpsen als waere es fuer spiegelei. 

Allerdings bleiben die Eier durch den essig zusammen und fallen nicht auseinander !

ich war davon absolut fasziniert !

 Den Toast toasted man leicht braun, den speck oder schinken braet man in butter knusprig.

Fuer die sauce haut man die Eigelbe, evtl die mayo, die Butter, salz pfeffer und viel korianderblaetter in eine grosse Tasse, und erhitzt das ganze im wasserbad, grade so dass man vor dem rohen Ei keine angst mehr haben muss, ein bissl Zitrone kann man reintun. fruehlingszwiebel.

am Ende legt man auf den heissen Toast den heissen speck, legt ein porched egg drauf, reichlich sauce, und kaese.

pfeffer druff.

 

 Das ganze Essen wirkt noch besser, wenn man den uebelsten hangover hat

 

 

 

3.2.10 04:28


03.02.2010 noch 2 Tage bis Papas Geburtstag

hi ihr lieben, solange das internet bei troy hier noch kostenlos ist, blogge ich nochmal ..

 

 

die top themen dieses langweiligen nichtssagenden blogeintrags, weil hier grade einfach zu wenig interessantes passiert:

FÜHRERSCH(W)EINE IN AUSTRALIEN,

BAUCHTANZ UND HIP SHAKE,

DER HIRSCHGARTEN fuer EX-JUGOSLAWIEN-EXILANTEN,

und SCHNITZELVERGEWALTIGUNG

 

heute bin ich nochmal auf die australischen behoerden gestossen. gezwungener massen.da ich ja im Maerz mit der AnnCa das auto kaufen will, muss ich schauen dass mein Fuehrerschein hier auch anerkannt wird.

 

Gut dass es bei Troy um die Ecke ein Motor Registry Office gibt also ein Mini KVR.

Ich da rein ...

die Inderin am Schalter wollte mir erstmal sagen dass meine drivers license schon expired ist. Weil sie naemlich das application date mit dem issue date und dem expiry date vertauscht hat und so weiter.

Es erschien ihr sehr sonderbar, dass das Ausstellungsdatum und mein geburtsdatum uebereinstimmten und meinte, dass da jemand etwas falsch eingetragen haben muesse und dieser Fuehrerschein unmoeglich echt sein koenne.

Bis sie in letzter sekunde – ich war drauf und dran sie auszulachen- scharfsinnig bemerkte, dass das Ausstellungsdatum doch 18 jahre spaeter war als meine Geburt,

und ich war dann so lieb ihr auf die Spruenge zu helfen und ihr zu erklaeren, dass ich meine beiden Fuehrerscheinpruefungen an meinem 18. geburtstag bestanden habe und somit das magische issue date zustande kam.

 

Dann hielt sie aber das application date fuer das expiry date, und stellte fest dass dieses einige wochen frueher als das issue date war. Triumphierend erklaerte sie meinen Fuehrerschein erneut fuer ungueltig, gefaelscht, vom Teufel besessen und biologisch uebrigens nicht vollstaendig abbaubar......

 

Waere aber doch dumm, wenn der Fuehrerschein auslaeuft bevor man ihn ausgestellt bekommen hat !

Das leuchtete der Guten nicht ganz ein. Hauptsache, die Deutsche Wildsau faehrt hier nicht !

 

 

aber ich konnte sie dann davon ueberzeugen, dass deutsche fuehrerscheine lebenslang gueltig sind, und deswegen das Feld fuer Expiry date einfach leer ist. Es gibt kein expiry date.

Das hab ich davor extra noch im internet nachgeschaut, weil ich schon nach internationalen fuehrerscheinen gesucht hatte.

 

Aha !, sagte sie, zog ein grosses Buch hervor, offensichtlich mit Infos zu allen Fuehrerscheinen die es auf der Welt gibt^^,

und fand darin den Paragraphen sowienoch, nachdem mein Fuehrerschein in ganz australien unbegrenzt gueltig ist.

Gotcha^^

 

ich muss aber den Fuehrerschein uebersetzen lassen, ( damit die Polizisten im outback oder wo auch immer, wo man keine dicken Buecher zu den Fuehrerscheinen dieser Welt bereit hat, auch lesen koennen was mein Lappen sagt!, ) und zwar in einem Buero in der Innenstadt. 

 

Dort hab ich dann instantly angerufen und hatte die naechste Inderin dran...

Ich konnte die Oeffnungszeiten in Erfahrung bringen und dass man keinen termin braucht, aber als ich fragte was das ganze kostet legte sie einfach auf, in einer ploetzlichen Panikattacke vor deutschen Reisenden 

aber sie sagte nichts über die Gültigkeit meines Führerscheins, und deswegen hab ich sie trotzdem lieb.

 

also werde ich da Donnerstag reinschneien und meinen fuehrerschein uebersetzen lassen, in englisch oder sanskrit, das stellt sich dann heraus.

Vielleicht faellt die Uebersetzerin dann mitten im Arbeiten vom Stuhl :p

 

 

A propos Inder.

Das indische Restaurant, das 2 Haeuser neben dem Youth Hostel ist, wollte mich kuerzlich zum Arbeiten.

Leider kann ich nicht, weil ich an dem tag schon im Drummer arbeite.  Zur gleichen Zeit, fuers gleiche Geld - also wieso wechseln

 

Was sich Babil, der Manager von dem indischen Lokal, ausgedacht hat ist auch eher eine Freakshow.

Fuer den 13. Februar plant er naemlich eine Bollywood Nacht, fuer die er das ganze Restaurant schmuecken will, und draussen soll ein roter Teppich liegen,

 

auf dem ich dann stehe, in einem traditionellen indischen Kostuem (!) mit Henna (!) und einem Punkt auf der Stirn (!) und die Leute auf traditionelle indische Art begruessen.

Vielleicht am besten noch Punjab style tanzen. Ich. Blond. ich schau doch so UNindisch aus !

Gluecklicherweise hab ich ja sowieso keine Zeit das hab ich ihm auch schon gesagt und ihm paar andere maedels vom hostel vorbeigeschickt.... 

denen hab ich gesagt es gibt da einen guten kellnerjob fuer einen abend mit dresscode..

 

 

 

letzten samstag nach der arbeit bin ich mit verity in den RSL club in avalon gegangen, weil da Chris mit seiner band gespielt hat. stefan, der keyboarder, ist deutscher, und seine familie und die Sandles sind gute freunde. mit chris dem gitaristen war ich schon mal auf nen kaffee  (ja genau DER chris, der 50jaehrige veganer....)

 

und als sie dann vom bluesrock zu rock n roll uebergegangen sind hiess es, wir sollten jetzt alle den hip shake machen :P

 

da waren dann 20 frauen auf 25m² am hipshake tanzen, verity und ich inklusive,

und wie wir so mitten im ententanz rausch sind kommt ein typ in den RSL club reinmarschiert den ich vom LA kenne und mit dem ich mich schon paar mal ganz nett unterhalten hab, Dave,

und gleich hinterdrein veritys heimlicher schwarm wenn man es so nennen kann ^^, kaine,

mit dem ich ab naechster woche arbeiten werde falls mich der bottleshop nimmt.

 

und wir mitten im hip shake  :P

 

 

tja das war ein spass. die maenner haben uns naemlich nicht von der tanzflaeche gelassen!

 

als die band dann abgebaut hat habe ich Chris geholfen sein equipment zum auto zu tragen, und verity hat solange auf meine tasche aufgepasst. sie sass am Parkplatz auf dem boden, mit einem Typ den wir nicht kannten, der sie offensichtlich angegraben hat und sturzbesoffen war.

als ich das zweite mal raus kam zum parkplatz hatte er schon sein T shirt ausgezogen.

 

das ende der geschichte ist,

dass verity den typ weg jagte, ich mich von ihr verabschiedete und ins hostel ging, und dort ein rieeesiges, fremdes vollgeschwitzttes maennerhemd in meiner tasche fand !! 

ich glaubs nicht !!  der wollte sich ausziehen und hat die klamotten einfach in die naechstbeste tasche gestopft...

 

 

ich hab das shirt Oskar geschenkt. Der hats gewaschen und zieht es zum arbeiten auf der Baustelle an.

 

 

Heute frueh dann, am Mittwoch, hat mich Troys mum zu Kaffee und banana bread ins Cafe eingeladen.

Yummy !

Dann hat sie mich all ihren Freundinnen in Padstow vorgestellt,

unter anderem einer alten jugoslawischen Ärztin, ich sage jugoslawisch weil sie auswanderte als ihr Heimatland noch so hiess.

 

Erstmal sprach ich ihren Namen korrekt aus, Vida Ilic, was sie sehr erfreute, weil alle Aussies nämlich Veida Eilik oder sowas sagen, aber man sagt Wida Illitsch. So wie bata ilic halt.

Den kannte sie aber nicht

schon zu lange her all das.

 

Sie hat mal fuer 1 Jahr nahe Wien gearbeitet,

und hat leider all ihre deutschkenntnisse vergessen, bis auf das hilfreiche Wort „Kugelschreiber“, das sie dann voller Stolz die ganze Zeit sagte, gluecklich, eine deutsche gefunden zu haben, fuer echte deutsche Konversation.

 

 

 

In Muenchen war sie auch einige Male, und am allerbesten hat ihr gefallen that you can feed all the deers in that lovely park where u get the big beer stines that are so heavy you can hardly carry more than one...

zu deutsch, den Hirschgarten 

 

 

 

 

wir Bayern hinterlassen bleibende Eindruecke, und viele Aussies finden, dass Muenchen wunderbar ist und es in Berlin ueberall so schlimm stinkt.... sag ich auch schon seit jahren....

 

 

Uebrigens, Ärztin und so.

Hier ist man nicht wirklich privat oder gesetzlich versichert so wie ich das verstanden habe.

Man zahlt Medicare insurance, geht aber nicht zu unabhaengigen aerzten, sondern jeder arzt gehoert zu einer Pharma Firma, zB Douglass Henly Moir, die dann alles moegliche mit dir machen, zum Beispiel Bluttests. Fuer manche Sachen muss man dann bezahlen, fuer andere nicht.

Alles was hier mit Zahnärzten zu tun hat muss man komplett aus eigener Tasche bezahlen.

Deswegen sind in Avalon Beach alle Zaehne gerade,

in Padstow hingegen recht windschief, sofern ueberhaupt noch vorhanden.

 

Etwas materielles, das ich aus deutschland vermisse :

Brot!!!

hier gibt es unbezahlbaren pumpernickel, und ansonsten toast.

Toast toast toast...

 

und bread rolls. Weisse semmeln.

Nachts traeume ich von kuerbis kern semmeln und hofpfister öko spezial....

Vor einigen Wochen habe ich mal ein DEUTSCHES sandwich beim Lüneburger Bäcker am hauptbahnhof gegessen.

 

 

Und zwar eine grosse Vollkornsemmel mit Salat, Camembert, echter Butter (ich konnt es kaum fassen) und geraeuchertem schinken.

 

Wenn man hier in die restaurants geht wird Schnitzel angepriesen, das in 100% fettfreiem Öl gebrutzelt ist.

Ich habe Troys mum erklaert, dass bei uns daheim jedes schnitzel das in der pfanne nicht in Butter schwimmt verpönt wäre, und da hat sie mich nur angestarrt und gesagt naja, sie mag es auch nicht fettFREI, aber sie benutzt eine Mischung aus Margarine und OLIVENÖL !!!!!

 

:P

 

würg !  :p  das arme Schwein oder Kalb oder was auch immer 

 

esst ein stueck schnitzel fuer mich mit, daheim in good ol'germany...

ach und wisst ihr was ? urspruenglich waere mein Flug heute Abend um 18 Uhr heim nach Deutschland gegangen, woot woot....

tut mir wirklich leid ich hab ein sehr schlechtes gewissen. manchmal.

3.2.10 04:13


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