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Broome, 01.06.2010

Broome, 1. Juni 2010



Es gibt immernoch keine Jobs !!

PANIK !!



Der liebe RSL


Naja, keine Jobs ist übertrieben, ich durfte letzten Freitag im RSL Club arbeiten, und zwar von 5 Uhr abends bis um 12, das war recht ergiebig.

Der Job ist an sich sehr sehr gemütlich. Ich steh hinter der Bar, die Leute kommen und holen sich ein Bier oder irgendwas anderes, ich kassier und dann steh ich wieder rum und warte auf den nächsten. Zwischendrin mal den Kühlschrank neu bestücken, Eis nachfüllen in die Eisbox, und so weiter.

RSL Club, wie ich irgendwann in einem frühen Blog schonmal ausschweifend erklärt habe, steht für Returned Service League, also Kriegsheimkehrer/Veteranen, und die Hinterbliebenen, die billiges Essen und Bier in diesen von der Regierung unterstützten Clubs erhalten..

Sinn des ganzen früher war eben die Versorgung der Kriegsversehrten und deren Familien, heute gehen hauptsächlich alte Leute da hin (wer in den Weltkriegen jung war, ist jetzt halt alt^^), eigtl ist es für Jedermann – volles Mitglied kann man aber nur werden wenn man gedient hat.

In manchen RSL Clubs in größeren Städten ist das ganze weniger persönlich, da gehen die Männer auch in Uniform rein (sofern sie denn vom Militärdienst eine haben) und alles, und Respekt und gscheides Benehmen sind gaaanz wichtig, man darf keine Flip Flops tragen und andere gammelige Klamotten, und so weiter. Betrunken rumpöbeln is auch nich. "Gediegen" könnt man fast schon sagen.

( an die Andi: Altersheim schattige Sandbank, bei Spongebob. Meerjungfrau-Mann und Blaubarsch-Bube geben sich die Kante. Yeah! )

Was ich eine Doppelmoral finde, denn ich kann mich noch so schick anziehen – der Grund, warum man in den RSL geht, ist immer ein billiger Rausch.


Den RSL in Broome kann man sich so vorstellen: eine große "Wellblechhütte" von 40x30m oder mehr, keine Wände ^^, einfach nur Tische, Stühle, Barhocker, und ganz hinten am Ende eine kleine Bar mit 2 großen Kühlschränken.


Von Oktober bis April kommen hier um Broome und weiter die Küste rauf ja Cyclone vor, tropische Wirbelstürme, die gibts so ab 27 Grad Wassertemperatur, und jetzt hat das Meer noch 26 Grad (im Juni...mitten im Winter), da kann man sich ausrechnen wie häufig es hier im Sommer Cyclone gibt.

Deswegen ist der RSL auch extra so gebaut – wenns mal stürmt, geht man am nächsten Tag einfach durch die Stadt spazieren, sucht die 3 Wellbleche aus denen das Ding aufgebaut war, bastelt sie wieder zusammen, und dann kann auch schon weitergesoffen werden.

Jetzt kennt sich in Broome ( 15.000 Einwohner ) auch jeder mit Vor- und Spitznamen, und so steht man dann da hinter der Bar und bedient zwischen 10 und 20 älterer Herren, die alle um die 50-70 sind, gedient haben oder sonstige alteingesessene, die sehr männliche Jobs hatten und auch Respekt verdienen, bitteschön! (Matsuda war Perlentaucher, damals, als das noch richtig gefährlich war. Ho, ho !).

Alteingesessen ist echt ganz gut, sie sind alt, und sitzen, und sind alt, und sitzen... und werden älter, und sitzen noch mehr ...


Aber ob einer schonmal eingesessen hat..? Glaub ich nicht.


Die sind auch alle ganz stolz auf ihre Zeit der bei Army, Navy, Air Force, oder was auch immer. Dass ausgerechnet ich, die da jetzt arbeitet, eine deutsche bin, und somit "Schuld" an den Weltkriegen, wurde auch schon mit einem Grinsen bemerkt


Dass ich den Herren dann logischerweise auch zu billigem Bier und Essen verholfen hab – irgendwie - darüber wurde noch kein Wort verloren. Unverschämte Rüpel !


Der einzige, der da sonst noch arbeitet (Vollzeit) ist der Paul, der dürfte so knapp 30 sein.

Der nimmt dieses ganze RSL Konzept auch todernst.

Am Donnerstag, als er mich spontan kurz eingearbeitet hat, hat er mir schon die Quintessenz des RSL-Barjobs nahe gebracht. Wenn ganz hinten einer von den Stammgästen den RSL betritt, holt man schon dem sein Lieblingsbier aus dem Kühlschrank, seinen Lieblings stubby holder (das sind so bunt bedruckte Schaumstoff -Hüllen für die Bierflaschen, zur Kälteisolation und zum Festhalten^^), und wenn der Herr dann am Tresen ankommt, ist das Getränk schon bereit...


Ist das nicht interessant? So bringt man diesen wandelnden Geschichtsbüchern (genau so dick und verstaubt sind sie) den Respekt entgegen, der ihnen gebührt.

Denn sowohl Paul als auch Blue (einer der Stammgäste. sieht aus wie der Weihnachtsmann. Kommt der Weihnachtsmann aus Down Under, hat früher gedient und sitzt sich jetzt alt ein? Oder so?) haben mir mit sehr ernster Miene erklärt, dass ich hier nicht arbeiten könnte, wenn ich nicht die Namen von den alten Herren PLUS Bier und Lieblings -Stubby Holder lernen würde. Die fühlten sich sonst nicht respektiert in IHREM RSL Club.


Es sei nämlich absolut inakzeptabel, dass ich Blue am Freitag auch bei seiner 4. Runde Bier noch gefragt hätte, ob er das Carlton Midstrength in der Dose oder Flasche wolle.

(Can or stubby, mate? - STUBBY !!!)

Man muss dazu erwähnen, dass ich am Donnerstag nur 2,5 h gearbeitet habe, und dann am Freitag circa 100 Leute im RSL waren, große kleine alte junge dicke dünne weihnachtsmänner und armleuchter,

und ich pro Minute etwa 3 bier verkaufte. Und zwar meistens das Carlton Mid aus der Dose. Und außerdem ist das Bier mies.


Midstrength ! 3,5 % Alkohol. Aus der Dose! Hrchl.


Nächstes Mal gibts ne Vitaminsprudeltablette für die wehen Knochen.

Zink und Eisen meine Herren! Zink und Eisen ...


Und außer Blue gibt es ja noch 20 andere Typen, von denen ich diese ganzen Präferenzen wissen soll.

Auch kannte ich gewisse Spirituosen-Mischungen nicht, wo ich sehr seltsam angeschaut wurde als ich nachfragte was das sei.

Hier trinkt man Johnnie Walker mit Soda Water, Ouzo mit Cola, Scotch (einen besseren als den Johnnie) mit so einer Art Sirup...

alles mögliche. Auch bin ich biertechnisch an meine Grenzen gestoßen.

Wenn einer ein TED will, ist es ein Tooheys Extra Dry.


Gerne würde ich all die Namen (der alten Herren) lernen, ich frage mich aber wie ich das machen soll wenn ich dort erst wieder am Freitag arbeite, und ab dann sowieso wenn überhaupt nur Freitags, wenn eine größere Veranstaltung ist.


Das wäre also der eine Job



Außerdem haben Steven und ich noch an einigen Samstagen Arbeit, da hier in Broome bis Mitte August Pferderennen stattfinden, es gibt in Broome nur einen einzigen race course (mit einem einzigen Clubgebäude) und da werden Leute für die Bar gebraucht.

Steven werde ich erstmal noch die ganzen Phrasen für Bar arbeit beibringen, und die Namen der Alkoholika, sonst kriegt er die Krise wenn einer "a Goldie and a glass of SSB" bestellt, was dann eine Flasche XXXX-GOLD midstrength beer wäre, und ein Glas Weißwein, Semillon Sauvignon Blanc...


Gerade vor ein paar stunden hat Steven auch Antwort erhalten auf eine unserer Bewerbungen – er wird wohl ein Vorstellungsgespräch kriegen bei der Klempnerfirma, die einen Fahrer/Auslieferer sucht.

Dann hätte er einen super bezahlten Job, bevor ich einen habe :p dabei bin ich doch pleite, nicht er!


Und Samstag Vormittag, vor dem Rennen, habe ich noch 2 Std lang ein Probearbeiten in einem wunderschönen kleinen Café in einer winzigen schattigen Passage, mit einer sehr netten jungen Chefin, und ich hoffe dass das was wird...


Wo man so residiert


Mit unserer Wohnung ist es leider nichts geworden, wir suchen weiterhin nach einer Bleibe, aber bis wir beide einen Vollzeit-Job haben wohnen wir sowieso weiter im Auto, is billiger.

Kochen und alles können wir ja auch – gerade vorher wieder -

am strandparkplatz geparkt, den Salat unter der Dusche gewaschen, in unserem einzigen Topf angemacht, dann umgeladen auf einen Teller, im Topf Nudeln gemacht, Tomatensauce aus dem Glas und Knoblauch drauf, Zwiebel in den Salat, alles sehr grob geschnitten, da in völliger Dunkelheit.

Am Ende das Geschirr mit Spüli wieder unter der Stranddusche gespült.

Im auto riechts nach Zwiebel und Knoblauch, aber wir haben wenigstens was deftiges gegessen.


Steven hat übrigens bei Woolworths eine Entdeckung gemacht – da gibt es eine Wurst in der Plastikpelle, die wiegt ein Kilo und kostet dreifuffzisch.

Unsere letzte Wurst war nach 24 Stunden weg, auf Brot, im Salat, in Nudeln. Wie soll man die auch aufheben, im Auto hat es kostant 30 Grad.

Heute ham wir uns wieder eine Wurst geholt, morgen gibts dann nochmal eine Zwiebel, dann wird ein Wurstsalat gemacht, sowas hat die Welt noch nich gesehn, mit Balsamicoessig!, weil wir keinen anderen haben.

Im Topf, am Strand, im Dunkeln, wärend die Fledermäuse über unsere Köpfe hinwegzischen, das Meer rauscht und die Aborigines hinten im Busch ihre Kinder verhauen.



(Nachtrag vom darauffolgenden Tag: Der Wurstsalat bestand zu 50% aus Zwiebel und zu 20% aus Käse. Man kann das Gesamtvolumen errechnen, wenn man weiß dass wir die Hälfte der 1Kg-Wurst verbraucht haben. Wahrhaft deutsche Verhältnisse).



Abos und condom trees


Ach ja, die Aborigines. Diese arme Bevölkerungsgruppe darf keinen Alkohol kaufen. Es ist ihnen vom Gesetz her verboten. Das hat uns Glenn erzählt, der kommt aus Melbourne.

Deswegen muss man manchmal, wenn man im bottleshop was einkauft, seinen Namen und Adresse in ein Buch eintragen. Es kommt nämlich manchmal vor, dass weiße (oder egal welche Hautfarbe – einfach nur nicht-aborigines) ganz viel Alk kaufen, und den dann völlig überteuert illegal an die Abos weiterverkaufen, in der Pampa oder so, heimlich.

Glenn meinte, er könnte jetzt einen Sixpack Bier für 30 Dollar kaufen, und für 150 Dollar an die Abos verscherbeln.

(Wieso zum Teufel suchen Steven und ich eigentlich noch Jobs...)

Nein mal im Ernst. Ist das nicht übel? Einer Bevölkerungsgruppe so ein Recht zu verwehren?

Klar, 90% der Abos sitzen buchstäblich den ganzen Tag am Strand auf ihrem übergewichtigen Po, die Kinder werden herumgeschleift, geschlagen, angebrüllt, zum Essen gibt es McDonalds und KFC, man riecht sie von weitem, die Klamotten schon Jahre nicht gewaschen. Ein Trauerspiel, und ich will nachts nicht allein durch eine dunkle Seitenstraße.


Trotzdem geht es doch da ums Prinzip.


"Du hast schwarze Haut und ne breite, platte Nase – sorry, du darfst hier keinen Alkohol kaufen."


"Na super... Alter... ich bin Afrikaner."


"Oh... aber deine Handflächen sind auch rosa!!!"


"Oh man..."


Steht das etwa bei denen im Pass dass die Abos sind? Haben die sowas wie einen Judenstern?

Ist das nicht alles furchtbar gemein??



Wie ich letztens in der Matsos Brewery saß, bei einem Mango-Bier, und mich bei zwei Mitarbeitern, die draußen bei ihrer Pause saßen, eingeschleimt hab (ich will ja da eingestellt werden!!!), erzählte der eine, er habe einen condom tree entdeckt.

Was das denn sei...? wollten wir wissen.

Tja, also er habe vor längerer Zeit gelesen, dass die Gemeinden auf Anregung des government hier an gewisse markante Bäume Behälter mit Kondomen anbringen.

Es gibt ja noch viele aborigines die im Busch leben, in den Reservaten bzw National Parks,

aber es leben auch einige so auf der Straße.. da bin ich mir äußerst sicher.

So könnten die dann alle an Kondome kommen.

Und wie er, der Koch, letztens so durch die Pampa spaziert sei nahe Town Beach, da sei er an einem großen Affenbrotbaum vorbeigekommen, da sei ein Sack dran gehangen (nomen est omen. Nomen est omen sunt condomen... *hüstel*), mit Kondomen drin.

Und wie er sich grade zu wundern anfing, fiel ihm der Zeitungsartikel wieder ein. Aha, das muss also ein condom tree sein.


Erst da seien ihm die vielen benutzen Gummis und aufgerissenen Hüllen rund um den Baum aufgefallen, mords eklig sei das gewesen, gerannt sei er, gerannt....


"Haben die noch nie was von Take-Away gehört?", meinte sein Kollege.


Hm, anscheinend nicht. Oder die Dinger explodieren, wenn man sie weiter als 3m vom Baum wegträgt.


Jetzt frage ich, will die Regierung unkontrollierte Geburten vermeiden, um sich selbst und den Abos einen Gefallen zu tun, oder steckt da noch mehr dahinter.

Auf jeden Fall eine besondere Bemühung. Kommen die Abos aus dem Busch nicht raus und nicht in den Drogeriemarkt, kommen die Kondome eben zu ihnen :p


Führt sowas in Afrika ein, bebeutelt die Bäume! Hängt für die Abos noch ein Bierfass in den Baum!

Und ne selbstauslösende kalte Dusche, wenn man sich dran bedient.


(Obwohl ich ja meine, mal gelesen zu haben, dass den Abos der genetischen Isolation wegen (50.000 Jahre!) so bestimmte Enzyme fehlen, und wenn die Alkohol konsumieren haut es die buchstäblich um, und Alkoholismus ist vorprogrammiert. Aber ich meine eben nur es gelesen zu haben. Keine Garantie.)


Dass ich immer "Abos" schreibe liegt daran, dass das so schön kurz ist. Ich glaube nicht dass es ein Schimpfwort oder i.wie negativ geprägt ist, ich habe es jetzt ein paar Mal Leute sagen hören, die garantiert keine Rassisten sind...

Aber wenn das Wort doch irgendwie fies sein sollte, dann habe ich es nicht so gemeint das wollte ich nur mal klarstellen. Aborigines schreibt sich so mühsam auf der Tastatur :p



Ich sage auch nochmal ganz deutlich, dass ich genauso jeden Tag Abos sehe, die im Woolworths ihren Wagen voll mit Gemüse und Salat laden und nicht mit Cola und Chips, und die sehr schick angezogen sind und nicht stinkend in Lumpen herumschlurfen, man sieht sie in den Läden arbeiten und mit ihren Kindern am Heimweg von der Schule ratschen, das Kind hat ein Fahrrad ..

Das gute daran ist nicht, dass sie angepasst sind und sich benehmen wie all die anderen Aussies auch, sondern dass sie einen Job haben, ein Leben das abwechslungsreich ist... dass sie ihren Stolz haben und keine Alkoholiker sind. Und hoffentlich ein Ansporn sind für die anderen.

Es sind halt Teufelskreise die nur von wenigen durchbrochen werden.

Nun hat man vor 150-200 Jahren versucht, dieses Völkchen an europäische Standards anzupassen. Die lebten technisch gesehen in der Steinzeit, sie hatten keine Schrift, ihre Kultur konnten sie nie "festhalten" oder ein Geschichtsbewusstsein oder sowas entwickeln. Plötzlich kommen da diese Entdecker, und innerhalb von 150 Jahren müssen sie alles lernen und alle Normen ertragen die wir in tausenden Jahren erfunden und ausgetüftelt haben, das Land wird ihnen weggenommen, alles ist anders, wüst und durcheinander. Dann wurden Generationen von Abos die Kinder weggenommen, weil man dachte man könnte die Kinder dann besser integrieren, und dann hätten sie ein besseres Leben. Leider kam man nicht auf die Idee, dass es für ein Kleinkind psychologisch gesehen höchst grenzwertig ist wenn es auf einmal alle Bezugspersonen verliert.

In dieser lost generation, oder wie man sie nennt, ist die Selbstmordrate auch extrem hoch.

Die Gebiete in den Nationalparks, die den Abos gehören, wurden ihnen auch erst in den letzten 30-50 Jahren zugesprochen, wenn ich mich richtig erinnere an das Buch das ich da gelesen hab..

und jetzt kriegen sie von der Regierung buchstäblich alles hinten reingeschoben.

Sozialhilfe, Wohngeld, Essensgeld, usw.

Viele Australier macht das sehr stinkig, zu recht. Viele Abos suchen sich erst recht keine arbeit, weil sie von dem Geld prima leben können. Kein Wunder. Sie kriegen mehr als ein australischer Rentner, der 40, 50 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt hat.


John und Lynne, unsere "Leih-"Tante und Onkel in Perth, werden die erste Generation sein die im Alter vollständig auf private Vorsorge bauen muss.


Es ist offensichtlich, viele Ureinwohner scheinen wirklich genug Geld zu haben, um den ganzen Tag nichts weiter zu tun als in Grüppchen zu sitzen und McDonalds-ham ham zu essen und ihre Kinder bisschen anzupöbeln.


In den sehr abgelegenen Regionen kriegen die Abos ihr Essens- und Schulgeld von den Kommunen ausgehändigt, und diesen Job übernehmen zT die Schulen, die sich dann manchmal eines Tricks behelfen – nur wenn die Kinder der Abos in die Schule gehen und auch dort täglich essen, kriegen die Eltern das Geld. (Also den Rest – nachdem Schulsachen und Essen für die Kinder bezahlt sind).

Sonst würden die Eltern das Geld einstreichen und dann wär nix mit Schule und Essen für die Kids.

Das ist hier leider oft so – überall sieht man Plakate an den Schulen hängen, die die Kinder zum kostenlosen Frühstück vor dem Unterricht einladen. Das wird dann von freiwilligen Helfern und mit Geldspenden auf die Beine gestellt. So haben die Kinder einen Ansporn, pünktlich zu kommen, außerdem kriegen viele daheim kein Frühstück, und konzentrieren sich dann im Unterricht nicht richtig.


Eine gute Sache, löst aber immernoch nicht das Problem mit den Alten.

Ich weiß ja auch nicht Bescheid, und viel habe ich noch nicht über die aborigines gelesen, aber man nennt das ganze Dilemma Australias greatest social failure, und darauf läuft es wohl hinaus. Egal von welcher Seite man schaut, da ist alles in die Hose gegangen.


Aber ich hab keine Ahnung und will keinen beschuldigen.. mache nur jeden Tag so meine Beobachtungen und reime mir was zusammen.

Aber zu den Kindern – die weißen Aussies gehen mit ihren auch nicht viel besser um. Man hört eigentlich nur Gezeter und Gemecker. Von den Mamas.


Gutes Spielzeug haben die kids hier übrigens auch! Letztens sitzen Stev und ich am Spielplatz und essen brav unser Porridge,

*saus* - rennt ein Knirps mit Maschinenpistole an uns vorbei.


Das Ding war so lang wie sein ganzes Bein, es schleifte fast am Boden wie er damit herumrannte.

Soundeffekte hatte es auch noch eingebaut.


Drrrrrrr---phew ! Drrrrr-drrrrr-phew !


Das "phew" am Ende klang sehr unrealistisch, wobei ich zugeben muss dass ich nicht wirklich weiß wie es klingt, wenn einer neben einem 4 oder 6 Schuss pro Sekunde aus so einem Ding raushaut.


Oh man, dachte ich, da gehst du irgendwo in den mittleren Osten, gibst dort einem Kind so ein Spielzeug, und der nächste Amerikaner ballert den Dreikäsehoch um weil er denkt es ist ein Kindersoldat mit Sprengstoff in der Windel.


Schlechte Gedanken setzten sich bei mir leicht fest, also versuchte ich die Soundeffekte zu ignorieren und schnippelte weiter Apfelstückchen ins Porridge.


Der braun gebrannte Kindersoldat kletterte einstweilen auf das Klettergerüst und erschoss seinen besten Freund.


"Ha-haa ! I killed ya !"


Der lebensbedrohlich verwundete Freund kletterte gelangweilt wieder nach unten und setzte sich stillschweigend auf die Wippe.

Monsieur MP machte unbeirrt weiter, völlig gefangen in seiner eigenen Phantasie. Und erschoss nach und nach alle Babys, Kleinkinder und deren Eltern auf dem ganzen Spielplatzgelände.


Bei aller Gründlichkeit - die zwei deutschen Touristen beim späten Frühstück ignorierte er völlig.

Dabei war ich kurz davor, ihm das dumme Ding aus der Hand zu reißen und ihm damit seinen kleinen dunklen Po zu verhauen.

(Nicht "dunkel" im Sinne von "Abo".

Die kaufen ihren Kindern keine Spelsachen. Ziemlich sicher.)


Den wahren Feind, mich, hatte er also gar nicht wahrgenommen. Eben noch ein Azubi-Terrorist. Einfach zu sehr im Blutrausch. 30 Kugeln jagte er in jedes Kind, dabei hätte ein einziger Streifschuss genügt. Ihm war sicher klar, was für eine fürchterliche Sauerei er da gemacht hatte – aber das vergaß er ganz schnell, als ihn seine Mami zum Mittagssnack rief. Die saß nämlich die ganze Zeit daneben.


Wie liebend gern hätte ich dieser Dame die Leviten gelesen. Nur hätte ich da eine echte Maschinenpistole gebraucht, für ihren enorm fetten Ar...


Das Porridge schmeckte schal.


Schatzl, sagte ich, für unsere Kinder gibts wenn dann eine Cowboy-Pistole, mit stinkenden Platzpatronen. Säbel-Attrappe. Sonst nix.









2.6.10 15:12


Broome, 21.06.10

Broome, 15.06.10




Fussball


Guten Morgen Deutschland !


Es hat sich schon wieder einiges getan am anderen Ende der Welt. Die Australier hassen uns jetzt, nach dem 4:0,

und bereuen, nur ihre "B-Mannschaft aufgefahren" zu haben. Faule Ausrede.

Zu Troy habe ich gesagt, ihr Spinner, eure Mannschaft hat das ganze mit Rugby verwechselt ..


einige alte Leute im Café haben mich auf das Spiel angesprochen, weil sie wissen dass ich deutsche bin - waren sich aber einig: "everyone knew the germans were the superior team".


Aha


zu manchen sage ich dann, "I'd be better off sayin I m swedish cuz they aint in the world cup..."


Bizarr war der Anblick in der Pearlers Bar, wo alle Spiele live übertragen werden (das letzte Spiel übrigens von 2.30 bis 4.15 in der früh, dafür musste ich erst um 10 arbeiten ),

und sich ungefähr 2 Australier unter 60 oder 70 Deutsche gemischt haben und am ende dementsprechend arm aus der Wäsche schauten.


Die nächsten Spiele laufen auch wieder am abend oder nachts,

und da ich ja vormittags im Cafe arbeite werde ichs dann meistens so machen wie am Sonntag; ab 9 oder 10 uhr abends im auto schlafen, am Parkplatz von der Bar, und Steven sitzt drinnen und arbeitet. Wecker auf halb 2, schnell anziehen und reinstolpern



Das James-Bond Auto ohne James Bond


Vllt hat ja jemand die Photos auf Facebook angeschaut; da ist ein versunkenes Auto mit dabei. Das kam so -

an town beach fahren manche leute mit ihren Jeeps bei Ebbe bis zum Wasser vor über den Sand, mit ihrem kleinen Boot auf dem anhänger, lassen dieses dann zu Wasser, und bevor die Flut wieder anfängt sind sie wieder am Auto, laden das Boot drauf und fahren weg.

Natürlich kann man auch bei Flut einfach an der Seite vom Strand runterfahren und das Boot ins Wasser befördern. Warum man das bei Ebbe machen soll, geht mir nicht in die Birne.

Leute mit Boot fragen?


Ein gewisser Jemand hat dieses Prinzip wohl auch nicht ganz verstanden

- und dass der gesamten Zeitplanung bei so einem Bootsausflug die Logik der Gezeiten zugrunde liegen sollte, wohl auch nicht.

jedenfalls fuhren Stev und ich eines schönen morgens nach dem aufwachen zu town beach,

für Klo- und Katzenwäsche-Möglichkeit. Wie ich so zum Klohäusl spaziere, sehe ich 20 Leute am Strand stehen und aufs Wasser schauen und auf irgendwas zeigen.

Um 8 in der früh.



Da sehe ich, dass ein weißer Jeep mit den Reifen im Wasser ungefähr 50 m vom Ufer weg steht, und nur wegen der Ebbe auf dem trockenen Sand.

Das auto aber ganz allein.

Und alle Leute ganz aufgeregt, weil die Flut kommt.


Sowas sieht man aber öfter, dass jemand mit dem Jeep durch das flache Wasser brettert.

Der kommt da locker weg, hab ich mir gedacht. Macht nicht so ein Aufhebens darum!


Wie ich nach 10 min aus dem Klohäuschen rauskomm, stehen zwei Landschaftsgärtner oder sowas ähnliches an dem Wasserspielplatz am Strand, und im Vorbeigehen höre ich wie sie reden.

"twenty minutes and that fella will have the water up to his windows".


Zwanzig Minuten?, dachte ich mir. Die hab ich.


Tatsächlich tauchte kein mensch mehr auf, um das Auto zu retten, und nach einer knappen Stunde sah man nur noch den weißen Rand vom Dach oben.


Ich hörte Leute sagen, der arme Mensch sei von einem krokodil bedroht gewesen.

Das ist möglich. Hier tauchen immer mal wieder welche auf.

Leistenkrokodile, so an die 5m. Sobald man es sieht, ist es schon zu spät, dann machts einmal MAMPF und du bist weg ! RÜLPS.


Die genaue Ursache konnten wir aber nicht klären, und haben den Tag dann auch woanders verbracht.

an town beach kann man nicht sehr viel machen ;

und wenn man dort schwimmen geht, trifft man angeblich auf Krokodile ....^^

(und autos!)


Wir überlegten zwar, dass der arme Mensch sicher verzweifelt sein Auto beim Absaufen beobachtet hatte, aber spätestens bei der nächsten Ebbe in ca. 5 Stunden es ja herausholen könnte, und das würde er dann sicher gleich tun.


Wir dachten dann nicht mehr weiter darüber nach -

staunten aber nicht schlecht, als wir am gleichen Abend, circa 10 Stunden später und somit schon bei der nächsten Flut (!) wieder an town beach ankamen,

und das Auto zum zweiten Mal bis unters Dach im Wasser versunken vorfanden.


Immernoch standen die Leute am strand und deuteten auf das Auto. Vermutlich waren es aber nicht die gleichen wie in der früh...

da hatte es natürlich einen Schichtwechsel gegeben.


Nicht aber für den Jeep !

Nach dem Abendrot verschwand das weiße Dach gleichzeitig in Dunkelheit und Meereswogen.


Erst am nächsten Tag wurde der Jeep gerettet, wahrscheinlich saßen schon kleine Krebse im Kofferraum und ein Aal schwamm in den Auspuff und blieb stecken ...


Wäre es ein James Bond Auto gewesen, hätte es wahrscheinlich jemand absichtlich da abgestellt, und das Auto hätte seine automatische Angelfunktion genutzt um dem Besitzer nach 10 Stunden Flutung einen schönen Fang zu präsentieren.


Oder aber- wäre James Bond der Besitzer, hätte er das Krokodil verhauen und das Auto am Abschleppseil mit den Zähnen aus dem Wasser gezogen.


Wenn es der australische James Bond ist, der sein Auto da hat absaufen lassen, sitzt er einfach den ganzen Tag im Pub und sagt sich : "no worries!!!"


Raumsuche


Kürzlich hat uns in der früh der Ranger erwischt, deswegen müssen wir jetzt noch besser aufpassen und vor allem uns längerfristig doch mal eine Bleibe suchen, denn langsam nervts echt...

Wenn ich um 8 oder 9 anfange zu arbeiten wird es schon schwierig, in der früh ein Klo zu finden, weil die meist erst gegen 8 aufgesperrt werden und dann manchmal fürs putzen geschlossen sind.

Außerdem ist es einfach übel, alle Sachen die man zum Leben braucht (Klamotten, Gaskocher, Geschirr, Bücher, Laptops, Kabel, Shampoo und sonstige Sachen, Wasserkanister und Flaschen, einen Eski, Kissen, Decken, Schlafsack, Strandtuch, Flossen und Tauchutensilien) im Kofferraum eines Kombis aufzubewahren, in dem man dann auch noch schlafen soll, und zwar immer nur von 23 bis 6.30 oder 7 Uhr, weil man sonst erwischt werden könnte. wenn man also weggehen will, weiß man schon dass man nicht ausschlafen kann.

Natürlich passt auch nicht unser ganzes Essen in den Eski, weil wir ja auch Pfeffer und Salz und solche Dinge haben, sodass dann immer mal wieder ein Apfel oder eine Dose so im Auto herumkullert, und man liegt drauf, oder so...

besonders schön ist es, wenn man abends noch dasitzt, auf den vorderen sitzen, kaum lüften kann weil man sonst von viechern zerstochen wird, und dann fällt einem ein dass man den laptop möchte, oder eine tasse um eine vitaminsprudeltablette aufzulösen (leckere alternative zum wasser...), oder, oder, ...

dann kann man nur hinterklettern, in das Chaos, und wühlen.



Auf unseren Zettel an der Pinnwand, dass wir auf Raumsuche sind, hat sich ein österreichischer Exilant gemeldet. der befindet sich in den Mitt-Vierzigern, ist schon seit 17 Jahren da, und hat seinen Akzent auch im englischen Beibehalten.

Sowas kann man in typo nicht darstellen, das müsst ihr euch einfach vorstellen...


zuerst wollte der uns einen raum vermieten, woraus dann aber nichts wurde, weil der raum doch noch nicht frei wird - er bot uns seine Garage an, für 100 Dollar pro Nase und Woche - na klar, Idiot.

Da fiel ihm ein, sein slowakischer Kumpel hätte noch ein Zimmer frei, er werde den mal kontaktieren.......

so kam es dann auch, und als ich am Freitag um 3 aus der Arbeit kam packte mich Steven gleich ins Auto und sagte nur, wir müssten einen Raum anschauen fahren.


Pedro Koch-ich-mach-ich


Fahren, ja, fast in die Pampa, in eine Mini kleine Straße, die in einer Sackgasse endete, und da war Haus Nummer 14.

Unit 4 müsste es sein, sagte Steven. Welches Haus das sei? Keine Ahnung. Alles seltsame Wellblech-Baracken, mit Müllhaufen vor der Tür,

eine Aborigine Frau saß vor ihrem Haus auf einem Stuhl, stumm, schwarz, starrte vor sich hin. Geblümtes Kleid und wirres Haar.


Kurzerhand haben wir den Typ am Handy angerufen, Äh, tschuldigung, könnten Sie mal eben aus ihrem Haus rauskommen, wir stehn draußen......?


Yes-e, yes-e, hörten wir, schon kam ein dürrer Langer aus einem Vorgartenbusch gesprungen.

graue Hose, graues Hemd. Beides war früher mal weiß, ganz früher.

Bleiches Gesicht, dünnes dunkles Haar, davon nicht mehr viel, die Wangen eingefallen,

der ganze Kerl an sich gar nicht so alt - nur verbraucht.


Schlaksig, hektisch, gestresst. Hereinkommen sollten wir, rein, jetzt, los!!

Damit drehte er uns den Rücken zu und eilte mit großen Schritten Richtung Haus, und hinein zur Tür, man konnte kaum mithalten - in der Haustür parkte ein Roller -


schon standen wir im Wohnzimmer. Drei Sofas verschiedener Epochen des Interieurdesigns, mehr oder weniger gut erhalten, davor ein Flachbildfernseher mit mehr Bildschirm als die Sofas Sitzfläche haben. Der lief auch. Irgendein hektischer, stressiger, bleicher schlaksiger Kanal.


Foxtel habe er, 3.000 Kanäle, das sei nicht schlecht, was?


Er führte uns in den Flur, es roch. Rauch und Farbe.

Dies sei, was er mache, sagte er und deutete auf ein riesiges Gemälde, das erwartungsvoll an der Wand lehnte, bunt und patchwork, juhu, wann werde ich verkauft?

Er sei Maler. Dies sei sein Atelier - er öffnete eine Tür zu einem Raum, der einer Abstellkammer glich, mit Farbtöpfen am Boden und einem angefangenen Bild am Boden. Armes Ding, eingesperrt in einem dunklen Raum. Wie Josef Fritzl, nur als Slowake.


Pedro hieß er. Hektisch, gestresst,

Koch ich mach ich!


Ich fragte mich, ob Pedro natürliches Licht mochte. Eher nein.

Glich er doch selbst einer Leuchtstoffröhre.


Hier sei das Waschmaschinendingsbums, hier das Klo, hier unser Zimmer -

20 m² mit einem altmodischen Doppelbett, darauf Kissen, die Decke verwurschtelt - wer hatte hier wohl zuletzt Liebe gemacht?, ich wollte nicht drüber nachdenken.

Bleich, schlaksig, Rauch.


Wir gingen hinaus auf das Grundstück, ein Handtuchgarten, der Boden bedeckt von einer Schicht brauner Blätter, in der Mitte ein kleiner Teich, braun.

This is the end of the garden - er zeigte auf die Holzwand, eilte weiter.

Hier, hier könne man sitzen. Ja, sitzen!

Ein altes Sofa gammelte einsam vor sich hin, Blick auf den Teich, als würde es sich am liebsten darin ertränken.

And this - this is the other end of the garden - die andere Holzwand.

Nein. was für eine Überraschung. Ein hinteres Ende hat der Garten auch.

(Ein Optimist würde von zwei Anfängen sprechen-)


Er spulte das alles runter als müsste er jeden Tag hunderten Leuten seine Wohnung zeigen.

Ach, wie ihn das nerve. Jeder kaufe immer nur chinatown-Bilder. Immer müsse er Broome Chinatown malen. Was anderes verkaufe sich nicht in dieser blöden Stadt.

(Seit 21 Jahren ist er schon hier. Idiot, dachte ich. Dass diese Stadt blöd ist haben wir schon nach 2 Wochen gemerkt. Warum haut er nicht ab.)


Aber da er Broome brav promote, und immer das dumme Chinatown malen müsse, sollte er theoretisch bald in ein viel cooleres Haus umziehen. Habe die Stadt versprochen.


Sein Freund Christian (der Österreicher) habe über uns gesagt, nun ja, wir seien jung, schön, hätten nicht viel Geld, und Pedro solle fair sein zu uns, deswegen schlage er, Pedro Moszi, der Künstler, vor, 70 Dollar pro Nase pro Woche. Dazu habe er sich durchgerungen, gewissermaßen.


Aber wir sollten ihm ein paar Tage Bedenkzeit geben, bis Mittwoch. Dann solle man zusammen auf ein Bier gehen, so könne er sehen ob wir gute Leute seien.

Und in ein paar Monaten würde er sowieso ins Ausland gehen, Geschäfte machen, dann könnten wir sein Haus hüten. Das würde gut sein.

Er guckte in die Luft. Stille.


Vera. Der Name erinnere ihn an Budapest.

Da sei er 1972 gewesen.

Oder 73? Egal. Vera sei ein Name für Budapest. Seufz.


Er schielte aus dem Augenwinkel erwartungsvoll zu mir herüber.

Ob ich kochen könne?


Hm, machte ich. Ja, schon. Eigentlich ganz gut.


Fabelhaft ! Er klatschte in die Hände. Er habe nämlich -

er zerrte uns in die Küche, wo er sich hinunterbückte, in einen Schrank. Sein Kopf verschwand darin.


Er habe nämlich - dumpf drang die Stimme aus dem Küchenschrank hervor, als er aus der hintersten Ecke etwas großes hervorzog -


"eine Bratpfanne !" rief ich aus.

Hallelujah ! A frying pan !


Tatsächlich hatte ich die gleiche schon bei John und Lynne in Perth gesehen und benutzt, und muss gestehen dass es ein echtes High End Teil ist.


Yes, yes, you can make everything in it !

Die grauen Augen funkelten vor Begeisterung.

Goulasch ! Everything !!


Unwillkürlich schweift meine Phantasie ab, ins Jahr 1972 nach Budapest, wo ein abgemagerter, bleicher junger Mann in einer rauchigen Spelunke vor einem dampfenden Teller Goulasch sitzt.

Draußen pfeift der eisige Winterwind, die dicke Köchin rührt im Goulaschtopf, gedankenversunken starrt sie zum Fenster hinaus ...

sie heißt Vera ...


reboot! Zurück ins hier und jetzt !

Nein, dachte ich, du spinnst wohl, leb deine Fressphantasien anderweitig aus ! Ich koch bestimmt nicht für dich. pfffff.



Pedro wedelte sowieso schon mit der Hand, als wollte er die Goulasch-Dampfwolke beiseite schieben. Themawechsel.


Concerning drugs - er rollte das "r", dass es uns kalt den Rücken runterlief.

Sein Logopäde musste ein russischer Mafiaboss gewesen sein.


- you CAN smoke Marihuana. It's good for you. -


Haha, unterbrach ich froh, und winkte ab. Wir nehmen echt keine Drogen! Aber es macht uns nichts aus wenn er - also - es ist ja sein Haus -


what, are you serious. So young, so beautiful, and you dont smoke Marihuana.

Pedro schüttelte den Kopf und guckte traurig zu Boden. Verlorene Jugend, das.


Dazu fiel mir echt nix mehr ein. Ich guckte Steven an.

Viele Menschen sind young, und beautiful, dachte ich. Aber dann fangen sie an zu kiffen und sehen irgendwann aus wie Pedro.

Aber ich sagte es nicht laut. Steven dachte das gleiche.


Im übrigen, fuhr Pedro fort, hatte er hier schon viele Rockstars untergebracht.

Die meisten seien zurückgekommen, an diesen Ort. Es sei gut hier.

Wenn es so käme, das wir hier einzögen - das "wenn" sei rein konditional und nicht temporal gemeint! -

sollten wir das für uns behalten.

Where are you staying? - At Pedro's. NO ! So gehe das nicht.

Where are you staying? - Not your business. So.


Jahrelang habe er den Hype um seine Person aushalten müssen,

ständig sei er in Zeitungen und im Radio gewesen. Er wolle das nicht mehr. Er habe sich hier, am Arsch der Welt, ein kleines Nest gebaut, und das wolle er nicht mit publicity versauen.

Es sei gut hier, und er wolle das so beibehalten. Als junger Mann beim Drogen verticken habe er das gelernt. Hast du Drogen für mich? - Klar! - Wie heißt du? - Pedro. - Hast du einen Ausweis dabei? - ja klar. - Zeig mal. (...) Ok mein Freund, du kommst jetzt erstmal mit auf die Wache.


Heute sei er anders. Er habe gelernt.

Waren Sie schonmal auf dem Mond? - Ja. - Wie oft? - Sieben mal. Und es ist verdammt geil auf diesem großen, großen Mond. (...)


Wir wissen jetzt auch, warum der Mond so bleich ist. Weil Pedro da war. Mit seiner Hektik und seinem Marihuana.



Vermutlich hatte Pedro auch seine Rockstar-Freunde manchmal eingeladen, auf eine Reise zum Mond. Kein Wunder, dass sie ihn öfter besuchten.



Langsam setzte sich ein Pedro-Puzzle in meinem Kopf zusammen. Vage konnte ich seinen Lebensstil erahnen. Rumliegen, trinken, Drogen.

Malen. Kreativ. Künstler.

Raserei. Exzess. Farbe.

Fernsehen. Zerstreuung. Bleich.


Goulasch.



Ich verglich es mit meinem Lebenstil.



Im Cafe arbeiten. Strand, Sonne, Meer.

Salz in den Haaren. Honigmelone. Rote Wangen.

Wind in den Palmen. Nudeln mit Tomatensauce. Schlafen.


Ich versuchte, die beiden Lebensstile in Einklang zu bringen.


Alkohol und früh aufstehen.

Künstler und deutsches Ökonomiedenken.

Goulasch mit Honigmelone.

Stop mal. Da passte was nicht.


Ich entschied für mich, an diesem Ort keineswegs wohnen zu wollen.

Kochst du noch oder lebst du schon?


Wen sonst könnte Pedro aber finden, der hier einziehen könnte?

Ich konnte mir keine weibliche Person mit durchschnittlichem Hygieneverhalten und zweistelligem IQ vorstellen, die bei Pedro wohnen wollen würde.

Wie ich weiter darüber nachdachte... eigentlich auch keine männliche Person.


Und wie ging es wohl den Gegenständen in diesem Haus. der Bratpfanne?


Das Bild, das an der Wand lehnte, schien zu sagen:

Wann hänge ich endlich in einem NORMALEN Wohnzimmer, bei NORMALEN Leuten?





Pedro war mit Sicherheit kein schlechter Kerl, aber als er uns zur Tür hinausschob, mit dem verbindlichen Vorschlag, am Mittwoch zu telefonieren,

war Steven und mir klar, dass wir diese Bude wohl nie wieder betreten würden.


Christians Garage für 200$ die Woche schien plötzlich wie ein göttliches Geschenk,

aber wir beschlossen, einfach weiterhin im Auto zu wohnen.

Ist doch egal.


Pedro hatte jedem von uns drei Postkarten geschenkt, Hochglanzdrucke von seinen Bildern.

Wir saßen im Auto und starrten diese Postkarten an, und ich dachte, wieso finden immer wir diese Typen.


Lars aus Margaret River kam mir in den Sinn, bei dem AnnCa und ich 2 Wochen lang gewohnt hatten, und der eines Abends ein Kilo Marihuana auf seinem Wohnzimmerteppich aufhäufte um es zu weiterer Verarbeitung und Konsum parat zu haben.



Ich hatte Pedro schon fast vergessen, als ich am Montag in der Arbeit zwei Hamburger und Pommes zum Büro von Pindan Labour Solutions brachte, deren Bestellung fürs Mittagessen.

Ich betrat den Vorraum, die Rezeption war nicht besetzt, also klingelte ich und wartete.

Mein Blick schweifte durchs Zimmer. Grauer Teppich, eine Topfpflanze. Drei weiße Stühle.

Darüber an der Wand: ein riesiges Gemälde.


Bunt.Patchwork. fröhlich. ein Farbenfeuerwerk.

Rechts in der Ecke die Signatur: Pedro Moszi.


Hallo, sagte ich zu dem Bild.


Hey, sagte das Bild überrascht. Wahrscheinlich wurde es nicht sehr oft angesprochen. In diesem Büro.


Du bist doch von Pedro.

Ja, stimmt, sagte das Bild. Kennst du den?

Ich zögerte. ja, ich bin seine Köchin. Mir tat die Lüge jetzt schon Leid.

- Ah? machte das Bild interessiert. Also isst er neuerdings wieder öfter?

- Ja, total! , faselte ich, Also ich meine - das Goulasch, das muss ich so oft für ihn kochen, haha. Am Ende wird er noch fett, der gute.

- Oh, seufzte das Bild erleichtert, wie schön. als ich noch bei ihm wohnte ging es ihm ganz schlecht. Ich glaube, wir Bilder sind die einzige Freude in seinem Leben. Obwohl er uns nicht immer sehr gut behandelt. Wir stehen im dunklen Atelier, und wer uns kauft, das ist ihm eigentlich egal.

Sieh nur mich an, fügte es leise hinzu.


Das überraschte mich doch sehr.

Wa-? Dich? Ach komm! Ein schönes ruhiges Büro, das ist doch nicht schlecht. Bestimmt wirst du hier auch oft abgestaubt, und so?

- Ruhig!, schnaubte das Bild verächtlich, und sein blauer Hintergrund wurde dunkelrot.

Hastig guckte ich mich um, ob das sonst noch jemand bemerkt hatte. Aber außer der Topfpflanze, die erfreut raschelte, war sowieso niemand im Raum.

Das ist ja das Problem! , klagte das Gemälde weiter, hier ist nichts los! Ein paar Frauenzimmer in sauberen weißen Blusen und Feinstrumpfhosen, und ein paar gammlige Arbeitslose, kulturloses Pack. Niemand schaut mich an, keiner redet mit mir.


Das konnte ich mir allerdings gut vorstellen. Das Bild musste sich einsam fühlen...

Bei Pedro, erzählte die Leinwand, da war jeden Tag was anderes los. Die Rockstars haben uns stundenlang angestarrt und über uns philosophiert. Wenn sie stoned waren, haben sie unsere Farbharmonien analysiert, das war voll faszinierend, sprudelte das Bild entzückt weiter, und manchmal haben sie gedacht wir könnten uns bewegen und würden uns verformen. Total schräg. Cool bananas !

Es machte eine Pause, um Luft zu holen.

Nur manchmal, da sind sie aus Versehen auf uns drauf gestiegen, oder haben Bier auf uns gegossen. Einmal, da hat Jimmy Barnes fast auf mich drauf gekotzt. Siehst du da rechts außen auf mittlerer Höhe, da hat es etwas hingespritzt, meinte das Bild kleinlaut.


Tatsächlich fiel mir inmitten der dunkelblauen farbe ein heller Fleck auf.

Pedro hat noch versucht, es zu übermalen!, verteidigte es seinen Schöpfer,

so durfte ich auf meinem Originalrahmen bleiben.


Außerdem war es Jimmy Barnes!, gab ich zu Bedenken. Nicht irgendwer.


Ja - ja, genau!, pflichtete mir das Bild dankbar bei. Jimmy Barnes. Solche Leute kommen hier nicht vorbei.

es ist alles so trostlos..


Es stutzte. he! Sag mal, könntest du nicht - es hielt inne, aber der gespannte und hoffnungsvolle Unterton war nicht zu überhören.


Was denn?, wollte ich wissen. Mir wurde schon ganz schlecht.

Könntest du ihm nicht sagen, er soll mich mal besuchen kommen?, fragte das Bild vorsichtig.


Was!, rief ich, Jimmy Barnes !! Meinst du, der wird jemals arbeitslos??

Und dann auch noch in BROOME ??!!




Maaann!, stöhnte das Bild,

du Borstenpinsel, ich mein doch Pedro! Meinen Papa, sozusagen...-


Ach! - Klar. Das kam mir logisch vor. Aber plötzlich fiel mir ein: Das heißt ja, dass ich ihm sagen muss, ich hab mit dir geredet!


Stille.


So. Na und? Der Bildhintergrund sah plötzlich grünstichig aus. Grantig.


Nein nein, versteh mich nicht falsch!!, versuchte ich die Situation zu retten. Es ist nur - ich hab Pedro schon gesagt, dass ich keine Drogen -


ICH GLAUB DU SPINNST !!!!, donnerte das Bild und wurde augenblicklich schwarz. Ich zuckte zusammen und hob die Hände zu den Ohren WAS DENKST DU DENN MIT WEM DU HIER -



quietsch. Die Tür am Ende des Büros schwang auf. Mir rutschte das Herz in die Hose und ich fuhr herum. Im selben Moment verstummte das Bild.


Hi, how are you, sorry I know I took ages! We just had this meeting -

Die Frau in der weißen Bluse, Rock und Feinstrumpfhose verstummte. Ihr Blick war auf das schwarze Bild an der Wand hinter mir gefallen.


What the heck! -



Two Burger and hot chips, comes to thirty dollars - fing ich an.


Sie verharrte noch einen Augenblick in ihrer Starre, dann schüttelte sie den Kopf und eilte zurück durch die Tür, aus der sie gekommen war. Sekunden später kam sie mit zwei Geldscheinen zurück.



Mit hochgezogener Augenbraue und einem prüfenden Blick auf das Bild streckte sie mir das Geld entgegen.

Betont langsam und mit übertrieben fragendem Blick drehte ich mich auf den Fersen um.

Das Bild war wieder bunt, farbig, froh. Nur an der Stelle mit dem Kotzfleck sah es noch etwas dunkel aus -


Die Augenbraue der Frau entspannte sich wieder und sie lächelte mich an.


Manchmal denke ich schon, ich habe Halluzinationen. Weil hier auch sonst nichts passiert, in diesem scheiß Büro - entschuldigte sich die Frau.


Ach, ist doch okay, sagte ich. Wenn ich ehrlich bin - wenn mir langweilig ist, rede ich manchmal mit den Bildern in meinem Haus, oder tanze mit der Topfpflanze, oder so. Das kann echt ganz entspannend sein -


Hinter meinem Rücken konnte ich hören, wie das Bild tief einatmete und dann die Luft anhielt.


Wa-? ah .. die Frau schien verwirrt, musste aber grinsen. Gut, das werd ich dann wohl mal tun.



das Bild schnappte hörbar nach Luft. hoffentlich war es noch nicht blau geworden..


Ja, unbedingt, nickte ich. Guten Appetit dann, und einen schönen Tag.


Ja danke. Dir auch. See ya !




Erleichert schloss ich die gläserne Tür hinter mir. Ich warf nochmal einen Blick hindurch, auf die Wand mit dem Bild. Strahlend gelb blinkte es mich an. Juhu! , schien es zu sagen.

Auch in diesem scheiß Büro gibt es ein paar ganz normale verrückte Leute!




Ja, gut, dachte ich. Gut dass es verrückte Menschen gibt. Normal zu sein ist so.. langweilig!

Wir sollten eben doch bei Pedro einziehen.

21.6.10 16:22


Broome, 21.06.10

achtung ! längster, verplantester, schrägster blogeintrag ever !

 

 

Fussball


Guten Morgen Deutschland !


Es hat sich schon wieder einiges getan am anderen Ende der Welt. Die Australier hassen uns jetzt, nach dem 4:0,

und bereuen, nur ihre "B-Mannschaft aufgefahren" zu haben. Faule Ausrede.

Zu Troy habe ich gesagt, ihr Spinner, eure Mannschaft hat das ganze mit Rugby verwechselt ..


einige alte Leute im Café haben mich auf das Spiel angesprochen, weil sie wissen dass ich deutsche bin - waren sich aber einig: "everyone knew the germans were the superior team".


Aha


zu manchen sage ich dann, "I'd be better off sayin I m swedish cuz they aint in the world cup..."


Bizarr war der Anblick in der Pearlers Bar, wo alle Spiele live übertragen werden (das letzte Spiel übrigens von 2.30 bis 4.15 in der früh, dafür musste ich erst um 10 arbeiten ),

und sich ungefähr 2 Australier unter 60 oder 70 Deutsche gemischt haben und am ende dementsprechend arm aus der Wäsche schauten.


Die nächsten Spiele laufen auch wieder am abend oder nachts,

und da ich ja vormittags im Cafe arbeite werde ichs dann meistens so machen wie am Sonntag; ab 9 oder 10 uhr abends im auto schlafen, am Parkplatz von der Bar, und Steven sitzt drinnen und arbeitet. Wecker auf halb 2, schnell anziehen und reinstolpern



Das James-Bond Auto ohne James Bond


Vllt hat ja jemand die Photos auf Facebook angeschaut; da ist ein versunkenes Auto mit dabei. Das kam so -

an town beach fahren manche leute mit ihren Jeeps bei Ebbe bis zum Wasser vor über den Sand, mit ihrem kleinen Boot auf dem anhänger, lassen dieses dann zu Wasser, und bevor die Flut wieder anfängt sind sie wieder am Auto, laden das Boot drauf und fahren weg.

Natürlich kann man auch bei Flut einfach an der Seite vom Strand runterfahren und das Boot ins Wasser befördern. Warum man das bei Ebbe machen soll, geht mir nicht in die Birne.

Leute mit Boot fragen?


Ein gewisser Jemand hat dieses Prinzip wohl auch nicht ganz verstanden

- und dass der gesamten Zeitplanung bei so einem Bootsausflug die Logik der Gezeiten zugrunde liegen sollte, wohl auch nicht.

jedenfalls fuhren Stev und ich eines schönen morgens nach dem aufwachen zu town beach,

für Klo- und Katzenwäsche-Möglichkeit. Wie ich so zum Klohäusl spaziere, sehe ich 20 Leute am Strand stehen und aufs Wasser schauen und auf irgendwas zeigen.

Um 8 in der früh.



Da sehe ich, dass ein weißer Jeep mit den Reifen im Wasser ungefähr 50 m vom Ufer weg steht, und nur wegen der Ebbe auf dem trockenen Sand.

Das auto aber ganz allein.

Und alle Leute ganz aufgeregt, weil die Flut kommt.


Sowas sieht man aber öfter, dass jemand mit dem Jeep durch das flache Wasser brettert.

Der kommt da locker weg, hab ich mir gedacht. Macht nicht so ein Aufhebens darum!


Wie ich nach 10 min aus dem Klohäuschen rauskomm, stehen zwei Landschaftsgärtner oder sowas ähnliches an dem Wasserspielplatz am Strand, und im Vorbeigehen höre ich wie sie reden.

"twenty minutes and that fella will have the water up to his windows".


Zwanzig Minuten?, dachte ich mir. Die hab ich.


Tatsächlich tauchte kein mensch mehr auf, um das Auto zu retten, und nach einer knappen Stunde sah man nur noch den weißen Rand vom Dach oben.


Ich hörte Leute sagen, der arme Mensch sei von einem krokodil bedroht gewesen.

Das ist möglich. Hier tauchen immer mal wieder welche auf.

Leistenkrokodile, so an die 5m. Sobald man es sieht, ist es schon zu spät, dann machts einmal MAMPF und du bist weg ! RÜLPS.


Die genaue Ursache konnten wir aber nicht klären, und haben den Tag dann auch woanders verbracht.

an town beach kann man nicht sehr viel machen ;

und wenn man dort schwimmen geht, trifft man angeblich auf Krokodile ....^^

(und autos!)


Wir überlegten zwar, dass der arme Mensch sicher verzweifelt sein Auto beim Absaufen beobachtet hatte, aber spätestens bei der nächsten Ebbe in ca. 5 Stunden es ja herausholen könnte, und das würde er dann sicher gleich tun.


Wir dachten dann nicht mehr weiter darüber nach -

staunten aber nicht schlecht, als wir am gleichen Abend, circa 10 Stunden später und somit schon bei der nächsten Flut (!) wieder an town beach ankamen,

und das Auto zum zweiten Mal bis unters Dach im Wasser versunken vorfanden.


Immernoch standen die Leute am strand und deuteten auf das Auto. Vermutlich waren es aber nicht die gleichen wie in der früh...

da hatte es natürlich einen Schichtwechsel gegeben.


Nicht aber für den Jeep !

Nach dem Abendrot verschwand das weiße Dach gleichzeitig in Dunkelheit und Meereswogen.


Erst am nächsten Tag wurde der Jeep gerettet, wahrscheinlich saßen schon kleine Krebse im Kofferraum und ein Aal schwamm in den Auspuff und blieb stecken ...


Wäre es ein James Bond Auto gewesen, hätte es wahrscheinlich jemand absichtlich da abgestellt, und das Auto hätte seine automatische Angelfunktion genutzt um dem Besitzer nach 10 Stunden Flutung einen schönen Fang zu präsentieren.


Oder aber- wäre James Bond der Besitzer, hätte er das Krokodil verhauen und das Auto am Abschleppseil mit den Zähnen aus dem Wasser gezogen.


Wenn es der australische James Bond ist, der sein Auto da hat absaufen lassen, sitzt er einfach den ganzen Tag im Pub und sagt sich : "no worries!!!"


Raumsuche


Kürzlich hat uns in der früh der Ranger erwischt, deswegen müssen wir jetzt noch besser aufpassen und vor allem uns längerfristig doch mal eine Bleibe suchen, denn langsam nervts echt...

Wenn ich um 8 oder 9 anfange zu arbeiten wird es schon schwierig, in der früh ein Klo zu finden, weil die meist erst gegen 8 aufgesperrt werden und dann manchmal fürs putzen geschlossen sind.

Außerdem ist es einfach übel, alle Sachen die man zum Leben braucht (Klamotten, Gaskocher, Geschirr, Bücher, Laptops, Kabel, Shampoo und sonstige Sachen, Wasserkanister und Flaschen, einen Eski, Kissen, Decken, Schlafsack, Strandtuch, Flossen und Tauchutensilien) im Kofferraum eines Kombis aufzubewahren, in dem man dann auch noch schlafen soll, und zwar immer nur von 23 bis 6.30 oder 7 Uhr, weil man sonst erwischt werden könnte. wenn man also weggehen will, weiß man schon dass man nicht ausschlafen kann.

Natürlich passt auch nicht unser ganzes Essen in den Eski, weil wir ja auch Pfeffer und Salz und solche Dinge haben, sodass dann immer mal wieder ein Apfel oder eine Dose so im Auto herumkullert, und man liegt drauf, oder so...

besonders schön ist es, wenn man abends noch dasitzt, auf den vorderen sitzen, kaum lüften kann weil man sonst von viechern zerstochen wird, und dann fällt einem ein dass man den laptop möchte, oder eine tasse um eine vitaminsprudeltablette aufzulösen (leckere alternative zum wasser...), oder, oder, ...

dann kann man nur hinterklettern, in das Chaos, und wühlen.



Auf unseren Zettel an der Pinnwand, dass wir auf Raumsuche sind, hat sich ein österreichischer Exilant gemeldet. der befindet sich in den Mitt-Vierzigern, ist schon seit 17 Jahren da, und hat seinen Akzent auch im englischen Beibehalten.

Sowas kann man in typo nicht darstellen, das müsst ihr euch einfach vorstellen...


zuerst wollte der uns einen raum vermieten, woraus dann aber nichts wurde, weil der raum doch noch nicht frei wird - er bot uns seine Garage an, für 100 Dollar pro Nase und Woche - na klar, Idiot.

Da fiel ihm ein, sein slowakischer Kumpel hätte noch ein Zimmer frei, er werde den mal kontaktieren.......

so kam es dann auch, und als ich am Freitag um 3 aus der Arbeit kam packte mich Steven gleich ins Auto und sagte nur, wir müssten einen Raum anschauen fahren.


Pedro Koch-ich-mach-ich


Fahren, ja, fast in die Pampa, in eine Mini kleine Straße, die in einer Sackgasse endete, und da war Haus Nummer 14.

Unit 4 müsste es sein, sagte Steven. Welches Haus das sei? Keine Ahnung. Alles seltsame Wellblech-Baracken, mit Müllhaufen vor der Tür,

eine Aborigine Frau saß vor ihrem Haus auf einem Stuhl, stumm, schwarz, starrte vor sich hin. Geblümtes Kleid und wirres Haar.


Kurzerhand haben wir den Typ am Handy angerufen, Äh, tschuldigung, könnten Sie mal eben aus ihrem Haus rauskommen, wir stehn draußen......?


Yes-e, yes-e, hörten wir, schon kam ein dürrer Langer aus einem Vorgartenbusch gesprungen.

graue Hose, graues Hemd. Beides war früher mal weiß, ganz früher.

Bleiches Gesicht, dünnes dunkles Haar, davon nicht mehr viel, die Wangen eingefallen,

der ganze Kerl an sich gar nicht so alt - nur verbraucht.


Schlaksig, hektisch, gestresst. Hereinkommen sollten wir, rein, jetzt, los!!

Damit drehte er uns den Rücken zu und eilte mit großen Schritten Richtung Haus, und hinein zur Tür, man konnte kaum mithalten - in der Haustür parkte ein Roller -


schon standen wir im Wohnzimmer. Drei Sofas verschiedener Epochen des Interieurdesigns, mehr oder weniger gut erhalten, davor ein Flachbildfernseher mit mehr Bildschirm als die Sofas Sitzfläche haben. Der lief auch. Irgendein hektischer, stressiger, bleicher schlaksiger Kanal.


Foxtel habe er, 3.000 Kanäle, das sei nicht schlecht, was?


Er führte uns in den Flur, es roch. Rauch und Farbe.

Dies sei, was er mache, sagte er und deutete auf ein riesiges Gemälde, das erwartungsvoll an der Wand lehnte, bunt und patchwork, juhu, wann werde ich verkauft?

Er sei Maler. Dies sei sein Atelier - er öffnete eine Tür zu einem Raum, der einer Abstellkammer glich, mit Farbtöpfen am Boden und einem angefangenen Bild am Boden. Armes Ding, eingesperrt in einem dunklen Raum. Wie Josef Fritzl, nur als Slowake.


Pedro hieß er. Hektisch, gestresst,

Koch ich mach ich!


Ich fragte mich, ob Pedro natürliches Licht mochte. Eher nein.

Glich er doch selbst einer Leuchtstoffröhre.


Hier sei das Waschmaschinendingsbums, hier das Klo, hier unser Zimmer -

20 m² mit einem altmodischen Doppelbett, darauf Kissen, die Decke verwurschtelt - wer hatte hier wohl zuletzt Liebe gemacht?, ich wollte nicht drüber nachdenken.

Bleich, schlaksig, Rauch.


Wir gingen hinaus auf das Grundstück, ein Handtuchgarten, der Boden bedeckt von einer Schicht brauner Blätter, in der Mitte ein kleiner Teich, braun.

This is the end of the garden - er zeigte auf die Holzwand, eilte weiter.

Hier, hier könne man sitzen. Ja, sitzen!

Ein altes Sofa gammelte einsam vor sich hin, Blick auf den Teich, als würde es sich am liebsten darin ertränken.

And this - this is the other end of the garden - die andere Holzwand.

Nein. was für eine Überraschung. Ein hinteres Ende hat der Garten auch.

(Ein Optimist würde von zwei Anfängen sprechen-)


Er spulte das alles runter als müsste er jeden Tag hunderten Leuten seine Wohnung zeigen.

Ach, wie ihn das nerve. Jeder kaufe immer nur chinatown-Bilder. Immer müsse er Broome Chinatown malen. Was anderes verkaufe sich nicht in dieser blöden Stadt.

(Seit 21 Jahren ist er schon hier. Idiot, dachte ich. Dass diese Stadt blöd ist haben wir schon nach 2 Wochen gemerkt. Warum haut er nicht ab.)


Aber da er Broome brav promote, und immer das dumme Chinatown malen müsse, sollte er theoretisch bald in ein viel cooleres Haus umziehen. Habe die Stadt versprochen.


Sein Freund Christian (der Österreicher) habe über uns gesagt, nun ja, wir seien jung, schön, hätten nicht viel Geld, und Pedro solle fair sein zu uns, deswegen schlage er, Pedro Moszi, der Künstler, vor, 70 Dollar pro Nase pro Woche. Dazu habe er sich durchgerungen, gewissermaßen.


Aber wir sollten ihm ein paar Tage Bedenkzeit geben, bis Mittwoch. Dann solle man zusammen auf ein Bier gehen, so könne er sehen ob wir gute Leute seien.

Und in ein paar Monaten würde er sowieso ins Ausland gehen, Geschäfte machen, dann könnten wir sein Haus hüten. Das würde gut sein.

Er guckte in die Luft. Stille.


Vera. Der Name erinnere ihn an Budapest.

Da sei er 1972 gewesen.

Oder 73? Egal. Vera sei ein Name für Budapest. Seufz.


Er schielte aus dem Augenwinkel erwartungsvoll zu mir herüber.

Ob ich kochen könne?


Hm, machte ich. Ja, schon. Eigentlich ganz gut.


Fabelhaft ! Er klatschte in die Hände. Er habe nämlich -

er zerrte uns in die Küche, wo er sich hinunterbückte, in einen Schrank. Sein Kopf verschwand darin.


Er habe nämlich - dumpf drang die Stimme aus dem Küchenschrank hervor, als er aus der hintersten Ecke etwas großes hervorzog -


"eine Bratpfanne !" rief ich aus.

Hallelujah ! A frying pan !


Tatsächlich hatte ich die gleiche schon bei John und Lynne in Perth gesehen und benutzt, und muss gestehen dass es ein echtes High End Teil ist.


Yes, yes, you can make everything in it !

Die grauen Augen funkelten vor Begeisterung.

Goulasch ! Everything !!


Unwillkürlich schweift meine Phantasie ab, ins Jahr 1972 nach Budapest, wo ein abgemagerter, bleicher junger Mann in einer rauchigen Spelunke vor einem dampfenden Teller Goulasch sitzt.

Draußen pfeift der eisige Winterwind, die dicke Köchin rührt im Goulaschtopf, gedankenversunken starrt sie zum Fenster hinaus ...

sie heißt Vera ...


reboot! Zurück ins hier und jetzt !

Nein, dachte ich, du spinnst wohl, leb deine Fressphantasien anderweitig aus ! Ich koch bestimmt nicht für dich. pfffff.



Pedro wedelte sowieso schon mit der Hand, als wollte er die Goulasch-Dampfwolke beiseite schieben. Themawechsel.


Concerning drugs - er rollte das "r", dass es uns kalt den Rücken runterlief.

Sein Logopäde musste ein russischer Mafiaboss gewesen sein.


- you CAN smoke Marihuana. It's good for you. -


Haha, unterbrach ich froh, und winkte ab. Wir nehmen echt keine Drogen! Aber es macht uns nichts aus wenn er - also - es ist ja sein Haus -


what, are you serious. So young, so beautiful, and you dont smoke Marihuana.

Pedro schüttelte den Kopf und guckte traurig zu Boden. Verlorene Jugend, das.


Dazu fiel mir echt nix mehr ein. Ich guckte Steven an.

Viele Menschen sind young, und beautiful, dachte ich. Aber dann fangen sie an zu kiffen und sehen irgendwann aus wie Pedro.

Aber ich sagte es nicht laut. Steven dachte das gleiche.


Im übrigen, fuhr Pedro fort, hatte er hier schon viele Rockstars untergebracht.

Die meisten seien zurückgekommen, an diesen Ort. Es sei gut hier.

Wenn es so käme, das wir hier einzögen - das "wenn" sei rein konditional und nicht temporal gemeint! -

sollten wir das für uns behalten.

Where are you staying? - At Pedro's. NO ! So gehe das nicht.

Where are you staying? - Not your business. So.


Jahrelang habe er den Hype um seine Person aushalten müssen,

ständig sei er in Zeitungen und im Radio gewesen. Er wolle das nicht mehr. Er habe sich hier, am Arsch der Welt, ein kleines Nest gebaut, und das wolle er nicht mit publicity versauen.

Es sei gut hier, und er wolle das so beibehalten. Als junger Mann beim Drogen verticken habe er das gelernt. Hast du Drogen für mich? - Klar! - Wie heißt du? - Pedro. - Hast du einen Ausweis dabei? - ja klar. - Zeig mal. (...) Ok mein Freund, du kommst jetzt erstmal mit auf die Wache.


Heute sei er anders. Er habe gelernt.

Waren Sie schonmal auf dem Mond? - Ja. - Wie oft? - Sieben mal. Und es ist verdammt geil auf diesem großen, großen Mond. (...)


Wir wissen jetzt auch, warum der Mond so bleich ist. Weil Pedro da war. Mit seiner Hektik und seinem Marihuana.



Vermutlich hatte Pedro auch seine Rockstar-Freunde manchmal eingeladen, auf eine Reise zum Mond. Kein Wunder, dass sie ihn öfter besuchten.



Langsam setzte sich ein Pedro-Puzzle in meinem Kopf zusammen. Vage konnte ich seinen Lebensstil erahnen. Rumliegen, trinken, Drogen.

Malen. Kreativ. Künstler.

Raserei. Exzess. Farbe.

Fernsehen. Zerstreuung. Bleich.


Goulasch.



Ich verglich es mit meinem Lebenstil.



Im Cafe arbeiten. Strand, Sonne, Meer.

Salz in den Haaren. Honigmelone. Rote Wangen.

Wind in den Palmen. Nudeln mit Tomatensauce. Schlafen.


Ich versuchte, die beiden Lebensstile in Einklang zu bringen.


Alkohol und früh aufstehen.

Künstler und deutsches Ökonomiedenken.

Goulasch mit Honigmelone.

Stop mal. Da passte was nicht.


Ich entschied für mich, an diesem Ort keineswegs wohnen zu wollen.

Kochst du noch oder lebst du schon?


Wen sonst könnte Pedro aber finden, der hier einziehen könnte?

Ich konnte mir keine weibliche Person mit durchschnittlichem Hygieneverhalten und zweistelligem IQ vorstellen, die bei Pedro wohnen wollen würde.

Wie ich weiter darüber nachdachte... eigentlich auch keine männliche Person.


Und wie ging es wohl den Gegenständen in diesem Haus. der Bratpfanne?


Das Bild, das an der Wand lehnte, schien zu sagen:

Wann hänge ich endlich in einem NORMALEN Wohnzimmer, bei NORMALEN Leuten?





Pedro war mit Sicherheit kein schlechter Kerl, aber als er uns zur Tür hinausschob, mit dem verbindlichen Vorschlag, am Mittwoch zu telefonieren,

war Steven und mir klar, dass wir diese Bude wohl nie wieder betreten würden.


Christians Garage für 200$ die Woche schien plötzlich wie ein göttliches Geschenk,

aber wir beschlossen, einfach weiterhin im Auto zu wohnen.

Ist doch egal.


Pedro hatte jedem von uns drei Postkarten geschenkt, Hochglanzdrucke von seinen Bildern.

Wir saßen im Auto und starrten diese Postkarten an, und ich dachte, wieso finden immer wir diese Typen.


Lars aus Margaret River kam mir in den Sinn, bei dem AnnCa und ich 2 Wochen lang gewohnt hatten, und der eines Abends ein Kilo Marihuana auf seinem Wohnzimmerteppich aufhäufte um es zu weiterer Verarbeitung und Konsum parat zu haben.



Ich hatte Pedro schon fast vergessen, als ich am Montag in der Arbeit zwei Hamburger und Pommes zum Büro von Pindan Labour Solutions brachte, deren Bestellung fürs Mittagessen.

Ich betrat den Vorraum, die Rezeption war nicht besetzt, also klingelte ich und wartete.

Mein Blick schweifte durchs Zimmer. Grauer Teppich, eine Topfpflanze. Drei weiße Stühle.

Darüber an der Wand: ein riesiges Gemälde.


Bunt.Patchwork. fröhlich. ein Farbenfeuerwerk.

Rechts in der Ecke die Signatur: Pedro Moszi.


Hallo, sagte ich zu dem Bild.


Hey, sagte das Bild überrascht. Wahrscheinlich wurde es nicht sehr oft angesprochen. In diesem Büro.


Du bist doch von Pedro.

Ja, stimmt, sagte das Bild. Kennst du den?

Ich zögerte. ja, ich bin seine Köchin. Mir tat die Lüge jetzt schon Leid.

- Ah? machte das Bild interessiert. Also isst er neuerdings wieder öfter?

- Ja, total! , faselte ich, Also ich meine - das Goulasch, das muss ich so oft für ihn kochen, haha. Am Ende wird er noch fett, der gute.

- Oh, seufzte das Bild erleichtert, wie schön. als ich noch bei ihm wohnte ging es ihm ganz schlecht. Ich glaube, wir Bilder sind die einzige Freude in seinem Leben. Obwohl er uns nicht immer sehr gut behandelt. Wir stehen im dunklen Atelier, und wer uns kauft, das ist ihm eigentlich egal.

Sieh nur mich an, fügte es leise hinzu.


Das überraschte mich doch sehr.

Wa-? Dich? Ach komm! Ein schönes ruhiges Büro, das ist doch nicht schlecht. Bestimmt wirst du hier auch oft abgestaubt, und so?

- Ruhig!, schnaubte das Bild verächtlich, und sein blauer Hintergrund wurde dunkelrot.

Hastig guckte ich mich um, ob das sonst noch jemand bemerkt hatte. Aber außer der Topfpflanze, die erfreut raschelte, war sowieso niemand im Raum.

Das ist ja das Problem! , klagte das Gemälde weiter, hier ist nichts los! Ein paar Frauenzimmer in sauberen weißen Blusen und Feinstrumpfhosen, und ein paar gammlige Arbeitslose, kulturloses Pack. Niemand schaut mich an, keiner redet mit mir.


Das konnte ich mir allerdings gut vorstellen. Das Bild musste sich einsam fühlen...

Bei Pedro, erzählte die Leinwand, da war jeden Tag was anderes los. Die Rockstars haben uns stundenlang angestarrt und über uns philosophiert. Wenn sie stoned waren, haben sie unsere Farbharmonien analysiert, das war voll faszinierend, sprudelte das Bild entzückt weiter, und manchmal haben sie gedacht wir könnten uns bewegen und würden uns verformen. Total schräg. Cool bananas !

Es machte eine Pause, um Luft zu holen.

Nur manchmal, da sind sie aus Versehen auf uns drauf gestiegen, oder haben Bier auf uns gegossen. Einmal, da hat Jimmy Barnes fast auf mich drauf gekotzt. Siehst du da rechts außen auf mittlerer Höhe, da hat es etwas hingespritzt, meinte das Bild kleinlaut.


Tatsächlich fiel mir inmitten der dunkelblauen farbe ein heller Fleck auf.

Pedro hat noch versucht, es zu übermalen!, verteidigte es seinen Schöpfer,

so durfte ich auf meinem Originalrahmen bleiben.


Außerdem war es Jimmy Barnes!, gab ich zu Bedenken. Nicht irgendwer.


Ja - ja, genau!, pflichtete mir das Bild dankbar bei. Jimmy Barnes. Solche Leute kommen hier nicht vorbei.

es ist alles so trostlos..


Es stutzte. he! Sag mal, könntest du nicht - es hielt inne, aber der gespannte und hoffnungsvolle Unterton war nicht zu überhören.


Was denn?, wollte ich wissen. Mir wurde schon ganz schlecht.

Könntest du ihm nicht sagen, er soll mich mal besuchen kommen?, fragte das Bild vorsichtig.


Was!, rief ich, Jimmy Barnes !! Meinst du, der wird jemals arbeitslos??

Und dann auch noch in BROOME ??!!




Maaann!, stöhnte das Bild,

du Borstenpinsel, ich mein doch Pedro! Meinen Papa, sozusagen...-


Ach! - Klar. Das kam mir logisch vor. Aber plötzlich fiel mir ein: Das heißt ja, dass ich ihm sagen muss, ich hab mit dir geredet!


Stille.


So. Na und? Der Bildhintergrund sah plötzlich grünstichig aus. Grantig.


Nein nein, versteh mich nicht falsch!!, versuchte ich die Situation zu retten. Es ist nur - ich hab Pedro schon gesagt, dass ich keine Drogen -


ICH GLAUB DU SPINNST !!!!, donnerte das Bild und wurde augenblicklich schwarz. Ich zuckte zusammen und hob die Hände zu den Ohren WAS DENKST DU DENN MIT WEM DU HIER -



quietsch. Die Tür am Ende des Büros schwang auf. Mir rutschte das Herz in die Hose und ich fuhr herum. Im selben Moment verstummte das Bild.


Hi, how are you, sorry I know I took ages! We just had this meeting -

Die Frau in der weißen Bluse, Rock und Feinstrumpfhose verstummte. Ihr Blick war auf das schwarze Bild an der Wand hinter mir gefallen.


What the heck! -



Two Burger and hot chips, comes to thirty dollars - fing ich an.


Sie verharrte noch einen Augenblick in ihrer Starre, dann schüttelte sie den Kopf und eilte zurück durch die Tür, aus der sie gekommen war. Sekunden später kam sie mit zwei Geldscheinen zurück.



Mit hochgezogener Augenbraue und einem prüfenden Blick auf das Bild streckte sie mir das Geld entgegen.

Betont langsam und mit übertrieben fragendem Blick drehte ich mich auf den Fersen um.

Das Bild war wieder bunt, farbig, froh. Nur an der Stelle mit dem Kotzfleck sah es noch etwas dunkel aus -


Die Augenbraue der Frau entspannte sich wieder und sie lächelte mich an.


Manchmal denke ich schon, ich habe Halluzinationen. Weil hier auch sonst nichts passiert, in diesem scheiß Büro - entschuldigte sich die Frau.


Ach, ist doch okay, sagte ich. Wenn ich ehrlich bin - wenn mir langweilig ist, rede ich manchmal mit den Bildern in meinem Haus, oder tanze mit der Topfpflanze, oder so. Das kann echt ganz entspannend sein -


Hinter meinem Rücken konnte ich hören, wie das Bild tief einatmete und dann die Luft anhielt.


Wa-? ah .. die Frau schien verwirrt, musste aber grinsen. Gut, das werd ich dann wohl mal tun.



das Bild schnappte hörbar nach Luft. hoffentlich war es noch nicht blau geworden..


Ja, unbedingt, nickte ich. Guten Appetit dann, und einen schönen Tag.


Ja danke. Dir auch. See ya !




Erleichert schloss ich die gläserne Tür hinter mir. Ich warf nochmal einen Blick hindurch, auf die Wand mit dem Bild. Strahlend gelb blinkte es mich an. Juhu! , schien es zu sagen.

Auch in diesem scheiß Büro gibt es ein paar ganz normale verrückte Leute!




Ja, gut, dachte ich. Gut dass es verrückte Menschen gibt. Normal zu sein ist so.. langweilig!

Wir sollten eben doch bei Pedro einziehen.

21.6.10 16:26





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