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Broome, 16.07.10

Broome, 05.07.10



Pedro haben wir nicht noch einmal angerufen. Wir sind mit ihm kein Bier trinken gegangen, das Goulasch hab ich mir selber gegönnt (aus der Dose, und zwar von HEINZ, ha!), und die Postkarten wurden an Leute verschickt die mir irgendwie mental beizustehen scheinen. (Ist sie schon angekommen, Poddy?)


Völlig verdrängt hatte ich die weiße Schauergestalt, bis ich Samstag vor einer Woche über die Broome Markets schlenderte.

Es war ziemlich voll und ich war auf der Suche nach Geburtstagsgeschenken für meine Mama, dementsprechend bewegte ich mich im Schneckentempo durch Menschenmassen und blieb an jedem Stand stehen, um mir Anregungen zu holen,


plötzlich sehe ich einen langen Tisch, bedeckt mit vielen Hochglanzdrucken von Gemälden, in verschiedenen Formaten, mit und ohne Rahmen, als Postkarten, und so weiter. Bunt, farbenfroh, der Trip schlechthin als Bild -


die Markets drum herum bunt, farbenfroh, die backpacker mit ihrem dreads auf dem trip schlechthin -


es war eine bunte Suppe, noch fiel der Groschen nicht bei mir, es war zu spät, ich rannte voll rein..


Am Ende des langen Tisches stand ein Baum, daran ein Schild genagelt, Gypsy Fortune Telling.

Zigeuner Wahrsagerei, übel übersetzt. Im Schatten des Baumes, auf einem rosa Kinderstuhl, Pedro, der große Künstler. Seine Beine zusammengefaltet wie bei einer Heuschrecke, die zum Sprung ansetzt. Würde er zwei Haken an seinen Knien befestigen, könnte er zwischen ihnen seinen Kopf an den Ohren aufhängen.


Eine dicke Frau ihm gegenüber, er redete wild auf sie ein.

Man kann mutmaßen, dass auch sie auf einem Kinderstuhl saß, aber wirklich sehen konnte man diesen nicht. Wo der Stuhl hinverschwunden war, nun, diese knifflige Frage zu lösen bleibt eurer Phantasie überlassen.


Bevor mir der coole Detektivgedanke kam, den ich gleich erläutern werde, schüttelte es mich erstmal vor Ekel, weil pedro auf diese Frau einredete und sich Spuckeränder an seinen Lippen bildeten, man konnte Tröpfchen durch die Luft fliegen sehen -

man kann es sich ausmalen.

Irgendwelche Tarotkarten hatte er vor sich auf dem Tisch liegen, er deutete auf sie, machte seltsame Handbewegungen, und sein Blick fixierte immer die Augen der Frau.

Der einzige Grund, warum sie auch in seine Augen blickte, war wohl der, dass sie unmöglich auf seinen Mund schauen konnte,

und hätte sie den Kopf gesenkt, um auf die Tarotkarten zu gucken, wäre ihr bestimmt die ganze Spucke ins Auge geflogen.


Wahrscheinlich hatte er sogar Goulasch mit Chili gegessen, reizt die Augenschleimhäute, man will es nicht riskieren.


Mein Detektivgedanke, den ich vergessen hab zu erläutern!

Er, der uns erzählte er sei ein großer Künstler und würde bald Geschäfte machen in Übersee, und der zum Künstler berufen sei und nicht zu irgendeiner anderen Arbeit, die seine Hände ruinieren könnte,

als ER eben, saß da mit Tarotkarten und log eiskalt einer armen dicken Frau ins Gesicht,

ich halte allerdings von den Kunden dieser Wahrsagerei ebenso wenig wie vom Wahrsagen selber. Was sie dafür bezahlt hatte wollte ich schon gar nicht wissen.

Aber mir war klar, das einzig reale was sie von der ganzen Sache mitnehmen konnte war Pedros Spucke in ihrem Gesicht.


Dass er, der sich seit ich-weiß-nicht-wie-vielen Jahren in Broome aufhielt, und immer beteuerte es sei eine grausame Stadt, es sogar als "Gypsy" nichtmal hingekriegt hatte, sich klischeehaft einen Camperbus zu kaufen und diesen Ort zu verlassen,

und wer sich Drogen leisten kann, der kann es auch zu einem Auto bringen mensch!!! -

das ging mir alles nicht auf.

Also kombinierte ich genial, dass er überhaupts gar nich so erfolgreich war, nur mords doof und zu faul für nen Zweitjob, und nur n großes Maul, und dass er auch überhaupts kein Zigeuner war - einfach für dieses Leben nich flexibel genug.

Und bestimmt hatte er auch keine Freunde, ich mochte ihn jetz auch nich mehr, pff.

Vor so einem hab ich keinen Respekt.

ieh und ekelich war der Kerl...


Wie ich vorbeihuschen wollte an dem Stand, sah er mich natürlich und winkte,

und vertiefte sich dann aber wieder in die Karten,

die Frau und ihr Kinderstuhl, zu einer Einheit verschmolzen, lauschten seinen Worten.


(Sollte diese Frau jemals unter seltsamen Umständen sterben und obduziert werden, könnte man mit dem, was in ihrem Hinterteil zum Vorschein kommt, wahrscheinlich eine Ein-Zimmer-Wohnung möblieren. Ich verstehe, dass sie wohl sehr verzweifelt war, aber das ist doch kein Grund, zu Pedro zu gehen, außer vielleicht es dreht sich schon um Sterbehilfe. Ein Privatgespräch zwischen den beiden könnte so aussehen:

ach, ich weiß auch nicht wo mein Geld hingeht, ich kaufe ständig neue Stühle für die Küche und immer verschwinden sie.

Wahnsinn, Sie haben fast das gleiche Problem wie ich! Mir ist immer nach Goulasch, aber dann finde ich doch nur Marihuana, und Geld hab ich auch keins. )



Noch am selben Tag rannte ich auf den Markets in 3 weitere Bekannte rein,

Chrissy, die Zeichnerfrau (Mama weiß Bescheid), Dave Mann, ein Gitarrist aus Margaret River den ich live gesehen hatte, und Giacomo, ein italienischer backpacker mit Palmenfrisur, der mich immer mit "Hello sister !" begrüßt und mit "If u ever get rid off your boyfriend, let me know", eine Einladung zum Inzest, wenn man bedenkt dass ich seine Schwester sein soll...


Es war ein fröhlicher Tag auf den Markets, und nach erfolgreicher Geschenkfindung wurde dann ein dickes Paket am Mittwoch nach Deutschland geschickt. Ich freu mich schon so darauf dass es endlich ankommt. Es ist, als würde ich einen Teil von mir nach Hause schicken, damit ich hier nicht so einsam bin. Andererseits werde ich mir garantiert irgendwann wünschen, wieder in Australien zu sein, das andere Daheim.

Die liebe Arbeit - Steven

Es trifft sich immer so, dass man heimisch wird da wo man arbeitet. Steven hat auch einen Vollzeitjob gefunden, im Cable Beach Club Resort. die Nobel-Unterkunft am Cable Beach... da ist er jetzt Porter und macht 40 Std die Woche Schichtdienst.


Seine Aufgabe ist es, ankommende Gäste zu begrüßen und sie samt Gepäck zu ihren Bungalows oder was auch immer zu fahren, mit einem Buggy der 8 Sitze hat, durch die kleinen verschlungenen Wege des Resorts.

Fahren Gäste nach Hause, holt er ihr Gepäck ab und sorgt dafür, dass alles zum Shuttle Bus des Resorts kommt.

Das klingt einfacher als es ist, denn es gibt 8 verschiedene Stellen am Busparkplatz, wo er das Gepäck hintun kann, und es ist genau festgelegt, wessen Gepäck wo hin muss, je nachdem ob die Gäste schon ausgecheckt haben oder nicht, ob sie zum Flughafen oder woanders hin gebracht werden, ob sie schwanger sind oder keine Mandeln mehr haben, einarmig sind oder dreibeinig.


Eine ganz besondere Tracht muss er tragen, die besteht aus Segelschuhen, kurzer Hose und Hemd, diese in beige mit rotem Rand an den Hemdsärmeln, wer sich diese Kotzkombi ausgedacht hat, den kann ma nur beglückwünschen,

aber Steven sieht trotzdem sehr gut darin aus und den Bart hat er sich auch schick getrimmt.

Zu den gemütlichen Aufgaben des Jobs gehört unter anderem, zu den Bungalows zu latschen die voraussichtlich längere Zeit nicht vermietet werden, und "power saving" zu betreiben. Sprich, man geht rein und schaltet Airconditioning, Licht, Ventilator etc. aus.


Und das für 23 $ die Stunde am Wochenende und immernoch lohnenswerte 19 $ an Wochentagen.

Da gehts ihm gut leider liegen die Schichten nicht immer optimal, das hat Schichtdienst wohl so an sich, heute hat er von 15-23.30 Uhr.

Dafür wird er aber bei Nachtschichten heimgefahren. Beginnt eine schicht nachts, wird man auch abgeholt. Essen bekommt er im Resort, die haben mehrere Restaurants und eine eigene Küche nur für die Mitarbeiter, ein volles Mahl kostet 2,50$ und die Portionen kommen an all you can eat ran. Natürlich gibts da auch nicht irgendeinen Mist.

Lasagne und Salat, Fisch und Kartoffeln, Steven kann nicht klagen,

und mei, ich koch ja auch für ihn das isst er auch immer noch brav... zu seinem Geburtstag gabs ein 3Kilo-Tirami Su das ich gemacht hab.

 

 .... und das liebe Heim

 

 

Seit Steven arbeitet wohnen wir in einem kleinen Räumchen, ca 12m², in einer Wohnung mit einem koreanischen Pastor (ja, ich weiß... wir ham auf die schnelle nix anderes gefunden) und 2 koreanischen Kumpels von ihm. Sozusagen.

Da zahlen wir 250.- pro Woche, also Steven und ich je 125.- , was aber normal ist für Broome. Was billigeres als 200.- pro Woche werden wir kaum finden, aber auf Dauer wollen wir schon weg aus dieser Bude, unter anderem weil uns Joseph, der Pastor, seit 2 Tagen als Chauffeur und Chauffeuse missbraucht, und zwar nicht nur für sich selber.


Heute, als ich mitten im Speck anbrutzeln und Zwiebel dünsten war und Champignons schälen, und alles gleichzeitig, eröffnete er mir dass ich jetzt zu Cable Beach fahren müsse um einen Amerikaner abzuholen, der sich das noch verbleibende freie Zimmer in der Wohnung hier anschauen wolle, und er habe kein Auto, der Amerikaner.

Also ich verstehe ja wohl, was er meine...?

Dann bitte solle ich jetzt mal.. also, los, und so.


Bevor ich meine Kinnlade, die runtergeklappt war, wieder zu gemacht hatte, war Steven schon gefahren weil der grade nix zu tun hatte, und ich den Pastor in der früh um 9 schon zur Post gefahren hatte damit er sein Paket abholen konnte -

und spontan hatte ich vom Cafe frei bekommen, weil es in Strömen regnete.


Am Nachmittag, als Steven dann in der Arbeit und ich ohne beschäftigung war, fuhr ich seine Heiligkeit nochmals in die Stadt, er wollte sehen ob er einen gebrauchten Monitor kaufen konnte und außerdem hatte er mal einen Stuhl gekauft bei einem Möbelladen, diesen aber nie abgeholt. Also warum nicht jetzt, heute, mit mir...


Leider hatte er vergessen wo der Laden war, wie er hieß und wie er aussah,

also fuhren wir das gesamte Industriegebiet ab. Die Straßen vom Regen überflutet, schwamm das Auto durch 50cm tiefe Pfützen, alle Scheiben von innen beschlagen und kein Gebläse half, ich konnte fast nichts sehen, jedoch sollte ich ihm die Namen der Läden vorlesen, die links und rechts der Straße im Schlamm versanken, und es war sogar möglich!, denn schneller als 10km/h konnte ich nicht fahren.


Wir gaben auf, und seine Heiligkeit der Missionar beschloss, am Mittwoch mit Steven zu fahren, wenn Steven seinen freien Tag hatte.


An einem anderen Tag lud seine Heiligkeit, gastfreundlich und großzügig wie er ist, zwei Aborigine Freunde zum Mittagessen ein,

Nett von ihm, was.

und zwar servierte er die Bolognese, die ich am Abend zuvor gekocht hatte und die in ihrem Töpfchen auf dem Herd ruhte, still und leise.


Wiederum an einem anderen Tag hatte der Pastor Glaubensgenossen zu Besuch, und zwar nicht einen, nicht zwei, sondern 5.

Eine koreanische Familie aus Perth, zwei sehr liebe Kinder dabei und freundliche Leute, aber leider allesamt mit dem Irrglauben infiziert, man müsse den Abos dieses Landes helfen, indem man ihnen einen westlichen Glauben aufzwingt,

plus ein Australier im Gepäck, John, der aussah wie Mel Gibson, und beim Studieren der Bibel unterbrochen wurde als ich heimkam und man uns einander vorstellte.

Nach herzlichem Händeschütteln fuhr er mit dem Lesen der Bibel fort und legte sie nicht weg, bis ich ins Bett ging. Und ich ging spät ins Bett.


Als ich früh, sehr früh - fast ZU früh - aufstand, um für Steven Kaffee zu kochen, saß John auf dem gleichen Stuhl wie am Abend zuvor, und nahm ein nahrhaftes Frühstück zu sich, nämlich Gottes Wort.


3000 km waren sie alle gefahren, um nahe Broome auf eine Convention zu gehen, ein Zusammentreffen von weißen Christen und Abo-Christen.

Es hatte seit einer Woche ununterbrochen geregnet, die Straßen waren überflutet,

in der Innenstadt in Broome waren Straßen gesperrt, weil sie entweder zu reißenden Flüssen geworden oder von denselben derart zerlegt worden waren, dass nichtmal ein Jeep vorm Davonschwimmen sicher gewesen wäre.

Wegen des Regens also wurde der Veranstaltungsort kurzerhand verlegt, und zwar in eine 400 km entfernte Stadt, was meiner Meinung nach jeder Logik entbehrt, denn auch der "Highway" (das Sträßlein dass man hier Highway nennt) war wohl kaum zu befahren, und wenn, dann mit kaum mehr als 50 km/h. Mehr würde ich keinem Autofahrer mit Kindern auf dem Rücksitz empfehlen. Kommt das Auto nur von der Straße ab, ist es recht wahrscheinlich dass man einfach ertrinkt...


So brach die Familie nach reichlichem Frühstück - (Joseph: Good morning Vera, I think you had milk in the fridge, I used it. Thank you for the corn flakes. The kids liked it very much.) - auf, um die Fahrt nach Fitzroy anzutreten, zur Convention.

man muss sagen, dass die komplette Familie die 3000km von Perth nach Broome innerhalb von 2 Tagen und 3 Nächten zurückgelegt hatten, mit zwei Fahrern (Mama und Papa), bei Straßen auf denen maximal 110 gefahre werden darf (wie überall in Australien), mit zwei Mädels, 9 und 12 Jahre alt, die gerade die schulferien begonnen hatten.

Mit dem Ende der Convention, so der Plan, wollte man sofort wieder zurück nach Perth.


Wozu all der Aufwand, frage ich mich? 50.000 Jahre lang hatten die Aborigines eine wunderbare Naturreligion, pantheistische Vorstellungen, dass eine art göttlicher Geist in allen Pflanzen, Tieren, Menschen, Steinen,... existiert (sofern ich mich korrekt erinnere an das Wenige, das ich einmal wusste^). Dann kommen die Weißen, alles gerät durcheinander, böse Fehler passieren, die Regierung denkt sie kann es mit Unterhaltszahlungen und dergleichen wieder gut machen. Alkoholismus, Gewalt, Verwahrlosung ist die Folge, Arbeitslosigkeit unter den Abos wahrscheinlich 99 %.


Was machen die Christen? Sie versuchen, die Abos zum Christentum zu bringen (funktioniert immer gut mit Menschen, denen es schlecht geht, die keine Hoffnung, kein Leben, keine Perspektive und keine Ahnung haben) und sagen ihnen, wie sie zu leben haben damit sie vor Gott recht sind.

Sie halten eine Convention ab, in Fitzroy, wo viele Abos sind und ansonsten alles sehr ländlich, wenige Familien, die seit Generationen - ich brauch nicht weiterreden, alles leicht gewonnener Boden.


Was geschieht nun auf dieser Convention?

Ich kann es mir vorstellen, denn wenn Joseph seine Abo Freunde bei sich daheim hat, hör ich ganz genau hin, vielleicht kann ich nicht sinnvolles dabei lernen. Hüstel..

Joseph sagt, die Abos haben eine Tradition, dass, egal wer zu ihnen kommt, sie diese Person bei sich aufnehmen müssen und gesellig sein.

Nun, da die Abos alle Häuser haben, und die Familienverhältnisse und Verwandschaftsgrade ja meist unbekannt sind, läuft das folgendermaßen ab, dass sich alle in einem Haus treffen, man schläft wo es gerade passt, auf dem Boden, im Garten, whatever. Der Hausherr lässt alles geschehen, man trinkt und nimmt Drogen, macht Party, oder schaut fernsehen. Jedenfalls ist das Haus voll. Und keiner putzt.

Wo soll man des auch lernen, wenn man 50.000 Jahre draußen geschlafen hat?

(Ja ich weiß, ich bin gemein).

Wo war ich stehen geblieben?

Ach ja, alles ist dreckig uns stinkt. Und die Leute gehen nicht. Denn es ist in dieser Kultur nicht üblich zu sagen, Geh jetzt bitte.

(Vor 50.000 Jahren : Ey Alter, du gehst mir aufn Sack! Verzieh dich gefälligst hinter nen anderen Felsen, das hier is MEINER....)


Ich bin schonwieder gemein!


They live in a mess, sagt Joseph. You need to keep your house in holiness.

Und : You have to draw a line.


Er meint: Gott will wohlgeordnete Haushalte, klare Familienverhältnisse, keine Saufgelage, kein Schlafen auf dem Boden. Ordnung und Sauberkeit, Gottesfurcht, und : fremde draußen halten, sie davon abhalten, drinnen Dreck zu machen und zu saufen. Keine Orgien.


Joseph sagt, man muss Gott respektieren, sonst kann man niemand anderen respektieren. Gott ist unser aller Vater.


Aber ich finde das alles furchtbar unnütz !


Was bringt es den Abos? Einen Glauben, den sie nie hatten, toll, den haben sie jetzt.

Vielleicht lassen sie ihre Stiefonkel und dergleichen nicht mehr in ihr Haus.

Vielleicht hängen sie ein Kreuz an der Wand auf. Kleben es mit Kaugummi hin weil sie den Hammer nicht schwingen wollen.

Vielleicht hängen sies verkehrt rum auf, sie sehn es ja so selten.

woher soll man denn wissen wo oben ist und wo unten - Späßle g'macht^^


Diese Menschen haben sehr wenig oder eher gar keine Bildung erhalten. Jetz kommt Joseph an mit Gottesfurcht und all sowas. Wenn die sich da reinsteigern?

Wenn dann der Stiefonkel zu besuch kommen will, und die sagen:

Sorry, unser Haus ist jetz eilig, oder heilig, oder so ähnlich, du kannst jetz nicht rein und so.

Dann sagt der Stiefonkel: Spinnst du oder was?!!


Wie soll man das auch alles begründen? Hunderte Jahre europäische Philosophie (und natürlich auch Religion) haben unserer Kultur dieses ganz spezielle Sozialdenken gegeben, und ohne irgendeine Begründung zu geben, knallt Joseph ihnen hin:

Das ist gut, mach das.


Und dann sollen sie Lobpreislieder singen. Aha. Lobpreisen? Wofür? Dafür, dass nach 30 Jahren häuslicher Gewalt, Alkohol, Leben auf der Straße mit der total kaputten Großfamilie ( weil niemand weiß wie man häuslich und glücklich gleichzeitig sein könnte ) und immer dem Seitenblick auf die weißen Aussies, die es irgendwie voll drauf haben,

man so dankbar ist dafür, auf diesem Planeten sein zu dürfen, in einem Land das einem weggenommen wurde, in einer Stadt die von wunderbarer Landschaft umgeben ist, aber die ganze Region bald dem Erdboden gleich gemacht wird weil sie unglücklicherweise einen Haufen Erdgas hat?


Danke, Gott. Jetzt, mit 35, finde ich zu dir, und mein Leben wird gut sein.

Einen Job werde ich immernoch nicht kriegen, aber ich werde viel beten, dass irgendwann ein Job zu mir kommt. In der Zwischenzeit respektiere ich meine Kinder, indem ich sie in ihr Zimmer sperre damit sie auch beten, und meinen Stiefonkel lass ich auch nicht rein.

In meinem Haus trinke ich kein Bier mehr, denn mein Haus ist heilig. Ich geh dann schnell zu den anderen Abos ins Haus, wenn Gott und die Kinder nicht hinschauen, und trinke dort.

Dann ist mein Haus nicht entweiht.


Ich fände es viel besser, wenn er Hilfe zur Jobsuche anbieten würde. Das ganzen Gelaber um ein heiliges Haus ist nämlich totaler Käse. Dann sitzen sie daheim und beten, halten das Haus reinlich, und so weiter. Wie findet man da einen Job?

Erst muss ein Job her.

Dann habe ich Geld und eine Beschäftigung, werde respektiert, meine Kinder haben sowas wie ein Vorbild, und nicht einen bigotten Sandsack der immernoch den ganzen Tag säuft, weil es sonst nichts zu tun gibt.

Dann bin ich auch körperlich aktiv und wiege nicht mehr 100 Kilo. In der Arbeit komme ich mit vielen neuen Leuten zusammen, da kann ich mir Hilfe holen und Tipps fürs restliche Leben.



Ich sollte nichts mehr sagen. Vielleicht ist Josephs Weg der Richtige. Vielleicht hab ich nur Angst, dass mangels umfassender Bildung diese christliche Liebesattacke auf fsehr ruchtbaren Boden fällt. Leute belügen sich ja immer gern selbst. Und das ist so eine gute Ausrede. Doch, ich werde trotzdem geliebt!



An den Sonntagen hält er den Gottesdienst ja bei sich zuhause, weil er keine Kirche hat. Ist ja klar. Und auch keinen Raum. Den müsste man mieten, und dazu hat er kein Geld.

Also tauchen die Kirchenmitglieder (zwischen 5 und 15 Leute) Sonntags von 10-12 zum Gottesdienst in unserer Essküche auf.

ich bin herzlich zur Teilnahme eingeladen.

Bis jetzt habe ich 2 Mal Reißaus genommen. Einmal musste ich "arbeiten" (ich bin zum Strand gefahrn, das Cafe hat sonntags zu...), und das andere Mal musste ich dringend irgendwas anderes machen... ich war laufen, einkaufen, Däumchen drehen, und so.


Aber vielleicht nehme ich nächstes Mal teil. Um zu sehen, wer da kommt, was Joseph so verzählt, wie die Reaktion ist.


Spuren hinterlässt das Ganze wohl - am Samstag putzte ich Küche, Bad, und kehrte und moppte den ganzen Boden.

Nach dem Gottesdienst sah es aus wie vor dem Putzen. Und es stank.

Ich weiß, ich bin so gemein. Aber es war wirklich so.


Als Reisender treibt man sich viel auf öffentlichen Klos herum. Am Town Beach sitzen viele Aborigines. Ich gehe nicht zu nahe an ihnen vorbei. Es riecht unglaublich.

Nuancen von allem was man sich nur vorstellen kann, aber hauptsächlich alter Schweiß und andere Körperflüssigkeiten, je nach Geschlecht in verschiedener Dosierung.

manchmal Alkohol und Zigarettenrauch.


nein ich wills hier nicht ausführen...

... und die Arbeit Pt. II, Veras Job


ich springe zu einem ganz anderen Thema, erstens weil mir sonst dieser Geruch gleich wieder in Erinnerung kommt, zweitens aus gegebenem Anlass.

Heute beim Arbeiten im Cafe. Es war wieder mal stressig, und ich war mit den Gedanken irgendwo. Wenn man dann Kaffee zu einem Tisch bringt, sagt man zu den Gästen zwar lächelnd und geduldig Hey how are ya, now- I have a Cappucino here, whos having that? you? lovely. and heres a slice of that yummy orange cake... aber denken tu ich, Mist, ich muss Tassen spülen, und den Muffin in die Mikrowelle tun, und, und ...

das heißt, man ist darauf vorbereitet sofort wieder reinzurennen und weiter zu hetzen.

Aber an dem einen Tisch heute, an dem ein älteres Pärchen mit einem offensichtlich körperbehinderten ca 35jährigen saß, war das anders.

Denn wie ich so den Kaffee hinstelle, und mich zwar bemühe allen freundlich zuzulächeln, aber nicht zu sehr den jüngeren Mann anzustarren (seine Augen guckten in zwei komplett verschiedene Richtungen, und es war mir peinlich, nicht zu wissen wo ich hinschauen soll...) - also kaum will ich mich wieder zum Gehen wenden, sagt der Mann, freundlich und froh und selbstbewusst, You are definitely Broome's most beautiful woman.

Hihi, lache ich, aber ich bin gar nicht aus Broome, sondern aus Deutschland.

Ach, sagt er, dann eben the most beautiful german woman.

Und dann fängt er an, ganz gemütlich, mir zu sagen was er an mir schön findet. Mein Lächeln, mein Armband, meine Haarfarbe... und so weiter.

Na gut, wenn man viel von besoffenen Menschen umgeben ist (so wie ich im RSL etc), hört man sowas ja oft. Aber es war 11 Uhr vormittag. Trotzdem war ich noch nicht sonderlich schockiert oder geschmeichelt (Komplimente sollte man ja nich zu ernst nehmen).

Aber absolut wunderbar fand ich, wie das Ganze weiterging.

Seine Eltern (?) oder jedenfalls das ältere Pärchen hatte ihn schon lächelnd angeschaut während er mit mir sprach, und er fuhr fort.

By the way, I'm sorry. Sorry for not being normal. Sorry for being ugly but - you know -

I used to be a rugby player. I was quite good. I had a fiance (verlobte), a good contract and good future prospects. And then in 1997 I had this accident. Which made me look like this.

You know.. that guy smashed me on the ground, the game was stopped and over. I wanted to get up but couldnt, and in hospital they said I was never gonna speak, walk, see or think again, and i was to die soon.

So I'm kinda ugly now and sorry for bothering you with this. But see, I will have my degree soon, a degree in ... (und dann ging es um irgendeine Berufsqualifikation).

And you are such a beautiful woman and I just want to tell you that you made my day today.



Wumms. Der hatte gesessen^^ er tat mir wirklich Leid, seine Augen guckten irgendwo hin, seine Beine waren etwas schief wie er sie ausstreckte, irgendwie schien bei ihm alles in diesem einen Unfall zerstört worden zu sein, denn er sagte, seine Verlobte hätte er auch nicht mehr...

während er all das sagte, lächelte er aber, und lachte, und seine Eltern (?) lachten auch. Und seine Mama (?) sagte, He hasnt lost his sense of humour.

Und ich dachte, dem seinen sense of humour möchte ich auch haben.


And today, sagte ich, you re sitting in Broome, this lovely holiday town, and you re enjoying a coffee and cake. How's that!


Life couldnt be any better!, sagte er und meinte es auch so.


Und dann musste ich wirklich wieder rein zum Muffin aufwärmen und Tassen spülen.


Ein paar Minuten später ging ich wieder an dem Tisch vorbei, und sah, wie der Vater umständlich aus Tassen und Tellern einen Turm gebaut hatte, auf dem er eine Digitalkamera in Position brachte, auf Frau und Sohn zielend.

Selbstauslöser, dachte ich und rollte mit den Augen.


Do you guys want me to take that photo of you?


That'd be.. bloody awesome. Cheers, mate!


Wie ich ihnen das Bild zeige, meint der Sohn (der auf dem Bild zwar nett lacht, aber das eine Auge schaut links, das andere rechts am Objektiv vorbei) :

Oh sorry, I made it ugly. Sorry for making the picture ugly ! Sorry!

.... I'm sorry....


Und wir anderen mussten einfach lachen.

 

 

ich kann so nich arbeiten ...

 

 

Aber abgesehen von solchen coolen Momenten gibt es natürlich auch viele A*******l***gäste, und dann gibt es A****l***Tage wo nichts klappt,

und grade vorher wäre ich auch am liebsten durch die Wand gerannt, Kopf voraus, nur weg hier...

Freitag, nach einer Woche wo einem alles weh tut, besonders die Beine. Vielleicht bin ich selber Schuld weil ich in der früh immer laufen gehe, dann 6-7 Std im Cafe laufe in unbequemsten, zu kleinen 10 Dollar-Schuhen, weil ich all meine guten Schuhe nicht mit dem Mist da drin ruinieren will. Und nach dem Arbeiten gehts dann an den strand eine Runde schwimmen, dann wird zu Woolworths gehetzt und schnell was eingekauft fürs abendessen, das wird dann gekocht und gegen 19 Uhr zu Stevens Arbeit gebracht, dann hat er war zum Essen in seiner Pause.

Vielleicht wird davor ein Nickerchen gemacht, vllt auch nicht, um 12 nachts kommt Steven dann heim, aufgestanden wird um 6 oder 7 je nach Arbeitsbeginn.

Da es tagsüber meist über 30 Grad hat und zum trinken nie Zeit, ist man am Ende des Tages irgendwie total platt.(ner).


Gerade vorher schälte ich mich aus meinem Bett (frühes abendschläfchen), um für Steven die Nudeln zu erhitzen und ihm dann zu bringen. Müde stolper ich in die Küche, wo die Bangladeshis gerade mit 5 Töpfen und 100 schüsseln ihr Curry zubereiten.


Gleich ist mein Tag geschafft, denke ich. Gleich.

Da kommt John, der Neffe von unserem Herrn Pastor, auf mich zu. Seit ein paar Tagen ist er jetzt schon da und sucht nun auch hier Arbeit etc.

Ich glaube er wird nichts finden. Sein Englisch ist mist. Er redet so leise, kaum hörbar, und der Akzent ist wahnsinn und der Satzbau auch :p man braucht schon sehr viel Phantasie um ihn zu verstehen.

Lothar Matthäus: sorry, my english is under all pig.

Bestimmt wird ers aber lernen, denn er spricht auch Philippino, das hat er gelernt als er auf den Philippinen war - ich glaub english ist simpler als Philippino.


Gestern hat er sich für 300 $ ein Fahrrad gekauft, nagelneu, für mich sieht es wirklich gebraucht aus.... um dann daheim festzustellen dass eine Schraube am Lenker nicht fest ist und die Lenkstange rutscht hin und her. Mit den Reifen ist auch was.

Ideale Bedingungen! Man kann mit dem Rad nicht geradeaus fahren. D.h., man kann schon, aber man weiß nie, wann.

Das Rad fährt dort hin wo es grade will.

Und sein Reifen ist ihm heute noch geplatzt.

Wir sollen ihn doch morgen bitte in die Stadt fahren.


Mir wär fast der Kragen geplatzt ey. Grad vor 1 Woche haben wir das Auto von oben bis unten innen geputzt. Wollen es ja bald verkaufen.

Außerdem arbeite ich morgen, am Samstag, ab 10 bei den races. Und ich wollte nicht sooo früh aufstehen. Ideal wäre 10 vor 10.


Ok. Luft holen. Steven arbeitet erst um 12, er hat das Auto, und er muss eh einkaufen für uns.

Gut, sag ich, Steven fährt dich dann irgendwann. Ich geb dir nachher Bescheid.


Wenigstens bedanken kann sich John richtig, im Gegensatz zu seinem Onkel.

Der von Gott Berufene hat sowas nicht nötig (hat mein Papa gesagt!! hihihi find ich geil.)

Nun ja jedenfalls rühre ich dann so in der Nudelsoße für steven, wie ich sie langsam erhitze, und denke, toll. Nur arbeiten, nie seh ich Steven, kein Geld, alles teuer, Auto frisst Sprit ohne Ende, und ich hab keine Lust dass wir unsere wenige Zeit mit Taxidiensten zubringen. Schmeiß deinen Tag doch gleich ganz weg, pack dir 3 Koreaner und Gefolge ins Auto.

Ich bin schonwieder gemein.


In diesem Moment kommt Mo, der eine Bangladeshi, zum Herd und rührt in seinem Curry.

Ob ich jemals Reis esse?, fragt er.

Seit die bei uns wohnen, muss ich zugeben, hat er uns sehr oft nudeln essen gesehen. Bolognese, Käsesoße, Tomatensoße, Tunfischsauce und Zwiebel, also ICH finde das abwechslungsreich.

Ja, sage ich, ich koche fast nie Reis, dazu braucht man immer irgendwas festes, stückiges (find ich) und da bin ich wenig kreativ.

Ja, meint er, andere Länder, andere food habits.

Und dann, eher abfällig: Man muss sich halt Zeit nehmen. Alles braucht seine Zeit. Reis ist gut. Pasta ist scheiße. Da ist nix drin.


Ich sehe mich selbst vor mir, mein Kopf geht in den Nacken, ich verdrehe die Augen, hole mit der Hand weeeeeit aus und KLATSCH, mit der Hand auf die Stirn. Klasse.

Ey mann steck dir den Reis ins Ohr... oder so... stopf ihn dir in den Mund und laber nich...


Hab ich aber nich gemacht. Ich hab ihn mühsam angelächelt. Dachte mir, du mit deinem kleinen Bäuchlein das da runter hängt (wie eine Schürze), komm du mal mit mir laufen in der früh, iss du mal bisschen Obst, oder iss deinen blöden Reis doch pur, dann ist er vielleicht besser als Nudeln. Servier du deinen Reis, in einer Schürze aus Speck (kennen das alle? Helge Schneider).

Der erste Abend in 2 Wochen oder so, dass ich keinen Salat zum Abendessen mache.


Und, wenn er meint dass Weizen (Pasta!) nicht gut für einen ist, dann wechsel deinen Job, du blöder Bäcker. Du dummes Brot.


So viel Energie hatte ich in mir, dass ich all das denken konnte.


Der nächste Angriff kam aber schon (klasse, in einem Haus mit 6 Männern zusammen zu wohnen): Wieso bringst du deinem Freund essen? Hast du sonst nichts zu tun?


(NEIN ! SIEHST DU WIE ICH HIER IMMER RUMSITZE UND NICHTS TUE!)


Joseph sehe ich den ganzen Tag nur vorm Computer oder Fernseher sitzen. Pff. Seine Füße schmerzen. Hack sie ab und verkauf sie auf Ebay und zahl es deiner Kirche, die schicken dir jede Woche Hygieneartikel aus Korea und ein iPhone und noch ein anderes Handy und zwei Fotodrucker hast du auch von ihnen bekommen, du kommst definitiv in die Hölle wenn du so weiter machst. Die einzige Anstrengung besteht darin, nicht in die Hose zu machen wenn es bei DEAL OR NO DEAL im Fernsehen mal spannend wird.


Krass ich bin gemein! und es ist sehr entspannend. Ich mach gleich noch weiter.


Also, warum bin ich so doof und bringe meinem Freund essen?

Dont be stupid, you are not his slave, why do you do that. Women can be silly.


Ok er hat dabei gelacht. Aber stupid und silly nennt man mich nicht. Von mir aus Busenlily oder sowas^^ aber nicht dumm..


Steven bittet mich da nicht drum. Ich freu mich ihn zu sehen, dann quatschen wir kurz wie unser Tag bis jetzt so war. Außerdem würde er sonst kein gescheites Abendessen bekommen bei der Nachtschicht. Und so bring ich ihm eben eine riesen Portion...


Aber es macht mich traurig wenn ich alles so im Kopf durchgehe. Warum sagen sie nicht, hey, ist ja lieb von dir dass du das machst. Bisschen aufbauen.

Egal. Albert Camus schreibt, wenn einer am Boden zerstört ist, total mit den Nerven am Ende, und dann kommt ein anderer daher und macht ihn blöd an, sagt etwas, das den armen Menschen noch kaputter macht, und dieser begeht daraufhin im totalen nervlichen Zusmmenbruch Selbstmord, dann ist praktisch der Typ, der ihn zuletzt angemault hat, Schuld und hat ein Menschenleben auf dem Gewissen.

Nicht dass man ihn dafür vor Gericht bringen sollte. Aber der Gedankengang lässt sich leicht nachvollziehen, wenn man überlegt, dass ohne diese eine letzte Beleidigung der Selbstmord vielleicht gar nicht stattgefunden hätte.


Um Gottes Willen ich hab keine solchen Pläne. Ich bin nur manchmal auch traurig und kaputt, wie etwa gestern, als meine eine Arbeitskollegin (die gerne mal herrisch und fordernd werden kann, wenn es im Cafe stressig zugeht) mich vor allen Leuten angeschrien hat. Der Fehler, den ich gemacht hatte, war eine etwas falsch notierte Bestellung (ich hatte die falsche Art von Brot aufgeschrieben bei einem Sandwich), woraufhin es eine Verwirrung gab und die Kundin reklamierte, Folge, das Sandwich musste nochmal gemacht werden. Das kommt jeden Tag mehrere Male vor, weil man manchmal einfach die vielen Abkürzungen verwechselt oder undeutlich schreibt, etc.


Die Kollegin, die meistens den Kaffee macht, hatte aber vergessen, dass oft auch beim Kaffeemachen was schief geht, also in ihrem Ressort, und nicht nur bei mir. Zum Beispiel in der früh hatte sie eine Bestellung einfach nicht richtig angeschaut, und 4 Eiskaffee zu viel gemacht. Vier !!!! Das Eis schmilzt schnell, die konnten wir also nicht mehr verkaufen. Es ist ja nicht so, dass das kein Geld kosten würde. Aber niemand schnauzt sie an deswegen. Sowas passiert halt.

Zudem kommt öfter mal ein Kaffee falsch raus, zu kalt. zu heiß, kein extra starker wie bestellt, zu viel schaum,. zu viel Zucker.... und dann steckt ja auch die Bedienung (also dann ich oder die Isla oder so) die Beschwerden ein, stellvertretend für die Frau, die den Kaffee gemacht hat. Und man verhandelt mit dem Gast, wie man entschädigen oder helfen kann oder was auch immer, und entschuldigt sich ehrerbietig. Egal ob man persönlich schuld war.

Ich nenne das teamwork...

Alle Leute im Cafe starrten mich an, die Situation sah aus als wäre ich der schlampigste, unkonzentrierteste Mitarbeiter schlechthin. Dabei bin ich meist recht penibel mit allem, denn ich weiß, wenn es eh stressig ist machen Fehler alles nur noch schlimmer.

Auch versuche ich immer freundlich zu allen zu sein, denn niemand ist Schuld daran wenn so viele Gäste kommen, und dann muss man das beste draus machen.

Es brodelte so sehr in mir, weil ich Ungerechtigkeiten verabscheue. Besonders wenn ich ungerecht behandelt werde. Ist ja klar.

Lauren (die mich anbrüllte) hat das schon mehrmals gebracht. Alle rumkommandieren, als wäre sie die einzige die ihre Arbeit ordentlich macht.


Nächstes Mal werde ich ihr sagen, dass ich vor einer 26jährigen Partyqueen, die mit Stress nicht professionell umgehen kann, aber jede Nacht mit Saufen zubringt und dann mit hangover in die Arbeit stolpert, und die zudem einen Damenbart hat!, nicht genügend Respekt habe um mich wie ihr Sklave behandeln zu lassen, und ihren Kaffee kann sie ab jetzt selber rausbringen, dann wird sie merken dass auch sie Fehler macht.

Spätestens dann, wenn ein 65jähriger Rentner im Urlaubsstress (...) sie anmault, er habe den Eiskaffee mit fettarmer Milch und nicht Vollmilch (die ist zu fett) bestellt, aber sehr wohl MIT Schlagsahne (35 % Fett) obendrauf, aber OHNE Kakaopulver obendrauf, denn im Kakaopulver ist Zucker beigemischt.

Und warum man ihm nicht gesagt habe, dass im Eiskaffee Vanilleeis ist. Das sei ja die Höhe. Der ganze Zucker ! Sowas muss man den Leuten doch sagen. Er achte auf seine Ernährung. Er wolle nicht so viel Zucker zu sich nehmen.


Der Rentner wiegt 150 Kilo und hat sich mit Ernährung noch nicht wirklich auseinander gesetzt, denn sonst wüsste er dass Koffein ein Zellgift ist, und die wenigen Antioxidantien die der Kaffee hat, werden durch gesättigte Fettsäuren in der Milch garantiert wett gemacht.



So, Lauren. Herzlich willkommen in der Welt einer Bedienung.




Man soll ja ständig an sich arbeiten, deswegen glaube ich - und Steven sagt, ich nehme mir alles viel zu sehr zu Herzen - dass ich dringend mehr Reis essen sollte, und darauf pfeifen was Lauren sagt. Wenn dir einer auf die linke Wange schlägt, halt ihm auch die rechte hin.

Was bedeutet das? Da die meisten Leute Rechtshänder sind, wird ein Schlag auf die rechte Wange meist mit dem Handrücken ausgeführt, und nicht mit der Handinnenfläche (so wie der 1.Schlag auf die linke Wange). Hat man den ersten Schlag weggesteckt, kommt ein noch härterer, noch schmerzhafter, noch herablassender.

Ich mache weiter das Blondchen, immer lieb (zumindest im Job.), und schaue mal, was passiert. Obwohl ich schon lange nicht mehr richtig zugeschlagen habe, bin ich davon überzeugt, im Notfall einen ansehnlichen Kinnhaken ausführen zu können, der dann vielleicht das Ende meiner Arbeit im shady lane Cafe bedeutet - aber ich kann den Zeitpunkt ja günstig wählen. Und es wäre bestimmt sehr befriedigend. Jahre könnte mein ST´tolz davon zehren...


Nein. Natürlich wird es nicht dazu kommen. Ich bin kein Mensch, der anderen wehtun will. Ich will anderen auch nicht zur Last fallen, sie nicht ausbeuten, und nicht unfair sein oder gemein. (Nachts träume ich zwar von Kinnhaken und der Weltherrschaft, aber meist bleibt es beim lästern.. wie gut, einen blog zu haben).

Das Beileidigen, Zur-Last-Fallen, den Psychoterror und alles andere überlasse ich den Rentnern im Urlaubsstress, meinen Arbeitskollegen, und den Christen. (bitte nicht als Kollektiv verstehen).


Wie der Papi bin ich meistens zu stolz für die wahrhaft kritische Selbstreflexion, denke aber, dass ich die Sache mit dem Reis umsetzen kann.

Vielleicht mache ich zum Reis einfach mal ein Goulasch. Das passt gut zusammen.


Goulasch.. Bleich. Kalt. Rauch.


Pedro.


Seufz. Kein Goulasch, und auch keinen Reis.



16.7.10 16:24
 


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